Sonntag Abenteuer Spiel 1
3. überarbeitete Auflage 2011
ISBN: 978-3-944708-07-2
Verlag: ZIEL
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Handbuch zur Anleitung kooperativer Abenteuerspiele
E-Book, Deutsch, 188 Seiten
Reihe: Praktische Erlebnispädagogik
ISBN: 978-3-944708-07-2
Verlag: ZIEL
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Christoph Sonntag wurde 1975 in Brühl geboren und ist als Diplaom-Sozialpädagoge seit 2000 in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Neben seiner Anstellung als Bildungsreferent der Katholischen Jungen Gemeinde im Diözesanverband Köln leitet er Fortbildungen im Bereich !Spielerische Erlebnispädagogik' und gestaltet regelmäßig erlebnis- und spielorientierte Trainings für Teams und Gremien.
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Die Einflussfaktoren
Die Einflussfaktoren
Abgesehen von der Gruppe und den Teilnehmenden, auf die später noch ausführlich eingegangen wird, entstehen zu Beginn einer Spielplanung auch eine Menge grundsätzlicher Fragen bezüglich der rahmenbedingten Möglichkeiten: Wo kann ich was spielen? Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung? Wie viel Zeit brauche ich mindestens? Welches Material benötige ich? Viele Fragen liegen außerhalb des Einflussbereichs und doch ist es wichtig, sich vorab Gedanken über mögliche positive und negative Einflüsse der Rahmenbedingungen zu machen. Die zentralen Fragen beziehen sich hierbei auf den Ort, die Zeit und das Material, das ich zur Verfügung habe bzw. benötige.
Ort
Bei den meisten kooperativen Abenteuerspielen handelt es sich um Aktivitäten, die mit Bewegung zusammenhängen. Die Spielfläche sollte daher einen möglichst großen Bewegungsspielraum zulassen. Ein Außengelände sollte jedoch nicht zu weitläufig sein, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sich die Spielaktivität verläuft (bei Fangspielen passiert dies häufig). Ein weiterer Vorteil einer begrenzten Fläche ist die intensivere Dynamik innerhalb der Gruppe. Bei einer sehr weiträumigen Spielfläche ist es weitaus schwieriger, eine solche Atmosphäre aufzubauen, da die Spannungen in der Gruppe sich nicht auf den Ort des Geschehens konzentrieren müssen. Der Spielort sollte zusätzlich ein breites Spektrum an Variationsmöglichkeiten bieten. Besonders geeignet sind etwa Turnhallen, Spielplätze oder Wiesen am Waldrand. Viele Spiele lassen sich im Schwierigkeitsgrad besonders durch die Ortswahl verändern.
Es macht einen großen Unterschied, ob Spiele, bei denen die Teilnehmenden mit verbundenen Augen einen Weg finden sollen, auf einer ebenen Wiese oder in einem Wald mit dichtem Unterholz stattfindet.
Bezüglich der Platzwahl ist auch entscheidend, dass die Gruppe sich allein an dem Spielort aufhält. Viele Spiele erfordern Handlungsmuster der Teilnehmenden, die für diese neuartig und ungewohnt sind. Damit die Spielerinnen und Spieler dazu bereit und in der Lage sind, ist es wichtig, dass eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit geschaffen wird. Dies wird besonders während der Anfangsphase erschwert, wenn sich Personen, die nicht zu der Gruppe gehören, am gleichen Ort befinden. Durch die Anwesenheit von Fremdpersonen steigt die Hemmschwelle der Teilnehmenden frei zu spielen (dies ist besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen der Fall).
Weiterhin sollte es sich um einen ruhigen Ort handeln. Es muss gewährleistet sein, dass die gesamte Gruppe die Spielinstruktion akustisch verstehen kann. Speziell bei relativ großen Gruppen ist dies ein wichtiger Faktor. Bei Blind-, Wahrnehmungs-, Vertrauensspielen und in den Reflexionsrunden ist es wichtig, dass die Aktivität nicht durch Fremdgeräusche wie Straßenlärm etc. gestört wird. Die Zentrierung der Gruppe auf das „Hier und Jetzt“ ist entscheidend und kann durch ablenkende Reize wie z.B. Lärm leicht behindert werden.
So genannte „Blindspiele“ sind besonders abhängig von Ruhe, da auftretende Nebengeräusche mögliche Orientierungspunkte für die Gruppe bieten und den Spielverlauf beeinflussen können.
Bei dem Spielort sollte es sich im Idealfall um einen nicht alltäglichen Ort handeln, sodass die Teilnehmenden keine negativen Assoziationen mit diesem verbinden. Deshalb sind z.B. Klassenräume oft ungünstig, da die Schülerinnen und Schüler mit diesen Räumen häufig schon ein bestimmtes Verhalten verbinden und es dadurch schwieriger ist, sich auf neue Aktivitäten einzulassen.
Die Sicherheit spielt bei der Auswahl des Spielorts ebenfalls eine wichtige Rolle. Viele Spiele erfordern es, dass die Teilnehmenden sich in riskante Situationen begeben, sich gegenseitig stützen, halten oder in die Höhe stemmen müssen. „Aber so abenteuerlich es dabei auch zugeht, der Aspekt der Sicherheit der Teilnehmenden hat immer Priorität“ (Gilsdorf/Kistner 1995, 24).
Vor Spielbeginn muss der Untergrund sorgfältig geprüft werden. Gefährliche Gegenstände müssen entfernt, scharfe Ecken und Kanten abgepolstert, der Boden mit Matten oder Decken ausgelegt werden … und was sonst noch notwendig ist, um die Sicherheit der Spielerinnen und Spieler zu gewährleisten. Weiterhin muss im Falle eines Unfalls die Möglichkeit bestehen, Erste Hilfe zu leisten (Erste-Hilfe-Koffer vor Ort), Hilfe zu holen und die betreffende Person zu bergen. Dies gilt auch und besonders für Spielorte in der freien Natur.
Falls es sich um einen Ort in der freien Natur handelt, ist es Aufgabe der Spielleitung, dafür zu sorgen, dass die Auswirkungen des Aufenthalts auf die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Dazu gehört unter anderem, dass sämtliche Materialien wieder mitgenommen und fachgerecht entsorgt werden, keine frischen Äste und Zweige abgebrochen werden und Zigarettenreste aufgesammelt werden. Außerdem muss im Vorfeld eine Genehmigung zur Nutzung des Naturraums eingeholt werden, da eine spielpädagogische Maßnahme anderen rechtlichen Bedingungen unterliegt als z.B. ein Spaziergang im Wald.
Durch eine kreative Gestaltung bzw. gezielte Auswahl der Räumlichkeiten kann der Spielverlauf bewusst beeinflusst werden. Diese Chance sollte sich die Spielleitung nicht entgehen lassen und den Spielort dementsprechend auswählen.
Merkmal eines idealen Spielorts
| Fläche | Freie, abgegrenzte Fläche, mit vielen Variationsmöglichkeiten |
| Größe | Genügend großer Bewegungsspielraum |
| Geräuschkulisse | Ruhiger Ort, ohne störende Fremdgeräusche; Möglichkeit, selbst laut zu sein |
| Platzierung | Abgeschiedener Ort, ohne fremde Personen |
| Gestaltung | Fantasievolle und angenehme Ausschmückung des Orts, die die Spiele und/oder die Rahmengeschichte unterstützt |
| Assoziationen | Nicht alltäglicher bzw. zweckentfremdeter Raum mit geringen ablenkenden Reizen |
| Sicherheit | Überprüfung des Raums/Untergrunds auf gefährliche Gegenstände, Boden, Kanten, Ecken gegebenenfalls abpolstern; Möglichkeit von Hilfsmaßnahmen (Telefon, Zugangsmöglichkeiten etc.) |
Zeit
Die einzelnen Spiele haben durchschnittlich eine Dauer von 20 bis 30 Minuten. Einige dauern nur wenige Minuten, andere wiederum können sich über mehrere Stunden erstrecken. Generell handelt es sich jedoch um überschaubare und zeitlich begrenzte Aktionen. Um eine pädagogisch sinnvolle Aktion durchführen zu können, bedarf es jedoch in der Regel eine Zeit von mindestens eineinhalb Stunden. Dabei ist zu bedenken, dass zwischen den einzelnen Spielen immer die Möglichkeit bestehen sollte, kurze Auswertungsrunden durchzuführen, und dass am Ende einer Spieleinheit eine Reflexion eingeplant wird. Unter Zeitdruck fühlen sich viele Menschen gehemmt oder schrecken vor komplexen Themen zurück. Damit dies nicht passiert, ist oft der Grundsatz hilfreich: Weniger kann mehr sein!
Von Bedeutung ist auch der Zeitpunkt der Spieleinheit. Eine Spieleinheit direkt nach dem Aufstehen muss anders aufgebaut sein als eine Sequenz am Abend, nach einem anstrengenden Tag. Während morgens ein größeres Gewicht auf die Aufwärmphase gelegt werden muss, eignen sich abends oft ruhigere, besinnliche Spiele. Nach einer Mahlzeit ist es schwieriger, ein sehr bewegungsintensives Spiel durchzuführen, als vor dem Essen.
Material
Eine Vielzahl kooperativer Abenteuerspiele ist ohne bestimmte Utensilien machbar, aber auf die Dauer werden doch einige Materialien für aufwändigere Spiele benötigt. Im Allgemeinen haben sich folgende Materialien bewährt, um eine möglichst große Anzahl von Spielen durchführen zu können:
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Spielseile
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Augenbinden
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Holzklötze
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Schnüre
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Stöcke
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Bälle (Softbälle, Tennisbälle, Wasserball)
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Luftballons
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Gymnastikreifen
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Eimer
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Schreibmaterial
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Witzige Spielutensilien (Gummihuhn, Quietscheentchen etc.)
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Bretter und Balken
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Stabile Kisten
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Verkleidungskiste
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Dekorationsmaterial
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Decken und Tücher
Der Einsatz...




