Sloan | Was keiner wissen konnte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 492 Seiten

Sloan Was keiner wissen konnte

Roman | Ist sie Opfer oder Täterin? Ein erschreckend realistischer Thriller
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-324-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Ist sie Opfer oder Täterin? Ein erschreckend realistischer Thriller

E-Book, Deutsch, 492 Seiten

ISBN: 978-3-98952-324-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein perfides Spiel in den eigenen vier Wänden: der fesselnde psychologische Roman »Was keiner wissen konnte« von Susan Sloan als eBook bei dotbooks. Valerie Marsh ist angeklagt, ihren Mann nach fast fünfzig Jahren Ehe hinterrücks erschlagen zu haben. Wie konnte es zu dieser grausigen Tat kommen? Nach außen führten die beiden eine perfekte Ehe: Jack ist erfolgreicher Ingenieur, Valerie kümmert sich um die Kinder, gemeinsam bewohnen sie ein großes Haus im sonnigen Kalifornien. Doch hinter der bürgerlichen Fassade lauert ein Abgrund aus Frust, Hass, Gewalt und Abhängigkeiten. Wer ist wirklich verantwortlich für diese Bluttat? Wer ist Opfer, wer ist Täter? Jetzt als eBook kaufen und genießen: der raffinierte psychologische Roman »Was keiner wissen konnte« von Susan Sloan. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Susan Sloan wurde in New York geboren und lebt heute im Nordwesten der USA, auf einer kleinen Insel vor Seattle. Neben ihrer Karriere als Romanautorin kümmert sich Susan Sloan in ihrer Freizeit um in Stich gelassene Haustiere. Ihre Spannungstitel wurden in mehrere Sprachen übersetzt und feierten weltweit Erfolge. Bei dotbooks veröffentlichte Susan Sloan ihre Romane »Eine Frage der Gerechtigkeit«, »Schuldlos schuldig«, »Was keiner wissen konnte« und »Denn alle Sicherheit ist trügerisch«
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Kapitel 1


Valerie verliebte sich in Jack Marsh, als sie ihm zum ersten Mal begegnete. Das ereignete sich im Sommer 1955, nachdem Valerie die Highschool abgeschlossen hatte. Sie war aus Rutland in Vermont, wo sie lebte, zu ihrer Schwester gefahren, die in North End in Boston wohnte.

Marianne war Valeries älteste Schwester und auch ihre Lieblingsschwester. Sie war verheiratet mit Tommy Santini, einem gutmütigen Bär von einem Mann, der als Koch in einem italienischen Restaurant namens Bertolli's arbeitete und Marianne versprochen hatte, dass sie eines Tages ein eigenes Lokal haben würden.

»Es wird irisch-italienische Küche geben«, sagte er gern im Scherz, »Corned Beef und Pizza mit Kohl.«

Tommy war auf einem Ohr taub und sprach deshalb immer besonders laut und nachdrücklich. Den Hörschaden hatte er sich bei einem Bombenangriff in Korea zugezogen, wo er zwei Jahre lang als Koch beim mobilen Feldlazarett im Einsatz war, weshalb er immer noch gerne Anekdoten aus der Messe zum Besten gab. Eines Abends im Juli, als er gerade wieder zu Hochform auflief, klingelte es an der Tür, und als Valerie zur Tür ging, stand Tommys jüngerer Bruder Joey in Begleitung eines Freundes, Jack Marsh, vor der Tür. Die beiden alberten herum und klopften Sprüche und waren offenbar darauf aus, zum Essen eingeladen zu werden.

»Diese beiden Teufelskerle waren zusammen in Korea«, erklärte Tommy, nachdem er alle vorgestellt hatte. »Jetzt arbeiten sie bei Federal Airlines. Haben es schlau angestellt und sich zur Flugzeugwartung einteilen lassen. Sind nie an die Front gekommen und haben ihren Arsch gerettet. Und jetzt sind alle Fluglinien scharf auf sie.«

Valerie sah, wie sich unter Jack Marshs Sommerhemd die Muskeln abzeichneten. Er sah kraftvoll und stark aus, und ihr wurde ganz schwindlig.

Marianne legte noch zwei Gedecke auf. Bei ihnen gab es immer genug zu essen, denn Joey brachte oft seine Freunde mit. Doch Valerie konnte kaum einen Bissen essen und den Blick nicht von dem jungen Mann ihr gegenüber abwenden. Er war in vielerlei Hinsicht das völlige Gegenteil von ihr. Seine Haare waren schwarz, ihre hellblond, seine Augen sonderbar gelblich, ihre hellblau. Seine Haut schimmerte nussfarben, weil er so viel draußen arbeitete, sie dagegen bekam sofort einen Sonnenbrand, wenn sie sich dem grellen Licht auch nur zehn Minuten aussetzte.

Valerie verstand wenig von der Unterhaltung an diesem Abend. Sie schnappte einzelne Fetzen des Gesprächs auf wie »das Jet-Zeitalter«, Namen wie Boeing und McDonnell Douglas und die Ansicht, dass Düsenjets die Flugzeuge der Zukunft seien. Jack schien das alles sehr aufregend zu finden, ihr dagegen bedeutete das wenig.

Sie hatte nicht den Eindruck, dass er sie überhaupt zur Kenntnis nahm. Er schaute selten zu ihr herüber und wechselte an diesem Abend bestimmt nicht mehr als zehn Worte mit ihr. Doch eine Woche später rief er an und fragte, ob sie mit ihm ins Kino gehen wolle. Sie war so aufgeregt, dass sie fast abgelehnt hätte. Aber dann sagte sie doch zu. Sie trug ein gestreiftes rückenfreies Sommerkleid und hängte sich einen Pullover um. Er kam in Jeans, einem eng anliegenden T-Shirt und einer dünnen Windjacke.

Während des Films legte er ihr beiläufig den Arm um die Schultern, und als sie danach die Tremont Street entlangschlenderten zur Eisdiele, hielten sie sich an der Hand. Sie sahen ihr Spiegelbild in einem Ladenfenster und schnitten Grimassen, aber Valerie erkannte sich selbst kaum wieder. Neben Jacks wuchtiger Gestalt wirkte sie noch zarter und schmaler als sonst. Sie fand den Anblick berauschend und dachte, dass er sie bestimmt beschützen konnte vor allem Bösen, das sie dort draußen in der großen Welt erwarten mochte.

Nach diesem Abend sahen sie sich fast täglich; oft gingen sie gemeinsam ins Kino oder schlenderten durch die schmalen Straßen im North End, die eher nach Italien zu gehören schienen als nach Amerika. Sie besichtigten Paul Reveres Haus und die Old North Church. Sie gingen am Charles River spazieren. Einmal am Zahltag führte Jack sie in das vornehme teure Restaurant Locke-Ober aus, und manchmal wanderten sie auch zum Boston Common und lauschten dort im Park der schwungvollen Calypso-Musik, die durch Sänger wie Harry Belafonte bekannt geworden war.

Eines Nachmittags überquerten sie den Charles und streiften in Cambridge im Harvard Yard umher, hoch erhobenen Hauptes, als seien sie Studenten von dort. Doch eigentlich gefiel Valerie Harvard nicht besonders gut. Die Gebäude sahen kalt und abweisend aus.

Manchmal gingen sie auch mit Joey oder Kollegen von Jack gemeinsam aus und amüsierten sich prächtig. Doch am liebsten blieben sie unter sich. Gelegentlich, wenn Valerie Jack zum Reden ermunterte, sprach er auch ein bisschen über sich. Er erzählte ihr von seiner Mutter, die gestorben war, und seinem Vater, der keinen Lebensmut mehr hatte, und sie schilderte ihm das Leben in einer neunköpfigen Familie.

»Und wie war das, keine Mutter zu haben und nur mit deinem Vater aufzuwachsen?«, fragte sie.

»Frei«, antwortete er. »Und wie war es, mit so vielen Geschwistern aufzuwachsen?«

»Beengt«, sagte Valerie, und sie lachten.

Er berichtete von Kansas City, und sie beschrieb ihm Rutland.

»Wieso bist du zur Luftwaffe gegangen?«, erkundigte sich Valerie.

»Ich hab mich als Kind oft am Heart Airport aufgehalten«, antwortete Jack. »Flugzeuge haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht, weil ich mir vorstellen konnte, einzusteigen und wegzufliegen.«

»Und wohin wolltest du fliegen?«

»War mir egal«, sagte er. »Ich hatte diesen Job nach der Schule, im Viehhof. Eines Tages kommt der Chef zu mir und fragt mich, ob ich voll dort arbeiten möchte, wenn ich mit der Highschool fertig bin. Da dachte ich mir plötzlich, dass ich mein Leben lang in diesem Kaff hängen bleiben würde. Deshalb hab ich das nächstbeste Flugzeug genommen, als ich mit der Schule fertig war, Hauptsache weg. Wie sich rausstellte, landete ich in Korea.«

»So ging es mir nie«, sagte Valerie nachdenklich.

»Du magst Rutland, wie?«

Sie hatte noch nie länger darüber nachgedacht, doch nun schien ihr die Antwort glasklar. »Es ist meine Heimat«, sagte sie. »Wo ich auch hingehe, wo ich auch leben würde, Rutland wird immer meine Heimat bleiben.«

»Muss schön sein, wenn man so ein Gefühl hat zu einem Ort«, sagte er langsam. »Erzähl mir mehr.«

Wenn er über sich selbst sprach, musste man ihm jedes Wort aus der Nase ziehen, aber über Flugzeuge konnte Jack endlos reden. Er hielt Valerie stundenlange Vorträge über Flügelspannweite, Luftdruck und Landeanflüge.

Am Ende ihres dritten gemeinsam verbrachten Abends küsste er sie zum ersten Mal, fast beiläufig. Sie rochen beide nach Knoblauch von den Spaghetti, die sie bei Bertolli's gegessen hatten, dem Restaurant, in dem Tommy arbeitete. Nach Knoblauch und Chianti. Valerie fand, dass dieser Kuss wunderbar schmeckte. Es war nicht der erste Kuss ihres Lebens, doch der erste, bei dem ihr heiß und kalt und ganz schwummrig zugleich wurde, und sie wünschte sich, dieser Zustand würde nie enden.

Marianne und Tommy waren nicht sicher, was sie von dieser Liebschaft halten sollten. Jack Marsh war zwar ein Freund von Joey, aber er war anders, älter, gerissener. Sicher ein netter Kerl, aber nicht der richtige Mann für Valerie. Marianne war insgeheim froh, als die Sommerferien vorüber waren und ihre Schwester nach Rutland zurückkehrte.

Doch Valerie war untröstlich. In ihren kühnsten Träumen hätte sie niemals zu hoffen gewagt, dass ein Mann, der so attraktiv, weltläufig und großartig war wie Jack Marsh, sich für eine unscheinbare Person wie sie interessieren würde. Und doch war es so.

Gewiss, sie hatten niemals über eine gemeinsame Zukunft gesprochen, aber sie war sicher, dass er ebenso empfand wie sie. Wieso hätte er sie sonst mit solcher Leidenschaft geküsst und berührt? Sie hatte sich selbst und auch ihn mehr als einmal zur Ordnung rufen müssen, bevor sie zu weit gingen. Er drängte sie nicht, wenn sie ihre Kleidung in Ordnung brachte, und am nächsten Tag kam er wieder.

Sie kannten sich erst seit sechs Wochen, doch die hatten sie hauptsächlich gemeinsam verbracht. Jack hatte ausreichend Zeit, um über ihrer beider Zukunft zu sprechen. Doch das hatte er nicht getan. Er verabschiedete sich von ihr und sagte, er würde ihr schreiben oder sie vielleicht einmal besuchen kommen, wenn er es einrichten konnte.

Valerie war am Boden zerstört. Sie war nicht nach Boston gereist, um dort einen Ehemann zu finden, hatte aber dennoch das Gefühl, mit leeren Händen heimgekehrt zu sein.

Im Herbst, als sich das Laub in Vermont leuchtend goldfarben und rostrot verfärbte, sann Valerie darüber nach, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Sie wusste, dass man von ihr erwartete, zu heiraten und eine Familie zu gründen, doch die jungen Männer aus Rutland, mit denen sie aufgewachsen war, kamen ihr nun so jung und langweilig vor. Sie erzählte niemandem von Jack, wanderte aber so ruhelos durch das große Haus, das schon betagt gewesen war, als ihre Mutter als junge Braut dort einzog, dass ihre Eltern sich zunehmend Sorgen um sie machten.

Dann, an einem Sonntagnachmittag im November, an dem die Familie sich nach Kirchgang, Besuchen und Mittagsmahl in dem Wohnzimmer mit den durchgesessenen Sofas und Sesseln und den fadenscheinigen Teppichen versammelte, stand Jack Marsh plötzlich unangekündigt vor der Tür. Als Valeries Vater ihm öffnete, nahm Jack seinen ganzen Mut zusammen und sagte: »Guten Tag, Sir, mein Name ist Jack Marsh, und ich möchte Ihre Tochter heiraten.«

Valerie erinnerte sich an jedes Detail dieses Tages, dieser Situation. Wer an welcher Stelle saß und welches...



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