E-Book, Deutsch, Band 1, 426 Seiten
Reihe: Bad Liar
Smith Bad Liar
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8333-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn die Wahrheit uns findet
E-Book, Deutsch, Band 1, 426 Seiten
Reihe: Bad Liar
ISBN: 978-3-7562-8333-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chayenne Smith ist eine Deutschschweizer Autorin. Sonnenuntergänge beobachten, in eiskalten Seen schwimmen oder Zeit gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, gehören neben dem Schreiben zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.
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Kapitel 1
Es war einer dieser perfekten Sommertage. Die Luft war warm, der Geruch von frischen Pinien und wilden Orchideen vermischte sich und kitzelte mich in der Nase. Das Geräusch der Wellen, die rhythmisch gegen die steilen Felsklippen rollten, rauschte in meinen Ohren. Über mir strahlte ein wolkenloser blauer Himmel.
Die Sonne war gerade erst über den Hügeln aufgegangen. Langsam tauchte ich einen meiner Zehen in das noch kühle Meerwasser. Noch waren wenige Touristen am nahe gelegenen Kiesstrand und die meisten Einheimischen waren zu dieser Jahreszeit auch nicht hier anzutreffen. Das musste ich ausnutzen.
Langsam schob ich mein SUP Surfboard, durch das noch flache Wasser, bis es tief genug war, dass ich darauf steigen musste. Ich setzte mich, in der Mitte auf meine Knie und begann mit ruhigen Bewegungen das Paddel durchs Wasser zu ziehen. Sodass das SUP rasch mit den Wellen, von der belebten Küste fortgetragen wurde. Ich hörte nur meinen gleichmässigen Atem, das Geräusch des SUPs, wie es leise durchs Wasser glitt sowie das Eintauchen des Paddels ins Meer. Ich liebte diese Momente der Ruhe. Langsam, aber stetig paddelte ich nun etwa dreissig Meter von der steil abfallenden Felsküste entlang. Dieser Teil war relativ unberührt, nur wenige kannten die kleinen engen und gefährlichen Wege, oberhalb der Küste. Schiffe verirrten sich, wegen der vielen schroffen Felsen, die aus dem Meer ragten auch nicht hier her.
Das Wasser um mich herum schimmerte türkisfarben und die Lichtstrahlen brachen sich darauf. Ich tauchte meine Hand langsam ins Wasser und beobachtete sogleich, wie einige kleine Fische kamen, um an ihr zu knabbern. An einem der steilen Felsen, die aus dem Meer ragten, befestigte ich mein Board, wie ich es immer tat, wenn ich hierher kam. Danach griff ich nach meinen Flossen, der Taucherbrille und meinem Schnorchel, die ich auf dem Board mitgenommen hatte und streifte eilig alles über. Meinen Bikini trug ich bereits, so glitt ich sofort ins Wasser.
In dem Moment als ich durch die Taucherbrille blickte und alles um mich herum in den verschiedensten Blau und Grün Tönen leuchtete, fühlte ich mich wie zuhause. Ich schwebte im Wasser und fühlte mich wie ein Fisch.
Es gab für mich kaum ein schöneres Gefühl auf der Welt.
Nachdem ich mich im Wasser orientiert hatte, begann ich kräftig mit den Flossen zu paddeln. Es dauerte nicht lange und ich sah sie. Anmutig wie Tänzer schwebten sie durchs Wasser, Delfine. Fünf graue Küstendelfine jagten nur wenige Meter von mir entfernt Fische und kleine Krebse. Warum sie gerade hier waren, wusste ich nicht. Ich hatte sie vor Monaten bei einem meiner Ausflüge mit dem Board zufällig entdeckt. Anfangs hatten sie sich wegen mir erschreckt, weswegen sie sofort wieder verschwunden waren. Das nächste Mal, als ich sie sah, hatte ich mehr Abstand gehalten und sie hatten mich geduldet. Jedes weitere Mal, dass ich sie danach hier besucht hatte, war ich etwas näher an sie heran getaucht und sie waren geblieben. Nun hatte ich das Gefühl, dass sie sich endlich an mich gewöhnt hatten, denn ich konnte mich frei in ihrer Nähe aufhalten oder neben ihnen her schwimmen.
Jeden Morgen kam ich nun hierher, immer blieben sie für ein, zwei Stunden, an diesem Ort, jagten, spielten und schwammen umher. Danach verschwanden sie wieder, doch am nächsten Tag waren sie wieder da. Ich hatte bis jetzt noch niemandem davon erzählt, weil ich Angst hatte, dass aus ihnen eine weitere Touristenattraktion werden würde.
Das wollte ich ihnen und mir nicht antun, denn sie waren mir mittlerweile ans Herz gewachsen.
Ich hielt immer genügend Abstand, damit ich sie in aller Ruhe betrachten konnte, ohne sie zu bedrängen. Ich bildete mir ein, sie auseinanderhalten zu können und jedes Mal, wenn ich mit ihnen tauchte, überkam mich ein regelrechtes Glücksgefühl.
Ich schwamm neben ihnen an Korallen und Seeigeln vorbei. Oftmals war ich so in Gedanken, dass ich gar nicht mitbekam wie ich mit ihnen immer weiter ins unendliche Blau des Meeres schwamm.
Manchmal ertappte ich mich bei dem Gedanken, einfach für immer mit ihnen Unterwasser bleiben zu können, ohne jemals wieder auftauchen zu müssen. In der Welt des Meeres fühlte ich mich zuhause. Ich kannte die Tiere und Pflanzen und wusste, dass sie mir nichts taten, wenn ich sie respektierte und achtgab. Alles um mich herum war friedlich.
Die Delfine hatten gerade eine kleine Gruppe Fische eingekreist, sie wollten sogleich angreifen, da schreckte sie etwas auf. Es dauerte nur einen Wimpernschlag und alle fünf waren wieder in den unendlichen Weiten des Meeres verschwunden.
Frustriert darüber, dass sie schon so früh verschwunden waren, tauchte ich auf, bevor ich mir enttäuscht die Taucherbrille vom Kopf zog. Da hörte ich, was die Delfine vertrieben hatte, ein Jet Ski näherte sich. Da ich nicht entdeckt werden wollte, versteckte ich mich hinter einem Felsen, der vor mir aus dem Wasser ragte. Ich kannte nur jemanden, der in unserer kleinen Stadt einen Jet Ski besass und kein Tourist war. Mein nerviger bester Freund Davide. Kaum war er in der kleinen Bucht angekommen und hatte das störende Brummen seines Gefährts abgestellt, begann er auch schon nach mir zu rufen.
«Gigi, ich weiss das du hier steckst, ich sehe sogar dein Board. Komm schon Nicola schickt mich, du sollst heute schon früher kommen, einer seiner Leute ist krank.»
Ich unterdrückte ein genervtes Schnauben unschlüssig, was ich tun sollte. Ich konnte ziemlich lange die Luft anhalten. Wenn ich es wollte, konnte ich durchs Wasser gleiten und unbemerkt auf die andere Seite der Bucht gelangen, ohne dass Davide mich entdecken würde und so noch etwas länger in meiner kleinen Unterwasserwelt bleiben. Aber wenn ich blieb, würde nicht nur ich, sondern auch Lucca Ärger kriegen, das wollte ich auf keinen Fall.
Davide hatte zwar eine ziemlich grosse Klappe und war das Gegenteil von mir. Dennoch war er mein bester Freund, wenn ich ihn brauchte, war er immer für mich da. Ich holte ein letztes Mal tief Luft, tauchte unter und glitt durch das schimmernde Wasser.
Unbemerkt tauchte ich kurze Zeit später neben dem Jet Ski auf.
Davide grinste auf mich herab
«Gigi du bist schlimmer als ein Fisch. Kommst du zwischendurch auch mal an die Oberfläche, um Luft zu holen?», witzelte er und hielt mir seinen braungebrannten muskulösen Arm hin, damit ich auf den Jet Ski steigen konnte. Beherzt griff ich danach, liess mich ein stückweit hochziehen, nur um mich dann mit meinem vollen Gewicht dagegen zu stemmen. Davides Augen weiteten sich erschrocken, noch ehe er sich versah, hatte ich ihn mit mir zurück ins Wasser gezogen. Prustend tauchte er neben mir auf, schimpfte
«Wofür war das denn? Du weisst das ich nicht gerne im Meer bin, wenn ich den Boden nicht berühren kann.».
Mittlerweile hatte er sein Gefährt wieder erreicht, zog sich selbst daran hoch.
«Das war dafür, dass du mir meinen freien Morgen ruiniert hast und meine Freunde vertrieben hast». Davide sass nun wieder auf seinem Jet Ski, er war klitschnass. Zum Glück trug er den ganzen Sommer über praktisch nichts anderes als seine Badehosen.
Er hielt mir ein zweites Mal die Hand hin, machte jedoch dabei nicht den Fehler sich nicht fest genug zu halten.
«Deine Freunde die Fische oder was für Freunde treiben sich hier sonst noch so rum Arielle?», sein freches Grinsen war ansteckend. Seine weissen Zähne leuchteten förmlich in seinem braun gebrannten Gesicht. Die dunkelblonden etwas längeren Haare, fielen ihm nass in die Stirn, dazu leuchteten seine grünen Augen verschmitzt.
Davide war mein bester Freund, doch ich musste dennoch zugeben, dass er äusserst attraktiv war. Endlich hatte ich mich hinter ihm auf den Jet Ski gesetzt.
«Ach halt doch die Klappe. Wir müssen mein SUP noch mitnehmen hast du wenigsten an eine Schnur gedacht?», triumphierend hielt er mir ein Seil entgegen.
«Bravo, wenigstens das», sagte ich schnippisch, doch Davide wusste, dass ich es nicht so meinte.
Während er den Jet Ski vorsichtig zwischen den Felsen zu meinem Board manövrierte, streifte ich mir meine Flossen ab und Band mir meine Haare zu einem hohen Pferdeschwanz zusammen.
Diese reichten mir bis zur Hüfte, waren dunkelblond wie die von Davide. Ausserhalb des Wassers trug ich sie meistens zusammengebunden. Meine Haut war ebenso braun wie seine, was der Tatsache geschuldet war, dass man uns, wenn es warm war, praktisch nur in unseren Badesachen sah.
Auch hatte ich wie Davide grüne Augen, nur waren meine von der Farbe von Seetang unter Wasser, wenn das Licht darauf schien und seine Moosgrün. Die meisten Menschen, die uns zusammen sahen, hielten uns für Geschwister. Und doch konnte unser Leben kaum unterschiedlicher sein.
Mein bester Freund hatte mein Board an dem Jet Ski angebunden und zog es nun gemächlich durchs Wasser hinter uns her. Langsam nahmen wir etwas Fahrt auf, ich hielt mich an seiner definierten Hüfte fest.
Wir waren beide noch patschnass, deshalb befürchtete ich jeden Moment von dem Ding runterzurutschen, wenn Davide mal wieder mit Schwung über eine Welle bretterte. Der warme Wind...




