Simon | Der Kommissar und der Reichstagsbrand | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 612 Seiten

Simon Der Kommissar und der Reichstagsbrand

Ein Reinecke-Krimi
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86282-671-1
Verlag: Acabus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Reinecke-Krimi

E-Book, Deutsch, 612 Seiten

ISBN: 978-3-86282-671-1
Verlag: Acabus Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Ende einer großen Lüge. Propagandaminister Goebbels sagte einmal: 'Eine Lüge muss nur groß genug sein, damit sie geglaubt wird.' Und dies bewies er, als er den Reichstagsbrand den Kommunisten und Sozialisten in die Schuhe schob. Noch heute wird, trotz zahlreicher Gegenbeweise, daran festgehalten. Kommissar Reinecke - bekannt aus Der Kommissar vom Gendarmenmarkt - kommt den wahren Tätern auf die Spur. Auf der Basis der sorgfältigen Analyse und Dokumentation des Historikers Hans Schneider wird aufgedeckt, dass der Holländer van der Lubbe nur ein Strohmann war. Die Entdeckung, wer wirklich für den Reichstagsbrand verantwortlich war, der zum Ermächtigungsgesetz und den Notverordnungen führte, nach denen bis zum Ende des Dritten Reiches regiert wurde, bringt den Kommissar in Lebensgefahr. Ein Roman, der die wahren Hintergründe des Reichstagsbrandes in einer spannenden Kriminalhandlung bloßlegt. Denn dem Hauptkommissar stemmen sich nicht nur die Nazis entgegen, sondern auch der eigene Polizeiapparat. So deckt er Machenschaften auf, die man noch heute gern 'unter der Decke' hält. Ein Roman ist nur dann gut, wenn der Leser glaubt dabei zu sein.

Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. In spannenden Romanen ging er der Frage nach, warum die deutsche Geschichte immer wieder auf Abwege geriet. Er schrieb viel beachtete biografische Romane über den berühmten Kriegsfotografen Robert Capa, den Revolutionär Ernesto Che Guevara und den Pharao Echnaton. Daneben entstanden weitere historische Romane und Krimis. Simons Devise: Ein Roman ist nur dann gut, wenn der Leser glaubt dabei zu sein.
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„… in die tiefste Provinz versetzen!“ beendete Reinecke den Satz und lächelte Haider an und zog genüsslich an seiner Zigarre.

„Sie treiben mich noch einmal zum Äußersten!“ sagte Haider nun ruhiger. „Ist doch wahr“, fügte er hinzu.

„Berichten kann ich nur, nachdem ich meine Arbeit getan habe. Vorher macht es wenig Sinn.“

„Also, was hat Ihre Fahrt nach Hamburg und München außer Spesen gebracht?“ fragte Haider, sich mühsam beherrschend.

„Die Hotelmorde in Hamburg und München weisen die gleichen Tätermuster auf.“

„Also ein Serienmörder? Sind Sie sich da ganz sicher?“ setzte Haider aufgeregt hinzu.

„Ganz sicher!“ bestätigte Reinecke.

„Auch das noch.“

Reinecke wusste, dass dies Haider so kurz vor der Ernennung zum Polizeipräsidenten nicht gefallen konnte. Serienmorde lösten jedes Mal eine ungeheure Erregung in der Bevölkerung aus. Die Zeitungen würden jeden Tag darüber berichten und Reinecke würde wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses stehen.

„Wir brauchen schnelle Ergebnisse“, keuchte Haider. „Was für Spuren haben wir?“

„Recht vage“, wich Reinecke aus. „Es steht noch nicht fest, wohin sie führen. Wir stehen immer noch am Anfang.“

„Dann sehen Sie mal zu, dass Sie weiterkommen! Was ist mit dem Mord im Fürstenhof?“

„Auf den ersten Blick der gleiche Täter. Allerdings will ich einen Trittbrettfahrer nicht ausschließen.“

„Was sind das für Spuren, die Sie verfolgen?“

„Jedes Mal waren SA–Männer in der Nähe der Ermordeten. Jedenfalls im Kaiserhof und in München und Hamburg.“

„Wollen Sie mir erzählen, dass Sie SA–Männer für Mörder halten? Sind Sie des Wahnsinns?“

Haider sprang auf und baute sich breitbeinig vor Reinecke auf. „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen! Jetzt, wo die Regierung der Nationalen Revolution in Deutschland Ordnung schafft, wo Tausende von SA–Männern zu Hilfspolizisten ernannte wurden, suchen Sie einen Mörder unter den Sturmabteilungen des neuen Deutschland? Ich wusste, dass ich mit Ihnen nur Ärger haben werde. Seit Jahren geht das nun schon so.“

„Dann versetzen wir ihn doch! Ich bin sofort damit einverstanden“, schlug Stechwitz vor.

Haider warf Stechwitz einen unwilligen Blick zu. Soweit wollte er nun doch nicht gehen. Schließlich war Reinecke sein bestes Pferd im Stall und obendrein eine stadtbekannte Persönlichkeit. Seine Erfolge hatte sich Haider immer gern an die eigene Brust geheftet.

„Was mache ich nur mit Ihnen?“

„Wenn Sie mir die Anweisung geben, diese Spur nicht weiterzuverfolgen, dann verfolgen wir sie eben nicht weiter!“ sagte Reinecke und blickte dabei friedlich wie ein Buddha mit vor dem Bauch gefalteten Händen. Die Daumen kreisten gemächlich umeinander. Natürlich dachte er nicht daran diesen Vorschlag zu befolgen. Er wollte nur wissen, wie weit Haider gehen würde.

„Das könnte Ihnen so passen!“ kreischte Haider und fuhr sich durchs Haar. „Aber seien Sie vorsichtig. Seien Sie bloß vorsichtig! Keine Verhaftungen, kein Vorgehen, das nicht mit mir abgesprochen ist.“

„Ich halte den Verdacht für Mumpitz!“ mischte sich Stechwitz ein.

„Haben Sie Namen?“ fragte Haider hastig.

„Ein gewisser SA–Führer Ernst und ein Buchhalter bei Aschinger, der auch SA–Mann ist.“

„Ernst? Um Gotteswillen. Das ist einer der führenden SA–Männer in Berlin. An dem können wir uns die Finger verbrennen. Halten Sie sich an den Buchhalter. Wie wollen Sie vorgehen?“

„Wir überprüfen zurzeit das Umfeld. Klären, ob Ernst und der Buchhalter auch in München oder Hamburg waren. Wir befragen die Nachbarn, ob es irgendwelche Auffälligkeiten gibt. Das Übliche also.“

„Nur keine vorschnellen Schlüsse!“ sagte Haider erregt. „Nachher verdächtigen Sie noch den Reichstagspräsidenten?“ Er lachte unsicher.

„Ein Kommunist ist nicht in Sicht?“ fragte Haider hoffnungsvoll. „Ein Kommunist als Serienmörder würde uns helfen. Die Überführung eines Kommunisten würde uns höchste Belobigungen einbringen. Mann, Reinecke, sehen Sie sich nach einem Kommunisten um!“

„Für die Fabrikation falscher Indizien bin ich nicht der richtige Mann. Ein Kommunist ist nicht in Sicht!“ erwiderte Reinecke gelassen und ließ die Daumen umeinander kreisen.

„Das sagt doch auch keiner!“ rief Haider erregt. „Ich wollte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass man auch in diese Richtung recherchieren sollte. Ich traue den Bolschewiken einfach alles zu.“

„Vielleicht ist dieser Buchhalter ein kommunistisches U–Boot, das sich in die SA eingeschlichen hat“, unterstützte Stechwitz den Vize.

„Ein sehr interessanter Gedanke!“ lobte Haider auch sofort.

„In der Tat, ein … genialer Gedanke. Wir werden auch in diese Richtung recherchieren.“

Reineckes ironischer Unterton ließ Stechwitz rot anlaufen.

„Nach meinen Erfahrungen exponieren sich Serienmörder selten in der Politik. Hier tötet jemand nicht aus politischen Motiven, sondern aus krankhafter Sexualität. Sollte er außerdem bei den Braunen mitmarschieren, hat dies vielleicht damit zu tun, dass er bei denen seine Gewaltfantasien ausleben kann.“

Haider und Stechwitz sahen sich entsetzt an.

„Mann, Mann, Mann!“ heulte Haider. „Sie sind ja untragbar für den Dienst bei der Polizei. Jetzt, wo wir uns alle in die Volksgemeinschaft einreihen, um unser Land wieder hochzubringen, tun Sie so, als würden wir immer noch in dieser weibischen Demokratie vor dem 30. Januar leben.“

„Ich bin nur ein Kriminaler, der einen Serienmörder zu überführen hat. Wäre das alles?“

„Sie werden eng mit Dr. Stechwitz zusammenarbeiten“, stieß Haider erregt hervor.

„Sehr eng!“ echote Stechwitz hämisch.

Reinecke sah die beiden ruhig an und diese wichen seinem zwingenden Blick aus.

„Sie erfahren alles, was Sie wissen müssen“, sagte Reinecke vage und wandte sich dem Ausgang zu.

„Ich mache Sie einen Kopf kürzer, wenn Sie sich nicht daran halten!“ schrie ihm Haider nach.

Reinecke tippte ironisch lächelnd an seinen Hut und ging hinaus. Er hätte jetzt gern der Rothaarigen gesagt, dass die beiden Herren einen Cognac brauchten. Aber Haiders Sekretärin war nicht da.

 7.

Liebrich und Remker kamen aus ihrem Zimmer, als Reinecke sich zu Gelchen an den Schreibtisch setzte.

„Was gab es?“ fragte seine Sekretärin besorgt.

„Die übliche Suada. Am liebsten wäre ihnen, wir würden einen Kommunisten als Serientäter überführen.“

„Kopotke war einmal Mitglied der Kommunistischen Partei, ist aber dort ausgetreten und zu den Nazis übergelaufen. Soviel weiß ich schon.“

„Sehr gut“, lobte Reinecke. „Wie hast du das herausbekommen?“

„Man hat so seine Beziehungen.“

„Pass auf dich auf“, brummte Reinecke. Er wusste, dass Remker Anhänger der USPD war und dass zu seinen Freunden Kommunisten zählten.

„Mach ich doch, Chef.“

„Ich glaube nicht, dass irgendetwas Politisches hinter den Morden steckt“, wiederholte Reinecke seine Vermutung.

„Der Obduktionsbericht ist vorhin eingetroffen“, warf Liebrich ein. „Auch die im Fürstenhof hatte vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr.“

„Auf der Herrentoilette?“ fragte Remker ungläubig.

„Treibst du es nur im Bett?“ grinste Liebrich.

„Zurück zu den Fakten!“ brummte Reinecke. „Wir kümmern uns nicht um das Politische. Wir ermitteln gegen einen Serienmörder. Ganz normales Kriminalhandwerk. Keine Rücksichten. Keine Vorbehalte. Alles wie gehabt.“

„Ach übrigens!“ sagte Gelchen mit einem anzüglichen Blick. „Die Papiere für Ihre Freundin sind hereingekommen.“

„Sie ist nicht meine Freundin!“ entgegnete Reinecke unwirsch. „Nur eine Bekannte, der ich einen Gefallen tun wollte.“

„Muss aber eine gute Bekannte sein, dass Sie sich so ins Zeug gelegt haben.“

Reinecke warf ihr einen ärgerlichen Blick zu. Gelchen zog eine Grimasse und beugte sich über ihre Schreibmaschine.

Als er auf dem Nachhauseweg im Eisernen Kanzler einkehrte, sah der Wirt von seiner Zeitung hoch.

„Donnerwetter, Brigant! Sie sind mal wieder groß in den Zeitungen.“

„So, so!“ brummte Reinecke und setzte sich auf seinen Stammplatz.

Der Wirt kam mit der Zeitung angeschlurft und legte sie ihm auf den Tisch.

„Der Brigant jagt den Hotelmörder“, las der Pommer laut vor. „Der erfolgreichste Kommissar Berlins verfolgt bereits eine heiße Spur.“

In dem Tenor ging es weiter. Reinecke schob die Zeitung beiseite und sah hinaus auf den Gendarmenmarkt, als langweile ihn der Artikel.

„Es geht also gut voran!“ stellte der Pommer fest.

Reinecke hatte nicht die Absicht, diese Feststellung zu korrigieren.

„Sie wissen doch, wie die Zeitungsfritzen alles aufbauschen.“

Doch insgeheim war er mit Jerry Augenthals Bericht sehr zufrieden. Vielleicht würde dies den Serienmörder zu Unüberlegtheiten verleiten. Über Reineckes Zurückhaltung etwas enttäuscht, ging der Pommer wieder zurück an die Theke und zapfte ein Pils und ließ es stehen und griff hinter sich und füllte ein Schnapsglas mit Aquavit, den er ‚Schnaps des Briganten’ nannte, da niemand sonst auf die Idee kam, ein solch exotisches...


Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. In spannenden Romanen ging er der Frage nach, warum die deutsche Geschichte immer wieder auf Abwege geriet.

Er schrieb viel beachtete biografische Romane über den berühmten Kriegsfotografen Robert Capa, den Revolutionär Ernesto Che Guevara und den Pharao Echnaton. Daneben entstanden weitere historische Romane und Krimis.

Simons Devise:
Ein Roman ist nur dann gut, wenn der Leser glaubt dabei zu sein.



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