Simon | So sehr gewünscht - so sehr geliebt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1962, 100 Seiten

Reihe: Mami

Simon So sehr gewünscht - so sehr geliebt

Mami 1962 - Familienroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7409-5136-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mami 1962 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 1962, 100 Seiten

Reihe: Mami

ISBN: 978-3-7409-5136-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Mit kritischem Blick überprüfte Filialleiter Friedrich Bock die Stapel ordentlich zusammengelegter Mohairpullover im Regal seines Bekleidungsgeschäftes. Unsaubere Arbeit fiel ihm sofort ins Auge und wurde umgehend mit einer entsprechenden Rüge bestraft. Doch diesmal schien er zufrieden zu sein und die beiden Verkäuferinnen Daniela Sievers und Nadine Hagen atmeten erleichtert auf. »Der Chef ist heute mal wieder besonders genau«, raunte Nadine der Kollegin zu, die auch gleichzeitig eine gute Freundin war. »Heute kommt doch Herr Waldheim persönlich vorbei.« Danielas Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen. Ihr war schon öfters aufgefallen, daß Olaf Waldheim, der Besitzer der Ladenkette, ihr bewundernde Blicke zuwarf. Der Mann war ungefähr zwanzig Jahre älter als Daniela, sah jedoch umwerfend gut aus und hatte eine athletische, gut durchtrainierte Figur. Insgeheim schwärmte Daniela für Olaf Waldheim, träumte davon, daß er eines Tages vor ihr auf die Knie fallen und ihr seine heimliche Liebe gestehen würde. Immerhin war Daniela mit ihren zwanzig Jahren noch nie in ihrem Leben richtig verliebt gewesen. Nadine stieß ihren Ellenbogen unsanft in Danielas Seite und zischte: »Sag' mal, wo bist du gerade mit deinen Gedanken? Herr Bock hat eben zu uns gesagt, daß wir morgen mit der Inventur beginnen sollen - und du grinst ihn auch noch dankbar an!« »Entschuldige«, murmelte Daniela verlegen und wurde prompt rot. »Ich war tatsächlich mit meinen Gedanken ganz woanders. Hat der Chef wirklich gesagt, wir sollen schon morgen mit der Inventur anfangen?« Nadine nickte heftig. »Und zwar nach Feierabend - und dabei wollte ich morgen endlich mal wieder ins Fitneßcenter gehen...« Eine gutgekleidete Dame hatte die kleine, jedoch exklusive Boutique betreten und blickte sich suchend um.

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Mit kritischem Blick überprüfte Filialleiter Friedrich Bock die Stapel ordentlich zusammengelegter Mohairpullover im Regal seines Bekleidungsgeschäftes. Unsaubere Arbeit fiel ihm sofort ins Auge und wurde umgehend mit einer entsprechenden Rüge bestraft. Doch diesmal schien er zufrieden zu sein und die beiden Verkäuferinnen Daniela Sievers und Nadine Hagen atmeten erleichtert auf.

»Der Chef ist heute mal wieder besonders genau«, raunte Nadine der Kollegin zu, die auch gleichzeitig eine gute Freundin war. »Heute kommt doch Herr Waldheim persönlich vorbei.«

Danielas Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen. Ihr war schon öfters aufgefallen, daß Olaf Waldheim, der Besitzer der Ladenkette, ihr bewundernde Blicke zuwarf. Der Mann war ungefähr zwanzig Jahre älter als Daniela, sah jedoch umwerfend gut aus und hatte eine athletische, gut durchtrainierte Figur.

Insgeheim schwärmte Daniela für Olaf Waldheim, träumte davon, daß er eines Tages vor ihr auf die Knie fallen und ihr seine heimliche Liebe gestehen würde. Immerhin war Daniela mit ihren zwanzig Jahren noch nie in ihrem Leben richtig verliebt gewesen.

Nadine stieß ihren Ellenbogen unsanft in Danielas Seite und zischte: »Sag’ mal, wo bist du gerade mit deinen Gedanken? Herr Bock hat eben zu uns gesagt, daß wir morgen mit der Inventur beginnen sollen – und du grinst ihn auch noch dankbar an!«

»Entschuldige«, murmelte Daniela verlegen und wurde prompt rot. »Ich war tatsächlich mit meinen Gedanken ganz woanders. Hat der Chef wirklich gesagt, wir sollen schon morgen mit der Inventur anfangen?«

Nadine nickte heftig. »Und zwar nach Feierabend – und dabei wollte ich morgen endlich mal wieder ins Fitneßcenter gehen…«

Eine gutgekleidete Dame hatte die kleine, jedoch exklusive Boutique betreten und blickte sich suchend um. Sofort machte der Filialleiter eine unauffällige Kopfbewegung zu seinen beiden Verkäuferinnen.

»Ich werde die Kundin bedienen«, sagte Nadine. »Und du kannst dich derweil schon mal im Lager umsehen und unsere Bestände sortieren. Dann geht es morgen schneller mit dem Zählen.«

»In Ordnung – und viel Spaß mit der Kundin. Sie sieht aus, als wäre sie sehr wählerisch.« Daniela zwinkerte der Freundin zu und verschwand durch den roten Samtvorhang in den hinteren Teil des Geschäftes.

Während sie Kartons und Kisten mit Ware öffnete, blickte sie immer wieder zur Uhr. Sie wollte unbedingt fertig sein, wenn Olaf Waldheim der Filiale einen Besuch abstattete, um wenigstens einen Blick auf ihn werfen zu können.

Eine halbe Stunde später hatte Daniela den Bestand sortiert, so daß es am nächsten Tag zügig mit dem Zählen vorangehen konnte. Dank Herrn Bocks akribischer Genauigkeit gab es auch im Lagerraum der Boutique keine Unordnung.

Als Daniela zurück in den Verkaufsraum trat, war Nadine noch immer mit der Kundin beschäftigt. Auf einem der Verkaufstische hatte Nadine bereits einen Stapel Seidenblusen in den verschiedensten Farben ausgebreitet; doch die elegante Dame schien noch immer nicht das gefunden zu haben, wonach sie suchte.

»Frau Sievers, übernehmen Sie doch bitte«, sagte der Filialleiter leise. »Frau Hagen scheint Probleme mit der Kundin zu haben.«

Daniela konnte nur mühselig ihre Wut ausdrücken. Nadine traf keine Schuld, wenn einige Frauen so wählerisch waren und nicht das Richtige fanden.

Dankbar lächelte Nadine der Freundin zu. »Die Dame sucht eine Bluse, die eine schlanke Figur macht und zu ihrem Kaffeeservice paßt.«

Erstaunt blickte Daniela zu der etwas molligen Frau. »Ja, wie sieht denn Ihr Service aus?«

Diskret machte sich Nadine aus dem Staub, froh darüber, sich nicht mehr mit der unzufriedenen Kundin herumärgern zu müssen.

»Es ist weiß mit blauen Fresien«, erwiderte die Frau von oben herab. »Doch wie ich sehe, gibt es in diesem Geschäft nicht das Passende für mich…«

Erschrocken blickte sich Daniela um. Friedrich Block haßte nichts mehr als Kunden, die die Boutique verließen, ohne etwas gekauft zu haben – und ließ seinen Ärger darüber oft genug an den beiden Verkäuferinnen aus.

»Wie wäre es mit diesem Stück?« Daniela nahm vorsichtig eine weitere Bluse vom Bügel. »Es handelt sich um ein außergewöhnliches Einzelstück.«

Die Kundin blickte skeptisch. »Aber die ist doch viel zu bunt, Fräulein!«

»Überhaupt nicht. Sehen Sie dieses Blau? Es ist genau die Farbe von Fresien – und wenn Sie die Bluse zur Kaffeetafel tragen wollen und einen bunten Frühlingsstrauß auf den Tisch stellen, werden Sie feststellen, daß all diese Blumen auch in der Bluse vorhanden sind.«

Das schien die Frau zu überzeugen, und zog sich mit dem Kleidungsstück in eine der Umkleidekabinen zurück.

»Eine Bluse passend zum Kaffeegeschirr«, flüsterte Nadine leise. »Auf solche Ideen können aber auch nur Leute mit viel Geld kommen.«

Daniela hob die Schultern. »Hauptsache, wir werden den Ladenhüter vom letzten Jahr los.«

Die beiden jungen Frauen warfen sich einen verschwörerischen Blick zu, als die Kundin mit hochzufriedenem Blick aus der Kabine kam. »Ich danke Ihnen für die Beratung. Sie haben vollkommen recht, mit diesem Stück werde ich bei meinen Freundinnen Eindruck machen.«

Erleichtert nahm Daniela die Bluse und trug sie zur Kasse, wo Friedrich Bock schon wartete. Die Kundin zahlte den Preis von zweihundert Mark ohne mit der Wimper zu zucken und dankte mit einem Nicken zu Daniela für die fachmännische Beratung.

Herr Bock geizte zwar nie mit Kritik, jedoch häufig mit Lob. Doch diesmal sagte er: »Beeindruckend, wie Sie die letzte Bluse aus der alten Kollektion losgeworden sind.«

Bevor Daniela antworten konnte, ging erneut die Ladenglocke, und Olaf Waldheim betrat sein Geschäft. Sofort stürzte Friedrich Bock auf ihn zu und verbeugte sich leicht vor seinem Arbeitgeber.

»Guten Tag, Herr Waldheim. Möchten Sie gleich die Bücher sehen?«

Olaf Waldheim blickte sich suchend um und entdeckte Daniela, die schnell zu Nadine hinübergeeilt war, um ihr beim Aufräumen der Seidenblusen zu helfen. Dabei tat sie, als würde sie die Blicke des Mannes gar nicht bemerken.

»Nicht so hastig, Herr Bock«, erwiderte Waldheim lachend. »Erst einmal möchte ich einen Blick auf die Herbst-Winter-Kollektion werfen.«

»Selbstverständlich.« Der Filialleiter nickte diensteifrig. »Ich habe mich beim Einkauf auf die Bedürfnisse unserer Stammkundinnen konzentriert.«

Der andere nickte zufrieden. »Vielleicht könnte eine der Damen mir die Kollektion zeigen?«

Sein Blick streifte Daniela erneut, die jedoch tat, als würde sie das Gespräch der Männer nicht interessieren. Aber im Inneren bebte sie vor Anspannung, und als Friedrich Bock nach ihr rief, hob sie in gespieltem Erstaunen den Kopf.

Ihre Hände zitterten leicht, als sie das eine oder andere Kleidungsstück auseinander faltete, vor Olaf Waldheim ausbreitete und eine passende Erklärung dazu hatte.

»Wie lange arbeiten Sie eigentlich schon in meinem Geschäft?« unterbrach Waldheim sie schließlich. »Sie machen Ihre Sache sehr gut.«

Daniela strich das halblange, dunkle Haar mit einer verlegenen Geste nach hinten. »Seit einem halben Jahr, vorher war ich in einem Kaufhaus beschäftigt. Meine Freundin Nadine – ich meine Frau Hagen – vermittelte mir die Arbeit in dieser Boutique.«

»Aha. Und sind Sie zufrieden?«

»O ja, sehr sogar«, gab Daniela schnell zurück. Es war das erste Mal, daß Olaf Waldheim mit ihr direkt sprach. »Es ist hier viel ruhiger und gepflegter als im Kaufhaus, und auch der Kundenkreis ist sehr viel niveauvoller.«

Waldheim nickte lächelnd. »Schön zu hören. Ich danke Ihnen vielmals, daß Sie mich in unsere neue Kollektion eingeführt haben.« Er blickte auf seine goldene Armbanduhr. »Jetzt muß ich mich aber beeilen, mein Flugzeug geht in einer guten Stunde.«

Er hatte nicht nur das Stammgeschäft von Waldheim-Moden exklusiv in Berlin, sondern lebte auch dort. Hin und wieder stattete er seinen Geschäften, die im ganzen Land verstreut waren, sporadische Besuche ab, um sich persönlich vom Zustand der einzelnen Filialen zu überzeugen. Dies alles wußte Daniela von Herrn Bock.

Sehnsüchtig blickte sie Olaf Waldheim nach, als er mit elastischen Schritten das Geschäft verließ.

*

Erst spät am Samstagabend war die leidige Inventur abgeschlossen, und Daniela freute sich auf ein warmes Bad. Ihre Überraschung war groß, als sie im Briefkasten ein schmales Kuvert vorfand, dessen Absender niemand anderes als Olaf Waldheim war!

Mit klopfendem Herzen öffnete Daniela den Umschlag. Für einen Augenblick befürchtete sie ihre Kündigung, doch dann sah sie, daß ihr Chef etwas ganz anderes im Sinn hatte: Auf reinweißem Büttenpapier lud er sie für seinen nächsten Aufenthalt in Niederbach zum Essen ein!

Immer wieder las Daniela in ungläubigem Staunen die wenigen Zeilen. Einen Moment spielte sie mit dem Gedanken, Nadine anzurufen, doch dann fand sie, daß es noch früh genug war, die Freundin am Montag im Geschäft einzuweihen.

Was mochte Olaf Waldheim denn nur von ihr wollen? Daran zu denken, daß er möglicherweise tatsächlich ein persönliches Interesse an ihr hatte, fand sie zu absurd.

Daniela war viel zu aufgeregt, um den freien Sonntag zu genießen. Rastlos eilte sie in ihrer kleinen Wohnung auf und ab, nahm eine Hausarbeit auf, um sie im nächsten Augenblick wieder niederzulegen und weiter hektisch von einem Raum zum anderen zu gehen.

Sie konnte an nichts anderes denken als an Olaf Waldheims Einladung. Stunden verbrachte Daniela an diesem Tag mit kritischem Blick vor dem...



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