Siskind | Stealing Your Heart | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

Siskind Stealing Your Heart

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99818-5
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 416 Seiten

ISBN: 978-3-492-99818-5
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist hinter seinem Gemälde her. Er ist hinter ihr her ... Clementine stiehlt von den Reichen und gibt den Armen. Ihr neuester Plan: Sie will dem verwöhnten Erben Jack einen unbezahlbaren van Gogh entwenden. Und so schleicht Clementine sich in Jacks Leben ein, um an ihre Beute zu kommen. Jack weiß nicht einmal, dass seine Familie einen echten Van Gogh besitzt, geschweige denn, dass die schöne Clementine, die plötzlich in sein Leben gestolpert ist, genau diesen im Visier hat. Und Clementine weiß nicht, warum sie sich ausgerechnet in den charmanten Jack verlieben muss, wenn doch genau das über kurz oder lang zu jeder Menge Problemen führen wird. Aber als sie die Notbremse ziehen will, ist es bereits viel zu spät - denn Jack hat Clementines Herz längst gestohlen ... Eine weibliche Robin Hood-Heldin wird in dieser romantischen Komödie zum Dahinschmelzen von der Liebe abgelenkt.

Kelly Siskind, die im Herzen immer ein Mädchen aus der Kleinstadt war, zog von der Stadt aufs Land, um mit ihrem Mann im Norden Ontarios einen Käseladen zu eröffnen. Wenn sie nicht gerade Käse verkauft oder wandert, hält sie eine der vielen Ideen, die in ihrem Kopf herumschwirren, auf einem Notizblock fest. Kelly Siskind lacht gerne über ihre eigenen Witze und löst alle Sorgen mit Essen - denn Gummibärchen heilen alles. Sie ist außerdem eine unverbesserliche Romantikerin, die bis in die frühen Morgenstunden Liebesromane verschlingt.
Siskind Stealing Your Heart jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 2


Natürlich hatte sich dieser dämliche Mädelsabend gerächt. Clementine hätte es besser wissen müssen, als zu versuchen, nicht-reptile Freunde zu finden. Geselligkeit lag nicht in ihrer DNA, besonders wenn die Unterhaltung auf Pflegefamilien zu sprechen kam. Wenn sie gewusst hätte, dass eine von Jennys Freundinnen eine Pflegemutter war, dann wäre sie nie hingegangen. Der Frau zuzuhören, wie sie diese staatliche Einrichtung in den höchsten Tönen lobte, war die reinste Qual gewesen. Alle anderen hatten bei ihren überschwänglichen Ausführungen gelächelt und genickt. Nicht so Clementine, die allzu umfassende Kenntnisse darüber hatte, wie falsch Pflegeunterbringung laufen konnte. Nein. Sie war bei der Ahnungslosigkeit der Frau aus der Haut gefahren, hatte Dinge über sich enthüllt, die sie niemals preisgab, und war wütend aus der Wohnung gestürmt.

Vier Wochen später könnte sie sich immer noch dafür ohrfeigen, dass sie hingegangen war.

Überdrüssig, diesen schrecklichen Abend im Geiste immer wieder durchzuspielen, konzentrierte sie sich auf ihren aktuellen Job und las noch einmal Luciens Nachricht.

Lucien: Finde Elvis Presley.

Die Anweisung klang einfach genug. Leider war nicht 1957, und sie war unterwegs zu einer Stadt, die von der verstorbenen Berühmtheit völlig überlaufen war.

Clementine: Du bist echt ein Komiker.

Sie steckte das Handy ein und tankte ihren Mietwagen auf, während sie ihre beigefarbene Umgebung musterte. Ein einsamer Baum unterstrich die flache Landschaft, vertrocknetes Gras bewegte sich leicht im schwachen Wind. In der Nähe saß ein alter Mann in einem Schaukelstuhl, eine Pfeife in der Hand, und hielt vor einem heruntergekommenen kleinen Lebensmittelladen Wache. Und war das tatsächlich ein rollender Busch, der da die staubige Straße entlanggeweht wurde?

Jepp. Ein waschechter rollender Busch.

Sie steckte den Zapfhahn zurück und schrieb eine weitere Nachricht an Lucien, in der Hoffnung, dass er ihren stählernen Blick spüren konnte.

Clementine: Du hast mich in
die Wüste geschickt.

Lucien: Das ist keine Wüste, Mandarine.
Das ist das ländliche Nebraska.
Atme die frische Luft.
Freunde dich mit den Einheimischen an.
Und hol uns dieses Gemälde.

Clementine schmunzelte. Mandarine. Grapefruit. Kumquat. Orange. Sie konnte sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal ihren richtigen Namen benutzt hatte.

Clementine: Die frische Luft, von der du
sprichst, ist erstickend.
Der Schweiß tropft praktisch vom Himmel.

Lucien: Du kannst die Winter in
New York nicht ausstehen.
Also lass das Gemecker, genieß es,
und hör auf zu trödeln.

Bei seiner letzten Bemerkung musste sie schlucken.

Clementine: Ich werde das Gemälde
im Handumdrehen besorgen.

Lucien: Aber ohne Hast.
Hast führt zu Fehlern.

Clementine: Ich werde dich nicht enttäuschen.

Nur dass sie das bereits getan hatte.

Ohne diesen furchtbaren Mädelsabend wäre Clementine wie geplant von New York hierher geflogen. Ein kurzer Flug, um ihre Rolle vorzubereiten und letzte Details zu analysieren. Stattdessen hatte sie sich in den vergangenen Wochen abgelenkt und deprimiert in ihrer Wohnung verkrochen, um Jenny aus dem Weg zu gehen. Als ihr allmählich die Decke auf den Kopf gefallen war, hatte sie sich entschieden, mit dem Auto nach Nebraska zu fahren, um schneller von zu Hause flüchten zu können. Die Fahrtzeit betrug nur zwanzig Stunden. Aber jetzt war sie schon seit drei Tagen unterwegs. Drei verdammte Tage, was ihre Ankunft verzögerte und ihr Unbehagen wachsen ließ, je näher sie ihrem Ziel kam.

Verärgert über sich selbst, schob sie die Gedanken an jenen Abend und seine Nachwirkungen beiseite und wischte sich ein Rinnsal Schweiß vom Hals. Sie brauchte einen kühlen Drink, etwas Spritziges und Frisches, das sie wach machte. Der winzige Lebensmittelladen mit seiner verwitterten Fassade und der Werbung für Angelköder sah nicht sonderlich vertrauenerweckend aus, aber er würde genügen. Trotzdem bewegte sie sich nicht.

Ihre Aufmerksamkeit wurde von einem einsamen Baum angezogen. Hoch aufgerichtet und stoisch stand er da. Stark. Widerstandsfähig. Allein. Ein namenloser Schmerz breitete sich in ihrer Brust aus, und sie rieb sich das Brustbein.

»Auf der Durchreise?«

Sie wirbelte auf dem Absatz herum. Der Pfeife rauchende Mann musterte sie eindringlich, seine Haut war ebenso verwittert wie die versengte Erde. Das hölzerne Schild über ihm hing schief. Dank des krummen Winkels zeigte der darauf gemalte Pfeil zu Boden. Darauf stand: This way to Whichway. Sie kicherte.

»So hat die Stadt ihren Namen bekommen«, sagte er mit einer Stimme wie knirschender Schnee.

»Wie bitte?«

»Whichway.«

»Which-was?«

»Die Stadt da die Straße runter.« Sein Schaukelstuhl malmte über Kieselsteine. »Da gibt es nicht viel zu sehen. Farmen. Prärie. Diese große alte Fabrik. Keinen Grund, anzuhalten und sie zu besichtigen, aber sie liegt auf dem Weg zu größeren Countys. Die Leute, die hier durchkommen, fragen oft nach dem Weg: ›Wo geht’s nach hier?‹ ›Wo geht’s nach da?‹ ›Which way?‹ ›Which way?‹« Er zuckte mit den Schultern. »Und so kam die Stadt Whichway auf die Landkarte.«

Richtig. Whichway. Die Elvis-verseuchte Stadt, in der sie ein paar Wochen lang wohnen würde. Clementine war immer sehr penibel, was ihre Recherche betraf. Sie wusste genau, wo die Stadt lag und wie sie zu ihrem Namen gekommen war, aber sie fühlte sich benommen, hatte Mühe, der Unterhaltung zu folgen.

Jäh richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Job.

Für die nächsten Wochen würde sie nicht Clementine Abernathy sein, sondern Samantha Rowen. Eine Musikproduzentin und Jurymitglied des berühmten Elvis-Festivals der Stadt – ein Job, den Lucien irgendwie eingefädelt hatte. Sie würde Maxwell David finden und den Mann umgarnen, bis sie den unbezahlbaren Van Gogh seiner Familie ausfindig gemacht hatte, einen Schatz, den der überbezahlte Tycoon nicht verdiente. Lucien würde ihre Beute zu Geld machen, und das wiederum würde jenen helfen, die sich nicht selbst helfen konnten, und dann würde sie wieder in New York sein, ihr Job erledigt, ihr Oldtimer laut, ihre Wohnung leise, ihre verbleibende Zeit damit ausgefüllt, mit einer Bartagame zu reden, die nicht antworten konnte. Keine Mädelsabende mehr.

Dieser Job sollte nicht anders sein als jeder andere. Aber dieser einsame Baum zog erneut ihre Aufmerksamkeit auf sich und brachte ihre Gedanken durcheinander.

Musik drang durch ihre Benommenheit, ein lebhafter Rhythmus, der die Straße entlang lauter wurde. Ein Wagen durchbrach die flirrende Hitze, und Clementine blieb der Mund offen stehen. Chrysler waren immer coole Klassiker, der hier war wahrscheinlich von 1955, aber seine mintgrüne Lackierung war sagenhaft.

Mürrisch beäugte sie ihren Mietwagen, einen fast schon beleidigend zahmen Prius. Zu Hause würde sie sich nie im Leben in dieser Horrorkiste sehen lassen. Aber in vierzig Minuten, wenn sie nach Whichway hineinrollte, würde sie eine Rolle spielen. Eine Show. Eine sympathische Frau, die über ihre Freunde und Familie plauderte und darüber, wie erfüllt ihr Leben war.

Sie biss die Zähne zusammen und konzentrierte sich auf den sexy Chrysler. Das Wahnsinnsgefährt hielt an der Tankstelle, und ein schillernder Mann stieg aus. Er hatte eine gegelte schwarze Haartolle, dichte Koteletten, eine strassbesetzte Sonnenbrille und ein gemustertes Polyesterhemd mit einem Kragen, der groß genug war, um damit abzuheben. Seine Rolex war definitiv fake, aber seine ausgefeilte Rolle war es nicht, und ihr Job-Radar schlug an.

Dieser Mann war ein Elvis. Aber war er ihr Elvis?

Luciens Akte mit Details über ihr Opfer war eher dünn gewesen. Sie wusste, dass Maxwell David morgens joggen ging, gefolgt von einem Frühstück mit Kaffee und Gebäck, für gewöhnlich eine Apfeltasche. Erdbeere, wenn er sich übermütig fühlte. Dann verbrachte er Stunden in seinem Büro, zweifellos mit dem Aushecken neuer Methoden, sich die Taschen vollzustopfen, während er seine Angestellten ausbeutete. Außerdem war er ein Elvis-Imitator, einer der gut einhundert Teilnehmer, die um die Krone des besten Tribute-Künstlers wetteiferten.

Sie kannte diese Details und noch andere über Maxwell David, Geschäftsführer von David Industries. Was sie nicht hatte, war ein klares Foto von ihm. Der Mann scheute die sozialen Medien. David Industries hatte nicht einmal eine Onlinepräsenz. Wer auch immer von Lucien angeheuert worden war, Überwachungsfotos zu schießen, hatte unruhige Hände und einen übergroßen Daumen, der stets Maxwells Gesicht verdeckte.

Mit schmalen Augen musterte sie diesen speziellen Elvis und kam zu dem Schluss, dass er zu alt war, um ihr Opfer zu sein. Als er ihr rülpsend zuzwinkerte, dankte sie ihrem Glücksstern.

Sie nahm das als Stichwort und kaufte sich eine Pepsi, obwohl sie Pepsi nicht mochte. Die Auswahl in dem kleinen Laden war mehr als dürftig. Dann machte sie sich wieder auf den Weg und presste sich die kühle Dose an die Stirn. Elvis und der einsame Baum verschwanden im...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.