Siegert | Nightfall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 351 Seiten

Siegert Nightfall

Gegen das Schicksal
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7309-1163-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Gegen das Schicksal

E-Book, Deutsch, 351 Seiten

ISBN: 978-3-7309-1163-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Während die einen sagen 'unterwerfe dich', sagen die anderen 'entscheide dich'. Als Lilly eines Nachts in einem Park angegriffen wird, verändert sich mit einem Schlag ihr gesamtes Leben. Zwei unbekannte Personen treten in ihr Leben, die alles auf den Kopf stellen, an was sie vorher geglaubt hatte. Noch ehe Lilly begreifen kann, was um sie herum geschieht, schwebt sie selbst in Lebensgefahr und wird in eine alte Prophezeiung hineingezogen. Schnell muss sie schmerzlichst begreifen, dass sie sich entscheiden muss: soll sie sich dem Schicksal unterwerfen oder sich dagegen entscheiden?

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Kapitel 2




Warme Sonnenstrahlen streichelten mein Gesicht und holten mich somit aus meinem traumlosen Schlaf zurück. Langsam öffnete ich meine Augen und kniff diese sofort wieder zusammen, als mich die Sonne blendete. Schützend legte ich meinen Arm über sie und schlug langsam wieder meine Augen auf. Das erste was ich erblickte, war mein Betthimmel.
Ich lag also in meinem Bett, aber irgendwie stimmte hier etwas nicht. Angestrengt versuchte ich zu erraten, was es war. Als ich schließlich mehrere Minuten regungslos auf meinen Betthimmel gestarrt hatte, tauchte ein Bild in meinem Kopf auf. Es war ein Laubbaum. Verwirrt versuchte ich dieses Bild einzuordnen. Wo hatte ich ihn denn schon einmal gesehen?
Die Erkenntnis traf mich wie ein Blitz: der Park. Sofort fuhr ich ruckartig hoch und bereute dies allerdings sofort wieder. Alles um mich herum fing an, sich zu drehen und ein stechender Schmerz pulsierte in meinem Kopf. Mit zitternden Händen massierte ich meine Schläfen und versuchte, wieder normal sehen zu können.
Ich war gestern Abend bei meiner Freundin Emma gewesen und hatte meinen Bus verpasst. Deswegen musste ich durch den Park laufen, oder? Ich biss mir auf meine Lippen und versuchte mich an Einzelheiten zu erinnern. Alles was mir noch einfiel, war die Tatsache, dass es geregnet hatte.
Ich atmete mehrmals tief ein und aus, um mich zu beruhigen, denn ich spürte, wie langsam die Angst in mir hoch kroch. Obwohl ich alles tat, um mich zu erinnern, fielen mir nicht mehr Details ein. Wie genau war ich nach Hause gekommen und warum konnte ich mich an nichts mehr erinnern? Obwohl ich jetzt am liebsten sofort die Antworten haben wollte, wusste ich, dass es nichts brachte, weiterhin vor mich hin zu starren. Wahrscheinlich würde ich mich im Laufe des Tages an mehr Einzelheiten erinnern können. Dies hatte ich schon oft in Filmen gesehen und in Büchern gelesen. Mein Blick wanderte durch den Raum, doch die vertraute Umgebung meines Zimmers war wenig tröstlich für mich. Schließlich schaute ich zu meinem Wecker, der sich neben dem Bett auf dem Nachttisch befand, und bemerkte, dass ich viel zu früh aufgewacht war. Erst in dreißig Minuten würde er zu klingeln anfangen.
Kurzerhand beschloss ich, die überschüssige Zeit in eine heiße Dusche zu investieren. Mit Schwung streckte ich meine Beine aus meinem Bett und stand wohl zu schnell auf, denn plötzlich wurde es mir mit einem mal schwarz vor Augen und ich tastete panisch nach meinem Bettpfosten. Meine Finger krallten sich regelrecht in das Holz und ich versuchte mich zu beruhigen. Schon nach wenigen Herzschlägen konnte ich wieder teilweise klar sehen. Zwar tanzten noch immer schwarze Pünktchen in meinem Sichtfeld, aber immerhin war nicht mehr alles um mich herum schwarz. Erst jetzt wurde ich mir des merkwürdigen Gefühls in meinem Magen bewusst. Es war schwer zu beschreiben, aber es war einfach falsch, dass ich es fühlte. Nun wurde mir klar, dass ich wohl krank werden würde. Mein Kreislauf spielte im Moment nicht mit und wie es aussah, musste ich mich gestern wohl angefangen haben, zu erkälten. Wahrscheinlich hatte ich deswegen eine Lücke in meinem Gedächtnis, welche sich wohl später wieder schließen würde, wenn es mir wieder besser ging. Am liebsten wäre ich heute zu Hause geblieben, aber leider musste ich heute einen wichtigen Mathetest schreiben, den ich einfach nicht verpassen durfte. Ich holte einmal tief Luft und stieß mich vom Bettpfosten ab. Mit wackligen Schritten lief ich in Richtung meines Kleiderschrankes. Ich war froh, dass ich nicht weit laufen musste, denn mein Zimmer war nicht gerade sehr groß. Außer meinem Bett, dem Schreibtisch mit meinem Laptop, dem Kleiderschrank und zwei Bücherregalen, war in meinem Zimmer nicht mehr viel zu finden. Besonders in meinem Alter wäre es normal gewesen, sich zu beschweren, dass man nun ein größeres Zimmer bräuchte, aber ich wollte es einfach behalten, da ich Veränderungen hasste.
Etwas ungeschickt öffnete ich meinen Kleiderschrank und holte mir lockere Jeans, Unterwäsche und eine blaue Bluse heraus. Ich warf die Kleidungsstücke achtlos auf den Boden. Gerade als ich zum Badezimmer laufen wollte, blieb mein Blick bei meinem Schreibtischstuhl hängen. Dort hing mein Kapuzenpulli, den ich gestern an hatte. Wie in Trance lief ich zum Schreibtischstuhl und nahm den Pulli in meine Hände. Der Stoff fühlte sich leicht feucht unter meinen Fingern an und innerlich fluchte ich. Wie es aussah, konnte ich ihn wohl heute nicht mehr anziehen. Ich wollte ihn schon wieder zurücklegen, als mir auf dem Stoff mehrere dunkle Flecken auffielen. Gedankenverloren strichen meine Finger über die feine Wolle und ich fragte mich innerlich, wie diese Flecken da nur hingekommen waren. Die Flecken befanden sich am Halsansatz, aber durch den eh schon dunklen Stoff konnte ich noch nicht einmal die Farbe der Flecken richtig erkennen. Sie waren einfach nur dunkel. Meine Finger blieben auf einem besonders großen Fleck liegen und genau in diesem Moment verkrampfte sich mein Herz in meiner Brust so sehr, dass ich aufkeuchen musste. Meine Finger schlossen sich um den Kapuzenpulli, als sich der Schmerz in meinem Herzen steigerte und immer intensiver wurde. Mit einem Schlag fing mein Körper unaufhörlich an zu zittern und meine Beine gaben nach. Ich sank mit den Knien zu Boden und stützte mich mit meinen Armen am Boden ab. Als schließlich der Schmerz so unerträglich wurde, dass ich fast geschrien hätte, ebbte er auch schon wieder ab.
Statt des Schmerzes breitete sich ein eiskaltes Gefühl in meinem Brustbereich aus. Es wanderte zu meinem Herzen und umschloss dieses wie eine eisige Hand. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich auf den Fußboden und versuchte das zu begreifen, was eben in diesen wenigen Sekunden passiert war. Hatte ich eben eine Herzattacke?
Die eisige Hand verschwand nicht aus meinem Körper, sondern schien noch immer mein Herz zu umklammern und mit seinen Fingern darüber zu streichen, um mich zu verspotten.
In meinem Magen bereitete sich ein ähnliches Gefühl aus und ich biss mir auf die Lippe.

Ich werde nur krank, redete ich mir ein und versuchte langsam, wieder auf die Beine zu kommen. Zu meinem Erstaunen klappte dies sogar recht gut und mir gelang es sogar, in einem festen Stand zu kommen. Mir wurde bewusst, dass ich noch immer den Kapuzenpulli in meinen Händen hielt und ließ diesen mit einem mal fallen, als hätte ich mich an ihm verbrannt. Ich wusste nicht, wie lange ich auf das Stück Stoff am Boden gestarrt hatte, aber das plötzliche Piepsen meines Weckers riss mich aus meinen Gedanken. Nun war es Punkt sieben Uhr und ich musste mich beeilen, um nicht zu spät zur Schule zu kommen.
Ich stieg über den Kapuzenpulli hinweg und schaltete den Wecker aus. Dann sammelte ich mechanisch meine Kleidungsstücke vom Boden ein und lief ins Badezimmer. Obwohl das Badezimmer nur am Ende des Flures war, schien mir der Weg heute schier unendlich zu sein.
Drinnen legte ich meine Kleidungsstücke in das Waschbecken und zog mich aus.
In der Hoffnung, dass mich eine kalte Dusche wieder in Ordnung bringen würde, schlüpfte ich schnell unter den Wasserstrahl und stellte diese an. Sofort regneten hunderte kleiner, kalter Tropfen auf meine Haut. Doch der gewünschte Effekt trat nicht ein, sondern mein Körper kühlte in wenigen Minuten so weit ab, dass ich noch nicht einmal die Kälte spüren konnte, die mein Herz immer noch umfing. Schon nach kurzer Zeit klapperte ich mit den Zähnen und stellte die Dusche wieder auf heißes Wasser um. Man sagt ja, dass der Wechsel zwischen heißem und kaltem Wasser dem Körper gut tun würde. Doch leider merkte ich davon recht wenig. Benommen lehnte ich meinen Kopf gegen die weißen Fliesen an der Wand und ließ das heiße Wasser auf meine Haut hinabprasseln. Meine Augen schlossen sich und ich horchte in meinen Körper. Sonst herrschte immer ein reger Austausch von Gefühlen in meinem Körper, wenn ich morgens in der Dusche stand. Doch heute war nichts da und wenn ich das sage, dann meine ich es auch so. Ich hatte das Gefühl, dass ein schwarzes Loch in meiner Brust erschienen war und alles betäubte. Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich, dass das gesamte Bad in Dampfschwaden getaucht war. So undurchlässig, wie meine Erinnerungen und Gefühle im Moment. Schließlich drehte ich das Wasser ab und kletterte aus der Dusche. Die warmen Dampfschwaden streiften meinen Körper und machten mir das Atmen schwer. Mit meiner Hand wischte ich den Spiegel frei, sodass ich mich erkennen konnte.
Ich war nicht unbedingt das Mädchen, dem die Jungs zu Füßen lagen. Mit meinen sechzehn Jahren war ich nicht reif und attraktiv sondern niedlich, in den Augen anderer. Ich besaß langes rötliches Haar, welches in sanften Locken auf meinem Rücken fiel, wenn es trocken war. Zwei tiefblaue Augen leuchteten aus meinem Gesicht hervor und wurden von den Sommersprossen noch mehr in den Vordergrund geschoben. Im Grunde war ich ziemlich schlank und hatte wenige weiblichen Rundungen. Also wie gesagt, ich war einfach süß und niedlich für mein Alter.
Ich föhnte meine Haare trocken und zog mich an, band meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und verließ das Badezimmer.
Ich wohnte mit meinen Eltern in einem großen Haus im äußeren Viertel der Stadt. Meine Eltern...



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