E-Book, Deutsch, 282 Seiten
Smith Blood Diamond - Tödliche Jagd
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-353-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller | Zwei verfeindete Brüder. Eine mörderische Schatzsuche ...
E-Book, Deutsch, 282 Seiten
ISBN: 978-3-98952-353-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wilbur Smith (1933-2021) wurde in Zentralafrika geboren und gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Gegenwart. Der Debütroman seiner Jahrhunderte umspannenden Südafrika-Saga um die Familie Courtney, begründete seinen Welterfolg als Schriftsteller. Seitdem hat er über 50 Romane geschrieben, die allesamt Bestseller wurden, und in denen er seine Erfahrungen aus verschiedenen Expeditionen in die ganze Welt verarbeitete. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt. Wilbur Smith starb 2021 in Kapstadt im Kreise seiner Familie. Die Website des Autors: www.wilbursmithbooks.com/ Der Autor bei Facebook: www.facebook.com/WilburSmith/ Der Autor auf Instagram: www.instagram.com/thewilbursmith/ Die große Courtney-Saga des Autors um die gleichnamige südafrikanische Familie erscheint bei dotbooks im eBook. Der Reihenauftakt »Das Brüllen des Löwen« ist auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Die große Ägypten-Saga über den Eunuchen Taita ist bei dotbooks als eBook erhältlich. Der Reihenauftakt »Die Tage des Pharao« ist auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Außerdem bei dotbooks erschienen der Abenteuerroman »Der Sonnenvogel« sowie die Action-Thriller »Greed - Der Ruf des Goldes«, »Blood Diamond - Tödliche Jagd«, »Black Sun - Die Kongo-Operation«, »Das Elfenbein-Kartell« und »Atlas - Die Stunde der Entscheidung«. Weitere Bände in Vorbereitung.
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Kapitel 1
In Nairobi war seine Maschine drei Stunden lang aufgehalten worden, und obwohl er vier große Whiskys getrunken hatte, schlief er sehr unruhig, bis die Boeing in London Heathrow landete. Johnny Lance fühlte sich, als ob man ihm eine Handvoll Sand in jedes Auge geworfen hätte. Er war sehr schlechter Laune, als er die Unannehmlichkeiten der Zoll- und Paßkontrolle über sich ergehen lassen mußte, bevor er in die Halle des Flughafens kam. Dort traf er den Agenten der Van Der Byl Diamond Company.
»Angenehmen Flug gehabt?«
»Wie zur Hölle!« brummte Johnny.
»Da konnten Sie ja schon mal Erfahrungen sammeln«, grinste der Agent. Sie hatten zusammen schon tolle Zeiten erlebt. Zögernd grinste auch Johnny. »Haben Sie mir ein Zimmer und einen Wagen besorgt?«
»Im Dorchester – und einen Jaguar.« Der Agent gab ihm die Schlüssel. »Außerdem habe ich zwei Plätze erster Klasse in der Neun-Uhr-Maschine zurück nach Kapstadt reservieren lassen. Die Flugkarten liegen bei der Hotelrezeption.«
»Guter Junge!« Johnny steckte die Schlüssel in seinen Cashmere-Mantel, und sie gingen zum Ausgang.
»Wo ist eigentlich Tracey van der Byl?«
Der Agent zuckte die Schultern. »Seitdem ich Ihnen geschrieben habe, habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich wüßte nicht, wo Sie sie suchen sollten.«
»Na, großartig, einfach großartig!« sagte Johnny bitter, als sie auf den Parkplatz kamen. »Fangen wir mit der Suche bei Benedict an.«
»Weiß der Alte denn über Tracey Bescheid?«
Johnny schüttelte den Kopf. »Er ist ein kranker Mann. Ich habe es ihm nicht erzählt.«
»Hier ist Ihr Wagen.« Sie standen vor einem silbergrauen Jaguar. »Haben Sie noch Zeit für einen Drink?«
»Diesmal nicht, leider.« Johnny setzte sich hinter das Steuer. »Nächstes Mal.«
»Ich werde Sie daran erinnern«, sagte der Agent und ging.
Es war schon fast dunkel, als Johnny die Hammersmith-Brücke überquerte, und in dem feuchten Abendnebel verfuhr er sich zweimal in diesem Labyrinth von Belgravia, bevor er seinen Jaguar in einer der engen Gassen hinter dem Belgrave Square parken konnte.
Die Fassade des Hauses war sehr pompös erneuert worden, seitdem er das letztemal hier gewesen war. Johnny verzog den Mund. Unser guter Benedict war in puncto Geldverdienen nicht sehr eifrig, aber er verstand sich darauf, es auszugeben.
Die Fenster waren hell erleuchtet, und Johnny schlug den Türklopfer ein halbes Dutzend Mal, so daß es in den Gassen hallte. In der Stille, die darauf folgte, hörte er hinter den Vorhängen Stimmengeflüster, ein Schatten huschte schnell an einem Fenster vorbei.
Johnny wartete drei Minuten in der Kälte, dann ging er ein paar Schritte zurück.
»Benedict van der Byl«, rief er laut, »wenn du bei zehn die Tür nicht geöffnet hast, trete ich das verdammte Ding ein.« Er holte tief Luft und rief noch einmal. »Hier ist Johnny Lance – und du weißt, daß ich das wahrmache, was ich sage.«
Sofort öffnete sich die Tür. Ohne den Mann, der sie hielt, eines Blickes zu würdigen, ging Johnny hinein.
»Verdammt noch mal, Lance, du kannst nicht einfach hier hereinkommen.« Benedict van der Byl kam hinter ihm her.
»Warum nicht?« Johnny schaute zurück. »Das ist eine Firmenwohnung – und ich bin der Generalmanager.« Bevor Benedict antworten konnte, war Johnny in der Halle.
Ein Mädchen hob seine Kleider auf und rannte nackt in einen der Schlafräume. Ein anderes Mädchen zog einen langen Kaftan über seinen Kopf und schaute Johnny schmollend an. Ihre Haare waren in wildem Durcheinander. Die steifen, abstehenden Locken gaben ihr ein geradezu groteskes Aussehen.
»Hübsche Party«, sagte Johnny und musterte den Filmprojektor auf dem Tisch und die Leinwand auf der anderen Seite des Raumes. »Sogar Filme.«
»Bist du ein Bulle?« wollte das Mädchen wissen.
»Deine Unverfrorenheit stinkt mir, Lance.« Benedict van der Byl band den Gürtel seines seidenen Hausmantels zu.
»Ist er ein Bulle?« fragte das Mädchen noch einmal.
»Nein«, versicherte Benedict, »er arbeitet für meinen Vater.« Mit dieser Feststellung gewann er an Selbstsicherheit, richtete sich zu voller Größe auf und strich seine langen, dunklen Haare zurück. Seine Stimme bekam ihre alte Arroganz. »Eigentlich ist er Daddys Botenjunge.«
Johnny drehte sich zu ihm um und sprach das Mädchen an, ohne es anzusehen.
»Hau ab, Kleine, geh zu deiner Freundin.«
Sie zögerte.
»Hau ab!« Johnnys Stimme war scharf wie ein Messer. Sie ging. Die beiden Männer standen sich nun gegenüber. Sie waren gleichaltrig, beide Anfang dreißig – beide groß, beide dunkelhaarig – sonst aber völlig verschieden.
Johnny hatte breite Schultern und schmale Hüften, seine Haut war von der Wüstensonne gebräunt. Die Linie seines breiten Unterkiefers war klar, und die Augen schienen immer noch ferne Horizonte zu suchen, während seine Stimme den unverkennbar harten Akzent des anderen Landes hatte.
»Wo ist Tracey?« fragte er.
Benedict zog mit gespieltem, arrogantem Erstaunen eine Augenbraue hoch. Seine Haut war blaß-oliv, unberührt von der Sonne, denn es waren Monate vergangen, seitdem er in Afrika gewesen war. Die Lippen waren rot, als ob sie geschminkt wären. Seine einst klassischen Züge waren aufgeschwemmt, und er hatte kleine Säckchen unter den Augen. Der seidene Morgenmantel konnte seinen plumpen Körper, der verriet, daß er gerne viel aß und trank, nicht verbergen.
»Mein lieber Freund, wie um alles in der Welt kommst du darauf, daß ich wissen könnte, wo meine Schwester ist? Ich habe sie seit Wochen nicht gesehen.«
Johnny wandte sich ab und ging zu einem der Bilder an der Wand. Der Raum war voll von Originalen südafrikanischer Maler – Alexis Preller, Irma Stern und Tretchikoff – eine ungewöhnliche Mischung aus verschiedensten Techniken und Stilarten. Einige Experten hatten den ›Alten‹ überzeugt, daß sie gute Investitionen darstellten.
Johnny drehte sich um und schaute Benedict prüfend an, so wie er es gerade noch mit den Bildern getan hatte. Er verglich ihn mit dem jungen Athleten, der dieser noch vor wenigen Jahren gewesen war. In seiner Erinnerung sah er Benedict vor vollen Tribünen mit der Grazie eines Leoparden über den Rasen laufen, sich vor dem hohen Bogen, den der Ball beschrieb, umdrehen, ihn auffangen, den Kopf hoch erhoben, darauf wieder in das Feld einbrechen, um den Ball zurückzuschießen.
»Du wirst ganz schön fett, mein Lieber«, sagte er leise.
Benedict wurde rot vor Wut. »Mach, daß du rauskommst«, schnaubte er.
»Eine Minute noch – sag mir, wo Tracey ist.«
»Hab’ ich dir nicht schon gesagt, daß ich nicht weiß, wo sie ist. Hurt wahrscheinlich in Chelsea rum.«
Johnny fühlte Zorn in sich aufsteigen, aber seine Stimme blieb ruhig. »Woher kriegt sie Geld?«
»Weiß ich nicht. Der Alte ...«
Johnny schnitt ihm das Wort ab. »Der Alte gibt ihr ein Taschengeld von zehn Pfund die Woche. Ich habe aber gehört, daß sie viel mehr herausschmeißt.«
»Herrgott, Johnny«, Benedicts Stimme wurde freundlicher. »Ich weiß es nicht. Es geht mich nichts an. Vielleicht Kenny Hartford ...«
Wieder unterbrach ihn Johnny ungeduldig. »Kenny Hartford gibt ihr nichts. Bei ihrer Scheidung hat sie auf Unterhalt verzichtet. Ich will aber wissen, wer ihre Reise in die Vergessenheit finanziert. Du vielleicht, großer Bruder?«
»Ich?« Benedict war gekränkt. »Du weißt, zwischen uns wird keine Zuneigung verschwendet.«
»Muß ich es aussprechen?« fragte Johnny. »Na, gut. Der Alte stirbt – ohne jemals seinen Schrecken allen Schwächen und Sünden gegenüber verloren zu haben. Wenn aus Tracey eine drogenabhängige kleine Hure wird, dann hat unser guter Benedict wieder alle Chancen, seine alte Beliebtheit zurückzuerlangen. Es wäre für dich doch ein gutes Geschäft, wenn du jetzt ein paar Tausender springen läßt, um Tracey in die Hölle zu schicken, sie für immer von ihrem Vater und all den fetten Millionen zu trennen.«
»Wer hat was von Drogen gesagt?« brauste Benedict auf.
»Ich.« Johnny trat dicht vor ihn hin. »Wir haben noch ein kleines Geschäft miteinander, und das ist noch nicht abgeschlossen. Es würde mir ein großes Vergnügen bereiten, dich auseinanderzunehmen, um herauszufinden, wie du funktionierst.«
Er hielt Benedicts Augen für lange Sekunden fest, bis dieser Johnnys Blick nicht mehr standhalten konnte, sich abwandte und sich mit dem Gürtel seines Hausmantels beschäftigte.
»Wo ist sie, Benedict?«
»Ich weiß es nicht, verdammt!«
Johnny bewegte sich langsam auf den Filmprojektor zu, rollte ein paar Meter des Filmstreifens ab und hielt das Celluloid gegen das Licht.
»Hübsch!« sagte er und preßte vor Ekel die Lippen hart aufeinander.
»Leg das sofort wieder hin«, fauchte Benedict.
»Du weißt doch, was der Alte davon hält, oder nicht, Benedict?«
Plötzlich wurde Benedict blaß. »Er würde dir nicht glauben.«
»Doch, das würde er.« Johnny warf den Streifen auf...




