Sloan | Eine Frage der Gerechtigkeit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 542 Seiten

Sloan Eine Frage der Gerechtigkeit

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96655-443-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 542 Seiten

ISBN: 978-3-96655-443-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hochbrisant und atemberaubend spannend: Der fesselnde Justiz-Thriller »Eine Frage der Gerechtigkeit« von Susan Sloan jetzt als eBook bei dotbooks. Um ihre Karriere zu retten, muss sie diesen Fall übernehmen - doch jetzt will sie ihn für die Gerechtigkeit gewinnen ... Als eine Bombe die Abtreibungsklinik von Seattle zerfetzt, folgt auf den Schock bald die Wut - die Bevölkerung der Stadt will Blut sehen! Ein Verdächtiger ist schnell gefunden: Leutnant Corey Latham von der US Navy ist tiefgläubig, überzeugter Abtreibungsgegner und wurde am Tatort gesichtet ... aber ist der angeklagte Marineoffizier wirklich ein eiskalter Terrorist? Die junge aufstrebende Anwältin Dana McAuliffe nimmt sich des Falls an und je mehr sie über Corey erfährt, desto mehr glaubt sie an seine Unschuld. Um ihn vor dem elektrischen Stuhl zu retten, muss Dana die wahren Schuldigen finden - und gerät damit selbst ins Fadenkreuz der eiskalten Hintermänner ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der packende Thriller »Eine Frage der Gerechtigkeit« von Susan Sloan. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Susan Sloan wurde in New York geboren und lebt heute im Nordwesten der USA, auf einer kleinen Insel vor Seattle. Neben ihrer Karriere als Romanautorin kümmert sich Susan Sloan in ihrer Freizeit um in Stich gelassene Haustiere. Ihre Spannungstitel wurden in mehrere Sprachen übersetzt und feierten weltweit Erfolge. Bei dotbooks veröffentlichte Susan Sloan ihre Romane »Eine Frage der Gerechtigkeit«, »Schuldlos schuldig«, »Was keiner wissen konnte« und »Denn alle Sicherheit ist trügerisch«
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Kapitel 4


Auf dem kleinen Messingschild an der Tür stand der offizielle Name: »Familienzentrum Seattle«. Doch seit fast fünfzig Jahren kannte man die Institution in der Stadt nur als »Hill House«. Die dreistöckige prachtvolle Villa aus viktorianischer Zeit hatte als einziges der wenigen Gebäude dieser Art auf dem First Hill den Vormarsch des Fortschritts überlebt. Die meisten anderen waren den Forderungen der modernen Medizin nach funktionaleren Gebäuden aus Stahl und Beton zum Opfer gefallen.

Anfang der fünfziger Jahre war das Gebäude ziemlich heruntergekommen. Ein Wohltäter, der anonym bleiben wollte, erwarb es, ließ die verschnörkelte Fassade wieder herrichten und das Dach neu decken. Rasen wurde gesät, kleine Steinbänke im vorderen Garten aufgestellt und im hinteren ein Spielplatz eingerichtet, und das Innere das Hauses wurde zu einer modernen Klinik umgestaltet.

Hill House befand sich an der Ecke von Boren Avenue und Madison Street. Ein hoher schmiedeeiserner Zaun und dichte Lorbeerbüsche, die ein halbes Jahrhundert alt waren, schützten es vor neugierigen Blicken. Zwar hatten weder die Menschen, die hier arbeiteten, noch diejenigen, die es aufsuchten, die Absicht, sich zu verbergen. Doch sie hatten die dichte Hecke schätzen gelernt, die für einen gewissen Abstand zu den Demonstranten sorgte, von denen sie auf dem Gehsteig regelmäßig angepöbelt wurden.

Vor Jahren schon hatte sich diese Horde eingefunden. Sie drängelten und schubsten, schrien und lärmten und versuchten, Menschen, die ins Hill House gingen, einzuschüchtern oder sogar zu bedrohen. Im Laufe der Zeit war die Gruppe kleiner geworden, und neue Gesetze verhinderten einige ihrer extremeren Aktionen. Doch an ihren Zielen hatte sich nichts geändert.

Im Hill House wurden umfassende Beratungen, gynäkologische Untersuchungen, Geburtshilfe und Kinderbetreuung angeboten. Doch die Marschierer – wie die Leute auf dem Gehsteig von den Angestellten genannt wurden – interessierten sich nur für die ihrer Ansicht nach zutiefst unmoralische Praxis der Schwangerschaftsabbrüche. Seit fast zwei Jahrzehnten wurden die Mitarbeiter des Hill House wechselweise angebetet und verdammt, angefleht und geschmäht.

»Ich selbst würde niemals einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, und ich beteilige mich auch nicht daran«, sagte Shelly Weld, eine Schwester aus der Klinik, eines Tages zu den Marschierern. »Aber ich würde mir niemals anmaßen, einem anderen Menschen vorzuschreiben, was er tun soll.«

Woraufhin sie lediglich zur Antwort erhielt: »Wenn Sie weiter im Haus des Teufels weilen, wird Ihre Seele bis in alle Ewigkeit in der Hölle schmoren.«

Insgesamt waren neunzig Menschen in dem Gebäude tätig, das eine Fläche von etwas mehr als achthundert Quadratmetern umfasste – vier Ärzte, die auf Gynäkologie und Geburtshilfe spezialisiert waren, drei Familienberater, zwei Radiologen, zwei Anästhesisten, ein Apotheker mit seinem Assistenten, neun Krankenschwestern, elf Schwesternhelferinnen und sieben Laboranten. Ferner waren dort zwei Sozialarbeiter, drei Psychiater, acht Psychologen, sechzehn Kindergärtnerinnen, drei Rezeptionisten, ein Verwalter mit zwei Assistenten, zwei Sekretärinnen, ein kaufmännischer Leiter, zwei Buchhalter, zwei Hausmeister, zwei Wachleute und sechs Reinigungskräfte im Einsatz.

Tagtäglich kamen überdies mindestens dreihundert Leute in das Gebäude, um die Dienste des Hill House in Anspruch zu nehmen.

Die Verwaltung war im Parterre unweit des Eingangs untergebracht, Labors, Apotheke und Beratungsräume befanden sich im hinteren Teil des Hauses. Die mit modernster Technik ausgestatteten Behandlungsräume nahmen die erste Etage ein.

Und jeden Morgen wurden über siebzig Kinder, die zwischen zwei Monaten und fünf Jahren alt waren, in die Kindertagesstätte im zweiten Stock gebracht. Meist handelte es sich dabei um den Nachwuchs des Personals aus der Klinik selbst und aus den anderen Krankenhäusern in der Gegend. Die Eltern waren stolz, dass ihre Kinder die beste Betreuung der Stadt bekamen, und wussten, dass sie froh darüber sein konnten. Auf der Warteliste standen grundsätzlich mindestens fünfzig weitere Namen.

Um zwei Uhr mittags am ersten Dienstag im Februar war der Himmel bedeckt, und es hatte nicht mehr als zehn Grad. Zankende Krähen lärmten in der Lorbeerhecke, und aus einer Bäckerei in der Nähe wehte der Duft von Zimt heran.

Sechs Paare und fünf Frauen hatten sich zu einer Beratung im Haus eingefunden. Sieben Frauen ließen Untersuchungen vornehmen. Drei Mütter hielten sich mit ihren Neugeborenen und Familienmitgliedern in Zimmern im ersten Stock auf. Eine Frau wurde für einen Schwangerschaftsabbruch vorbereitet, zwei Frauen lagen in den Wehen, ein Vater und eine Großmutter liefen unruhig in der Entbindungsstation auf und ab, und neunzehn Personen warteten in der Eingangshalle auf ihren Termin. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa zweihundertdreißig Menschen im Hill House. Frances Stocker, eine patente sechzigjährige Psychologin, hatte um diese Uhrzeit in ihrem Zimmer im ersten Stock bereits Gespräche mit Eltern eines autistischen Jungen, einer Frau, die erwog, sich scheiden zu lassen, und einem fünfzehnjährigen schwangeren Mädchen geführt. Ihre nächste Klientin war Grace Pauley, eine zarte nervöse Frau, die endlich professionelle Hilfe suchte, weil ihr Mann sie seit Jahren misshandelte. Wenn Frances manchmal an ihrem Beruf zu zweifeln begann, wurde ihr nach einem Tag wie diesem immer wieder bewusst, wie wichtig ihre Arbeit war und wie leer ihr Leben ohne ihren Beruf sein würde.

In einem Behandlungsraum auf demselben Flur überwachte die Röntgenärztin Claire Callahan den Ultraschall bei einer schwangeren Frau, bei der wohl ein Kaiserschnitt vonnöten sein würde, da sich das Kind in Steißlage befand. Claire, selbst allein erziehende Mutter, hatte noch kurz zuvor mit ihrer dreijährigen Tochter Chelsea in der Kindertagesstätte zu Mittag gegessen, wie sie es jeden Tag zu tun pflegte.

Im ersten Stock hatte sich der Geburtshelfer Jeffrey Korba, ein großer Mann, dem mit seinen zweiundvierzig Jahren zusehends die Haare ausgingen, in sein Büro zurückgezogen, wo er ein Sandwich mit Huhn verspeiste, es mit Mineralwasser hinunterspülte und dabei überlegte, ob ihm vor seiner zweiten Geburt an diesem Tag wohl noch genügend Zeit blieb, seine Frau anzurufen. Sie hatten sich morgens wegen einer Waschmaschine gestritten, und das tat ihm nun furchtbar Leid.

In einem der vier Kreißsäle überwachte Shelly Weld die Wehen von Denise Romanidis und kam zu dem Schluss, dass sie Korba noch fünf Minuten Zeit zum Essen lassen konnte, bevor er sich um die siebzehnten Drillinge des Hill House kümmern musste.

In einem anderen Raum oben hatte Betsy Toth die Patientin Joyce O'Mara gerade für einen Abbruch vorbereitet und wartete nun auf Joseph Heradia, der eine Verabredung außer Haus gehabt hatte. Die einundzwanzigjährige Schwesternhelferin dachte, wie häufig in den letzten zwei Wochen, mit freudiger Erregung darüber nach, ob sie vielleicht schwanger war, und hoffte, dass ihr Verlobter Andy über das verfrühte Ereignis nicht ungehalten sein würde. In einigen Monaten wollten sie heiraten.

In der zweiten Etage, in der man erst unlängst neue Tapeten mit einem fröhlichen Muster aus bunten Streifen und Teddybären angebracht hatte, war es Ruth Zelkin, der lebhaften dreiundfünfzigjährigen Leiterin der Kindertagesstätte, endlich gelungen, auch noch das letzte Kind, den strohblonden Jason Holman, zum Mittagsschlaf zu überreden, und nun freute sie sich auf ihre redlich verdiente Kaffeepause.

Auf der anderen Seite des Flurs war Brenda Kiley damit beschäftigt, die niedlichen vier Monate alten Gamble-Zwillinge zu füttern, Christopher und Jennifer. Die beiden waren zwar keine eineiigen Zwillinge, hatten aber dennoch beide dieselben hellblauen Augen und blonden Löckchen und dasselbe strahlende Lächeln.

Jesse Montero, der zweiundvierzigjährige Hausmeister des Hill House, hatte gerade im Werkzeugschuppen hinter dem Gebäude mehrere Kisten mit Glühbirnen verstaut. Er hatte soeben ein paar Mal verbotenerweise an einer Zigarette gezogen und dabei darauf geachtet, dass ihn niemand sah. Jetzt war er dabei, das Vorhängeschloss an der Tür des Schuppens wieder anzubringen.

Carl Gentry, einer der Wachleute, stand auf seinem Posten auf der Veranda. Er war sechsundvierzig und vor kurzem geschieden worden, und er dachte an die Frau, die er am Vorabend kennen gelernt hatte und von der er sich erst heute Morgen nach dem Frühstück verabschiedet hatte. Er hoffte, dass ihr die Nacht so gut gefallen hatte wie ihm, und überlegte, wann er sie wohl wieder anrufen konnte.

Was dann passierte, geschah so unvermittelt, dass hinterher jeder Augenzeuge etwas anderes berichtete. Eine oder auch mehrere heftige Erschütterungen ließen die Erde erzittern. Wände und Fenster benachbarter Gebäude zersplitterten. Hill House schien zunächst zu erbeben und brach dann in sich zusammen. Einige Zeugen berichteten auch, es sei sofort zusammengebrochen. Teile der Wände flogen in alle Richtungen. Andere Augenzeugen sagten, das Haus sei bei der Explosion zunächst nach oben gestiegen und dann in sich zusammengefallen. Gleich danach begann es an mehreren Stellen zu brennen.

In einem Operationssaal des Swedish Hospital zwei Straßen weiter östlich hörte Janet Holman einen Knall und dachte zunächst, irgendwo sei etwas Schweres heruntergefallen. Dann schwankte der Boden unter ihren Füßen.

»Was war denn das?«, fragte die Orthopädin durch ihren Mundschutz. »Ein Erdbeben?«

»So hat es sich angefühlt«, antwortete eine der Schwestern.

»Übernehmen Sie bitte mal«, wies Janet den Assistenzarzt an. »Ich möchte...



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