Sobel | Die Elemente der Marie Curie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Sobel Die Elemente der Marie Curie

Wie Radium Frauen den Weg in die Wissenschaft leuchtete | Von der Autorin des Weltbestsellers »Längengrad«
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8270-8119-3
Verlag: eBook Berlin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie Radium Frauen den Weg in die Wissenschaft leuchtete | Von der Autorin des Weltbestsellers »Längengrad«

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-8270-8119-3
Verlag: eBook Berlin Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dava Sobelerzählt die Geschichte der berühmten Naturwissenschaftlerin und der 45 Frauen, die sie in ihrem Labor ausgebildet hat. Wie Marie Curie auch, waren sie fasziniert von der rätselhaften Radioaktivität und erforschten die Struktur der Atome als grenzenlose Energiequelle. Sie kamen aus aller Welt. Viele wurden später in ihrer Heimat einflussreiche Pionierinnen an Universitäten und in ihren Forschungsgebieten. Andere gaben unterm gesellschaftlichen Druck auf und heirateten. Einigen gelang es, Forschung und Ehe zu kombinieren. Viele blieben lange miteinander in Freundschaft verbunden und gründeten eine Gesellschaft zur Förderung von Frauen in der Forschung. In Paris trafen sie sich lange nach Mme Curies Tod, um ihrer Mentorin zu gedenken.

Dava Sobel ist eine vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsredakteurin der New York Times. Weltweit bekannt wurde sie als Autorin des Bestsellers »Längengrad«, mit dem sie eine völlig neue und überaus erfolgreiche Form des populären Wissenschafts-Sachbuchs begründete. Im Berlin Verlag erschienen auch die Bücher »Die Planeten«, »Galileos Tochter«, »Und die Sonne stand still«, »Das Glas-Universum« und zuletzt »Die Elemente der Marie Curie«. Dava Sobel lebt in East Hampton und in New York.
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Kapitel?1


[1] Eine Porträtzeichnung von Lancet in Manias Tagebuch

An festlichen Winterabenden rasten Mania und ihre Cousinen in Bäuerinnentracht auf Schlitten durch die Wälder, eskortiert von jungen Männern auf Pferden. Im ersten Haus, das auf ihrem Weg lag, trafen sie auf andere Feierlustige, und auch ein Schlitten voller Musikanten schloss sich ihnen an. Stundenlang tanzten sie Mazurka, Oberek und Walzer, und dann ging es nicht etwa heimwärts, sondern weiter zum nächsten und zum übernächsten Haus. Bei dieser »Kulig« genannten Tradition wurde den Gästen bei jedem Halt ein Festmahl aufgetischt. Und auch wenn bereits der neue Tag anbrach, feierte man in den Häusern der Gastgeber noch fröhlich weiter.

Dieses sorgenfreie Jahr erstreckte sich bis in den Sommer 1884, als Mania und Helena auf den Landsitz einer ehemaligen Schülerin ihrer Mutter eingeladen waren. Die Flusslandschaft und die Gastfreundlichkeit, die sie auf dem nordöstlich gelegenen Gut Kepa kennenlernten, stellten sogar die Vergnügungen des »Kulig« in den Schatten. Wie Mania Kazia berichtete, lag »Kepa am Zusammenfluss von Narew und Biebrza – was heißt, dass es jede Menge Wasser zum Schwimmen und Bootfahren gibt, und das macht mir große Freude. Ich lerne gerade rudern – was mir schon ganz gut gelingt –, und zum Baden ist es perfekt. Wir tun, was uns gerade in den Sinn kommt, schlafen manchmal nachts und manchmal am Tag, tanzen und treiben solchen Unfug, dass wir eigentlich ins Irrenhaus eingesperrt gehören.« Am Morgen des 25. August musste Mania nach einer Ballnacht sogar ihre neuen Tanzschuhe wegwerfen, weil sie sie durchgetanzt hatte.

Schließlich kehrte sie nach Warschau in die nun deutlich kleinere Wohnung ihres Vaters zurück. Zwar unterrichtete er noch, nahm aber keine Pensionäre mehr auf. Die inzwischen fast siebzehnjährige Mania konnte nun als Nachhilfelehrerin für Französisch, Arithmetik und Geometrie ebenfalls etwas zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, doch das war eine zähe Angelegenheit. »Ein Mädchen, das uns über Freunde kannte, kam vorbei und erkundigte sich nach Nachhilfe«, schrieb sie. »Als Bronia sagte: ›ein halber Rubel pro Stunde‹, nahm es Reißaus, als stünde das Haus in Flammen.«

Um sich weiterzubilden, besuchten Mania und Bronia heimlich die »Fliegende Universität«. Das begrenzte Lehrangebot dieser Wanderschule hing von den Fachkenntnissen ihrer ehrenamtlichen Lehrer ab, die sich immer mit acht bis zehn Studierenden in der einen oder anderen Privatwohnung trafen. Die Räumlichkeiten wechselten ständig, um der Entdeckung durch die Polizei zu entgehen. Zwar konnte man das Studium von Fächern wie Anatomie oder Naturgeschichte kaum als subversiv bezeichnen, doch war es nach russischem Recht bereits illegal, Frauen eine höhere Bildung zukommen zu lassen.

Inspiriert vom Geist der »Fliegenden Universität«, stattete Mania einem Schneideratelier regelmäßige Besuche ab, las den Angestellten vor und baute eine Leihbibliothek mit polnischen Büchern für sie auf. In ihrer Freizeit las sie Romane und philosophische Texte, fertigte in einem Notizbuch Zeichnungen von Blumen und Tieren an (darunter von Lancet), schrieb Gedichte und tüftelte an einem Plan, wie es ihr – und Bronia – gelingen könnte, in Frankreich zu studieren.

Sie würde sich eine Stelle als Gouvernante suchen. Wenn sie bei einer Familie arbeitete, würde sie nicht nur mehr verdienen, sondern hätte freie Kost und Logis. Mit einem Großteil ihres Gehalts – vielleicht bis zu vierhundert Rubel im Jahr – könnte sie für Bronias Lebensunterhalt in Paris aufkommen. Und fünf Jahre später, wenn Bronia Ärztin geworden wäre, wäre sie selbst an der Reihe und würde, dann mit Unterstützung von Bronia, ihr Studium an der Sorbonne beginnen.

Die zwanzigjährige Bronia hatte genug gespart, um sich die Reise nach Paris und das erste Jahr an der medizinischen Fakultät leisten zu können. Im Herbst 1885 machten sich die Schwestern an die Umsetzung des Plans, den Mania ersonnen hatte. Doch bereits im Dezember sah Mania sich außerstande, ihren Teil der Abmachung einzuhalten. Denn sie fühlte sich in ihrer Stellung bei der Familie des Rechtsanwalts B. wie eine Gefangene. Ihrer Cousine Henrietta vertraute sie an, sie wünsche »ein solches Höllenleben … nicht meinem ärgsten Feind! Mein Verhältnis zu Frau B. wurde am Ende so frostig, dass ich es nicht länger aushielt und ihr dies auch sagte. Da sie von mir ebenso angetan war wie ich von ihr, kamen wir entsprechend miteinander aus.« Durch ihren Aufenthalt bei den B. verlor Mania ihre Naivität hinsichtlich des menschlichen Charakters. »Ich habe gelernt, dass es die Personen, die in den Romanen beschrieben sind, wirklich gibt und dass man mit Leuten, die der Reichtum moralisch verdorben hat, nichts zu tun haben darf.«

Schnell fand sie eine neue Stelle, diesmal zwar weit weg von zu Hause – in Szczuki, etwa achtzig Kilometer nördlich von Warschau –, aber bei einer verträglicheren Familie und für ein Jahressalär von fünfhundert Rubel. Als sie am 1. Januar 1886 aufbrach, stellte sie sich vor, dass ihre Reise sie in eine bewaldete Hügellandschaft führen würde, ähnlich der, die sie im Sommer zuvor so geliebt hatte. Stattdessen fand sie sich inmitten von achtzig Hektar Ackerland wieder, auf dem nichts als Zuckerrüben angebaut wurde. Und die Gewinnung des Zuckers aus den Rüben fand in einer trostlosen Fabrik statt, direkt neben dem Haus der Familie Zorawski, ihren neuen Arbeitgebern. Hinter der Fabrik standen ein paar Hütten gedrängt beieinander, in denen die auf den Feldern arbeitenden Bauern wohnten. Auch der nahe gelegene Fluss bot wenig Erbauliches, sondern stand ganz im Dienst der Fabrik und entsorgte deren Abfall. Trotzdem ließ Mania ihre Cousine Henrietta einen Monat nach ihrer Ankunft dort wissen, dass sich ihre Lage sehr verbessert habe: »Die Z. sind sehr nette Leute. Mit der ältesten Tochter Bronka habe ich mich angefreundet, was dazu beiträgt, dass sich mein Leben angenehm gestaltet. Meine Schülerin Andzia, die bald zehn wird, ist ein gehorsames Kind, allerdings sehr unordentlich und verzogen. Aber Vollkommenheit kann man natürlich nicht erwarten.«

Mania arbeitete sieben Stunden am Tag – drei mit Bronka und vier mit Andzia. Die jüngeren Kinder – ein dreijähriger Junge und ein sechs Monate altes Mädchen – hellten mit ihren Possen Manias Stimmung auf. Die drei älteren Söhne, die in einem Internat lebten beziehungsweise in Warschau studierten, hatte sie bisher noch nicht kennengelernt.

[2] Mania und Bronia Sklodowska, 1886

Wenn Frau Zorawska Gäste empfing, bat sie Mania manchmal, mit ihnen Konversation zu treiben oder als vierte Mitspielerin beim Kartenspielen einzuspringen, was Mania natürlich gerne tat. In ihrer Freizeit organisierte sie in Eigeninitiative einen Unterricht für die Bauernkinder und brachte ihnen jeden Tag zwei Stunden lang Lesen und Schreiben in polnischer Sprache bei, denn in der Schule lernten sie nur Russisch. Spätabends und frühmorgens widmete sie sich ihrer eigenen Lektüre, um ihrem letztendlichen Ziel, dem Physik- und Mathematikstudium an der Sorbonne, näher zu kommen. In ihrem Brief an Henrietta vom Dezember 1886 erwähnte sie, dass sie »die Physik von John Frederic Daniell …, die Soziologie von Spencer auf Französisch … [und] das Lehrbuch der Anatomie und Physiologie von Paul Bert auf Russisch« lese, und zwar parallel. Denn »die fortlaufende Beschäftigung mit ein und demselben Gegenstand könnte mein schon stark überanstrengtes Gehirn ermüden. Wenn ich mich absolut unfähig fühle, mit Nutzen zu lesen, löse ich algebraische und trigonometrische Aufgaben; die vertragen kein Nachlassen der Aufmerksamkeit und bringen mich wieder ins rechte Fahrwasser.«

Eine bestimmte Form der Ablenkung von ihrem prall gefüllten Terminplan blieb in ihren Briefen an Henrietta allerdings unerwähnt. Während ihres ersten Jahres in Szczuki hatte sie Kazimierz kennengelernt, den ältesten Sohn der Familie, der an der Universität studierte, und sich in ihn...



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