E-Book, Deutsch, Band 73, 160 Seiten
Reihe: Die drei !!!
Sol Die drei !!!, 73, Legende der Einhörner (drei Ausrufezeichen)
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-440-50218-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 73, 160 Seiten
Reihe: Die drei !!!
ISBN: 978-3-440-50218-1
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kim, Franzi und Marie sind "Die drei !!!". Mutig und clever ermitteln die drei Detektivinnen und sind jedem Fall gewachsen.
Hat sich die kleine Einhorn-Statue aus der Villa der beiden alten Damen wirklich in ein leibhaftiges Einhorn verwandelt? Die drei !!! haben ihre Zweifel und nehmen die Ermittlungen auf …
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Im Gruselschloss
Der Wind zerrte an Franzis Haaren. Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, die sich aus einem ihrer kurzen roten Zöpfe gelöst hatte, und legte den Kopf in den Nacken. Dunkel ragten die Türme und Erker des Wasserschlösschens vor ihr in den grauen Oktoberhimmel. Eine Windböe erfasste die Trauerweiden am Ufer des Sees, sodass ihre Äste über die Wasseroberfläche gepeitscht wurden. Kleine, schaumige Wellen schwappten gegen die Pfeiler der Steinbrücke, die das Schlösschen über den See hinweg mit dem Land verband.
Franzi ließ ihren Blick über den breiten Kiesweg schweifen, der in einem sanften Bogen neben dem See verlief und zum Westtor des Jakobiparks führte. Ungeduldig wippte sie auf und ab. Es war fast zehn nach vier. Wo blieben Kim und Marie?
Gerade als Franzi ihren Freundinnen eine Nachricht schicken wollte, hörte sie schnelle Schritte hinter sich. Sie drehte sich um und erblickte Marie.
»Sorry!«, rief ihre Freundin. »Mein Friseurtermin hat länger gedauert.« Marie schüttelte ihre langen Haare, die vom Wind zerzaust waren und dennoch glänzten wie pures Gold. »Ich hab mich spontan für Farbsträhnchen entschieden.« Sie breitete die Arme aus, drehte sich einmal schnell um sich selbst und sah Franzi mit leuchtenden Augen an. »Wie findest du sie?«
»Sieht toll aus«, sagte Franzi und steckte das Handy wieder ein. »Ich werde trotzdem nie verstehen, wie man so viel Zeit beim Friseur verbringen kann. Mich nervt schon das Stillsitzen, wenn ich mir nur die Spitzen schneiden lasse.«
»Ein Friseurbesuch ist Entspannung pur. Der kann nicht lange genug dauern.« Marie seufzte. »Unter drei Stunden geht bei mir gar nichts.«
Franzi verdrehte die Augen und grinste. »Furchtbar.«
»Jeder hat eben so seine Vorlieben.« Marie zuckte mit den Schultern und schaute auf ihre Armbanduhr. »Wo steckt Kim denn? Sie ist doch sonst immer so pünktlich.«
»Bestimmt hat sie sich mit David getroffen und die Zeit vergessen«, murmelte Franzi. »Ich rufe sie an.«
»Warte«, sagte Marie. »Ich glaube, da ist sie schon.«
Tatsächlich kam eine Gestalt in einem dunklen Parka über den Kiesweg auf sie zugelaufen. Sie trug einen großen Rucksack und hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.
»Tut mir leid«, japste Kim, als sie vor Franzi und Marie stand. Ihre Wangen waren rot und Schweißperlen glitzerten auf ihrer Stirn. »Ich war bei David. Die Zeit ist so schnell verflogen. Plötzlich war es vier.«
Marie lachte. »Schon gut. Wir sind ja froh, dass du dich überhaupt losreißen konntest.«
»Du bist gemein!«, rief Kim und boxte Marie leicht gegen die Schulter. Doch dann lächelte sie. »David ist so süß. Und seine Geschichten sind einfach superspannend!«
Franzi und Marie zwinkerten sich zu. Es war schön, Kim so verliebt zu sehen. Zum Glück hatte sie vor knapp vier Wochen endlich erkannt, dass David viel mehr für sie war als nur der gute Kumpel aus dem Schreibworkshop. Nachdem ein blödes Missverständnis aus dem Weg geräumt war, schwebten die beiden nun als Dauergäste auf einer großen rosaroten Wolke.
Franzi räusperte sich. »Du kannst uns ja heute Abend, wenn wir auf Finn aufpassen, alles ausführlich berichten. Aber jetzt lasst uns losgehen.« Sie hob ihren Rucksack vom Boden auf. »Wir sollen zum Hintereingang kommen, hat Meri gesagt.«
Die Mädchen liefen seitlich am Schloss vorbei und überquerten die schmale Holzbrücke auf der Rückseite des Gebäudes.
Kim zog fröstelnd die Schultern hoch. »Bei diesem Wetter sieht das Schlösschen richtig gruselig aus.«
»Das passt doch prima«, sagte Marie. »Ich bin schon gespannt. Es ist echt nett von Meri und Sophie, dass sie eine kleine Privatführung mit uns machen.«
Franzi nickte zufrieden. Sie hatte die beiden Studentinnen am letzten Wochenende bei einem Frühstück in der WG von ihrem Bruder Stefan kennengelernt und sich auf Anhieb gut mit ihnen verstanden. Meri hatte von ihrem Nebenjob im alten Wasserschlösschen erzählt und Franzi eingeladen vorbeizukommen, um sich ein paar alte Geheimgänge anzusehen, die der Hausmeister ihr und Sophie im Schloss gezeigt hatte.
Diese Gelegenheit konnten sich die drei !!! natürlich nicht entgehen lassen. Es gab gerade keinen neuen Fall und etwas Spannung im Alltag war ihnen sehr willkommen.
Franzi drückte die Klingel neben der schweren Eichentür.
»Was ist das eigentlich genau für ein Job, den Meri und Sophie haben?«, fragte Marie.
»Sie arbeiten an einem Projekt der Uni mit«, antwortete Franzi. »Alle Bücher hier in der Bibliothek werden digital erfasst. Meri und Sophie helfen dabei, die Seiten einzuscannen.«
Kim nickte. »Ich habe davon in der Zeitung gelesen. Die Stadt hat das Schlösschen vor einiger Zeit mitsamt der Bibliothek gekauft und renoviert. Da sind mehrere tausend Bücher drin. Sie werden jetzt eingescannt und in einer Datenbank versammelt, damit Wissenschaftler auf der ganzen Welt mit den Texten arbeiten können.«
»Richtig«, sagte Franzi. »Meri und Sophie studieren Kunstgeschichte. Einer ihrer Professoren leitet das Projekt. So sind sie zu dem Job gekommen.«
Im nächsten Moment wurde die Tür einen Spaltbreit geöffnet.
Meri streckte ihren Kopf mit den kurzen schwarzen Locken hindurch. Sie zwinkerte Franzi zu. »Wir dachten schon, ihr kommt gar nicht mehr.«
Franzi stellte Kim und Marie vor.
»Schön, euch kennenzulernen!«, rief Meri. »Franzi hat schon viel von eurem Detektivclub erzählt. Es ist total spannend, was ihr macht!«
Die drei !!! folgten ihr in den holzgetäfelten Flur.
»Wir gehen erst mal nach oben in die Bibliothek. Dort könnt ihr eure Sachen lassen.« Meri steuerte auf eine offen stehende Tür am Ende des Gangs zu. Ein Treppenhaus mit hölzernen Stufen war im Dämmerlicht zu sehen. »Außer uns ist keiner mehr im Schloss«, sagte sie, während sie die Treppe hinauflief. »Heute gibt es keine Veranstaltung und der Hausmeister, die Sekretärin und unser Professor sind schon gegangen. Aber wir haben einen Generalschlüssel zu allen Räumen.« Meri kicherte und fügte mit geheimnisvollem Gesicht hinzu: »Wobei man die Türen gar nicht aufschließen muss, um in die Säle zu gelangen …«
Marie nickte. »Die geheimen Gänge«, raunte sie.
»Richtig«, sagte Meri und eilte die Stufen weiter nach oben.
Im zweiten Stock blieb sie stehen. Sie öffnete eine Tür und tastete kurz an der Wand entlang. Eine Reihe von kleinen Laternen flammte auf und tauchte einen kleinen, fensterlosen Raum mit Regalen an den Wänden in gelbliches Licht. Meri deutete auf einen Durchbruch zu ihrer Rechten. »Hier bekommt ihr schon mal einen Vorgeschmack.«
Kim betrachtete den schmalen Gang dahinter kritisch. »Daran hatte ich nicht gedacht«, murmelte sie.
Franzi sah sie unsicher an. Ihre Freundin fühlte sich in engen Räumen nicht wohl und bekam manchmal sogar Panikattacken. »Schaffst du das?«, fragte Franzi besorgt.
Kim atmete tief durch. »Ich glaube schon. Zum Glück ist der Gang ziemlich hoch.«
»Es sind nur wenige Meter bis zur Bibliothek.« Meri sah Kim aufmunternd an. »Auf geht’s.«
Tatsächlich gelangten sie schon nach einer kurzen Strecke durch den Botengang wieder an eine Tür. Meri öffnete sie und rief: »Wir sind da!«
Kim wischte sich verstohlen ein paar Schweißtropfen von der Stirn. Ihr Gesicht entspannte sich augenblicklich, als sie die Bibliothek betrat. »Wow, wie toll!«
Auch Franzi sah sich beeindruckt um. Der hohe Saal mit den Stuckverzierungen und einem Kronleuchter an der Decke war an drei Wänden mit hohen Regalen aus dunkelrot glänzendem Mahagoniholz ausgestattet, in denen dicht an dicht die alten, zum größten Teil in Leder gebundenen Bücher standen.
»Herzlich willkommen«, erklang plötzlich eine Stimme vom anderen Ende des Saals. Sophie winkte von einer Tür aus, die sich neben einem der Bücherregale befand. »Ihr könnt eure Sachen hier im Salon ablegen, dort ist unser Büro eingerichtet.«
Die drei !!! nickten Sophie freundlich zu, während Meri die Tür hinter ihnen schloss. Franzi stellte fest, dass die Tür von dieser Seite aus kaum zu erkennen war. Das Türblatt war mit der gleichen Tapete beklebt wie die Wand, und der Knauf war so winzig, dass er sich nahezu unsichtbar in das Tapetenmuster einfügte.
»Gut gemacht, was?« Meri grinste. »Der Hausmeister hat uns erzählt, dass die Gänge nicht nur von den Dienstboten benutzt wurden, um schnell und unauffällig in die verschiedenen Räume zu gelangen. Sondern auch vom Schlossherrn selbst, der sich gerne einen Spaß mit seinen Gästen gemacht hat und hin und wieder unerwartet durch diese Tapetentüren aufgetaucht ist.«
Nachdem die Mädchen den Salon betreten hatten, zeigte Sophie auf einen Garderobenständer. »Am besten legt ihr eure Sachen da ab.« Sie strich sich die langen dunkelbraunen Haare hinter die Ohren und wandte sich an Meri: »Ich hab die letzten Regalmeter abgesucht. Da ist es auch nicht.«
»Mist«, zischte Meri. »Ich würde so gerne wissen, was es mit dieser Wunderkammer auf sich hat.«
Kim setzte ihren Rucksack ab und sah die Studentinnen erstaunt an. »Was sucht ihr denn? Und was meinst du mit Wunderkammer?«
Meri seufzte. »Sophie hat letzte Woche in der Bibliothek ein altes Tagebuch entdeckt, das einem der früheren Bewohner des Schlösschens gehört...




