Smith | Der Zorn der Wildnis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 769 Seiten

Reihe: Die Courtney-Saga

Smith Der Zorn der Wildnis

Die Courtney-Saga 5: Die Courtneys - Stürme der Zeit | Die große Südafrika-Saga
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-473-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Courtney-Saga 5: Die Courtneys - Stürme der Zeit | Die große Südafrika-Saga

E-Book, Deutsch, Band 5, 769 Seiten

Reihe: Die Courtney-Saga

ISBN: 978-3-98952-473-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das internationale Phänomen, das den Weltruhm des Autors begründet hat: »Die einzigartige Mischung aus Action, Abenteuer und exotischen Schauplätzen macht Wilbur Smith zu einem faszinierenden Leseerlebnis«, urteilt The Mirror.Eine mächtige Familie - eine Zeit des Krieges ... Südafrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seit eine Fehde ihre beiden Eltern entzweite, leben die Halbbrüder Sasha Courtney und Manfred De La Rey in unterschiedlichen Welten: Während Sasha mit Kalkül und Durchblick den Wohlstand der eigenen Minengesellschaft sichern muss, verdient Manfred seinen Lebensunterhalt als Großwildjäger in der sonnengebleichten Savanne. Doch ihre gemeinsame Bestimmung führt die beiden Brüder unaufhaltsam aufeinander zu - mit fatalen Folgen: Als die Schatten des zweiten Weltkriegs auch Afrika erreichen, müssen die Rivalen eine Seite wählen. Ihre Entscheidung wird das Schicksal ihres Heimatlandes für immer verändern ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der abenteuerliche Afrika-Roman »Der Zorn der Wildnis« von Bestseller-Autor Wilbur Smith ist der fünfte Band seiner epochalen historischen Familiensaga um die Familie Courtney - Fans von Robert Harris und James Clavell werden begeistert sein! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Wilbur Smith (1933-2021) wurde in Zentralafrika geboren und gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der Gegenwart. Der Debütroman seiner Jahrhunderte umspannenden Südafrika-Saga um die Familie Courtney, begründete seinen Welterfolg als Schriftsteller. Seitdem hat er über 50 Romane geschrieben, die allesamt Bestseller wurden, und in denen er seine Erfahrungen aus verschiedenen Expeditionen in die ganze Welt verarbeitete. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt. Wilbur Smith starb 2021 in Kapstadt im Kreise seiner Familie. Die Website des Autors: www.wilbursmithbooks.com/ Der Autor bei Facebook: www.facebook.com/WilburSmith/ Der Autor auf Instagram: www.instagram.com/thewilbursmith/ Die große Courtney-Saga des Autors um die gleichnamige südafrikanische Familie erscheint bei dotbooks im eBook. Der Reihenauftakt »Das Brüllen des Löwen« ist auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Die große Ägypten-Saga über den Eunuchen Taita ist bei dotbooks als eBook erhältlich. Der Reihenauftakt »Die Tage des Pharao« ist auch als Hörbuch bei SAGA Egmont erhältlich. Außerdem bei dotbooks erschienen der Abenteuerroman »Der Sonnenvogel« sowie die Action-Thriller »Greed - Der Ruf des Goldes«, »Blood Diamond - Tödliche Jagd«, »Black Sun - Die Kongo-Operation«, »Das Elfenbein-Kartell« und »Atlas - Die Stunde der Entscheidung«. Weitere Bände in Vorbereitung.
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Kapitel 2


Die Tür schloß sich, und Shasa war enttäuscht. Er spürte, daß da etwas Bedeutsames vor sich ging. Dieser blonde Fremde mit den katzengelben Augen, der seinen Namen und dessen Herkunft kannte. Und diese Reaktion seiner Mutter, dieses plötzliche Erröten und der Ausdruck in ihren Augen – und dann diese Unsicherheit, etwas für sie völlig Untypisches. Shasa hätte nur zu gern gewußt, was sich hinter der geschlossenen Tür abspielte.

»Wenn du etwas wissen willst, dann geh und finde es heraus.« Das war einer der Aussprüche seiner Mutter. »Das Fenster«, dachte er und setzte den Gedanken sofort in die Tat um. Als er, in der Absicht, am offenen Fenster zu lauschen, um die Ecke bog, war er plötzlich Gegenstand der Aufmerksamkeit von fünfzig Augenpaaren. Der Fabriksleiter und die Arbeiter waren noch immer vor dem Haupttor versammelt, und als er um die Ecke des Verwaltungstraktes kam, verstummten sie und musterten ihn genau.

Shasa warf den Kopf zurück und änderte seine Marschrichtung. Da sie ihn noch immer beobachteten, steckte er die Hände in die Hosentaschen und schlenderte mit vollendet gespielter Gleichgültigkeit auf den langen hölzernen Entladesteg zu, so als wäre das von Anfang an seine Absicht gewesen. Nun würde er nicht mehr erfahren, was in dem Büro vor sich ging, außer er konnte es später seiner Mutter entlocken, aber das war sehr unwahrscheinlich. Plötzlich entdeckte er die vier flachen hölzernen Trawler, die am Steg lagen, und seine Enttäuschung ließ ein wenig nach. Boote hatten ihn immer Schon fasziniert.

Als er den ersten Trawler erreichte, blieb er stehen. Das Boot war verwahrlost und häßlich, und es stank nach brackigem Wasser, Treibstoff und ungewaschenen Männern, die dort auf engstem Raum zusammenlebten. Nicht einmal einen Namen hatte es, nur die Lizenz- und die Zulassungsnummern waren am Bug aufgemalt. Seine eigene Sechs-Meter-Jacht, die ihm seine Mutter zum dreizehnten Geburtstag geschenkt hatte, hieß The Midas Touch, ein Name, den seine Mutter vorgeschlagen hatte.

Shasa rümpfte, angeekelt von dem Gestank des Trawlers und traurig über dessen schändlich verwahrlosten Zustand, die Nase. »Wenn Mutter deshalb die lange Fahrt von Windhuk hierher gemacht hat –« Er dachte den Gedanken nicht zu Ende, denn ein Junge bog in diesem Augenblick um die Ecke des Ruderhauses.

Er trug eine geflickte kurze Segeltuchhose, hatte braune, muskulöse Beine und balancierte auf bloßen Füßen die Lukenkimming entlang.

Als die Jungen einander erblickten, warfen beide den Kopf zurück und erstarrten wie zwei Hunde, die sich unerwartet gegenüberstehen. Schweigend musterten sie einander.

»Ein Luxusbübchen«, dachte Manfred. Er hatte schon einige von dieser Sorte bei ihren seltenen Besuchen in Swakopmund gesehen. Kinder reicher Eltern, die lächerlich steife Kleidung trugen und mit diesem schrecklich hochmütigen Gesichtsausdruck gehorsam hinter ihren Eltern herliefen. »Sieh dir nur sein Haar an, es glänzt von Pomade, und er stinkt wie ein Blumenstrauß.«

»Einer von den armen weißen Afrikanern«, beurteilte Shasa sein Gegenüber. »Ein Bywoner, ein Arbeiterkind.« Seine Mutter hatte ihm immer verboten, mit ihnen zu spielen, aber er hatte festgestellt, daß einige unter ihnen recht unterhaltsam waren. Das Verbot seiner Mutter steigerte ihre Anziehungskraft natürlich noch. Einer von den Söhnen des Obermaschinisten in der Mine imitierte so täuschend ähnlich Vogelstimmen, daß die Vögel auf seinen Ruf von den Bäumen herunterflogen. Und die ältere Schwester dieses Jungen, sie war ein Jahr älter als Shasa, hatte ihm, als sie einmal verbotenerweise ein paar Minuten allein hinter dem Pumpenhaus waren, etwas noch Bemerkenswerteres gezeigt. Sie hatte ihm sogar erlaubt, es zu berühren, dieses warme, pelzige Ding, das sich wie ein neugeborenes Kätzchen unter ihrem kurzen Baumwollrock verbarg – ein höchst aufregendes Erlebnis, das er bei nächster Gelegenheit zu wiederholen gedachte.

Dieser Junge hier sah auch recht interessant aus, vielleicht konnte er Shasa den Maschinenraum des Trawlers zeigen. Er warf einen flüchtigen Blick zur Fabrik zurück. Seine Mutter konnte ihn nicht sehen, und er war bereit, Großmut zu zeigen.

»Hallo.« Er machte eine großzügige Geste und lächelte vorsichtig. Sein Großvater, Sir Garrick Courtney, das wichtigste männliche Wesen in seinem Leben, hatte ihn immer ermahnt: »Du nimmst von Geburt eine besonders hohe Stellung in der Gesellschaft ein. Damit hast du nicht nur Vorrechte und Privilegien, sondern auch Verpflichtungen. Ein richtiger Gentleman behandelt die, die unter ihm stehen, ob schwarz oder weiß, alt oder jung, Mann oder Frau, mit Höflichkeit und Respekt.«

»Mein Name ist Courtney«, erklärte Shasa. »Shasa Courtney. Mein Onkel ist Sir Garrick Courtney und meine Mutter ist Mrs. Centaine de Thiry Courtney.« Er wartete auf die Unterwürfigkeit, die dieser Name gewöhnlich hervorrief, und als nichts dergleichen sich zeigte, fuhr er eher verlegen fort: »Und wie heißt du?«

»Ich heiße Manfred«, erwiderte der andere Junge in afrikaans und hob die dichten schwarzen Augenbrauen, die viel dunkler waren als sein strähniges blondes Haar. »Manfred De La Rey. Und mein Großvater, mein Großonkel und mein Vater waren ebenfalls De La Rey und schossen den Engländern das Gehirn aus dem Schädel, wann immer sie einem von ihnen begegneten.«

Dieser unerwartete Angriff ließ Shasa erröten, und er wollte sich schon abwenden, als er sah, daß im Fenster des Ruderhauses ein alter Mann lehnte, der sie beobachtete, und daß vom Vorderdeck zwei farbige Seeleute nähergekommen waren. Jetzt konnte er nicht den Rückzug antreten.

»Wir Engländer haben den Krieg gewonnen und den Rebellen 1914 die Hölle heiß gemacht«, brauste er auf.

»Wir!« widerholte Manfred und wandte sich an sein Publikum. »Dieser kleine Gentleman mit dem Parfüm im Haar hat den Krieg gewonnen.« Die Schwarzen lachten ermutigend. »Dem Geruch nach sollte er eigentlich Lily heißen – Lily, der parfümierte Soldat.« Manfred drehte sich wieder zu ihm um, und Shasa bemerkte, daß er mindestens einen halben Kopf größer war und beängstigend muskulöse braune Arme hatte. »Du bist also Engländer, was, Lily? Dann lebst du wohl in London, süße Lily?«

Shasa war es nicht gewohnt, daß sich ein armer weißer Junge so gewählt ausdrückte oder den Verstand hatte, so ätzende Bemerkungen zu machen. Gewöhnlich war er es, der das große Wort führte.

»Natürlich bin ich Engländer«, entgegnete er wütend und suchte nach einer scharfen Erwiderung, um dieses Gespräch beenden und sich ehrenhaft zurückziehen zu können.

»Dann lebst du also in London«, meinte Manfred hartnäckig.

»Ich lebe in Kapstadt.«

»Aha!« Manfred wandte sich an sein größer werdendes Publikum. Auch Swart Hendrick war von seinem Trawler herübergekommen. »Deshalb nennt man sie Soutpiel!« verkündete Manfred. Dieser derbe Ausdruck rief schallendes Gelächter hervor. Manfred hätte es nie gewagt, diesen Ausdruck in Gegenwart seines Vaters zu gebrauchen. Übersetzt hieß das Wort »Salzschwanz«. Shasa errötete und ballte bei dieser Beleidigung unwillkürlich die Fäuste.

»Ein Salzschwanz steht mit einem Fuß in London und mit dem anderen in Kapstadt«, erklärte Manfred genüßlich, »und sein Schwanz baumelt in der Mitte über dem salzigen Atlantik.«

»Das wirst du zurücknehmen!« Mehr wußte Shasa vor Wut nicht zu sagen. Kein Tieferstehender hatte jemals so mit ihm geredet.

»Zurücknehmen – du meinst, so wie du deine salzige Vorhaut zurückziehst? Wenn du damit spielst? Meinst du das?« fragte Manfred. Der Applaus hatte ihn leichtsinnig gemacht, er war näher gekommen und befand sich nun direkt unterhalb der Stelle, wo der Junge auf dem Entladesteg stand.

Shasa ließ sich ohne Vorwarnung auf Manfred fallen, der das nicht so bald erwartet hatte. Er hatte gedacht, sie würden noch ein paar Beleidigungen austauschen, bevor sie wütend genug waren, um einander anzugreifen.

Shasa sprang aus einer Höhe von fast zwei Metern und traf ihn mit der vollen Wucht seines Körpers und seiner Wut. Pfeifend entwich die Luft aus Manfreds Lungen, dann landeten sie eng umschlungen in dem Haufen toter Fische.

Sie wälzten sich herum, und Shasa erschrak über die Kraft, die sein Gegner besaß. Seine Arme waren hart wie Holzbalken, und seine Finger fühlten sich an wie eiserne Fleischerhaken. Nur das Überraschungsmoment und Manfreds augenblickliche Atemnot bewahrten ihn vor einer sofortigen Niederlage. Fast ein wenig zu spät erinnerte er sich an die Ermahnungen von Jock Murphy, seinem Boxlehrer: »Laß dich mit einem stärkeren Mann auf keinen Nahkampf ein. Halt ihn auf Distanz.«

Manfred griff nach seinem Gesicht, versuchte mit einem Arm seinen Hals zu umklammern, und sie wühlten sich in den kalten, glitschigen Fischhaufen. Shasa zog sein rechtes Knie an und stieß es Manfred in die Brust, als dieser sich über ihm aufrichtete. Manfred rang nach Luft und wich zurück, aber als Shasa versuchte, sich wegzurollen, warf er sich auf ihn, um seinen Kopf in die Zange zu nehmen. Shasa zog den Kopf ein und befreite sich aus Manfreds Griff. Der Fischschleim, der seinen Hals und Manfreds Arme bedeckte, kam ihm dabei zugute. Und kaum war er frei, schlug er mit der linken Faust zu.

Diese kurze Linke hatte Jock ihn endlos üben lassen. »Diesen Schlag mußt du unbedingt beherrschen.«

Es war zwar nicht einer von Shasas besten Schlägen, aber er traf den anderen Jungen kräftig genug am Auge, daß sein Kopf zurückschnellte und er so weit abgelenkt war, daß Shasa auf die Beine kam und zurückweichen konnte.

Inzwischen wimmelte es auf dem Steg über ihnen von...



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