E-Book, Deutsch, Band 3, 340 Seiten
Reihe: Jason Harper
Smith Netz der Rache
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-4184-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jason Harper - Band III
E-Book, Deutsch, Band 3, 340 Seiten
Reihe: Jason Harper
ISBN: 978-3-7583-4184-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geboren 1978 und bis heute sesshaft im Süden Hamburgs, lebt er allein und hat eine Tochter. Er schreibt bevorzugt im Grusel - und Horror-Genre. Aktuell arbeitet er an seiner Serie um den Geisterjäger Jason Harper. Begonnen als Kurzgeschichte mauserte sich die Begeisterung für den fluchenden Kettenraucher zu einer Triologie. Band I - Am Anfang Allein (08/2021) Band II - Zone der Entfremdung (12/2022) Band III - Netz der Rache (01/2024) Seit seiner frühen Kindheit begeistern ihn Geschichten jedweder Form. Seine große Liebe ist bis heute ein gutes Buch. Über Klassiker bis zu den modernen Werken ist ihm nichts entkommen. Ebenso investiert er seine Energie in seine Entwicklung als Erzähler spannender Geschichten. Im beruflichen Alltag als Spezialist im Zoll -u. Steuerrecht studierte er nebenberuflich BWL. So staubtrocken sein Beruf ist, so abwechslungsreich sind seine weiteren Betätigungen: Kampfsport als begeisteter Trainer, Live-Rollenspieler, Airsoft und das Besuchen verlassener Orte liefern ihm Inspiration und Anregungen für seine Werke. Die spannendste Reise bisher führte ihn in die Sperrzone um Tschernobyl.
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First Cut – Trügerisches Feuer
Jason saß im Wohnzimmer von Julies Eltern und war froh, dass er für ein paar Minuten allein sein konnte. Seit er aus der Ukraine zurückgekehrt war, hatte er kaum Zeit zum Luftholen gehabt. Die Scheiße am Flughafen wäre fast schiefgegangen, denn eine Art Spezialeinheit von dieser Scheißorganisation war hinter ihnen her, und diese Penner würden sicherlich nicht aufgeben. Genervt fuhr Jason sich durch die Haare. Was für ein Chaos! Ein paar Monate Ruhe, und nun ging es drunter und drüber. Was würde als Nächstes passieren?
Als Julies Ma von der Arbeit kam, war sie zuerst ein wenig überfordert von der Anwesenheit der Zwillinge. Die neuen Freunde ihrer Tochter passten so gar nicht in das Weltbild der stillen, gepflegten Endvierzigerin. Daria schien wieder ganz die Alte zu sein, was bedeutete, dass sie die meiste Zeit in einem Singsang redetet und eher tanzte, als sich normal zu bewegen. Daneben der riesenhafte, breitschultrige Bohdan mit seinem kindlichen Gesichtsausdruck, der so gut wie gar kein Wort von sich gab. Und natürlich war da noch Jason, den sie bereits kannte, mit all seinen grauenhaften Tattoos und den oft fragwürdigen Manieren. Dennoch erlaubte sie nach einem längeren Gespräch mit Julie, dass sie bleiben durften. Und so machten sich alle frisch, duschten und gingen zu Bett.
„War das dein Ernst? Nach England gehen und jemanden … umbringen?“
Julie lag in Jasons Arm und beide starrten zur Decke.
„Ich hoffe, in den Arsch treten reicht.“
Sie wandte sich ihm zu. „Meinst du, das klappt? Dass man diese Leute davon überzeugen kann, uns in Ruhe zu lassen?“
Die Bettdecke knisterte leise, als er sich zu ihr umdrehte. Als ihr Blick in seine blauen Augen fiel, zuckte sie leicht zusammen.
„Es geht nicht nur um uns, Julie. Die bringen Menschen um. Einfach so. Sie manipulieren, beeinflussen … Scheiße, ich hab keine Ahnung, wo die überall ihre Finger im Spiel haben.“
Er rollte sich wieder auf den Rücken und stierte an die Decke. Sie streichelte ihm sanft durch die schwarzen Haare.
Leise fuhr Jason fort: „Ich weiß es nicht. Ganz ehrlich, ich habe keinen Plan. Ich bin völlig überfordert und trotzdem weiß ich, dass ich was unternehmen muss.“ Er drehte sich ihr zu. „Aber diesmal musst du mitkommen.“
„Weil sie hinter mir her sind“, murmelte sie und strich sich eine braune Strähne aus dem Gesicht.
„Die Zwillinge und ich sind die Einzigen, die dich beschützen können“, gab er bestimmt zurück.
Julie rollte auf den Rücken, und Jason gab ihr einen Kuss auf die sommersprossige Wange.
„Ich habe Angst, Jason“, flüsterte sie in die Dunkelheit ihres Zimmers.
Er hob den Blick erneut zur Decke. „Ich auch, Julie.“
Nach einiger Zeit verriet Julies gleichmäßiger Atem, dass sie eingeschlafen war. Jason schlich sich aus dem Zimmer, nahm Hose, Shirt und vor allem seine Zigaretten mit. Julies Mom duldete nicht, dass er im Haus rauchte, aber er hatte die Erlaubnis erhalten, es in der Sitzecke hinten im Garten zu tun. Dorthin ging er jetzt, den Kopf voller Fragen und Gedanken an das, was bisher passiert war und was noch kommen würde. Die Ungewissheit nagte an ihm, und es war nicht nur die kühle Nachtluft, die ihn frösteln ließ.
Seufzend ließ er sich auf der Bank nieder und zündete sich eine Zigarette an. Er streckte die Beine aus, was beide Knie mit einem Knacken quittierten. Auch so eine Sache. Julie schrieb das seinen Fähigkeiten zu, die seinen Körper ihrer Meinung nach langsam ruinierten.
Sein Blick ging ins Leere und seine Gedanken schweiften ab. Was für eine Welt. Er hatte Geister gejagt, war dabei mehrmals fast umgekommen und hatte sich mit seinen Kräften allein gewähnt. Und plötzlich stand seine Welt Kopf. Es gab andere wie ihn, Geistermonster, die Idioten von der Organisation, und alle waren scheinbar hinter ihm her. Schnaufend stieß er den Rauch aus.
Jason lauschte in sich hinein. Was war in der Zone passiert? Er hatte seitdem das Gefühl, mehr Energie zu haben. Wieder einmal blieb ihm nur, den Kopf zu schütteln. Was für eine scheißverrückte Welt! Das leise Geräusch von Schritten ließ ihn aufhorchen. Daria kam barfuß auf ihn zu.
„Darf ich mich zu dir setzen?“, fragte sie.
Ihre Stimme war wieder schmerzhaft monoton. Ihre Schultern hingen herunter und ihre Hüfte stand still. Langsam strich sie sich die glatten, blau und violett gefärbten Haare aus dem Gesicht und sah ihn mit ihren grünen Augen schüchtern an. Das passte so gar nicht zu ihr, und ihm wurde klar, dass ihr Gehabe in der Gegenwart von Julies Mom nur Show gewesen war.
„Klar“, brummte er und rückte ein Stück.
Die Kunststoffbank wäre unter ihrem Bruder Bohdan, einem glatzköpfigen Muskelpaket sondergleichen, wahrscheinlich zusammengebrochen. Sie beide jedoch stellten für das weiße Plastik keine Herausforderung dar. Ihre Fähigkeiten forderten ihren Tribut, und so waren beide eher dürr.
„Danke“, murmelte sie.
Die beiden blickten geradeaus. Der Rauch von Jasons Zigarette stieg in den windstillen Nachthimmel hinauf. Trotz des Schimmers der Stadt sahen sie einige Sterne glänzen, die gegen das von Menschenhand geschaffene Licht aufbegehrten. Sie hörten das Rauschen der Zivilisation, immer wieder durchsetzt von einem aufheulenden Motor oder einer Sirene. Daria zog die Beine an und setzte sich zitternd in den Schneidersitz.
„Warum hast du keine Schuhe angezogen? War doch klar, dass das Gras nass ist“, murmelte Jason.
Als Antwort bekam er einen leichten Hieb auf die Schulter. Mit einem schiefen Grinsen drehte er sich halb zu ihr um. Seine Lippen wurden zu einem schmalen Strich, als er im Licht der Sterne Tränen auf ihren Wangen glänzen sah.
„Hey, Freak. Ich kann keine Gedanken lesen. Rede mit mir“, sagte er so sanft, wie es ihm möglich war.
Daria warf ihm einen schnellen Blick zu, wischte sich unbeholfen mit der Hand über das Gesicht und schniefte theatralisch. Für einen kurzen Moment war da wieder der Schalk in ihren Augen. Leider verschwand er sofort wieder, hinabgezogen in die Dunkelheit aus Angst und Trauer. Sie schlang die Arme um den Oberkörper und starrte zu Boden.
Jason sah sie noch einen Moment an, wartete, ob sie etwas erwidern würde. Als sich sein ohnehin kleiner Vorrat an Geduld dem Ende neigte, wollte er sich wieder abwenden, doch sie legte ihm eine Hand auf den von Tattoos bedeckten Arm.
Daria holte tief Luft. „Ich habe mich nie bedankt.“
Überrascht hob Jason den Kopf.
„Du nennst uns Freaks und bist oft gemein und grob zu uns.“
Er nahm Anlauf, um zu widersprechen, kam jedoch nicht dazu.
„Aber du bist immer für uns da. Du bist nur gemein, weil du Angst hast und nicht weißt, was du tun sollst. Weil deine Seele sich fürchtet. Seit du aus der Ukraine, seit du aus der Zone der Entfremdung zurück bist, bist du anders.“ Ihre grünen Augen fixierten seine blauen. Sie fuhr leise fort und hielt ihn mit ihrem Blick gefangen.
„Du bist stärker. Die wissen das noch nicht, aber ich sehe es. Ich wusste, dass es wichtig für dich sein würde, dorthin zu gehen.“ Jason wollte etwas sagen, aber Daria kam ihm erneut zuvor. „Diese Reise war gut für dich. Ich hatte … ich war nicht ehrlich. Ich habe Mikhael angerufen, nicht er mich.“
Jason grunzte. „Das hat er mir auch erzählt. Hab ich in dem ganzen Mist vergessen. Wieso …“
Daria unterbrach ihn. „Das Lied, Jason. Du hörst es auch. Ich wusste, du musst dorthin.“
Er atmete schwer aus. Das erklärte nichts. Sein Leben schien nur noch aus Fragen ohne Antworten zu bestehen, denn aus Antworten wurden nur noch mehr Fragen. Müde zog er an der Zigarette.
„Du und Julie“, sagte Daria leise, „ihr seid unsere einzigen echten Freunde. Du weißt nicht, wie viel Bohdan und mir das bedeutet. Du hast mal gesagt, du hattest eine Kindheit. Anders als wir. Damals habe ich das abgestritten, aber du hattest recht. Seit der Geschichte in der Schule, seit wir an diesem anderen Ort waren ... Wir hatten keine echte Jugend, keine Zeit, erwachsen zu werden und Erfahrungen zu machen. Wir kennen nur Flucht, Gewalt und Furcht.“ Ihre Fingernägel pressten sich in seine Haut, doch Jason brachte es nicht über sich, Daria zu unterbrechen. Lautlos liefen ihr glitzernde Tränen über die blassen Wangen. Sie konzentrierte sich und sprach ganz langsam und bewusst, um ihren Akzent unter Kontrolle zu halten. „Sie wollten uns brechen. Sie haben Bohdan und mir wehgetan. Sie haben uns beiden die Fähigkeit genommen, uns … weder mein Bruder noch ich können … ich und er, wir sind ...“
Jason ergriff ihre Hand und hielt sie sanft umklammert. „Wir können niemals Kinder bekommen“, schluchzte sie. „Wir können niemals eine Familie haben.“
Jason richtete sein Gesicht gen Himmel, die Kiefer fest aufeinandergepresst. Er ließ die Zigarette fallen und legte beide Arme...




