Sims | Erinnerungen einer Schwiegermutter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Sims Erinnerungen einer Schwiegermutter


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3626-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3626-5
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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Jane Tressider erzählt voller Humor aus ihrem bewegten Leben. Die Serie 'Meisterwerke der Literatur' beinhaltet die Klassiker der deutschen und weltweiten Literatur in einer Sammlung. Lesen Sie die besten Werke großer Schriftsteller,Poeten, Autoren und Philosophen auf Ihrem

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Fünfte Erinnerung.



Fünf Meilen von Dingsda.

Als ich meine Einwilligung gab, daß Augustus das Gut kaufe (fünf Meilen von Dingsda), das wir mit ihm als meiner lieben Sabine künftiges Heim besichtigt hatten, habe ich mich entschieden beschwatzen lassen. Aber der arme Augustus hatte so viele Schwierigkeiten, etwas Passendes zu finden. Sein Agent hatte ihn im ganzen Lande umhergejagt, und er hatte schreckliche Güter gesehen, so daß er mir wirklich leid that und mein Mitleid die Stimme meiner besseren Ueberzeugung zum Schweigen brachte.

Natürlich war er sehr hoffnungsvoll und geneigt, die Dinge im besten Lichte zu sehen. Er war eben verliebt, und ist ein junger Mann das, dann wird ihm eine steinige Wüste zum Garten Eden, wenn sie seine besondere Eva mit ihm teilen soll; allein ich fürchte, nach der Hochzeit werden viel mehr Gärten Eden zu steinigen Wüsten, als steinige Wüsten zu Gärten Eden. Es ist aber ganz natürlich, daß junge Leute alles durch eine rosige Brille sehen. Ich bewundere stets den jungen Helden im Schauspiel, der jede Schwierigkeit hinweglacht und zum Mädchen seines Herzens (und zur Galerie) spricht: "Gräme dich nicht darüber, mein Lieb, daß dein Vater seine Reichtümer verloren hat; wir besitzen Jugend und Gesundheit, und Hand in Hand können wir der Zukunft ruhig ins Gesicht sehen."

Darin spricht sich eine edle Gesinnung aus, und sie wird auch immer mit donnerndem Beifall belohnt, aber ich habe bemerkt, daß es dem Helden und der Heldin in der Regel herzlich schlecht ergeht, bis sie den fünften Akt glücklich erreicht haben.

Es ist schließlich ganz gut, wenn wir unsre kleinen Mühsale und Schwierigkeiten gleich im Anfang haben, denn in Zeiten der Heimsuchung, Sorge und Angst werden die großen Lehren des Lebens gelernt. Ich konnte mich der Besorgnis nicht entschlagen, daß Augustus und Sabine sehr viel wagten, als sie dieses einsame Gut nahmen. Mir wäre es viel lieber gewesen, sie etwas näher bei uns zu haben, wo ich sie hätte öfter sehen können; aber als Augustus erklärte, Güter finde man nicht jeden Tag im Fünfmeilenumkreis, gab ich, wenn auch ungern, sehr ungern, nach, und der Kauf wurde abgeschlossen.

Das Haus war reizend, und daß die Lage gut war, ließ sich nicht bestreiten, aber die Straßen waren einfach entsetzlich. Nie im Leben bin ich so zusammengerüttelt und -gestoßen worden, als in dem Wagen, der uns vom Bahnhof hinbrachte. Die letzte Meile führte über einen Weg, der wie ein frisch gepflügter Acker aussah, und auf der letzten Strecke mußte der Kutscher, immer absteigen und Thore in Feldzäunen öffnen. Der Agent, der uns am Bahnhofe erwartet hatte, fuhr mit uns und suchte alles zu beschönigen. Das Wetter wäre schlecht gewesen, und es würde eine neue Straße gebaut, und alles Mögliche, aber ich hatte mehrere Tage furchtbares Kopfweh.

Wenn ich einmal wieder etwas mit dem Ankauf eines Gutes für eins meiner Kinder zu thun habe, werde ich Sorge tragen, daß der Agent uns nicht erwartet. Er war es, der augenscheinlich dem Kutscher ehe wir kamen, gesagt hatte, wohin er uns fahren sollte, und diese Tücke seinerseits verhinderte uns, den Namen des Gutes zu hören, ehe es zu spät war. Als ich ihn kennen lernte, war ich im höchsten Grade entrüstet, denn das Gut war in der Gegend unter dem gräßlichen Namen "Galgenhof" bekannt.

Wie es scheint, hatte früher einmal auf einem benachbarten Berge ein Galgen gestanden, und daher hatte das Gut den Namen erhalten.

"Augustus," sagte ich zu meinem künftigen Schwiegersohn, als die Wahrheit an den Tag kam, "ich werde niemals meine Einwilligung geben, daß eins meiner Kinder eine solche Adresse habe. Du mußt den Namen ändern, ich kann doch nicht ›Galge‹ auf einen an meine Tochter gerichteten Brief schreiben!" Er versprach mir, daß er den Namen ändern lassen wolle, und ich weiß auch, daß er's versucht hat, aber vergebens. Der Name hing fest, jedermann nannte das Gut so, und Galgenhof heißt's bis auf den heutigen Tag, aber meine Kinder haben es, Gott sei Dank, schon lange wieder verlassen.

Ich mochte thun, was ich wollte, ich konnte mir den Namen von Sabines künftigem Heim nicht aus dem Kopfe schlagen, und er lag während der Vorbereitungen zur Hochzeit wie ein Alb auf mir. Das liebe Mädchen fand sich wundervoll hinein und bat mich, ich möchte mich nicht darüber grämen, da es nach ihrer Verheiratung nicht mehr mit dem schrecklichen Namen benannt werden solle. Ich schlug vor, sie sollten es "Rosen"- oder "Lilienhof" nennen, und Augustus sagte, er wolle versuchen, es unter einem dieser Namen im Grafschaftsadreßbuch und bei der Post eintragen zu lassen. John, mein ältester Sohn, meinte: "Warum nennt ihr es nicht ›Walkinshaw Hall‹ oder ›Schloß Tressider‹?" Aber das war abgeschmackt, und würde, wie Sabine sehr richtig bemerkte, wie Anmaßung aussehen, zumal nichts in der Welt das Haus zu einer Halle oder einem Schlosse machen konnte.

Augustus hat, wie ich weiß, einen weitläufigen Briefwechsel über die Sache mit den Grafschaftsbehörden geführt, aber das Ergebnis war keineswegs ermutigend, denn er fand, daß die vollständige und einzig gesetzliche Benennung "Galgenhof, Groß-Puddlebury, Warwickshire" war. Dabei hörte er zum erstenmal vom Kirchspiel Groß-Puddlebury, und das war ein neuer Schlag. Der hinterlistige Agent hatte nie auch nur im Entferntesten angedeutet, daß es einen Ort wie Puddlebury in der Nähe gebe, sondern hatte das Gut in allen seinen Briefen als "bei Dingsda" liegend bezeichnet, und das ist eine bedeutende, um nicht zu sagen, vornehme Stadt, und sie war fünf Meilen entfernt, wie wir zu unserm Leidwesen entdeckten, als wir die Bahnstation erreicht hatten.

Augustus machte ich keine Vorwürfe, denn er war jung, unerfahren und verliebt, und das macht einen Mann gegen vieles blind, was er sehen würde, wenn er die Augen offen hätte. Aber meinen Mann tadelte ich. Wenn er seine Pflicht als Vater gethan hätte, dann wäre er selbst hingegangen und hätte sich das Gut angesehen und Erkundigungen eingezogen, aber natürlich wurde wieder alles mir überlassen, und daß ich etwas von Gütern verstehen soll, kann ein vernünftiger Mensch doch kaum erwarten.

"John Tressider," sprach ich, als wir am Abend, wo wir die Entdeckung gemacht hatten, allein waren, "ich hoffe, du wirst dir das zur Warnung dienen lassen. Deine erste verheiratete Tochter geht aus den Armen ihrer Mutter an einen Galgen und wird die ersten Jahre ihrer jungen Ehe in Groß-Puddlebury verleben."

Alles, was er that, war, daß er eine einfältige Bemerkung über Shakespeare machte und etwas brummte, das so klang, wie: "Was ist ein Name?" Aber ich bin nicht die Frau, die sich mit Shakespeare zum Schweigen bringen läßt, und deshalb sagte ich: "Nicht Shakespeares Tochter soll auf dem Galgenhof leben, sondern meine, und was das nun anlangt, daß nichts an einem Namen läge, so glaube ich nicht, daß selbst du einverstanden gewesen wärest, wenn ich vorgeschlagen hätte, unsern ältesten Sohn ›Ischariot‹ und unsre älteste Tochter ›Jezebel‹ zu taufen. Es gibt gewisse Namen, womit gewisse häßliche Vorstellungen untrennbar verbunden sind, das kannst du nicht in Abrede stellen."

Er konnte es nicht, und deshalb versuchte er es auch gar nicht, sondern erklärte, er sei ins Bett gegangen, um zu schlafen, nicht um sich zu streiten, und fünf Minuten nachher schnarchte er, daß sich die Balken bogen, obgleich er, wenn ich ihn wecke, immer behauptet, es wäre nicht wahr, das Geräusch käme von dem Eisenbahnzuge her, der hinter unserm Garten hinfährt. Für unfehlbar halte ich mich nicht, aber ich kann Schnarchen von einem Eisenbahnzuge unterscheiden, allein was nützt es, einen Mann überzeugen zu wollen, der wie ein Sack schläft und, wenn man ihn mit dem Ellbogen in die Rippen stößt, bloß grunzt, sich auf die andre Seite dreht und dabei die halbe Decke mitnimmt.

So leid es mir that, mich von meinem Kinde trennen zu müssen, war es mir doch eine Erleichterung, als der Hochzeitstag kam, denn ich war beinahe um den Verstand geärgert worden, besonders von den Schneiderinnen und den Dienstboten, und die Entdeckung über John war auch nicht danach angethan, die Sache zu verbessern. Der größte Aerger war mir aber für den Morgen des Hochzeitstages selbst vorbehalten. Ich erfuhr nämlich, daß mein Mann, dem das Bestellen der Wagen überlassen worden war – das war alles, was ich von ihm verlangt hatte – es vollständig vergessen hatte. Ich hätte wirklich vor Aerger weinen können.

"Dir ist es natürlich einerlei," sagte ich, "wenn wir in Droschken nach der Kirche fahren müssen. Sabine kann unsern Wagen nehmen, das arme Kind, aber was wird aus uns andern?"

"Beruhige dich nur," entgegnete er, "es ist noch Zeit genug; ich werde Jones, unsern Kutscher, sogleich fortschicken, daß er die Wagen bestellt."

Es war acht Uhr morgens am Hochzeitsmorgen und ich hatte eine Ahnung, daß es Unannehmlichkeiten geben werde, und richtig – es gab welche.

Jones, statt zu einem ordentlichen Fuhrhalter zu gehen, gab den Auftrag einem kleinen Manne, der sein Geschäft eben angefangen hatte (natürlich ein Freund von ihm), und die Folge war, daß ich beinahe in Ohnmacht gefallen wäre, als ich den Wagen sah, aber da ich am Hochzeitstage meiner Tochter keine peinlichen Auftritte haben wollte, mußte ich meine Gefühle in...



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