Smith | Bad Liar | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 408 Seiten

Reihe: Bad Liar

Smith Bad Liar

Bis du wieder bei mir bist
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8424-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bis du wieder bei mir bist

E-Book, Deutsch, Band 3, 408 Seiten

Reihe: Bad Liar

ISBN: 978-3-7562-8424-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Liebe die auch nach zwei Jahren immer noch schmerzt. Ein Leben voller dunkler Schatten, Verlangen und Vorwürfen. Luciano kann Gia auch nach dieser Zeit immer noch nicht vergessen. Auch belastet ihn was sein Vater Gia und ihrer Familie angetan hat. Er beschliesst sie ein allerletztes Mal zu sehen, nur um sich dann für immer von ihr zu verabschieden. Doch das gestaltet sich als schwerer, als er anfangs dachte. Von Italien bis Marokko und weiter nach Brasilien. Der letzte Teil der emotionalen und spannenden Bad Liar Reihe.

Sonnenuntergänge beobachten, in eiskalten Seen schwimmen oder Zeit gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, gehören neben dem Schreiben zu Chayenne Smiths Lieblingsbeschäftigungen.
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Kapitel 2



Zwei Jahre später

„Verdammt Gia nun steh endlich auf, hörst du denn den Wecker nicht!“, weckte mich eine aufgebrachte Frauenstimme aus dem Schlaf, den ich so dringend gebraucht hätte. Müde schaffte ich es die Augen zu öffnen, schloss sie aber sogleich wieder als ich Mayas schönes aber viel zu waches Gesicht nur wenige Zentimeter vor meinem sah. In einem letzten Versuch mir noch wenige Minuten mehr schlaf zu gönnen, zog ich mir mein Kissen über den Kopf. Doch ich hatte keine Chance, schon hatte Maya es mir erneut vom Kopf gezogen.

„Gia wenn du ernsthaft glaubst, dass ich dir diesen Monat all dein Junkfood bezahle, da du deinen Job verlierst, dann hast du dich getäuscht“, hörte ich Mayas Stimme erneut. Tatsächlich brachte sie nun die richtigen Argumente vor um mich aus dem Bett zu kriegen, denn ich wollte meiner Freundin auf keinen Fall auf der Tasche liegen. Immer noch müde, aber wenigstens im mindesten motiviert setzte ich mich im Bett auf.

„Wie spät ist es denn überhaupt?“, fragte ich gähnend, während meine Augen sich versuchten an das helle Tageslicht zu gewöhnen, das durch das offene Fenster direkt ins Zimmer schien.

„Beinahe elf Uhr, du hast doch heute die Mittagsschicht im Restaurant“, erinnerte mich Maya daran, dass ich neben meinem Job in der Bar, in der ich bis heute morgen um vier Uhr gewesen war, auch noch einen zweiten Job in einem Restaurant hatte. Dabei sah sie mich so mitleidig aus ihren grossen blauen Augen an, dass ich ihrem Blick nicht lange standhalten konnte.

„Oh Mist“, entfuhr es mir, ich sprang aus dem Bett und begann mich ungeachtet der Tatsache, dass meine Freundin immer noch neben dem Bett stand umzuziehen.

Mit einem tadelnden Blick betrachtete sie mich dabei, wie ich meine Pyjamashorts auszog und in die enge weisse Arbeitshose des Restaurants schlüpfte. Erst als ich auch mein Oberteil angezogen hatte und mich an ihr vorbei ins Bad drängeln wollte, stellte sie sich mir in den Weg.

„Gia lange hälst du das so nicht mehr durch. Du schläfst kaum mehr als drei Stunden am Stück“, hielt sie mir vor. Als wenn ich selbst nicht wüsste, wie wenig ich schlief und auch wenn hätte ich es bestimmt bei einem Blick in den Spiegel gesehen, denn meine Augenringe waren riesig.

„Schaust du mir etwa beim Schlafen zu und zählst wie lange ich ihm Bett liege?“, kam es nur wenig diplomatisch von meiner Seite.

„Gia! Du weisst genau wie ich das meine! Ich mache mir langsam Sorgen um dich“, verlieh Maya ihrer Verzweiflung Ausdruck. Doch ich konnte mich darauf nicht einlassen, mit einer bestimmten Bewegung schob ich meine Freundin aus dem Weg

„Alles in Ordnung, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ausser dass ich zu spät zur Arbeit komme und den Job verliere, dann hätten wir ein Problem“, ich versuchte dabei so unbekümmert auszusehen wie es nur ging. Dabei wusste ich, dass sie mir nicht glaubte, dafür kannten wir uns mittlerweile zu gut. Aber ich hatte keine Zeit für solche Dinge und was Maya nicht wusste, ich machte mir ebenfalls langsam Sorgen. Während ich mir eilig im Bad meine Haare, die seitdem ich sie vor zwei Jahren schulterlang geschnitten hatte, beinahe wieder bis zur Brust fielen und wieder ihre honigblonde Naturhaarfarbe zurückhatten, zu einem hohen Pferdeschwanz band, wusste ich selbst nicht mehr wie lange ich das alles noch so würde meistern können. Ich schlief tatsächlich zu wenig, aber alles war besser, als nachts wach im Bett zu liegen und sich Gedanken über Dinge zu machen die man nicht mehr ändern konnte.

Ablenkung war alles, was ich brauchte und dass schon seit einer ganzen Weile. Doch die zweifelnden Gedanken verschwanden in dem Moment, in dem ich durch die Tür trat. Diese pulsierende Energie Rios war es die mich jedes Mal, wenn ich auf die Strasse trat wieder in ihren Bann zog. Und ausserdem der Grund dafür, dass ich seitdem ich aus Sao Paulo fortgegangen und hier hingekommen war, hiergeblieben war. Auch wenn nicht alles so abgelaufen war, wie ich es mir gewünscht hatte.

Zielstrebig lief ich durch die engen Gassen des Viertels, in dem ich mit Maya zusammen wohnte. Vorbei an bunten Strassengraffitis, unter einem Gewirr von irrwitzig verlegter Stromkabel hindurch und vorbei an den unzähligen Einschusslöchern an den Wänden. Unser Stadtviertel Rocinha war kein wirklich sicheres Pflaster, sondern vielmehr eine der vielen Favelas der Stadt. Doch sie war zentral gelegen und die Preise für die Miete waren erschwinglich. Einige der Jugendlichen grüssten mich. Weil ich ihnen ab und an einen Gratisdrink in der Bar, in der ich neben meinem Job im Restaurant arbeitete rüberschob respektierten sie mich.

Oder versuchten wenigstens nicht mich auszurauben. Respekt hatten diese Kids nur vor ihrem Bandenchef.

Was schon mal ein Anfang war, ich nickte ihnen zu, während ich an ihnen vorbei lief. Wie ich, die vor einem Leben als Tochter des Anführers der Aleaqrab hatte fliehen wollen, um der Gewalt und dem ständigen Krieg zwischen den verfeindeten Organisationen, nun mitten in einem von Banden regierten Ort hatte landen können war mir schleierhaft. Zwar störte mich die offensichtliche Gewalt, doch obschon ich erst kurze Zeit hier war, hatte ich gelernt Problemen aus dem Weg zu gehen. In den Gassen der Favela selbst, versuchte ich so wenig Zeit wie möglich zu verbringen, sah niemandem direkt in die Augen und trug oft nichts anderes als lange Hosen, Kapuzenpullover und Sneaker. Wobei ich mir die Kapuze immer soweit es ging ins Gesicht schob. So wie auch jetzt, eilig schritt ich durch die Gassen, bis ich die Hauptstrasse erreichte, von der aus man aus der Favela in die anderen Stadtteile gelangte.

Von Maya, die hier in einer der grössten Favelas gross geworden war und seit ihrer Geburt in Rio lebte, hatte ich gelernt mich nur so kurze Zeit wie möglich an der Busstation aufzuhalten. Denn als wartender Passant war man ein leichtes Ziel für ambitionierte Verbrecher. So wie auch heute hielt ich mich zuerst im Schatten einer Häuserecke, erst als ich den Bus vorfahren sah, tauchte ich aus der Deckung auf, ging die wenige Meter zum Bus und stieg ein. Dabei achtete ich auch darauf, keinen der anderen Passagiere direkt anzusehen, steuerte eine noch freie Reihe an und setzte mich ans Fenster. Danach liess ich die Landschaft an mir vorbei ziehen.

Die Fahrt vom Armenviertel Rocinha bis nach Leblon dauerte nur ungefähr zwanzig Minuten. Doch war es, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Fasziniert beobachtete ich die Umgebung dabei, wie die ärmlichen zusammengewürfelten Häuserblocks immer weniger , die Strassen immer sauberer und die Autos immer teurer wurden. Bis wir schliesslich das Zentrum von Leblon erreichten, von wo aus es nur noch ein Katzensprung zum Strand von Impanema war, an dem das Restaurant lag, in dem ich ab und zu aushalf. Wie ich stiegen fast alle Passagiere hier aus. Viele Menschen aus den Favelas arbeiteten hier in der teuersten Gegend Rios als Putzkräfte, Strassenbauer oder Kindermädchen. Nirgends war der Unterschied zwischen Arm und Reich so übergreifend wie hier. Während sich die Menschentraube langsam auflöste, schlug ich zielstrebig den Weg zum Strand ein. Gierig sog ich nach der stickigen Luft im Bus, den Geruch des Meeres ein. Selbst die Luft im Stadtteil Leblon war anders als in Rocinha. Denn hier roch es nicht wie in der Favela nach liegengelassenem Abfall, Küchengeruch oder überquellenden Abwasserleitungen, sondern lediglich nach dem Salzwassergeschmack, der das Meer mit sich brachte und den frischen Blumen die hier überall am Strassenrand blühten. Rasch blickte ich auf meine Armband Uhr, ich hatte noch fünf Minuten bevor meine Schicht begann. Nicht zu früh konnte ich bereits das leuchtend gelbe Schild des Oro erkennen. Es war ein überschaubares Restaurant mit guter brasilianischer Küche. Bei den Einheimischen und Touristen gleichermassen wegen seines Blicks auf den nahe gelegenen Strand und den verfeinerten Rezepten des Küchenchefs sehr beliebt. Ich mochte den Ort, die Farben waren hell gehalten und wechselten sich zwischen Gold, Gelb und Weiss ab. Zudem waren die Kollegen nett und die Bezahlung in Ordnung.

Mehr erwartete ich gar nicht. Ich lief über die mit vielen Pflanzen beinahe überstellte Terrasse an den Tischen und Gästen vorbei ins Innere. Kaum hatte ich einen Fuss über die Schwelle gesetzt begrüsste mich schon Bruna meine Kollegin, eine hübsche dunkelhäutige Frau Mitte zwanzig.

„Super dass du da bist. Caio fragte mich bereits fünf Mal wann du endlich kommst“, dabei verdrehte sie ihre hübschen dunklen Augen. Ich konnte es ihr nur gleichtun, während dich meine Habseligkeiten im hinteren Teil des Restaurants verstaute und meinen Hoodie auszog. Darunter trug ich bereits das weisse Arbeitshemd mit dem Logo des Restaurants. Caio war der Sohn des Chefs, er war Anfang zwanzig und studierte eigentlich Recht an der Uni. Doch sowie Bruna fand auch ich, dass er viel zu viel Zeit hier im Oro verbrachte. Angeblich um seinem Vater unter die Arme zu greifen, doch ich vertrat die Meinung, dass er nur zu gerne hier herumstand und andere Leute herum kommandierte. Leider war er beinahe jeden Tag hier, an dem ich ebenfalls hier arbeitete und...



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