Siegel | Der Maler mit dem Goldfisch: Kriminalroman | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Siegel Der Maler mit dem Goldfisch: Kriminalroman


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-99074-148-1
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-3-99074-148-1
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der bislang mäßig erfolgreiche Maler Armin Brucker-Auer wird durch Zufall als 'Maler mit dem Goldfisch‘ berühmt und zum Star der Wiener Kunstszene. Er genießt Frauen, Ruhm und Wohlstand, bis ihn die Ermordung seiner Galeristin in den Sumpf des organisierten Kunsthandels zieht. Von der Polizei verdächtigt und von einer internationalen Verbrecherorganisation verfolgt, dreht Armin mit seinen Mitstreitern den Spieß um und wird vom Gejagten zum Jäger. Was als Satire beginnt, wird zum bis zur letzten Seite ein spannenden Krimi.

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Teil 2


»Was fällt Ihnen eigentlich ein, mich um diese Zeit aus dem Bett zu klingeln. Haben Sie keine Uhr?«

»Herr Minister, ich würde niemals, wenn es nicht so wichtig wäre …«

»Na, dann schießen Sie los, aber machen Sie es kurz. Worum geht es?«

»Sie waren doch gestern Abend in der Galerie Voss.«

»Ja, ich war bis vierundzwanzig Uhr auf der Vernissage, neben vielen anderen.«

Kotler, der Anrufer, bemühte sich, den Sachverhalt kurz und knapp zusammenzufassen. Innenminister Gellner schwieg, während er sich die Nachricht seines Referenten anhörte.

»Sofortige Nachrichtensperre. Wer ist bereits informiert? Nur die Polizei? Gut. Sie sagen Unfall? Eindeutig? Schrecklich. Lassen Sie den Sachverhalt aufnehmen. Natürlich muss die Kripo hin, das ist ja unvermeidlich. Aber diskret, verstehen Sie? Halb Wien war gestern in der Galerie Voss. Kein Skandal! Haben Sie mich verstanden? Kein Skandal!«

Der Minister sank zurück in sein Bett. Der Ausgang des Abends lief wie ein Film vor ihm ab. Er musste handeln, und zwar schnell. Er griff nach seinem Mobiltelefon.

»Die Hoffmann? Warum nicht? Sie versteht ja was von Kunst, nicht wahr? Nehmen Sie sie doch gleich mit. Gut, Nemecek, Sie machen das schon. Erwarte Ihren Bericht dann am Nachmittag. Ja, bis dann, Nemecek.«

Der Abteilungsinspektor war heute überraschend gut gelaunt, stellte Ulf Nemecek, Bezirksinspektor und seit wenigen Minuten Leiter der Ermittlungen im Fall Voss, fest. Nemecek hatte Susanne vor ein paar Wochen kennengelernt, eher durch Zufall, da sie nicht für die Mordkommission arbeitete, und insgeheim hatte er ein Auge auf sie geworfen, auch wenn er sich das nicht anmerken ließ, wie er meinte.

Susanne und Nemecek betraten die Ausstellungsräume durch einen Seiteneingang. Eine blasse und sichtlich geschockte junge Mitarbeiterin der Galerie führte sie zum Fuß der Treppe. Die Leiche war zugedeckt, lag aber noch immer an der Stelle, an der sie gefunden worden war. Ulf hob die Decke hoch, um einen Blick auf die Tote zu werfen.

»Kein Zweifel«, gab Ulf geistreich von sich. »Eindeutig Exitus. Wer hat sie gefunden?«

»Ich. Vergangene Nacht. Also heute Morgen irgendwann.«

»Was hatten Sie in der Galerie um diese Zeit zu suchen?«

»Wir hatten gestern Abend diese Vernissage. Das größte Event der Galerie in den letzten Jahren. Ich habe die Veranstaltung organisiert. Die letzten Gäste sind um zwei Uhr morgens gegangen, ich ebenfalls. Ich war noch mit ein paar Leuten etwas trinken. Ich bin dann zurück, weil ich in der Galerie ein paar Stunden schlafen wollte.«

»Allein?«

»Jetzt hören Sie mal gut zu: Um sieben Uhr sollte das Buffet abgebaut werden und der Putzdienst kommen. Wir hatten vor, um elf Uhr wieder aufzumachen. Daniela hatte Termine mit Kunden vereinbart, die sofort kaufen wollten. Und um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich war nicht allein.«

»Mit wem …«, setzte Nemecek an zu fragen, doch Susanne unterbrach ihn.

»Waren noch andere Personen hier in der Galerie, als Daniela Voss von Ihnen gefunden wurde?«

Die junge Frau lächelte Susanne kurz an.

»Ja, mein Bruder. Er ist Student und hilft hier aus, wenn Not am Mann ist. Und seine Freundin.«

»Wo sind die beiden?«, fragte Nemecek wieder.

»Zu Hause. Die Freundin meines Bruders war völlig verstört.«

»Sie alle werden eine Aussage auf dem Landeskriminalamt machen müssen. Am besten am Montag. Denken Sie, Sie kriegen das hin? Auch mit Ihrem Bruder und seiner Freundin?«

Das Mädchen nickte und nahm die Karte an, die Susanne ihr gab. Sie schrieb ihr auch die Handynummern von sich und dem Pärchen auf.

»Was soll ich jetzt tun?«, fragte sie Susanne.

»Bitte bleiben Sie hier, bis Ihre Chefin abgeholt wird und der Tatort versiegelt ist. Danach halten Sie sich zu unserer Verfügung.«

»Wieso Tatort?«, fragte Nemecek. »Hier liegt eindeutig ein Unfall vor. Frau Voss war die Letzte in der Galerie und ist über die Treppe gestürzt. Tragisch, aber nicht zu ändern.«

»Die Spurensicherung muss eingeschaltet werden, und die Gerichtsmedizin. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Frau verunglückt ist.«

»Und wieso, wenn ich bitten darf?«, fragte Nemecek.

Er hatte noch die Weisung des Abteilungsinspektors im Ohr, den Unfall zügig aufzunehmen und jeden Skandal zu vermeiden.

»Die Tote trägt nagelneue Schuhe. Die Sohle ist noch ganz glatt, das Leder kaum sichtbar abgenützt.«

»Eben, deshalb ist sie auf der Treppe ausgerutscht.«

Nemecek wurde langsam ungehalten und kämpfte dagegen an, dies vor seiner Kollegin zu zeigen.

»Wenn man auf einer Treppe ausrutscht, wie du meinst, dann reißt es einem die Beine nach vorne. Sie wäre mit dem Rücken auf die Treppe geschlagen und mit Füßen voran abwärtsgerutscht.«

»Man kann genauso nach vorne fallen.«

»Das stimmt, aber hätte sie sich dann nicht zumindest einen Absatz abgebrochen, wenn sie vorwärts über die Stufen gerutscht wäre? Sieh dir die Schuhe an. Wie eben aus dem Laden geholt. Nicht mal einen verloren. Wir müssen die Untersuchungen abwarten. Ich kann nicht ausschließen, dass sie gestoßen wurde.«

Nemecek schüttelte den Kopf, während er zu seinem Handy griff. Wenn ein Verdacht auf Fremdeinwirkung bestand, musste man diesem nachgehen. Alles andere würde auf die Polizei zurückfallen, und die stand derzeit in der Öffentlichkeit ohnehin nicht gerade gut da. Er richtete sich auf einen langen Vormittag ein.

Die Spurensicherung hatte die Galerie verlassen. Glassplitter waren aufgesammelt worden, und der Rest einer Flüssigkeit, die auf dem Treppenabsatz vergossen war, war zur Analyse ins Labor mitgenommen worden. Die Leiche war schon vor zwei Stunden weggebracht worden.

Die Stelle, an der die Galeristin erstmals aufgeschlagen war, lag etwa bei der Hälfte der Treppe, und nach Ansicht des Arztes war sie so unglücklich mit dem Nacken aufgeschlagen, dass ihr Genick sofort gebrochen war.

»Ist ein Sturz denkbar?«, hatte Susanne den Mediziner gefragt.

»Dann hätte sie schon mit reichlich Anlauf zum Treppenabsatz rennen müssen und sich in der Luft drehen. Sehr unwahrscheinlich. Eher wurde sie hochgehoben und die Treppe hinabgeworfen.«

Der Mann schüttelte den Kopf.

»Der Mörder muss demnach sehr kräftig gewesen sein.«

»Ja, oder es waren mehrere Täter, falls es wirklich Fremdeinwirkung war. Ich werde dies so in meinem Bericht festhalten.«

»Sie glauben also auch an ein Tötungsdelikt?«

»Ich glaube an Fakten und untersuche sie. Alles Weitere ist nicht meine Aufgabe.«

Eva versuchte, sich noch etwas an den Schlaf zu klammern, doch das Wachwerden war nicht aufzuhalten. Es war schon später Vormittag. Sie spürte den Sekt und die Cocktails von gestern. Es war ihr gelungen, auf der Vernissage gesehen zu werden, auch als sie die Galerie verließ. Sie überlegte, was noch alles passiert war, als sich neben ihr etwas regte. Plötzlich fühlte sie die Wärme eines anderen Körpers. Kurz erschrak sie, als ihr das Ende des Abends wieder einfiel. Warum musste diese Voss auch nur ein so unbeschreibliches Miststück sein? Der Film konnte Eva letztendlich ja egal sein. Dennoch hatte es weh getan, als er gezeigt wurde, und Danielas spöttischer Blick war ihr nicht entgangen. Schließlich war es Armin gewesen, der sie getröstet hatte und mit dem sie losgezogen war. Sie hatten in einer Bar ein paar Gläser getrunken, und schließlich hatte sie ihn mit nach Hause genommen. Kurz musste sie lächeln, als sie daran dachte, wie die Nacht geendet hatte. Und jetzt? Sollte sie einfach abhauen und erst zurückkommen, wenn er verschwunden war? Oder aufstehen und Kaffee kochen? Ein Arm legte sich um sie, und sie ließ sich an den Männerkörper heranziehen, spürte, wie zartfühlende Finger sie zu streicheln begannen und schloss die Augen. In dem Augenblick, als sie sich zu ihm umdrehen wollte, klingelte ein Handy.

Sie wünschte, er würde den Anruf nicht annehmen, doch Armin drehte sich von ihr weg, fummelte das Telefon aus seinen Klamotten, und sie hörte ihn seinen Namen sagen.

»Oh mein Gott. Wann? Und wie?« Armin setzte sich im Bett auf. Eva drehte sich um und sah ihn fragend an. Er war kreidebleich und seine Augen waren weit aufgerissen.

»Was ist denn geschehen?«, fragte sie verstört, nachdem er das Telefon hatte sinken lassen.

»Daniela ist tot. Sie ist heute Morgen von Kathrin in der Galerie gefunden worden.«

Verständnislos sah er Eva an.

»Aber wie kann das sein? Ein Unfall?«

Armin zuckte die Schultern. Plötzlich sprang er aus dem Bett und suchte nach seinen Kleidern.

»Du musst nicht …«

»Doch!...



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