E-Book, Deutsch, Band 5, 322 Seiten
Reihe: Sommer, Liebe, Nordseeküste
Sommer Für immer Muschelglanz
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8457-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Norderney-Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 5, 322 Seiten
Reihe: Sommer, Liebe, Nordseeküste
ISBN: 978-3-7517-8457-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Janna und Levin sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Doch dann erhält Levin ein Jobangebot, das ihn von der Insel wegführen könnte. Gemeinsam wollen sie einen letzten Sommer auf Norderney verbringen, Erinnerungen aufleben lassen und herausfinden, ob sie wirklich bereit sind, getrennte Wege zu gehen.
Zwischen salziger Meeresluft, rauschenden Wellen und sternenklaren Sommernächten geschieht das Unvermeidliche: Sie verlieben sich. Und plötzlich steht nicht nur ihre Freundschaft auf dem Spiel, sondern auch ihre gemeinsame Zukunft ...
Ein herzerwärmender Wohlfühl-Roman über zweite Chancen, den Mut, sich selbst zu finden, und die Liebe, die alles verändert - auf der wunderschönen Nordsee-Insel Norderney.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Levin
Die östliche Waldkette brannte vor einem orangeroten Sonnenaufgang und tauchte den kleinen Ort in der Rhön in Schlieren aus Licht. Doch Levin Höfers hatte an diesem Tag nur einen kurzen Blick für das Naturschauspiel übrig, das einen weiteren heißen Tag ankündigte – so wie in den vergangenen vier Wochen. Ein letztes Mal überzeugte er sich davon, dass er alles dabeihatte. Das Gepäck befand sich im Kofferraum seines Autos, die Kiste mit den Geschenken auf der Rückbank. Seine Verpflegung, die aus nichts als ein paar belegten Brötchen und zwei Flaschen Wasser bestand, lag bereits auf dem Beifahrersitz.
So sehr er seinen jährlichen Urlaub auch genossen hatte, so sehr sehnte er sich danach, wieder zu Hause zu sein. Sein Herz gehörte nun einmal dem Meer. Trotzdem hatte er wie jedes Jahr einen ganzen Monat bei seiner Familie in der Rhön verbracht.
Während er voller Vorfreude durch die malerisch grüne Landschaft fuhr, mit offenem Fenster und dem morgendlichen Duft von erwachenden Blumen in der Nase, ließ Levin die letzten Wochen Revue passieren.
In diesem Jahr war alles ein wenig anders gewesen. Denn seine Stief-Cousine Kjara aus Hamburg war ebenfalls gekommen, um ihre Tante Grit – seine Stieftante – zu besuchen. Ihr überraschendes Auftauchen hatte ihn sehr gefreut, denn sie hatten sich Jahre nicht gesehen.
Früher – sehr viel früher – waren sie einmal zusammen gewesen. Genau genommen konnte er Kjara seine erste Freundin nennen, doch das war lange her. Sie hatten sich die letzten Wochen gut verstanden, waren zusammen wandern gewesen und hatten Opa Pedda in seiner Dorfkneipe geholfen.
Der Gedanke an seinen Großvater väterlicherseits ließ seinen Bauch aufgeregt kribbeln. Levin hatte noch niemandem von dem Gespräch mit ihm am gestrigen Abend erzählt.
Und nicht nur deshalb konnte er es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Er vermisste seine Freunde, und seine beste Freundin Janna ganz besonders.
Levin spürte, dass er an einem Wendepunkt in seinem Leben stand. Nach Thalau zu ziehen und eine Kneipe zu führen, war bisher nie eine Überlegung gewesen. Doch jetzt musste er diese Idee zulassen und von allen Seiten beleuchten. Denn das war es nämlich gewesen, was sein Großvater ihm angeboten hatte.
Nicht nur deswegen fühlte er Aufregung in sich.
Morgen – allerspätestens morgen – würde er Janna wiedersehen. Seine beste Freundin, bei der es auch in ihm kribbelte, wenn er an sie dachte.
Erst einmal aber waren sie alle nun auf dem Weg von der Rhön nach Norderney. Seine Eltern in einem Auto, Kjara fuhr mit Grit, und Levin war nicht böse darum, Zeit für sich allein zu haben. Die nächsten Tage würden wieder sehr trubelig werden. Denn am morgigen Sonntag kamen in diesem Jahr Mitglieder und Freunde der Familie Zirbenwald aus ganz Deutschland zusammen, um das Sommerfest und vor allem das fünfzigjährige Bestehen der Buchhandlung zu feiern. Und am Abend würden sie alle zusammen essen gehen, zumindest die ›engere‹ Familie.
Levin lachte leise. Das waren immerhin trotzdem fast zehn Personen.
Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass er gut in der Zeit lag. Laut Navi würde er es rechtzeitig zur Fähre schaffen. Er konnte also beruhigt darüber nachdenken, ob er das Gefühl in seinem Inneren, die Veränderung, die sich anbahnte, gut oder eher beunruhigend fand.
»Wie ich es vermisst habe«, flüsterte seine Stieftante Grit, als am Nachmittag Norderney in Sichtweite kam. Während Levins Eltern noch einen Abstecher nach Greetsiel machen wollten, hatten sowohl er als auch Grit und Kjara die reservierte Fähre ohne größere Probleme erreicht.
Nun befanden sie sich auf den letzten Metern zum Hafen. Welle für Welle schlug gegen den Bug des Schiffes, während es sich durch die Nordsee drückte. Am Strand waren inzwischen die vielen Menschen zu erkennen, die sich dort tummelten. Kein Wunder, denn es war Hochsaison, und das Wetter ließ keine Klagen zu. Auch auf Norderney war es warm, sonnig und nahezu idyllisch.
»Wie lange warst du nicht hier?« Neugierig wandte er sich Grit zu. Ihre Familienkonstellation war kompliziert. Nachdem Levins Mutter bei seiner Geburt verstorben war, hatte sich sein Vater recht früh während eines Urlaubs auf Norderney in Silvi verliebt. In den folgenden Jahren war Levin mit ihr als Stiefmutter aufgewachsen. Grit hingegen war Silvis Zwillingsschwester. Die Dritte im Bunde war Tilda, Kjaras Mutter, der der Buchladen Zirbenwald auf Norderney gehörte. Und wie es der Zufall wollte, war sie auch Jannas Chefin.
Als Levins Eltern vor einigen Jahren in die Rhön zogen, hatte er sich dazu entschieden, auf der Insel zu bleiben. Grit wiederum hatte es ohne ihren Zwilling schwer gehabt und war Silvi nach einiger Zeit in die Mitte Deutschlands gefolgt.
»Ich weiß es gar nicht«, sagte sie nun, und Levin brauchte einen Moment, um sich daran zu erinnern, was er sie gefragt hatte.
Auf Norderney anzukommen, machte diesmal auch was mit ihm. Vielleicht, weil er nicht wusste, wie oft er das noch tun würde, diese Fähre nehmen, nach Hause kommen. Norderney als zu Hause bezeichnen.
Denn das Angebot von Opa Pedda arbeitete in ihm.
»Vielleicht drei Jahre?«, überlegte er. »Ich glaube, es war zu Tildas fünfzigstem Geburtstag.«
»Na, dann passt es ja, dass du zum Fünfzigsten der Buchhandlung wieder herkommst«, warf Kjara ein.
»Ja, nicht wahr?« Grit strahlte. »Ich finde es traumhaft, und ich freue mich sehr auf die Familie.«
Seine Cousine verzog prompt die Mundwinkel. Kjara hatte zwar ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, aber die Insel bedeutete ihr nichts. Sie hatte lange Zeit in Hamburg gelebt, einigen Mist erlebt und bei ihren Tanten in der Rhön ihre Wunden geleckt – und sich auf die große Beichte vorbereitet: nämlich, dass sie (ihrer Meinung nach) ihr Leben an die Wand gefahren hatte und einen neuen Job brauchte.
»Wie ist denn der Stand der Dinge? Wir wollten heute Abend zum Helfen kommen«, sagte Levin, während er den beiden Frauen anzeigte, ihm zu den Autos zu folgen. Die Fähre fädelte sich bereits in den Hafen ein. In wenigen Minuten würden sie auf Norderney sein.
»Mama hat geschrieben, dass die wirklich arbeitsintensiven Aufgaben nach Feierabend gemacht werden müssen«, erzählte Kjara. »Beziehungsweise morgen früh, vor dem Fest. Abgesperrt wurde jetzt schon, sehr zum Unmut einiger Touristen.«
»Wann morgen früh?« Er und seine Freunde hatten fest ausgemacht, dass sie beim Aufbau des Fests anpacken würden, und er hoffte, Nico und Oli wussten das auch noch. Aber darum würde er sich später kümmern. Zuerst wollte er in seine Wohnung und sein Gepäck wegbringen, danach musste er einkaufen. Das war an einem Samstag kein Vergnügen, denn am An- und Abreisetag waren die Supermärkte besonders voll.
»Um zehn ist Eröffnung. Der Bürgermeister und Oma halten Reden, dann gehts los. Schätze, so um acht? Aber das sagt sie uns sicher nachher noch mal.«
»Okay!« Acht Uhr, das wäre ja mehr als großzügig. Levin war sowieso ein Frühaufsteher. Und er freute sich darauf, mit den Jungs beim Sonnenaufgang am Strand zu joggen. Dazu waren sie bereits ebenfalls verabredet, denn mehr als einmal hatten die beiden rumgejammert, wie sehr er bei ihren Sport-Ritualen fehlte.
Sie bestätigten einander Uhrzeit und Restaurant für das Familien-Abendessen, dann stiegen sie in die Autos. Die Fähre hatte angelegt. Levin fuhr zu seiner Wohnung, während die beiden Frauen bei Kjaras Eltern wohnen würden.
Er lebte schon seit vielen Jahren im Gewerbegebiet. Das Apartment über einer Tischlerei war im Gegensatz zu Mietobjekten in der Stadt bezahlbar, dafür musste er einige Abstriche in Kauf nehmen: Wenn er tagsüber mal zu Hause war, war es immer laut, und auch der Strand war nicht gerade um die Ecke. Aber dafür nutzte er sein Fahrrad – oder seine Füße. Letztlich waren alle Entfernungen auf Norderney gut zu überbrücken, doch auf den Luxus eines Autos wollte er trotzdem nicht verzichten.
Als er schließlich auf den Hof fuhr, fielen ihm sofort die beiden Brüder ins Auge, denen die Tischlerei gehörte. Adam und Hosse mühten sich damit ab, ein größeres Möbelstück auf einen Anhänger zu laden. Schnell sprang Levin aus seinem Auto und ging ihnen zur Hand.
»Beter en goden Naber as en Fründ wied weg«, rief Hosse lachend und schlug mit ihm ein, als die Kommode sicher festgeschnallt war.
»Freu mich auch, wieder da zu sein!«, entgegnete Levin grinsend.
»Na, du bist ja durchaus beides, nech«, warf Adam ein und schlug ihm auf die Schulter. »Guten Urlaub gehabt?«
»Den besten«, erwiderte Levin. »Bleibts bei Dienstag?«
»He verhaalt sük up de Knejen.« Hosse zeigte auf seinen Bruder und schwang sich dann hinters Steuer.
»So viel zu tun?« Levin musterte seinen Nachbarn, der einen müden Eindruck machte. Denn das bedeuteten die Worte von Hosse: Dass sein Bruder sich keine Pause mehr gönnte.
Adam winkte ab....




