E-Book, Deutsch, Band 1, 392 Seiten
Reihe: Light and Darkness
Smith Lights of Amsterdam
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-8408-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 392 Seiten
Reihe: Light and Darkness
ISBN: 978-3-7562-8408-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chayenne Smith ist eine Deutschschweizer Autorin. Sonnenuntergänge beobachten, in eiskalten Seen schwimmen oder Zeit gemeinsam mit ihrer Familie zu verbringen, gehören neben dem Schreiben zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.
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Kapitel 1
Es war mein erster Tag in dieser Stadt. Die Regentropfen trommelten in gleichmässigem Rhythmus an die Fensterscheibe des Mercedes, den die Firma mir samt Chauffeur für die Dauer meines Aufenthalts hier zur Verfügung gestellt hatte. Mit schlechtem Wetter hatte ich bereits gerechnet. Es war Anfang Dezember und Amsterdam war nicht gerade bekannt für seine Sonnentage zu dieser Jahreszeit.
«Eine ungewöhnliche Zeit für einen Jobwechsel kurz vor Weihnachten Mr. Carter», richtete mein Chauffeur Lennard das Wort an mich. Ich fuhr mir mit den Fingern durch meine vom Flug etwas zerzausten schwarzen Haare und richtete meine Aufmerksamkeit auf Lennard. Er schien ein netter und zuverlässiger Kerl zu sein, ich entschied mich dazu, offen mit ihm zu reden.
«Nun da haben Sie bestimmt Recht, aber da ich dieses Jahr noch einige freie Tage zur Verfügung habe und mein Bruder der ebenfalls in der Zweigstelle unseres Unternehmens hier in der Stadt arbeitet, sich vor kurzem ein Hausboot gekauft hat, habe ich mir gedacht, dass ich die Zeit nutzen werde, um mir die Stadt ein wenig anzusehen um nach Silvester loslegen zu können.» Jetzt breitete sich ein Grinsen auf Lennards Gesicht aus.
«Wenn ich es nicht besser wüsste Mr. Carter würde ich denken, dass sie es sich in den Coffeeshops der Stadt bequem machen möchten.»
Mit einer Hand steuerte er immer noch den Mercedes, mit der anderen griff er ins Handschuhfach und beförderte einen perfekten Blunt zu Tage.
«Willkommen in Amsterdam Mr. Carter.»
Ich liess mir meine positive Verwunderung darüber nicht anmerken. Die Zweigstelle unserer Firma in Amsterdam schien etwas lockerer als unsere anderen Niederlassungen zu sein. Kein Wunder hatte sich mein Bruder permanent hier hin versetzen lassen. Wir arbeiteten beide seit einigen Jahren als Marketingmanager für VR Visions, eine Firma die Sicherheitssysteme in der ganzen Welt verkaufte. Noch im Wagen zündete ich mir den Blunt an. Ich zog daran und merkte unmittelbar, wie ich mich zu entspannen begann, als ich den Rauch aus meiner Lunge strömen liess. Der Ballast der letzten Wochen schien von mir abzufallen. Der Umzugsstress, die vielen zusätzlichen Meetings im Büro und meine unschöne Trennung von Millie.
«Sind alle in Amsterdam so wie Sie? Auch die in der Firma?», wollte ich von Lennard wissen. Das Zeug hatte meinen Geist beruhigt und meine Zunge beflügelt.
«Was denken Sie denn, wir leben in einer der schönsten Städte der Welt, haben tonnenweise Gras das wir legal bei uns zu Hause oder im Café konsumieren können und die hübschesten Frauen. Haben Sie eine Freundin Mr. Carter? Denn falls nicht werden Sie hier bestimmt eine finden», dabei zwinkerte er mir verschwörerisch zu, bemerkte meinen zweifelnden Blick aber nicht. Denn das Letzte was ich im Moment wollte, war eine Freundin. Ich war hier, um ein wenig Spass zu haben, etwas Ernstes hatte ich die letzten fünf Jahre lang gehabt und es hatte nicht sonderlich gut geendet. Der Wagen wurde langsamer, wir näherten uns einem Kanal auf dem einige Hausboote träge im Wasser schaukelten.
«Da sind wir Mr. Carter. Hier ist die Adresse die Sie mir angegeben haben. Soll ich Ihnen mit dem Gepäck helfen?»
«Danke Lennard ich denke das schaffe ich schon alleine.»
Kurz darauf nahm ich meinen Koffer und die Reisetasche aus dem Wagen.
«Gut, dann wünsche ich Ihnen einen schönen Urlaub und bis nächstes Jahr, sollten Sie mich ansonsten benötigen kontaktieren Sie mich.»
Ich hob die Hand zum Gruss und Lennard fuhr davon.
Weshalb mir die Firma einen privaten Chauffeur besorgt hatte, war mir nicht ganz klar. Ich hatte schon mehrfach eine Tochterfirma besucht und hatte auch dort immer einen Chauffeur gehabt.
Doch für Amsterdam erschien mir dies doch ziemlich seltsam, da sich hier absolut alle Menschen mit dem Fahrrad oder zu Fuss fortzubewegen schienen.
Da war ich also, stand am Kanal und betrachtete die Hausboote. Eines davon gehörte meinem Bruder. Dieser Spinner konnte sich nicht einfach eine schicke Wohnung in der Innenstadt besorgen mit Dachterrasse und all dem unnötigen Zeug, nein es musste ein Boot sein. Ich schulterte die grosse Reisetasche samt Laptop und zog meinen Koffer über den Steg.
Gerade als ich die ja so hatte er sein Schiff wirklich getauft entdeckte, sah ich, wie die Boardtür aufglitt und eine junge Frau eilig hinaus trat. Sie war zierlich, dünn, aber dennoch wohl geformt, hatte ellenlange Beine dazu lange gewellte blonde Haare, die ihr bis zur Taille reichten.
Sie trug enge dunkle Jeans, Overknees Stiefel und ein kurzes schwarzes Top.
Sie war die schönste Frau, die ich je gesehen hatte, schoss es mir durch den Kopf. Dabei hatte ich noch nicht einmal Ihr Gesicht gesehen. Sie lief in meine Richtung. Der Steg war eng, das hiess sie musste sich an mir vorbei zwängen um zur Strasse zu gelangen. Ich war erfreut darüber, denn so würde ich die Gelegenheit haben, sie aus nächster Nähe betrachten zu können. Sie kam immer näher.
Endlich konnte ich ihr Gesicht erkennen.
Gott, aber sie war noch so jung. Doch das konnte mich nicht davon abhalten jeden Zentimeter, jede Facette ihres Gesichts in meinem Gedächtnis einzuprägen. Ihre Lippen waren vollkommen und schwungvoll, ihre Nase klein und spitz mit einem pinken Piercing, ihre Wangenknochen waren markant, und sie hatte ein feines Tattoo am Hals. Was es war, konnte ich nicht erkennen.
Und erst diese Augen, ich musste schlucken.
Dunkelgrün.
Jetzt da ich auch noch ihr Gesicht gesehen hatte, wusste ich mit Sicherheit, dass sie die schönste Frau war, die ich je gesehen hatte. Trotz ihrer Schönheit schien sie jedoch eine unsichere Ausstrahlung zu haben, sie wirkte traurig, fast schon gebrochen.
Sie blickte die ganze Zeit zu Boden, so als würde sie sich nicht trauen, die Welt um sich herum genauer zu betrachten. Und so kam es, dass sie mich erst im letzten Moment bemerkte. Sie erschrak heftig, als wäre sie soeben aus einem Tagtraum erwacht.
Unsere Blicke kreuzten sich verschmolzen. Ich sah in ihre dunkelgrünen Augen und erkannte den Schmerz, das Leid, die Angst und die Leidenschaft darin. Auch sie schien etwas in meinen Augen zu sehen, denn sie zuckte zusammen und taumelte rückwärts. Ich versuchte sie noch zu halten, doch sie wich mir aus und fiel ins Wasser.
Mist.
So hatte ich mir das Zusammentreffen mit meiner Traumfrau eigentlich nicht ausgemalt. Ohne zu zögern legte ich meine Tasche ab und sprang ins eiskalte Wasser.
Mein ganzer Körper zog sich innerlich durch die Kälte zusammen. Ich war ein guter Schwimmer, schon immer gewesen, ich bekam ihren zarten strampelnden Körper zu fassen und musste sie sogleich beinahe wieder loslassen, da mich eine solche derartige innerliche Hitze durchfuhr, als ich sie berührte. Doch ich hielt sie fest und schwamm mit ihr zu einer rettenden Leiter. Ich half zuerst ihr aus dem Wasser, musste mich trotzt der eisigen Kälte, die mich am ganzen Körper zittern liess, zusammenreissen um sie nicht anzustarren, wie sie zitternd und hustend auf dem Steg sass. Sie war so schön selbst in diesem Zustand. Ich fasste mich als Erster wieder.
«Geht’s dir gut? Soll ich einen Krankenwagen rufen? Du musst dich abtrocknen sonst unterkühlst du.»
Ich wühlte in meiner Reisetasche, warf ihr einen Pullover zu. Sie sah aus als würde sie unter Schock stehen, denn sie blickte noch immer zu Boden. Doch dann schien sie sich zu erinnern, wo sie sich befand.
«Du fragst ob es mir gut geht? Wegen dir bin ich doch erst ins Wasser gefallen! Konntest du nicht ein wenig aufpassen! Wegen dir komme ich zu spät zur Arbeit. Ich weiss nicht wie das auf deiner Arbeit so abläuft aber mein Chef wird mich zur Schnecke machen.»
Mit diesen Worten erhob sie sich ohne ein weiteres Wort, warf mir den Pulli zornig ins Gesicht zurück und stolzierte davon. Damit hatte ich nicht gerechnet, diese Wut, diese Emotionen, sie hatte auf mich so zerbrechlich gewirkt. Doch auch wütend war sie immer noch eine Schönheit.
Ich blickte ihr nach bis sie in ein Taxi stieg und davon fuhr. Danach war es für mich höchste Zeit, mich nach Drinnen zu begeben. Ich packte meine Tasche und meinen Koffer, ging die wenigen Schritte bis zum Hausboot meines Bruders. Ohne anzuklopfen, trat ich ein.
«Grosser Gott Winston was ist denn mit dir passiert, bist du in den Kanal gefallen?»
Hörte ich die laute Stimme meines drei Jahre älteren Bruders Noah durch den Gang. Er stand in seiner Küche mit nichts als einer Jogginghose bekleidet und blickte mich verwundert an.
Mein Herz verpasste mir einen Stich. Sie war aus diesem Hausboot gekommen, Noah sah ziemlich zufrieden aus, noch dazu trug er nur eine Jogginghose. Konnte es sein, dass die Frau die mich seit dem ersten Augenblick in ihren Bann gezogen hatte, Noahs Freundin war? Doch das musste ich später herausfinden. Ich brauchte schleunigst trockene Klamotten, wenn ich mir nicht eine ernsthafte Lungenentzündung zuziehen wollte und darauf abzielte den gesamten Urlaub im Bett zu verbringen. Ausserdem hatte ich Noah zuletzt vor einem Jahr gesehen. Mein...




