Sloan | Schuldlos schuldig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 612 Seiten

Sloan Schuldlos schuldig

Roman | Die Geschichte einer Frau, die nach einem schrecklichen Ereignis für Gerechtigkeit kämpft
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-472-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Die Geschichte einer Frau, die nach einem schrecklichen Ereignis für Gerechtigkeit kämpft

E-Book, Deutsch, 612 Seiten

ISBN: 978-3-96655-472-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der lebenslange Kampf einer Frau für Gerechtigkeit: Der mitreißende Roman »Schuldlos schuldig« von Susan Sloan jetzt als eBook bei dotbooks. New York, Weihnachten 1962: Die junge Karen findet nach einer Party kein Taxi und nimmt das Angebot eines charmanten Harvard-Studenten an, sie nach Hause zu begleiten. Doch mitten im finsteren Central Park fällt Bob über sie her: Er vergewaltigt Karen, er schlägt sie halbtot und lässt sein Opfer dann im Schnee liegen. Nur durch ein Wunder überlebt die schwer traumatisierte Frau ... und niemand will ihr Glauben schenken. - Fast dreißig Jahre später sieht Karen ihren Peiniger wieder, denn sein Gesicht begegnet ihr plötzlich überall: Bob Willmont hat politische Karriere gemacht und kandidiert nun für das Weiße Haus. Karen hat die schreckliche Nacht ihr ganzes Leben lang verdrängt. Doch jetzt kann sie nicht länger schweigen. Als ihr wieder niemand glauben will, beginnt Karen zu kämpfen - gegen alle Widerstände! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Roman »Schuldlos schuldig« der amerikanischen Erfolgsautorin Susan Sloan, die mit diesem aufrüttelnden Roman schon vor der #metoo-Debatte einen wichtigen Beitrag geliefert hat. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Susan Sloan wurde in New York geboren und lebt heute im Nordwesten der USA, auf einer kleinen Insel vor Seattle. Neben ihrer Karriere als Romanautorin kümmert sich Susan Sloan in ihrer Freizeit um in Stich gelassene Haustiere. Ihre Spannungstitel wurden in mehrere Sprachen übersetzt und feierten weltweit Erfolge. Bei dotbooks veröffentlichte Susan Sloan ihre Romane »Eine Frage der Gerechtigkeit«, »Schuldlos schuldig«, »Was keiner wissen konnte« und »Denn alle Sicherheit ist trügerisch«
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Kapitel 1


Karen Kern stieg am Columbus Circle aus der U-Bahn aus. Sie hatte spontan beschlossen, den Rest des Wegs zum Apartment der Hartmans an der West Side zu Fuß zurückzulegen.

Es war Freitag, und die Weihnachtsfeiern der Firmen, die ab Montag Urlaub machten, gingen zu Ende. Frierende Taxifahrer hupten wütend, während sie sich über die verstopfte Kreuzung schoben. An jeder Ecke standen Weihnachtsmänner von der Heilsarmee in dicken roten Umhängen, und das verlockende Aroma von gerösteten Maronen hing in der Luft.

Karen machte es nichts aus, daß kein Schnee lag. Sie kam gerade aus Ithaca, wo in achtundvierzig Stunden fast ein Meter Schnee gefallen und der Verkehr zusammengebrochen war. Es hatte zahlreiche Unfälle gegeben, und ihre Seminare an der Cornell University, an der sie im vorletzten Studienjahr war, hatten nicht stattgefunden. Auch die Kälte störte sie kaum, obwohl der schwarze Kaschmirmantel, den sie fest um ihren schlanken Körper gezogen hatte, nicht viel Wärme spendete.

Karen wich Taxis aus, schenkte einem Weihnachtsmann einen Vierteldollar und machte lächelnd den aufgescheuchten Gruppen beschwipster Sekretärinnen Platz. Als die Kreuzung hinter ihr lag, ging sie Richtung Norden, zum Central Park West. Das war am 21. Dezember 1962. Karen war jung, strotzte vor Gesundheit und Lebendigkeit, und sie war so glücklich wie nie zuvor in ihrem Leben.

Auch im trüben Licht der Straßenlaternen gab es keinen Zweifel daran, daß Karen keine klassische Schönheit war. Dafür war ihre Nase zu klein, und ihre Wangenknochen waren zu markant. Doch ihr dunkles, im Stil von Jackie Kennedy frisiertes Haar glänzte, ihre blaugrauen Augen funkelten, und links und rechts ihres vollen Mundes befanden sich schelmische Grübchen. Ihre schlanken Füße in den schwarzen Satinpumps berührten kaum den Asphalt.

Ihre Mutter war entsetzt gewesen, als Karen in Radcliffe abgelehnt wurde, wo sie Harvard-Männer kennengelernt hätte, und Karen selbst sich geweigert hatte, Smith oder Mount Holyoke in der Nähe von Yale ins Auge zu fassen. Karen jedoch war glücklich mit ihrer Entscheidung. Sie liebte die idyllische Landschaft in Cornell, das weitläufige, altertümliche Universitätsgelände, die freundliche Atmosphäre. Außerdem hatte ihr Vater hier seinen Doktor in Zahnmedizin gemacht, und so hatte ihre Mutter mit ihren Einwänden einen schlechten Stand.

»Vergeude keine Zeit mit Studienanfängern«, hatte Beverly Kern Karen eingeschärft. »Halte dich gleich an die Doktoranden.«

Etwa einen Monat lang hatte Karen halbherzig versucht, diesen Rat zu befolgen, weil sie wußte, daß nur ein Arzt, ein Zahnmediziner oder zumindest ein Anwalt den gesellschaftlichen Vorstellungen ihrer Mutter entsprechen würde. Söhne wurden in diese Richtung gedrängt, und die Eltern heiratsfähiger Töchter spekulierten unverblümt auf eine solche Partie. Doch dann lernte Karen Peter Bauer kennen, und die mahnenden Worte ihrer Mutter waren im Nu vergessen.

Beim Gedanken an den jungen angehenden Ingenieur vertieften sich Karens Grübchen, und trotz der eisigen Kälte wurde ihr warm ums Herz. Seit Wochen schon dachte sie fast nur noch an ihn. Sie waren seit zwei Jahren zusammen, und kürzlich hatte nun die Univerlobung stattgefunden, diese unglaublich romantische Zeremonie. Jetzt planten sie, sich nächsten Sommer offiziell zu verloben.

Sie wußte noch genau, wie auserwählt sie sich gefühlt hatte, als sie da inmitten der Mädchen von ihrer Vereinigung auf der Veranda ihres Wohnheims gestanden und übers ganze Gesicht gestrahlt hatte, während die Jungs von Peters Verbindung ihr ein Ständchen brachten. Und als Peter dann das Abzeichen seiner Verbindung an ihrem rosa Angorapullover feststeckte, hatten ihr alle anderen Mädchen auf der Welt aufrichtig leid getan.

Karen seufzte und beobachtete, wie sich ihr Atem in der frostigen Nacht in eine weiße Wolke verwandelte. Sie hätte Peter jetzt lieber an ihrer Seite gewußt als in Bangor in Maine, wo er mit seiner Familie Weihnachten verbringen würde. Die Einwände ihrer Mutter kümmerten Karen nicht mehr, denn Peter war ihr Traummann. Alles an ihm entsprach ihrer Idealvorstellung: seine geistige Regheit und Großzügigkeit, sein rotblonder Haarschopf, seine warmen braunen Augen und seine weichen Lippen, die keine Gelegenheit zu einem breiten Lächeln ausließen.

»Silvester verbringen wir auf jeden Fall zusammen«, hatte er ihr versprochen, als sie sich auf dem Bahnhof in Ithaca zum Abschied umarmten. »Bis zum Dreißigsten.«

Neun Tage noch, dachte Karen voller Vorfreude. Dennoch konnte sie einen Anflug von Enttäuschung nicht unterdrücken, weil sie Peter bei der Party von Jill und Andy Hartman an diesem Abend so gerne dabeigehabt hätte.

Sie bog in die Seventy-seventh Street ein und ging in westlicher Richtung.

Obwohl man von Great Neck, der gehobenen Wohngegend am Long Island Sound, in der Karen geboren und aufgewachsen war, mit dem Zug nur eine halbe Stunde bis Manhattan brauchte, hatte sie nicht vorgehabt, am Freitag vor Weihnachten in die Stadt zu fahren. Doch hier war sie nun in ihren schicksten Sachen unterwegs zur Party ihrer besten Freundin, die aus ihrem zweiten Studienjahr an der Northwestern zehn Pfund schwerer und im zweiten Monat schwanger heimgekehrt war.

Es hatte ein schreckliches Durcheinander gegeben – Jill entehrt, Andy mußte sofort aus den Sommerferien im Ausland zurückkommen, Jills Eltern bemühten sich erfolglos, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Niemand kam auf die Idee, eine Abtreibung vorzuschlagen. Statt dessen wurde in aller Stille überstürzt auf dem Standesamt geheiratet und die Hochzeit um sechs Monate zurückdatiert. Jills Vater, ein bekannter New Yorker Anwalt, ließ seine Beziehungen spielen, und Andy wurde von der Northwestern an die Columbia versetzt, wo er mit seinem Jurastudium fortfahren konnte. Jill mußte ihr Studium natürlich abbrechen.

Karen vermochte sich lebhaft vorzustellen, wie ihre eigenen Eltern reagieren würden, wenn sie in solch eine Lage geriete. Schon beim bloßen Gedanken an das Gejammer und Geschrei ihrer Mutter drehte sich Karen der Magen um. Sie sagte ein stummes Dankesgebet für Peter auf; er hatte zwar auf dem Rücksitz seines grünen Pontiac ein paarmal versucht, sie zu verführen, als sie beide zuviel sauer schmeckendes Bier getrunken hatten, aber er war nie über einen bestimmten Punkt hinausgegangen.

Vielleicht war diese Haltung heutzutage aus der Mode geraten, doch Karen legte Wert darauf, in der Hochzeitsnacht noch Jungfrau zu sein. Abgesehen davon hatte ihre Mutter ihr häufig und drastisch die Gefahren der Leichtlebigkeit vor Augen geführt.

»Männer haben vielleicht Affären mit Flittchen, aber heiraten wollen sie Jungfrauen«, bleute sie Karen bei jeder Gelegenheit ein. »Oder würdest du im Laden für viel Geld etwas Gebrauchtes kaufen?«

Nein, räumte Karen ein, das würde sie nicht.

»Und möge der Himmel verhüten, daß du schwanger wirst«, setzte ihre Mutter stets ihre Rede fort. »Wir müßten uns zu Tode schämen in der Stadt. Die Leute würden nie mehr aufhören zu klatschen.«

Allein bei der Vorstellung, ihre Familie in eine solch erniedrigende Lage zu bringen, brach Karen der kalte Schweiß aus. Deshalb hörte sie immer auf die Stimme in ihrem Kopf, die zu raunen begann, sobald Karen sich, vom Bier enthemmt, auf dem Rücksitz des Pontiac wiederfand. Diese Stimme klang sehr nach der ihrer Mutter, und sie war massiv genug, um Karen davon abzuhalten, weich zu werden und Peter gewähren zu lassen.

Karen fand es schrecklich, daß Jill ihr Studium abbrechen, verfrüht heiraten und ein Kind zur Welt bringen mußte, da sie doch selbst noch eines war. Sie wußte, daß Jill davon geträumt hatte, nach dem Studium nach Paris zu gehen, in einer romantischen Mansarde am linken Seine-Ufer zu wohnen, surrealistische Bilder vom Eiffelturm zu malen und sich mit Künstlern aus aller Herren Länder herumzutreiben, bis ihr Studiengeld aufgebraucht war.

Solche kühnen Pläne hatte Karen nicht. Sie beabsichtigte zwar, in Cornell ihren Abschluß in Englisch zu machen, aber an einer Karriere lag ihr nichts. Im Grunde wollte sie am liebsten sofort heiraten und Kinder haben – so viele wie möglich. Vor allem seit sie Peter kennengelernt hatte. Anderen jungen Frauen mochte diese Vorstellung öde und altmodisch erscheinen, aber Karen konnte den Tag kaum erwarten, an dem sie zum Traualtar schreiten und so ihr eigentliches Leben beginnen würde.

Karen kannte ein paar Mädchen von Cornell, die nach dem Studium Karriere machen wollten, doch ihre Mutter hatte eine Berufslaufbahn immer nur als Notlösung betrachtet, für den Fall, daß der Partner früh starb. Karens Kommilitoninnen hatte sie unterstellt, daß sie nicht attraktiv genug waren, um einen guten Mann zu finden, und deshalb versuchten, das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Und Beverly Kern war der Ansicht, daß ein Mann, der so gut aussah und so viel zu bieten hatte wie Andy Hartman, sich bei der nächstbesten Gelegenheit von Jill scheiden lassen und damit für alle Zeiten ihr Leben ruinieren würde. Als Karen zur Ecke West End Avenue, Seventy-seventh Street kam, war es schon nach acht. Das zwölfstöckige Haus vor ihr, das fast den halben Block einnahm, strahlte wie so viele Gebäude in Manhattan nur mehr verblichene Eleganz aus. In der düsteren Dezembernacht wirkte es eher grau als rot.

Ein Portier in rostroter Uniform ließ sie ein und führte sie durch die dezent beleuchtete Eingangshalle, die so opulent ausgestattet war, daß sie aus einem Schloß à la Versailles hätte stammen können.

»Na endlich!« rief Jill Hartman, als Karen im achten Stock aus dem Aufzug stieg und zum Apartment G ging. »Ich dachte schon, du hättest es dir anders...



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