Sommer | Für immer Wellenrauschen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 306 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

Sommer Für immer Wellenrauschen

Ein Norderney-Liebesroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8456-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Norderney-Liebesroman

E-Book, Deutsch, 306 Seiten

Reihe: beHEARTBEAT

ISBN: 978-3-7517-8456-6
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Caro braucht dringend einen Tapetenwechsel - und der Job auf Norderney ist die perfekte Gelegenheit für einen Neuanfang. Als Journalistin soll sie den Insel-Blog betreuen.

Aber schon auf der Fähre stolpert sie buchstäblich über Andrik, der nach Jahren in seine Heimat zurückkehrt, um seinen Traum vom eigenen Fischrestaurant zu verwirklichen. Für Caro ist er der Inbegriff des arroganten Geschäftsmannes - ernst, distanziert und von sich überzeugt.

Auch Andrik kann mit der chaotischen jungen Frau, die ständig ins Fettnäpfchen tritt, nichts anfangen. Und ausgerechnet sie soll ihn interviewen und auf dem Blog über seine Firmengründung berichten. Spannungen sind vorprogrammiert. Doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr gerät Caros Herz aus dem Takt. Ist es wirklich nur die Nordseeluft oder hat sie auf Norderney mehr gefunden, als sie je erwartet hätte?

Die erfolgreiche Wohlfühl-Liebesroman-Reihe auf Norderney geht weiter! Antonia Sommer erzählt von Neuanfängen, großen Träumen und dem Zauber der Nordsee.

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

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Caro


Mit jeder Minute, die sie an der Norddeicher Mole mit ihrem Auto wartete, wurde Caro nervöser. Laut Anzeige würde es nicht mehr lange dauern, bis die Fähre nach Norderney ablegte. Vorher aber würde sie eine – für sie – große Herausforderung meistern müssen: Auf die Fähre zu fahren. Eigentlich konnte es nicht so schwer sein, zumal nicht viele Autos übersetzen wollten, wenn sie die Menge der wartenden Fahrzeuge richtig einschätzte. Trotzdem machte sich eine leichte Unruhe in ihrem Bauch breit, die vielleicht auch der grundsätzlichen Situation geschuldet war.

Nach etlichen Stunden auf der Autobahn fühlte sie sich wie gerädert. Weil sie unsicher gewesen war, ob es für die letzte Fähre reichen würde, hatte sie sich auf der langen Fahrt von Freiburg in den Norden wenige Pausen erlaubt. Erst jetzt, wo vor ihr das Meer lockte, löste sich ihre Anspannung etwas.

Die ersten Wochen des Jahres hatten sich schwer und träge angefühlt. Freiburg versank in schneegrauem Matsch, mit farblich passendem Himmel, der die Farbe Blau verlernt zu haben schien. Und obwohl der Jahresanfang immer eine Herausforderung darstellte, war es in diesem Jahr besonders schmerzhaft gewesen.

Im Spätsommer war ihre Mutter gestorben. Die vielen ersten Male danach hatten eine neue Zeitära eingeläutet. Die ersten Herbstmärkte ohne sie. Das erste Weihnachten. Der erste Jahreswechsel, an dem sie nicht zusammen durch die Freiburger Altstadt hatten laufen können, um die Messe zu besuchen.

Am Neujahrstag hatte dann Nele, ihre beste Freundin, geschrieben. Natürlich hatte sie sich über die Neujahrsgrüße gefreut, und doch war sie ein wenig trübsinnig geworden.

Erneut scrollte Caro durch den Chatverlauf mit ihr. Nele lebte seit Dezember wieder in ihrer Heimat Norderney und hatte Fotos vom Anbaden geschickt, einer Tradition, an der sie mit ihrer Familie regelmäßig teilnahm. Am 01. Januar sprang ein Haufen mutiger Menschen in die eiskalte Nordsee, um das neue Jahr zu begrüßen.

Vielleicht hätte Caro es ihr nachmachen und ein Bad im Freiburger Schnee nehmen sollen.

Bei der Vorstellung musste sie lachen, denn das Einzige, was ihr das wohl gebracht hätte, wäre eine dicke Erkältung.

Nichtsdestotrotz hatte sie die Bilder immer und immer wieder angesehen. Neles Menschen, ihre große Familie und die vielen Freunde und Nachbarn, weckten Sehnsucht in ihr. Betonten eine Einsamkeit, die sie noch nie so deutlich wie in den letzten Monaten gespürt hatte. Seit Rosalie ... seit Nele ... seit Kevin ...

Mit ihm war ihr kompletter Freiburger Freundeskreis verschwunden, mit Nele ihre beste Freundin, mit Rosalie ihre Familie.

Nun gab es dort niemanden mehr.

Warum kommst du nicht ein paar Tage hoch?

Neles Vorschlag hatte sie nicht losgelassen. Dabei hatte sie ihr nicht mal vom einsamen Weihnachten erzählt, von der Silvesterparty mit einem Haufen Fremder oder von den langweiligen Abenden danach, wenn sie allein ein Glas Wein getrunken und vergangenen Zeiten nachgespürt hatte. Aber Nele hatte schon immer zwischen den Zeilen gelesen und sich auch nie gescheut, ihre Gedanken auszusprechen. Wie sehr Caro ihre Freundin vermisste – und wie gespannt sie war, wie die reagieren würde, wenn sie nun vor Neles Tür stand, mit einer großen Überraschung im Gepäck.

Mit großer Mühe konzentrierte sie sich wieder auf ihre aktuelle Situation. Es ging los. Wenige Minuten später fluchte sie leise.

»Ach, Mist.«

Für gewöhnlich glaubte sie nicht an selbsterfüllende Prophezeiungen, aber offensichtlich hatte sie sich lange genug eingeredet, dass es gar nicht so einfach werden würde, auf die Fähre zu fahren und sich dort in die Reihe einzufädeln. Denn sie war viel zu nah an ihren linken Nachbarn herangefahren, und nun konnte sie das nicht mehr korrigieren, weil hinter ihr bereits der nächste Wagen stand.

Vorsichtig öffnete sie die Fahrertür und schob sie Stück für Stück auf. Vielleicht konnte sie sich ja rauszwängen, wenn sie die Hand an den Türrahmen hielt ...

Ihr Blick traf den des Fahrers neben ihr. Seine hochgezogenen Augenbrauen kommentierten ihr Vorhaben zu Recht als fragwürdig, also zog sie die Tür wieder zu. Verdammt. Dabei musste sie dringend aufs Klo und hatte gehofft, schnell aussteigen zu können, um zum Unterdeck der Fähre zu huschen.

Caro fluchte leise. So langsam eilte es.

Eine Stunde Überfahrt würde sie nicht durchhalten.

Nun gut. Plan B!

Sie räumte ihren Korb samt Snacks vom Beifahrersitz auf den Rücksitz, warf ihre Jacke hinterher und atmete tief durch. Vorsichtig schob sie sich über die Handbremse und kletterte umständlich aus dem Auto. Als sie sich umdrehte, um sich ihre Handtasche zu schnappen, begegneten ihr die amüsiert hochgezogenen Mundwinkel des Fahrers neben ihr. Ganz offensichtlich hatte sie ihm Freude damit bereitet, dass er ihr bei der Aktion auf den Hintern hatte schauen können. Mürrisch verdrehte sie die Augen, schmiss die Tür zu und rannte zum Unterdeck.

Danach ging es ihr besser – bis sie die Ansage des Kapitäns hörte, die sich nur schwer gegen das nervige Geräusch einer Alarmanlage durchsetzen konnte.

»Liebe Fahrgäste, ich habe eine Wette verloren, denn ich habe behauptet, dass wir bei den wenigen Fahrzeugen auf dieser Überfahrt keine Alarmanlage hören würden. Dürfte ich also den Besitzer oder die Besitzerin des roten Minis in der mittleren Reihe bitten, mir nach dem Ausschalten des Lärms den Kaffee hochzubringen, den ich verloren habe?« Er lachte. »Nein, natürlich nicht, aber bitte suchen Sie trotzdem Ihr Fahrzeug auf, danke.«

Caro spürte, wie Hitze in ihre Wangen schoss.

Roter Mini. Mittlere Reihe.

Heiliger Käsekrümel.

Eilig lief sie nach oben und auf den kleinen Wagen zu, der ihrer Mutter gehört hatte. Caro hätte sich so ein Auto niemals leisten können. Gerade noch rechtzeitig fiel ihr ein, dass sie über die Fahrerseite ja nicht hineinkam.

Verdammt, verdammt, verdammt.

Und wo zur Hölle schaltete man die Alarmanlage aus?

Der Typ neben ihr ließ sein Fenster herunter, laute Musik schallte aus seinem Auto. Sie erkannte den Song sofort, es war ein Linkin-Park-Hit mit der neuen Sängerin. Immerhin hört er gute Musik, dachte sie. Was er ihr zurief, konnte sie jedoch nicht verstehen. Dann wedelte er mit seinem Autoschlüssel. Was wollte er ihr damit sagen?

Caro war gerade auf der Beifahrerseite angekommen, da ging die Musik aus und ein lautes »He!« erklang. Sie wirbelte herum. »WAS DENN?«

»Drück deinen verdammten Autoschlüssel. Damit machst du die Alarmanlage aus.«

Siedend heiß fiel Caro ein, dass ihre Mutter ihr das einmal erklärt hatte. Hektisch rupfte sie den Schlüssel aus ihrer Hosentasche und drückte – den Göttern sei Dank – den richtigen der Knöpfe.

Das Gehupe erstarb, gleichzeitig ging die Musik wieder an. Der Typ verdrehte nun seinerseits die Augen und schloss sein Fenster.

Vollkommen entnervt nahm sie ihre gelbe Windjacke vom Rücksitz, verriegelte ihr Auto erneut und ging zur Reling. Jetzt brauchte sie frische Luft.

Das fing ja hervorragend an.

Und es wurde nicht besser.

Caro hatte total unterschätzt, wie kalt es im März auf der Fähre sein würde, doch nichts würde sie davon abhalten, aufs Meer zu schauen. Die Jacke hielt zwar den Wind ab, aber Schal und Mütze hätte sie auch gern gehabt. Allerdings lagen die im Auto, und sie würde sich keinesfalls die Blöße geben, noch einmal zurückzugehen.

Ein paar Minuten würde sie es schon aushalten. Zu verlockend war es, den Sonnenuntergang von hier aus zu genießen. Und während die Gischt ihr eisig ins Gesicht spritzte und selbst das Geschrei der Möwen sich klagend anhörte, war der Anblick, der sich ihr bot, geradezu heilend.

Norderney hatte offensichtlich vor, ihr einen fantastischen Empfang zu bereiten. Strahlend blauer Himmel täuschte darüber hinweg, dass die Sonne noch nicht viel Kraft besaß. Das war jedoch besser als Regen oder Schnee, so viel stand fest.

Tief vergrub sie die Hände in den Jackentaschen, bis sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Der Typ aus dem Auto neben ihr war ebenfalls ausgestiegen.

Caro ertappte sich dabei, wie Überraschung in ihr hochstieg. Sie hätte ihn eher als jemanden eingeschätzt, der nicht viel für den Blick auf die Nordsee übrig hatte.

Im Gegensatz zu ihr hatte er zumindest eine Mütze auf, um die sie ihn direkt beneidete. Zusätzlich war er in eine dicke Jacke gehüllt. Sein Blick war starr auf die Norderneyer Silhouette gerichtet, und unweigerlich fragte Caro sich, was ihn auf die Insel trieb.

Das war keineswegs seiner Person geschuldet, bisher hatte er ja nicht gerade sympathisch gewirkt, auch wenn er ihr mit der Alarmanlage geholfen hatte. Er strahlte etwas Unnahbares aus.

Nein, es ging ihr immer so. Menschen lösten Fragen in ihr aus, deren Antworten sie zu gerne erforschen würde. Diese Neugier hatte sie überhaupt erst zu dem Journalistik-Studium getrieben, das nun schon einige Jahre...



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