Silverberg | Science Fiction Hall of Fame 2 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Science Fiction Hall of Fame

Silverberg Science Fiction Hall of Fame 2

Die besten Storys 1948-1963
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-944720-58-6
Verlag: Golkonda Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die besten Storys 1948-1963

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Science Fiction Hall of Fame

ISBN: 978-3-944720-58-6
Verlag: Golkonda Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zum ersten Mal vollständig auf Deutsch: die legendäre Anthologie ?Science Fiction Hall of Fame? mit sechsundzwanzig klassischen Erzählungen aus den Jahren 1934 bis 1963. Die besten SF-Storys aller Zeiten, ausgewählt von den Mitgliedern der Science Fiction Writers of America! Die zweite Hälfte dieser legendären Anthologie umfasst die besten SF-Erzählungen aus den Jahren 1950 bis 1963. Dabei reicht das Spektrum von Highlights der Weltraum-SF (Cordwainer Smith, Ray Bradbury) bis zum Aufbruch des Genres in die Gefilde der modernen Literatur (Daniel Keyes, Roger Zelazny). Jede einzelne dieser Geschichten ist ein Juwel, das bis heute nichts von seinem Glanz verloren hat. Die beiden Bände ?Science Fiction Hall of Fame? sind einerseits die ideale Einstiegslektüre für alle, die einen Zugang zur Science Fiction suchen, ohne sich gleich eine ganze Bibliothek zulegen zu wollen. Für Freunde und Kenner der SF erfüllen sie andererseits einen lang gehegten Wunsch: Endlich liegen die grundlegenden Meisterwerke des Genres in neuen und überarbeiteten Übersetzungen gesammelt vor. Diese Erzählungen haben Geschichte geschrieben; diese beiden Bücher machen Geschichte greifbar. In ihrer spannendsten Form ...

Robert Silverberg (Hrsg.), geboren 1935, ist einer der produktivsten Autoren der Science Fiction. Er ist der Herausgeber der ?Science Fiction Hall of Fame?, in der die besten SF-Storys aller Zeiten, ausgewählt von den Mitgliedern der Science Fiction Writers of America, enthalten sind.
Silverberg Science Fiction Hall of Fame 2 jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


- "Scanner leben vergebens" von Cordwainer Smith ("Scanners Live in Vain", 1950)

- "Mars Is Heaven!" von Ray Bradbury ("Der Himmel auf dem Mars", 1948)

- "Die kleine schwarze Tasche" von C. M. Kornbluth ("The Little Black Bag",1950)

- "Menschenkind" von Richard Matheson ("Born of Man and Woman", 1950)

- "Schöne Aussichten" von Fritz Leiber ("Coming Attraction", 1950)

- "Die Suche nach dem heiligen Aquin" von Anthony Boucher ("The Quest for Saint Aquin",1951)

- "Oberflächenspannung" von James Blish ("Surface Tension", 1952)

- "Die neun Milliarden Namen Gottes" von Arthur C. Clarke ("The Nine Billion Names of God", 1953)

- "Schöner Leben" von Jerome Bixby ("It's a Good Life", 1953)

- "Eiskalte Gleichungen" von Tom Godwin ("Cold Equations", 1954)

- "Geliebtes Fahrenheit" von Alfred Bester ("Fondly Fahrenheit", 1954)

- "Das Land der Sanftmütigen" von Damon Knight ("The Country of the Kind", 1956)

- "Blumen für Algernon" von Daniel Keyes ("Flowers for Algernon",1959)

- "Dem Prediger die Rose" von Roger Zelazny ("A Rose for Ecclesiastes", 1963)


Ray Bradbury

DER HIMMEL AUF DEM MARS

Das Schiff kam aus dem Weltall herab. Es kam von den Sternen und den wirbelnden Dunkelheiten, dem funkelnden Fließen und den stillen Abgründen des Alls. Es war ein neues Schiff: In seinem Leib trug es Feuer und in seinen Metallzellen Männer, und es glitt in makelloser Stille dahin, temperamentvoll und warm. An Bord befanden sich siebzehn Männer, darunter ein Captain. Die Menge an der Startbahn in Ohio hatte gejubelt, Hände waren im Sonnenlicht geschwenkt worden, der Raketenantrieb hatte große Blüten aus Hitze und Farbe getrieben, und das Schiff war davongeschossen, ins All – es war bereits das dritte Schiff, das die Reise zum Mars antrat!

Jetzt verlangsamte es mit metallener Effizienz in den oberen Schichten der Marsatmosphäre. Noch immer war es schön, stark. Es hatte die Mitternachtsmeere des Alls durchschwommen wie ein blasser Leviathan; am uralten Mond war es vorbeigezogen und hatte sich vorwärtskatapultiert in ein Nichts, auf das immer ein nächstes Nichts folgte. Die Männer in seinem Inneren waren durchgerüttelt, zerschlagen, der Reihe nach von Krankheiten heimgesucht und wieder gesund gepflegt worden. Ein Mann war gestorben, aber die übrigen sechzehn pressten nun die Gesichter an das dicke Glas der Fenster in den Ausstiegsluken und beobachteten mit wachen Augen, wie sich der Mars unter ihnen aufwölbte.

»Mars! Mars! Guter alter Mars, da sind wir!«, rief Steuermann Lustig.

»Guter alter Mars!«, sagte Samuel Hinkston, Archäologe.

»Hm«, sagte Captain John Black.

Sanft setzte das Schiff auf einem grünen Rasen auf. Draußen, im Gras, stand ein Reh aus Metall. Weiter hinten erhob sich in der sonnengetränkten Stille ein großes braunes viktorianisches Haus, über und über mit Schnörkeln und Muschelwerk verziert. Die Fenster waren aus Buntglas gemacht, blau, rosa, gelb und grün. Die Veranda zierten haarige Geranien, und von einem Haken hing eine alte Schaukel, die, bewegt von einer Brise, hin- und herschwang, hin und her. Eine Kuppel mit Bleiglasfenstern krönte das Haus – in einem Kegeldach zulaufend! Durch das vordere Fenster konnte man ein uraltes Klavier mit gelb angelaufenen Tasten sehen. Auf dem Notenpult stand ein Stück mit dem Titel »Beautiful Ohio«.

Um das Raketenschiff herum breitete sich eine kleine Stadt aus, grün und reglos im marsianischen Frühling: Hier gab es weiße Häuser und Häuser aus rotem Backstein, hohe Ulmen, die sich im Wind wiegten, Ahornbäume und Rosskastanien; außerdem Kirchtürme mit stillen goldenen Glocken darin.

All das sahen die Männer im Schiff. Einer blickte den anderen an, und dann blickten sie wieder nach draußen. Sie hielten einander an den Ellbogen fest, und es schien, als wären sie mit einem Mal nicht mehr imstande zu atmen. Bleichgesichtig und blinzelnd rannten sie von einem Fenster des Schiffs zum nächsten.

»Ich will verdammt sein«, flüsterte Lustig. Er rieb sich mit tauben Fingern über das Gesicht. Seine Augen waren feucht. »Verdammt will ich sein, verdammt, verdammt.«

»Das kann nicht sein, unmöglich«, sagte Samuel Hinkston.

»Herrgott«, sagte Captain John Black.

Der Chemiker meldete sich zu Wort: »Sir, die Atmosphäre ist atembar, Sir.«

Black wandte sich langsam zu ihm um. »Sind Sie sicher?«

»Es besteht kein Zweifel, Sir.«

»Dann steigen wir aus«, sagte Lustig.

»Himmel, ja«, sagte Samuel Hinkston.

»Warten Sie«, sagte Captain John Black. »Einen Augenblick mal. Wir haben noch keine Befehle erhalten.«

»Aber, Sir …«

»Nichts ›Sir‹. Woher sollen wir wissen, woran wir hier sind?«

»Wir wissen, woran wir sind, Sir«, sagte der Chemiker. »Vor uns liegt eine kleine Stadt mit guter Luft, Sir.«

»Und sie ist einer Erdenstadt verblüffend ähnlich«, sagte Samuel Hinkston, der Archäologe. »Nicht zu fassen. Eigentlich kann es nicht sein, doch offensichtlich ist es so.«

Captain John Black blickte ihn stoisch an. »Halten Sie es für möglich, dass sich die Zivilisationen zweier Planeten in derselben Geschwindigkeit und auf dieselbe Art und Weise entwickeln können, Hinkston?«

»Ich hätte es nie vermutet, Sir.«

Captain Black trat an eines der Fenster heran. »Sehen Sie nach draußen. Da, die Geranien. Gezüchtete Blumen. Diese spezielle Art gibt es auf der Erde erst seit fünfzig Jahren. Denken Sie daran, wie lange es dauert, Pflanzen zu züchten … Jahrtausende. Nun sagen Sie mir: Ist es logisch, dass die Marsianer die folgenden Dinge haben? Erstens Bleiglasfenster, zweitens Kuppeldächer, drittens Verandaschaukeln, viertens ein Instrument, das wie ein Klavier aussieht und wahrscheinlich eines ist, und fünftens – sehen Sie genau hin – einen marsianischen Komponisten, der seltsamerweise eines seiner Stücke »Beautiful Ohio« genannt hat. Was bedeuten würde, dass es einen Ohio River auf dem Mars gibt!«

»Das ist schon eigenartig, Sir.«

»Eigenartig, Blödsinn! Unmöglich ist es, und ich traue dem ganzen verfluchten Spuk nicht. Irgendetwas stimmt hier nicht, und ich setze keinen Fuß vor das Schiff, ehe ich nicht weiß, was es ist.«

»O Sir«, sagte Lustig.

»Zum Kuckuck noch mal«, sagte Samuel Hinkston. »Sir, ich möchte mir die Sache selbst ansehen. Möglicherweise laufen das Denken, die Entwicklung und die Zivilisation auf jedem einzelnen Planeten in unserem System nach ähnlichen Mustern ab. Wir könnten vor der größten psychologischen und metaphysischen Entdeckung unserer Zeit stehen, Sir, glauben Sie nicht auch?«

»Ich bin geneigt, noch etwas abzuwarten«, sagte Captain John Black.

»Möglicherweise handelt es sich hierbei um ein Phänomen, Sir, das zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Existenz eines Gottes zweifelsfrei unter Beweis stellt, Sir.«

»Es gibt viele Menschen, die ohne einen derartigen Gottesbeweis von Glauben erfüllt sind, Mr Hinkston.«

»Ich selbst zähle zu diesen Menschen, Sir. Aber so etwas wie das da draußen«, sagte Hinkston, »kann sicher nicht ohne göttliches Eingreifen vorkommen, Sir. Es erfüllt mich mit solchem Schrecken und Jubel zugleich, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll.«

»Dann unterlassen Sie beides, zumindest bis wir wissen, was uns erwartet.«

»Was uns erwartet, Sir?«, fragte Lustig. »Es ist offensichtlich, dass uns nichts Schlimmes erwartet. Das da draußen ist ein idyllisches, ruhiges, grünes Städtchen, sehr ähnlich dem, in dem ich geboren worden bin. In meinen Augen sieht es vollkommen harmlos aus.«

»Wann wurden Sie geboren, Lustig?«

»1910, Sir.«

»Dann sind Sie jetzt also fünfzig?«

»Da wir 1960 haben, stimmt das, Sir.«

»Und Sie, Hinkston?«

»1920, Sir. In Illinois. Und auf mich macht alles hier einen wunderbaren Eindruck.«

»Es kann sich kaum um den Himmel handeln«, sagte der Captain ironisch. »Obwohl ich zugeben muss, dass es draußen friedlich und kühl zu sein scheint … So wie in Green Bluff, wo ich 1915 geboren wurde.« Er sah den Chemiker an. »Die Luft ist also in Ordnung?«

»Ja, Sir.«

»Nun gut, ich sage Ihnen, wie wir es machen. Lustig, Sie, Hinkston und ich schwingen unsere Hintern nach draußen und schauen uns diese Stadt einmal an. Die anderen Männer bleiben an Bord. Falls etwas Unvorhergesehenes passiert, heben Sie ab und machen sich aus dem Staub, hören Sie mich, Craner?«

»Ja, Sir. Wir machen uns aus dem Staub. Und lassen Sie zurück?«

»Immer noch besser, nur drei Männer zu verlieren, als die ganze Besatzung. Falls uns etwas zustößt, fliegen Sie zurück zur Erde und warnen das nächste Schiff – das ist das von Lingle, glaube ich, und es müsste irgendwann um die Weihnachtszeit fertiggestellt und startbereit sein. Lingle soll wissen, was ihn erwartet. Falls der Mars uns feindlich gesonnen ist, sollte die nächste Expedition auf jeden Fall gut gerüstet herkommen.«

»Wir sind auch gerüstet, Sir. Wir führen das vorschriftsmäßige Arsenal.«

»Dann sorgen Sie dafür, dass die Kanonen bemannt sind, solange Lustig, Hinkston und ich uns draußen aufhalten.«

»Zu Befehl, Sir.«

»Lustig, Hinkston, kommen Sie mit.«

Zusammen gingen die drei Männer durch die Ebenen des Schiffes nach unten.

*

Es war ein schöner Frühlingstag. Auf einem blühenden Apfelbaum saß ein Rotkehlchen, das unaufhörlich sang. Immer wenn der Wind die Zweige wiegte, gingen die Blütenblätter wie Schneeschauer nieder; der Duft der Blüten erfüllte die Luft. Irgendwo in der Stadt spielte jemand Klavier, leise, schläfrig; die Musik wehte heran und war im nächsten Augenblick nicht mehr zu hören, wehte wieder heran … Das Lied war »Beautiful Dreamer«. Irgendwo anders lief zischelnd eine Schallplatte auf einem Grammophon, kratzig und leise sang Harry Lauder »Roamin’ In The Gloamin’«.

Die drei Männer standen vor dem Schiff. Hinter ihnen schloss sich die Luke. An jedem Fenster war ein Gesicht zu sehen, das sich ans Glas drückte. Die großen Metallgeschütze zeigten in verschiedene Richtungen, schussbereit.

Das Grammophon spielte nun eine andere Platte ab:

»Oh, give me a June night

The moonlight and you …«

Mit einem Mal begann Lustig zu zittern, Hinkston ebenfalls.

Samuel Hinkston sprach mit so schwacher, belegter Stimme, dass der Captain ihn bitten musste, zu wiederholen, was er gerade gesagt hatte. »Ich...


Robert Silverberg (Hrsg.), geboren 1935, ist einer der produktivsten Autoren der Science Fiction. Er ist der Herausgeber der ›Science Fiction Hall of Fame‹, in der die besten SF-Storys aller Zeiten, ausgewählt von den Mitgliedern der Science Fiction Writers of America, enthalten sind.



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