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Smith | Steuerhinterziehung, die Dackeltheorie und ein schwarzes Schlafzimmer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Smith Steuerhinterziehung, die Dackeltheorie und ein schwarzes Schlafzimmer

Geschichten aus dem Leben eines Steuerberaters
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-0266-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichten aus dem Leben eines Steuerberaters

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-7557-0266-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Während andere erst abends im Fernsehen ihre Seifenopern sehen: Michael P. Smith hat sie jeden Tag in seiner Kanzlei: Da werden Steuern hinterzogen, Ehefrauen oder Ehemänner betrogen, Geschwister streiten sich um das Erbe oder es taucht kurz nach dem Tode eines Unternehmers bei der trauernden Witwe eine uneheliche Tochter des Verstorbenen auf und begehrt die Hälfte des Vermögens. Leider kommen in typischen Vorabendserien Vertreter aller möglichen Berufe vor, überwiegend Ärzte, Verbrecher, Rechtsanwälte, Richter und Polizisten. Einen Steuerberater gibt es da selten oder nie, und wenn, dann höchstens als leidenschaftsloser Bösewicht. So sind sie aber nicht. Steuerberatung ist weder langweilig noch trocken und Steuerberater sind schon gar keine Bösewichte, die bei der Steuerhinterziehung helfen. Im Gegenteil, sie sind Berater für alle Lebenslagen und helfen auf legalem Wege nicht zu viel Geld an den Fiskus zu verlieren. Oft sind sie die Retter in der Not. Das weiß nur keiner, denn Steuerberater sind stille Helden: Zurückhaltend, aber erfolgreich! Damit dies endlich bekannt wird: Hier ist Steuerberater Michael P. Smith. Und das sind seine Geschichten.

Michael P. Smith arbeitete nach dem Militärdienst und einem Hochschulstudium als Ingenieur, bis er über seine damalige Lebensgefährtin die Leidenschaft zur steuerlichen Jurisprudenz entdeckte, erneut eine akademische Laufbahn durchlief und nach der Ablegung der notwendigen Prüfungen sich mit einer kleinen Steuerkanzlei selbständig machte. Er betreut überwiegend kleine und mittlere Unternehmen, Freiberufler und Vermieter. Neben seiner Steuerberatertätigkeit schreibt er auch als Co-Autor für ein Lexikon zur Finanzbuchhaltung für einen großen deutschen juristischen Verlag. Dies ist seine erste belletristische Veröffentlichung. Trotz eines steuerrechtlichen Hintergrundes stehen bei Smith die Charaktere und die Spannung im Vordergrund.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1.
DIE FEHLENDE KUNDENLISTE

Hohe Bildung kann man dadurch beweisen,

dass man komplizierte Dinge

auf einfache Art zu erläutern versteht.

»Aber wir wollen keine Steuern bezahlen«, rief Thekla Willenborg. Und ihr Bruder Thade nickte eifrig.

Ich schaute die Zwillinge an und überlegte. Thekla und Thade Willenborg (Schwester und Bruder, beide 20 Jahre alt) betreiben eine Werbeagentur, die überwiegend Onlinemarketing betreibt, also Werbekampagnen für Social Media wie Instagram, Facebook, Google und Twitter verantwortet. Sie sind dabei extrem erfolgreich. Ihre GmbH, die sie jeweils hälftig besitzen, hat es von einem Gewinn im Vorjahr von 30.000 Euro auf einen Gewinn im laufenden Jahr von 600.000 Euro geschafft. Das bedeutet aber auch Steuern von ungefähr 180.000 Euro. Entsprechend aufgeregt sind die beiden. Um diese Steuern kommen sie auch nicht herum. Aber sie denken weiter, und überlegen schon, die Anteile an der GmbH an einen reichen Investor zu verkaufen, falls sie denn einen finden. Der Gewinn daraus wäre natürlich dann auch steuerpflichtig. Und genau das wollen die Geschwister nicht.

»Um das zu umgehen gibt es nur die Möglichkeit mit einer sogenannten Holding, also wenn nicht Sie Eigentümer der GmbH-Anteile sind, sondern wiederum eine Kapitalgesellschaft, an der sie dann beteiligt sind.«, erläuterte ich. »Das ist dann faktisch ein Konzern, wenn auch ein kleiner.« Ich lächelte.

»Es reicht auch eine UG, also eine Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), wie diese korrekt heißt. Wir müssen also zwischen Sie persönlich und die GmbH diese UG, die sogenannte Holding, schalten. Verkauft dann die Holding die Anteile an der GmbH mit Gewinn, so ist dieser Gewinn in der UG zu 95% steuerfrei. Die Ausschüttung des Gewinns wäre natürlich schon steuerpflichtig, nicht aber, wenn der Gewinn in der UG verbliebe. Danken Sie dafür übrigens dem ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel. Das ist nämlich erst sein 2002 so. Ich glaube, da waren Sie gerade im Kleinkindalter.«

Die Zwillinge schauten etwas verstört.

»Und wie gründen wir eine solche Uuuh-Geeeh«, fragte Thade, die beiden Buchtstaben lang ziehend. »Nun das ist einfach«, antwortete ich. »Sie gehen zum Notar, der weiß Bescheid. Dafür gibt es gesetzlich geregelte Standardverträge. Das Problem ist eher, wie bekommen Sie die Anteile der GmbH von Ihnen in die UG rein, ohne Steuern zu zahlen.«

»Die Gründung einer Holding kostet Steuern?«, fragte Thekla ungläubig und schaute auf die Uhr.

»Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten. Sie können die alte GmbH auslaufen lassen und eine neue GmbH gründen, gleich aus der UG heraus. Die UG kann aber auch die Anteile von Ihnen persönlich abkaufen oder drittens wir machen eine Einbringung zu Buchwerten nach Umwandlungssteuergesetz. Da umgehen wir Aufdeckung der sogenannten stillen Reserven. In Ihrem Fall wäre das der Firmenwert. Der dürfte bei einem Gewinn von 600.000 im Jahr doch recht hoch sein«, schloss ich meine Worte.

Die Zwillinge schauten, als ob ich Ihnen die Nachricht einer unheilbaren Krankheit überbracht hätte.

»Es tut mir leid, ich habe leider nichts verstanden. Außerdem sind wir in Eile«, meinte Thekla Willenborg und erhob sich. »Thade, wir müssen los. Unser Parkticket ist schon seit 5 Minuten abgelaufen.« »Ok«, rief Thade Willenborg, »wir müssen das noch einmal in Ruhe besprechen, Herr Smith.« Er packte seinen modernen wasserdichten Travel Pack, gab mir schnell die Hand und hastete seiner Schwester hinterher, die schon im Türrahmen verschwunden war.

»Aber ich schaue mir das noch einmal gründlich an, und informiere Sie«, rief ich den beiden hinterher.

Unsere Buchhalterin Lisa Noack trat in mein Büro und war sichtlich einerseits verärgert, andererseits aber auch etwas verängstigt. Ich dachte: »O Gott, was ist passiert?«

Ich muss ergänzend hinzufügen, es war zu einer Zeit, als ich noch nicht lange Steuerberater war. Ich war also noch etwas grün hinter den Ohren, gutgläubig und verstand noch nicht sehr viel von den menschlichen Schwächen und Abgründen.

»Was ist, Frau Noack, kann ich helfen?«, fragte ich.

»Ja«, hauchte sie. »Sie müssen unbedingt Herrn Schulte anrufen. Irgendetwas läuft da schief. Die Sekretärin, Frau Schindler, nimmt mich nicht ernst oder schlimmer, sie betrügt uns absichtlich.«

Thomas Schulte ist ein erfolgreicher Unternehmer. Er betreibt in Berlin ein Unternehmen der Immobilienbranche. Genauer gesagt, er verkauft hochwertige Eigentumswohnungen, die er zuvor in einem desolaten Zustand aufkauft und dann renovieren lässt. Er hat 10 Mitarbeiterinnen und macht einen Jahresumsatz von etwa 20 Millionen Euro.

Hochwertige und damit sehr teure Eigentumswohnungen verkaufen sich allerdings nicht so leicht, jedenfalls war das vor einigen Jahren so, also noch vor der sogenannten Finanzkrise. Thomas musste sich daher etwas einfallen lassen, wie er die renovierten Wohnungen ca. 20 % über dem sonst üblichen Preis an den Mann oder an die Frau bringt.

Seine Masche geht so: In Süddeutschland leben sehr viele Ärzte, Apotheker, Hochschullehrer, Rechtsanwälte, Ingenieure, Steuerberater oder auch Kaufleute, die nicht so recht wissen, wohin mit ihrem Geld und daher nach Anlagemöglichkeiten suchen. Und diesen Leuten muss geholfen werden, sagt Thomas. Er lädt sie deshalb auf seine Kosten nach Berlin ein und bezahlt ein sündhaft teures Hotel für sie. Dazu kommt ein Rund-um-Sorglos-Paket mit Stadtführung, Opern- oder Musicalabend und Candle-Light-Dinner. Selbstverständlich wird mit Ehepartner/in eingeladen. Schließlich ist eine solche Investition nicht gegen den Willen des Partners, zumeist der Ehefrau, möglich.

Am Samstag findet dann außerdem eine Präsentation des aktuellen Projektes statt mit Besichtigung eines edlen Referenzobjektes. Und am Sonntag, nach einem üppigen Brunch, kurz vor der Abreise, erfolgt das sogenannte Closing, den Eingeladenen werden, vollgestopft mit so vielen tollen Eindrücken, die Kaufverträge für das nächste Projekt vorgelegt. Nach langjähriger Erfahrung unterschreibt jeder Zweite. Thomas ist wie immer zufrieden.

Auch steuerlich ist dagegen nichts einzuwenden. Die Aufwendungen für Hotel, Theater, Brunch, Dinner und Stadtführung sind Betriebsausgaben, da diese ja dem Verkauf der Wohnungen dienen. Wichtig war für mich nur, dass stets eine Kundenliste und ein Ablaufprotokoll erstellt und uns vorgelegt wird. Die Sekretärin von Thomas, Sabine Schindler, war da auch immer sehr penibel.

Einige Zeit lief das auch problemlos. Die monatlichen Buchhaltungen dokumentierten einen stattlichen Gewinn. Alles schien gut organisiert.

Lisa Noack machte einen hilflosen Eindruck. Sie schaute, als ob sie mich anfleht. Es musste also wirklich etwas nicht stimmen. Sonst ist sie ja die getreueste und genaueste Mitarbeiterin, die ich je hatte. Sie findet jeden fehlenden Cent.

»Was macht denn Frau Schindler?«, fragte ich, ein bisschen neugierig geworden.

»Es ist mehr, was sie nicht macht, Herr Smith«, antwortete Lisa.

»Nun gut, was macht sie denn nicht?«, fragte ich.

»Die Kundenlisten! Herr Smith, es geht um die Kundenlisten«, brach es förmlich aus ihr heraus. »Sie sagen doch immer, wir brauchen zu allen Hotelrechnungen die Kundenlisten! Und zu allem Übel erfolgt die Bezahlung auch noch mit der privaten Kreditkarte von Herrn Schulte. Ich muss so jedes Mal eine Aufwandseinlage verbuchen.«

In der Tat, da hatte sie recht. Mit der privaten Kreditkarte bezahlte Hotelrechnungen in der Buchhaltung sind häufig ein gefundenes Fressen für Betriebsprüfer. Zu oft versuchen Unternehmer, den Fiskus zu beschummeln, und geben ihre privaten Reisen als Dienstreisen aus. Bekannt sind auch die Ärztefortbildungen auf den Malediven. Da schauen die Prüfer eben ganz genau hin. Und wenn 20 Ehepaare im Marriot oder Adlon übernachten, könnten es ja auch Bekannte und Freunde von Thomas Schulte sein. Da hilft eine Kundenliste, die prüfbar ist, erheblich weiter, um eine saubere Buchführung zu haben.

Aber wieso gibt es da Probleme? Dachte ich. »Ich denke, Frau Schindler erstellt immer sehr gewissenhaft die Listen?«, wandte ich mich an meine Mitarbeiterin.

»Ja schon, für die Wochenenden im Marriot oder im Adlon. Da ist alles perfekt. Aber es gibt noch den Mittwoch im Hotel de Rome, zwar nur jeweils ein Doppelzimmer, aber da fehlt schon seit vielen Wochen die Liste.«

Mmhh, dachte ich und grübelte: Thomas Schulte wohnt ja in Berlin, somit braucht er doch kein Hotel in der Stadt! Wahrscheinlicher ist, dass jetzt wohl auch ganz besonders vermögende Kunden, irgendwelche VIPs, mit Einzelterminen geködert werden sollen. Es wird ja immer interessanter!

»Und warum fehlt die Liste?«, wollte ich wissen?

Frau Noack schüttelte resignierend den Kopf. »Keine Ahnung, das ist es ja! Ich habe schon viermal angerufen und die Liste angemahnt. Frau...



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