Sol Die drei !!!, 54, Klappe und Action! (drei Ausrufezeichen)
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-440-14713-9
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Die drei !!!
ISBN: 978-3-440-14713-9
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kim, Franzi und Marie sind Die drei !!!. Mutig und clever ermitteln die drei Freundinnen und sind jedem Fall gewachsen.
Kim, Marie und Franzi sind als Statistinnen bei einem Krimi-Dreh dabei. Doch aus Spiel wird Ernst: Kurz vor Drehschluss werden im Kaufhaus zwei Verkäuferinnen ausgeraubt. Plötzlich ist Maries Vater der Hauptverdächtige. Gibt es einen kriminellen Doppelgänger?
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»Du hast ihn umgebracht!«
Kim spürte, wie heiße Wut in ihr aufstieg. Langsam, aber beständig wie glühende Lava, die sich unaufhaltsam die Hänge eines Vulkans hinabwälzt, breitete sich der Groll in ihr aus. Sie hörte das Blut in ihren Ohren rauschen und es gab nur noch einen einzigen Gedanken: RACHE! Hastig sah sie sich um. Ihr Blick fiel auf die Kommode. Etwas Rotes leuchtete zwischen dem Bücherstapel und der Keksschale hervor – das neue Rubberband-Armband! Augenblicklich schnellte Kims Hand nach vorne, knapp an Bens Schulter vorbei, der ihre Beine fest umschlungen hielt. Ihre Finger krallten sich um das elastische Armband. Mit der anderen Hand wühlte sie in ihrer Hosentasche, blickte einen Wimpernschlag lang zu ihrem Bruder hinab. Seine Brauen hatten sich gehoben, ein fragender Blick: Was hast du vor?!
Im selben Moment ertastete Kim etwas in der Tasche. Blitzschnell zog sie den Gegenstand hervor und legte das Gummiband darum.
Bens Augen weiteten sich.
Kim zielte, spannte das Gummi und ließ los. Sirrend schnellte das Geschoss Richtung Schreibtisch. Es fand mit einem satten KLONK sein Ziel: Einer kleinen Explosion gleich zerpulverte es an Lukas’ Hinterkopf. Der Junge sprang wie von der Tarantel gestochen auf, presste die Hand auf die Stelle, an der er getroffen war, und begann zu schreien. Sein Ellbogen streifte die Computertastatur, die polternd zu Boden fiel.
Bens Griff lockerte sich. Er rappelte sich auf und eilte zu seinem Zwillingsbruder. »Du hast ihn umgebracht!«, rief er Kim zu. Er versuchte einen Blick auf Lukas’ Kopf zu werfen. »Was war das? Eine Stahlkugel?!«
Kim zog eine teuflische Grimasse. »Ein Giftpfeil.«
Lukas riss entsetzt die Augen auf.
Diesen Moment der Verwirrung nutzte Kim aus. Sie warf sich nach vorne, drängte die Zwillinge beiseite und drückte den Knopf am PC. Der Monitor wurde schwarz.
Die Zwillinge machten frustrierte Gesichter. Lukas strubbelte sich durchs Haar. Eine kleine Wolke aus hellgrünem Staub stieg auf. Verwundert betrachtete er seine Hand. »Kein Blut.« Fast schien er enttäuscht zu sein. Lukas schnupperte und schüttelte verwundert den Kopf. Ein feiner süßlicher Duft breitete sich aus. Ausgerechnet ihre Lieblingssorte! Kim überlegte kurz: War ein zerschossenes Waldmeister-Brausestäbchen ein zu hoher Preis im Kampf um ihren Computer? Nein, entschied sie dann, der Einsatz hatte sich gelohnt! Sie hatte wieder einmal erfolgreich die Zwillinge abgewehrt und davon abgehalten, in ihrer Privatsphäre herumzuschnüffeln.
Zwei gleiche braune Augenpaare starrten sie wütend an, zwei gleiche Stupsnasen krausten sich und aus zwei gleich geformten Mündern brach es zur selben Zeit hervor: »Fette Planschkuh!«
Kim blieb gelassen. »Lasst euch mal was Neues einfallen«, sagte sie ruhig und streifte das Armband über. »Und jetzt verschwindet endlich. Sonst packe ich wirklich meine Giftpfeile aus, ihr siamesischen Superhirnis.«
Ben streckte die Zunge raus, Lukas verdrehte die Augen und machte mit der Hand eine Scheibenwischer-Geste vor seinem Gesicht. Aber dann drehten sich die beiden um und trollten sich tatsächlich zur Tür.
Dort stießen sie mit Kims Vater zusammen. Herr Jülich sah mit ernstem Gesicht in die Runde. »Was ist denn hier schon wieder los?«
Kim seufzte. »Die Zwillinge sind einfach hereingekommen und wollten an meinen Computer. Ich musste sie abwehren.« Sie hob die Tastatur vom Boden auf und untersuchte sie. Der Teppichboden hatte den Sturz abgefedert, das Gehäuse war zum Glück heil geblieben. Kim legte die Tastatur auf den Tisch zurück.
Ihr Vater machte ein ernstes Gesicht. »Lukas, Ben, ihr wisst genau, dass ihr in Kims Zimmer nichts zu suchen habt. Ihr habt doch eigene Computer!«
»Aber die sind so langsam«, sagte Lukas und seufzte.
»Sie reichen für euch vollkommen aus«, antwortete Herr Jülich kopfschüttelnd.
Lukas verschränkte die Arme vor der Brust. »Wir wollten dir nur helfen«, murrte er. »Aber die«, er wies mit dem Kinn auf Kim, »hat mir ein Loch in den Kopf geschossen!«
Sein Bruder nickte heftig. »Mit einer Zwille und einer Stahlkugel!«
Herr Jülich hob alarmiert die Augenbrauen. Er sah Kim fragend an, während er Lukas zu sich herzog. »Zeig mal!« Er untersuchte Lukas’ Kopf. »Da ist nichts«, stellte er schon nach kurzer Zeit fest. »Aber du solltest dir mal wieder die Haare waschen. Da sind schon grüne Krümel drin!« Herr Jülich wischte sich die Hände an seiner Jeans ab.
Kim räusperte sich. »Es war ein Brausestäbchen«, sagte sie leise. »Ich war so wütend. Ich wusste nicht, wie ich mich sonst wehren sollte.«
Ihr Vater sah sie streng an. »Das hätte voll ins Auge gehen können! Versprich mir, dass du so was nie wieder machst!«
Kim wurde rot. Sie nickte schweigend.
Die Zwillinge grinsten schadenfroh.
»Und ihr beide«, sagte Kims Vater drohend, »lasst in Zukunft die Finger vom Computer eurer Schwester! Sonst weiß ich, wer hier mal zwei Wochen lang den Abwasch macht!«
Die Zwillinge zogen die Köpfe ein.
»Bei was wolltet ihr mir eigentlich helfen?«, fragte Herr Jülich.
Ben und Lukas sahen sich verschwörerisch an. »Das ist unser Geheimnis«, sagte Ben.
Lukas nickte heftig. »Es wird einschlagen wie eine Bombe! Du wirst dich vor Aufträgen kaum retten können.«
»Darum geht es also«, sagte Herr Jülich. Er schüttelte den Kopf. »Bitte keine Dummheiten, Jungs! Um mein Kuckucksuhren-Geschäft kann ich mich sehr gut alleine kümmern.«
Die Zwillinge sahen ihn beleidigt an und schwiegen.
»Und jetzt raus mit euch!«, rief Herr Jülich. »Pablo wartet unten an der Haustür, ihr wart heute noch nicht draußen mit ihm!«
Kim atmete auf, als sich die beiden Jungen zur Tür hinausgedrückt hatten und die Treppe runterdonnerten.
»Nehmt ihn bitte an die Leine!«, rief Herr Jülich den Jungs noch hinterher.
Unten bellte Pablo freudig auf. Der süße Cockerspaniel-Mischling war sehr bewegungsfreudig. Er wartete bestimmt schon sehnsüchtig darauf, dass er endlich wieder rauskam. Seit einem Vorfall mit dem neuen Nachbarn durfte der Hund nämlich nicht mehr alleine in den Garten.
Kims Vater setzte sich aufs Bett. Er lächelte Kim an. »Du hast es nicht gerade leicht mit deinen Brüdern, was?«
»Manchmal ist es echt nervig«, gab sie zu. »Aber ich komm schon klar.« Sie setzte sich neben ihren Vater und sah ihn besorgt an. »Läuft es wirklich so schlecht mit deinen Uhren?«
»Im Moment habe ich keine Aufträge.« Herr Jülich strich sein T-Shirt glatt. »Aber das ist kein Anlass zur Sorge. Mama verdient genug für uns alle.«
Kim nickte langsam. »Ja, schon. Aber es ist doch schade, dass sich gerade keiner für deine Uhren interessiert.« Sie lächelte ihren Vater an. »Die sind nämlich toll!«
»Danke!« Herr Jülich zwinkerte. »Ich habe übrigens schon eine Idee, wie ich mein Geschäft ankurbeln kann.«
»Echt? Wie denn?«
»Ich habe mich mit einem Geschäftsmann unterhalten, der eine Uhr als Gastgeschenk für seine Reise nach China gekauft hat. Dort sind die Leute ganz wild auf Kuckucksuhren!« Herrn Jülichs Augen begannen zu leuchten. »Ich werde den chinesischen Markt erobern! Bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen muss nur jeder tausendste Chinese eine Uhr kaufen – dann sind das 1,3 Millionen Kuckucksuhren!«
Kim musste lachen. »Das ist aber eine ziemlich große Menge. Die kannst du doch gar nicht alle selber bauen.«
Ihr Vater zuckte mit den Schultern. »Sie werden ja nicht alle auf einmal bestellt. Notfalls suche ich mir ein paar Mitarbeiter. Na ja, mal sehen.«
Im Flur ertönte ein Gong. Dann war vier Mal der Ruf eines Kuckucks zu hören. Kim sprang auf. »Papa, ich muss mich fertig machen! Ich bin mit Franzi und Marie verabredet.«
»Der Detektivclub ruft, nehme ich an?« Herr Jülich stand ebenfalls auf. »Ich sollte jetzt auch mal weitermachen.« Er zögerte. Dann sah er Kim ernst an. »Du weißt, dass ich dir vertraue. Aber bitte seid vorsichtig und bringt euch in keine gefährlichen Situationen!«
»Ja, klar!« Kim verdrehte die Augen. Es war mal wieder typisch, dass Erwachsene immer nur die Gefahren erwähnten und nie den Erfolg. Seit sie mit Franzi und Marie zusammen den Detektivclub Die drei !!! gegründet hatte, waren sie in über fünfzig Fällen Verbrechern auf der Spur gewesen. Dabei hatten sie jeden einzelnen Täter erwischt und dingfest gemacht! Kim war sehr stolz auf diese Leistung. Sie überlegte, ihren Vater darauf hinzuweisen, beschloss dann aber, die Diskussion sein zu lassen. Es hätte sie nur noch weitere Zeit gekostet. Sie musste dringend los, wenn sie rechtzeitig zu ihrer Verabredung kommen wollte.
Kim suchte hektisch in ihrem Rucksack nach dem Lipgloss. »Du brauchst dir übrigens keine Sorgen zu machen, wir haben keinen neuen Fall. Wir haben heute unseren Auftritt beim neuen Film von Maries Vater!« Sie fand das Döschen mit dem farbigen Gloss und trug etwas von der zartrosa Paste auf ihre Lippen auf.
Herr Jülich schlug sich mit der Hand vor die Stirn. »Richtig, wie konnte ich das vergessen! Ich habe doch vorgestern erst die Einwilligungserklärung für die Filmgesellschaft unterschrieben.«
Er lächelte. »Finde ich toll, dass ihr in einer Szene mitspielen dürft! Bist du aufgeregt?«
Kim nickte. »Wenn ich daran denke, bekomme ich schon ganz weiche Knie. Es ist ja nicht...




