E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Sorbara Du sprichst zu mir
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-417-27017-4
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Gottes Stimme dein Leben prägt
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-417-27017-4
Verlag: R.Brockhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sonja Sorbara ist Autorin und Erwachsenenbildnerin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Zürich. In der Gemeinde engagiert sie sich für Leitende und für alles, was mit Gebet zu tun hat. www.himmlischgeerdet.wordpress.com
Autoren/Hrsg.
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2 Gott redet durch seinen Geist zu uns
Wir genießen als Kinder Gottes ein ganz besonderes Privileg: Wir haben den Heiligen Geist, der in unsere Herzen ausgegossen wurde. Paulus schreibt das als Ermutigungsbotschaft an die ersten Christen in Rom: »Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist« (Römer 5,5).
Ausgegossen – wie klingt das für dich? Bei mir entsteht direkt ein Bild von Fülle, von Genug, von Überfluss. Es klingt fast nach Verschwendung! Die King-James-Bibel übersetzt denn auch: »… which he shed on us abundantly through Jesus Christ«. Wörtlich heißt das, dass Gott seinen Heiligen Geist reichlich auf uns und über uns gegossen hat.
Reichlich, überreichlich, uneingeschränkt, im Übermaß: In diesen Worten werden so viel Liebe und Großzügigkeit Gottes sichtbar! Gott hat uns nach seinem eigenen Ebenbild geschaffen, aber er belässt es nicht dabei, sondern verschenkt sich uns unablässig weiter. Er gießt seinen eigenen Geist in uns hinein – ja, überschüttet uns mit ihm – und schafft so selbst die Voraussetzung dafür, dass wir mit ihm in den Herzensaustausch eintreten können. Von Geist zu Geist, von Herz zu Herz, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit:
Der Herr ist der Geist. … Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.
2. Korinther 3,17-18
Wer ist der Heilige Geist?
Der Heilige Geist ist der Geist Gottes. »Gott ist Geist«, sagt uns Johannes. »Der Herr ist der Geist«, schreibt Paulus den Korinthern und dass dieser Geist die Tiefen Gottes erforscht (1. Korinther 2,10). Der Geist war von Anfang an da, gegenwärtig, ruhend (1. Mose 1,2). Das hebräische Wort für den Heiligen Geist, dem wir im Alten Testament begegnen, heißt ruach. Ruach wird übersetzt mit »Wind, Atem, Geist«. Im griechischen Neuen Testament heißt der Heilige Geist pneuma, was ebenfalls »Geist, Hauch, Luft, Atem« bedeutet.
Im Johannesevangelium wird der Heilige Geist als der Herbeigerufene, Helfer, Anwalt, Fürsprecher, Beistand und Tröster übersetzt: parakletos. Der Heilige Geist ist jemand, der an unsere Seite gerufen wird, der uns hilft, tröstet, uns vertritt und verteidigt. Er ist »jemand, der für unsere Sache vor Gericht plädiert«. Der Heilige Geist ist also in erster Linie herbeigerufen, um für uns zu sein. Das ist sein innerstes Wesen. Er ist mein Helfer und mein Anwalt. Michael Herbst schreibt:
Trösten ist so sehr das »Amt« des Heiligen Geistes, dass es zu seinem Namen wird: der Tröster. So wird sein Wesen gekennzeichnet. Es heißt schon etwas, wenn jemand »August der Starke« oder »Hägar der Schreckliche« genannt wird. Jesus stellt uns Gott, den Heiligen Geist, als den Tröster vor. Gottes Wesen ist Trösten. Das ist keine Nebenbeschäftigung Gottes, wenn er gerade nichts anderes vorhat. Gottes Wesen ist voll Erbarmen und Nähe. So denkt er von uns: voller Erbarmen. Das können wir uns kaum vorstellen, dass Gott nicht andauernd über uns nörgelt und an uns herumkrittelt, dass er nicht völlig zu Recht unzufrieden, enttäuscht und bitter ist, sondern voller Erbarmen und Trost.1
Der Heilige Geist bewirkt vieles in uns. Das vielleicht Wichtigste über sein Wirken können wir dem entnehmen, was Jesus kurz vor seinem Tod mit den Menschen teilte, mit denen er die Zeit seines Wirkens verbrachte. In diesem Gespräch sagte Jesus zwei Dinge über den Heiligen Geist (Johannes 14,17.26):
1. dass er der Geist der Wahrheit ist, den wir kennen und der in uns ist und bleibt;
2. dass er der Helfer ist und uns alles lehren und uns an alles erinnern wird, was Jesus gesagt hat.
Ist es nicht total beruhigend, dass Jesus im Prinzip zu den Jüngern sagt: »Macht euch keine Sorgen – ihr habt einen Beistand, der wird euch alles lehren und euch erinnern. Entspannt euch!«? Wir können uns voll und ganz darauf verlassen, dass der Heilige Geist uns alles Wichtige sagt, was wir wissen müssen. Wir haben eine Art inneren Kompass eingebaut bekommen, den wir jederzeit hinzuziehen können. Wir können entspannt sein in dem Wissen, dass wir geleitet werden.
Die Evangelien und die Apostelgeschichte sind voller Beispiele, wie der Heilige Geist ganz praktisch handelt, spricht, führt und leitet: Er erfüllt uns mit Kraft (Lukas 4,1.41), redet durch uns (Matthäus 10,20), ruht auf uns (Lukas 2,25), weist auf Dinge hin, lehrt und erinnert (Johannes 14,26; Apostelgeschichte 20,23), bleibt bei uns und in uns (Johannes 14,17) und führt uns in die Wahrheit (Johannes 16,13).
Eindrücklich wird beschrieben, wie der Heilige Geist auf den Missionsreisen von Paulus als Reiseleiter agiert: »Eigentlich hatten sie vorgehabt, die Botschaft Gottes in der Provinz Asien zu verkünden, aber der Heilige Geist hatte sie daran gehindert. Als sie sich dann Mysien näherten, versuchten sie, nach Bithynien weiterzureisen, aber auch das ließ der Geist Jesu nicht zu« (Apostelgeschichte 16,6b-7; NGÜ).
Der Heilige Geist lebt in uns und spricht zu uns. Er erinnert, lehrt, verkündigt – bleibt nur die Frage, wie er das tut.
Wie der Geist Gottes redet
Wie redet der Heilige Geist? War es beim Beispiel der Missionsreise ein Entscheid von Paulus, und seine Gefährten gehorchten aus Treue? Oder konnten alle das Reden wahrnehmen? Sprach der Heilige Geist mit hörbarer Stimme oder in ihrem Inneren?
Ich erlebe das Reden durch den Geist Gottes in meinem Alltag zum Beispiel so:
Gedankenblitze
Kennst du das? Du hast einen Gedankenblitz, der dich für ein paar Sekunden zum Nachdenken bringt. Vielleicht: »Ich könnte heute meinen Bruder anrufen.« Oder: »Mir fällt ein, schon recht lange habe ich nichts mehr von meiner Freundin gehört. Wie es ihr wohl geht?« Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass sich Gedankenblitze, die scheinbar aus dem Nichts kommen, als wichtig erwiesen haben. Daher melde ich mich meistens bei den Personen, die mir unvermittelt und mit einer gewissen Dringlichkeit in den Sinn kommen. Manchmal kommt keine Rückmeldung, aber schon oft hat sich die Person bei mir bedankt, dass ich an sie gedacht habe, und dabei erwähnt, dass er oder sie zum Zeitpunkt, als meine Nachricht kam, gerade in einer schwierigen Situation war.
Manchmal empfinde ich ein »Nein«, wenn ich etwas kaufen will. Ein anderes Mal fällt mir ein Kleidungsstück einer Person ins Auge und löst einen Gedanken aus. Oder es ist der erste Gedanke beim Aufwachen, eine Idee für ein Projekt. Diese Blitzgedanken oder Eingebungen sind Gedanken, die anders als »normale« Gedanken meine besondere innere Aufmerksamkeit erregen. Und es lohnt sich, ihnen nachzuspüren.
Gefühle und Empfindungen
Gefühle genießen im christlichen Kontext oft keinen allzu guten Ruf. Manches Mal habe ich gehört, dass Gefühle als »seelisch« oder »fleischlich« bezeichnet wurden. Damit sollte wohl ausgedrückt werden, dass Gefühle wenig mit Gott zu tun haben, sondern menschliche Regungen sind, die uns im besten Fall wie ein Gradmesser etwas anzeigen können, im schlechteren Fall jedoch nicht beachtet, ja unterdrückt werden sollten. Bei einer solchen Ansicht werden Gefühle weder als wertvoll noch als richtungsweisend erachtet, sondern als etwas, das uns nur vom Eigentlichen abhält: nämlich vom Geistlichen, das dann oft dem Seelischen entgegengesetzt wird.
Es ist wahr, dass unsere emotionale Gesundheit oder augenblickliche Befindlichkeit eine zentrale Rolle dabei spielt, welchen Einfluss unsere Gefühle auf uns haben. Ganz viele meiner eigenen Gefühle haben mit Erfahrungen zu tun, mit Ängsten oder mit meiner familiären Prägung. Da bin ich herausgefordert, zu überprüfen, woher ein Gefühl stammen könnte, wenn es auftaucht.
Aber natürlich kann Gott unsere Gefühle gebrauchen, um zu uns zu reden! Und das tut er auch. Das beginnt schon ganz grundsätzlich damit, dass Gefühle eine Funktion haben. Angst vor etwas zu haben, kann mich schützen. Wut kann der Anstoß zur notwendigen Veränderung sein. Gott kann in uns Gefühle der Barmherzigkeit, der Liebe, der Trauer oder des Zorns hervorrufen und damit über einen Menschen oder eine Situation zu uns sprechen.
Auch Jesus hatte Gefühle. Einmal empfand er Mitleid mit den Menschen, dass sie wie Schafe ohne Hirten sind, sprich: dass sie einsam sind. Dieses Gefühl löste in Jesus eine Handlung aus: »Er nahm sich darum viel Zeit, sie zu lehren« (Markus 6,34; NGÜ). Wenn ich in den Nachrichten oder am Straßenrand eine obdachlose Person sehe, löst dieser Anblick in mir einen inneren Herzensschrei aus, und ich flehe zu Gott für diesen Menschen. Für diese Person, für diesen Moment zeigt Gott mir sein Herz und bewirkt damit, dass ich bete.
Andere Menschen
Mein Mann hat mir eines Tages nach seiner Laufrunde wie nebenbei erzählt, er habe gedacht, ich solle doch wieder joggen gehen, wie ich es früher gemacht habe. Weil wir vier Kinder bekommen hatten, pausierte ich in dieser Routine erst einmal und nahm das Joggen danach aber nicht wieder auf. Sein Hinweis ging mir nach. Ein paar Tage später fing ich mit einer kleinen Joggingrunde an. Es tat mir so gut, dass ich seither wieder mehr oder weniger regelmäßig jogge. Beim Rennen spüre ich Gottes Gegenwart ganz besonders, vor allem, wenn ich im Wald bin. Mir kommen Gedanken für Sitzungen, Erkenntnisse, neue Ideen. Für mich war dieser Hinweis ein Reden Gottes....




