Smith | Bad Liar | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 312 Seiten

Reihe: Bad Liar

Smith Bad Liar

Selbst wenn alles zerfällt
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8404-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Selbst wenn alles zerfällt

E-Book, Deutsch, Band 2, 312 Seiten

Reihe: Bad Liar

ISBN: 978-3-7562-8404-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Geschichte geht weiter, der zweite Teil der Bad Liar Reihe Gia Marino und Luciano Farnese Hinter diesen Namen stehen zwei Clans die verfeindeter kaum sein könnten und eine Liebe die dazu benutzt wurde Schmerzen zuzufügen. Lügen und Geheimnisse beherrschten ihre Vergangenheit, nun ist es an der Zeit diese hinter sich zu lassen. Aber ist das überhaupt möglich? Denn schon kommen neue Abgründe ans Tageslicht, warten nur darauf entdeckt zu werden. Doch wie hoch darf der Preis der Wahrheit sein und welche Opfer ist man bereit dafür in Kauf zu nehmen? Gia und Luciano auf ihrer bisher emotionalsten Reise zwischen Liebe, Hass, Verzweiflung und Intrigen. Von Sehnsüchten getrieben von der prächtigen Lagunenstadt Venedig, bis in die trockene Steppe und den wilden undurchdringlichen Dschungel Mexikos.

Chayenne Smith ist eine Deutschschweizer Autorin. Sonnenuntergänge beobachten, in eiskalten Seen schwimmen oder Zeit gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, gehören neben dem Schreiben zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.
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Kapitel 6



„Verdammt.“ Fluchend schleuderte ich mein Essenstablett vom Tisch. Welches laut auf dem harten Boden aufschlug, während das gesamte Essen in einer riesigen Sauerei auf den Fliesen verteilt wurde. Wütend erhob ich mich vom Stuhl, begann daraufhin wie ein verletztes Raubtier nervös in meinem Zimmer hin und her zu wandern. Ich war nun schon seit Tagen in meinem Zimmer auf Vaters Grundstück hier in Venedig. Langsam aber sicher fiel mir die Decke auf den Kopf.

Ich wurde übellaunig und merkte selbst, wie unberechenbarer ich mit jedem weiteren Tag wurde. Ich hatte meinen Vater bereits darum gebeten das Grundstück verlassen zu dürfen, jedoch ohne Erfolg. Er hatte es mir verboten, da es, wie er meinte, ausserhalb unserer Grundstücksmauern zurzeit einen Konflikt gab, den zu schlichten es galt, bevor ich mich wieder frei bewegen konnte. Solche Situationen hatte es zwar oft gegeben, als ich ein Kind gewesen war, aber seit dieser Zeit nicht mehr, umso überraschter war ich über diese Aussage gewesen. Zudem war ich mittlerweile kein kleines Kind mehr, ich brauchte meine Freiheiten und meinen Spass. Die Tür öffnete sich, ich nahm an, dass es eine der Haushälterinnen war, doch stattdessen kam Sophia durch die Tür, pfiff dabei anerkennend, als sie das Chaos auf dem Boden sah.

„Gratulation Brüderchen, da hast du Mal wieder prima Arbeit geleistet. Sag Mal wurde bei dem Schlag auf deinen Kopf irgend ein Teil deines Gehirns verletzt, dass für die Impulskontrolle zuständig ist? Oder warum machst du jeden Tag, seitdem du hier bist und dein Bewusstsein wieder hast etwas kaputt?“ Die Frage war berechtigt, dennoch wollte ich mir von meiner kleinen Schwester nichts vorschreiben lassen.

„Ach halt doch die Klappe Sophia. Warum bist du eigentlich schon wieder hier? Hast du sonst niemanden den du nerven kannst?“ Nun war es an ihr, wütend zu schnauben.

„Wenn du es vergessen hast Bruderherz, wir sitzen beide im gleichen Boot. Ich darf das Anwesen ebenfalls nicht verlassen. Ich wollte nur nachfragen, ob du dein Gedächtnis mittlerweile wiedergefunden hast.“

Da hatte sie meinen wunden Punkt erwischt. Als würde ich selbst nicht schon den ganzen Tag, über nichts anderes grübeln. Ich hatte das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Doch so sehr ich mich auch anstrengte, ich wusste nicht was. Ich warf Sophia lediglich einen genervten Blick zu, bevor ich mich auf die Couch fallen liess.

„Du weisst es immer noch nicht.“ Hörte ich Sophia mehr zu sich selbst als zu mir sagen. Sofort richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf sie. Sophia selbst sah mich ertappt an. Ihre grossen dunklen Augen erschrocken aufgerissen.

Ich hatte schon seit dem Tag, als ich wieder das Bewusstsein erlangt hatte, das Gefühl, dass sie mir etwas verheimlichte. Doch sie hatte es immer abgestritten.

„Was hast du da gerade gesagt Soph?“, kam es mir gefährlich leise über die Lippen. Anstatt mich anzusehen, blickte Sophia auf ihre spitzen hohen Pumps, was einem Schuldeingeständnis gleich kam.

„Soph“, drohte ich ihr nochmals. Nun hob sie endlich ihren Kopf, sah mir mit ihren grossen dunklen Augen entgegen, ihr Blick wirkte in sich gekehrt fast schon traurig.

„Luciano, ich kann es dir nicht sagen. Du musst dich selbst daran erinnern.“ Ihre Stimme war beim Sprechen immer leiser geworden, aber darauf konnte ich jetzt keine Rücksicht mehr nehmen.

„Herrje Sophia! Ich versuche mich seit über einer Woche zu erinnern. Aber ich weiss einfach nicht von wem oder warum ich angegriffen wurde! Wenn du etwas weisst ,dann sag es mir“, fuhr ich sie grob an. Doch Sophia liess sich nicht beirren, schüttelte lediglich traurig den Kopf. Als sie erneut, zu sprechen begann, war ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, Tränen traten ihr plötzlich in die Augen, doch sie versuchte diese tapfer weg zublinzeln.

„Es geht nicht nur darum, was an diesem Abend geschehen ist Luciano. Du hast etwas oder besser gesagt jemanden vergessen. Jemanden, dessen Verlust, dich sehr geschmerzt hat. Über Monate hinweg warst du nicht mehr du selbst. Als du vor wenigen Tagen aufgewacht bist war ich froh, endlich wieder den alten Luciano zu sehen. Ich hatte die Hoffnung, dass du es vielleicht brauchst, sonst nicht weiterleben kannst. Wenn du es nicht vergisst.“ Ich sah meine Schwester entgeistert an, ich wusste nicht, wovon sie sprach. Welcher Verlust? Was war geschehen und weshalb erinnerte ich mich einfach nicht daran. Sophia schniefte laut, wischte sich die Nase an den Ärmeln ihres Kleides ab, ehe sie weitersprach, ihre Augen mich dabei reuevoll musterten.

„Doch nun sehe ich, dass du immer noch nicht glücklich bist Luciano. Du kannst dich zwar nicht mehr erinnern, aber tief in dir, weisst du das etwas fehlt. Habe ich Recht?“ Dabei sah mir Sophia so traurig entgegen, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte.

Tatsächlich hatte ich das Gefühl, als würde mir etwas fehlen. Etwas, was ich zwar nicht benennen konnte, aber doch wusste, dass es eigentlich zu mir gehörte.

„Ja“, stimmte ich ihr zu. „Ich spüre das etwas fehlt. Kannst du mir sagen was es ist?“

Sie betrachtete mich voller Mitgefühl, ich sah wie sie mit sich selbst rang.

„Ich würde es dir so gerne sagen, aber ich weiss nicht, ob ich damit das Richtige tue.“ Bedachte sie schliesslich, senkte den Kopf erneut und liess ihre Schultern hängen. Plötzlich war ich mir selbst nicht mehr sicher, ob ich die Wahrheit überhaupt hören wollte. Vielleicht hatte es einen guten Grund, weshalb ich es vergessen hatte.

Wenn ich jemanden verloren hatte, würde mich dessen Verlust, dann nicht erneut aus der Bahn werfen? Würde der Schmerz, von dem ich wusste, dass er in mir schlummerte, dann wieder mit voller Kraft zurückkehren? Ich wollte das nicht. Vielleicht würde ich meine Entscheidung irgendwann einmal bereuen. Doch jetzt in diesem Augenblick, erschien mir dieser Ausweg richtig. Sophia wollte gerade anfangen zu sprechen. Doch ich hinderte sie daran.

„Ich habe es mir anders überlegt. Ich will es nicht wissen. Behalte es für dich, ich will nichts davon hören“, meine Stimme klang selbst in meinen Ohren kalt und gefühllos, erinnerte mich daher so sehr an meinen Vater, dass es mich selbst erschaudern liess. Sophia wollte etwas dagegen einwenden.

„Aber Luciano, was wenn du dich nie mehr erinnern kannst?“

„Lass das meine Sorge sein, ich denke, es ist besser so.“ Damit wandte ich mich von ihr ab und verliess mein Zimmer, liess Sophia sprachlos zurück.

Mit schnellen Schritten lief ich durch die pompösen Räume der Villa, das vor Geld und Luxus nur so strotzte. In jedem Gegenstand erkannte ich meinen Vater darin oder besser gesagt, wie er sich der Welt, dadurch präsentieren wollte. Mein Zimmer lag im oberen Stockwerk, ich musste die geschwungene massive Steintreppe nehmen, um ins Erdgeschoss zu gelangen.

Dort steuerte ich zielstrebig die Terrassentüre an, kaum war ich durch die Tür getreten, blieb ich einen Moment ruhig stehen. Liess die angenehm kühle Luft in meine Lungen strömen. Während mein Blick über den parkähnlichen Garten schweifte. Dem Ort, an dem etwas geschehen war, an das ich mich nicht mehr erinnerte. Es war Februar, eine Zwischenzeit der Jahreszeiten. Zwar war der Winter langsam vorüber, die Tage wurden wieder länger und die Sonne schien jeden Tag etwas kräftiger. Aber es war dennoch zu kühl, um es als Frühling zu bezeichnen. Jetzt um die Mittagszeit waren die Temperaturen angenehm mild. Aber ich konnte dennoch die letzten Anzeichen der kühlen Nacht an den Pflanzen um mich herum bemerken. Grosse Tautropfen leuchteten im Licht der Sonnenstrahlen. Langsam setzte ich mich in Bewegung, suchte mir einen Weg zwischen den unzähligen Zierpflanzen. In der Eile hatte ich vergessen, meine Schuhe anzuziehen. Ich fühlte das kühle von der Morgenreife noch nasse Gras an meinen Zehen. Aber es störte mich nicht, liess mich stattdessen alles noch intensiver wahrnehmen. Ich lief durch den Park ohne ein genaues Ziel. Vorbei an wildwuchernden Schlingpflanzen, bis hin zu der Grenze, an der das Anwesen ins Meer überging.

Von dort aus hatte ich einen uneingeschränkten Blick auf die Stadt. Venedig, die Stadt mit den tausend Brücken, Palästen und Kulturschätzen. Ebenfalls die Stadt, die so sagte man, über kurz oder lang vom Meer verschluckt werden würde. Was unwirklich klang, irgendwann einmal aber passieren würde.

Noch glaubten die Menschen hier, dass sie ihre geliebte Stadt retten konnten. Wie naiv von ihnen, wusste man doch, dass nichts auf dieser Welt Beständigkeit hatte. Nichts ausser dem Verlust. Das Leben bestand nur darin, Dinge zu geben, die es einem irgendwann einmal wieder nahm.

Ich wusste nicht, woher meine zynischen Gedanken kamen, die ich beim Anblick der untergehenden Stadt und den wogenden Wellen des Meeres, die gleichmässig gegen die Grundstücksmauern prallten empfand. Missmutig wandte ich mich vom Anblick des Meeres ab. Suchte mir einen Weg durch das unwegsame Dickicht des Parks, bis ich schliesslich wieder auf einen Gehweg...



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