Sorensen | Die Liebe von Callie und Kayden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Callie und Kayden

Sorensen Die Liebe von Callie und Kayden

Callie und Kayden 2 - Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-12862-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Callie und Kayden 2 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten

Reihe: Callie und Kayden

ISBN: 978-3-641-12862-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kayden ist wieder an seinen dunklen Ort zurückgekehrt. Niemand wird ihm glauben, wenn er die Wahrheit sagt. Callie spürt, wie er sich von ihr entfernt. Sie weiß, dass sie ihm nur helfen kann, wenn sie sich ihrer größten Angst stellt und ihr Geheimnis offenbart. Der Gedanke, das Schweigen zu brechen, qäult sie - doch nicht so sehr wie die Vorstellung, Kayden für immer zu verlieren. Callie weiß, dass die Zeit reif ist für einen Neubeginn ohne den Ballast der Vergangenheit. Aber kann sie auch Kayden davon überzeugen?

Die Bestsellerautorin Jessica Sorensen hat bereits zahlreiche Romane verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.
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Prolog


Callie


Ich will atmen.

Ich will mich wieder lebendig fühlen.

Ich will den Schmerz nicht.

Ich möchte alles wiederhaben, aber es ist fort.

Ich höre jedes Geräusch, jedes Lachen, jeden Schrei. Leute bewegen sich hektisch durch den Raum, doch ich sehe nur zu den Glasschiebetüren. Draußen tobt ein Gewitter; Regen prasselt auf den Asphalt, die Erde und das trockene Laub. Lichter blinken, als Krankenwagen unter dem Vordach halten, und spiegeln sich blutrot auf dem nassen Boden. So rot wie Kaydens Blut, wie Kaydens Blut überall auf dem Fußboden. So viel Blut.

Mein Magen ist leer. Mein Herz tut weh. Ich kriege keine Luft.

»Callie«, sagt Seth. »Callie, sieh mich an.«

Ich wende meinen Blick von den Glastüren zu Seths besorgten braunen Augen. »Hmm?«

Er nimmt meine Hand. Seine Haut fühlt sich wohltuend warm an. »Er wird wieder.«

Ich starre ihn an, zwinge die Tränen zurück, weil ich stark sein muss. »Okay.«

Seth tätschelt mir seufzend die Hand. »Weißt du was? Ich frage mal, ob er inzwischen Besuch haben darf. Es ist ja schon fast eine Woche, da müsste doch allmählich mal jemand zu ihm dürfen.« Er steht auf und geht quer durch den Raum zum Aufnahmetresen.

Er wird wieder.

Er muss.

Aber im Grunde weiß ich, dass er nicht wieder wird. Ja, seine Wunden und die gebrochenen Knochen mögen heilen. Drinnen jedoch wird es lange dauern, und ich frage mich, wie Kayden sein wird, wenn ich ihn wiedersehe. Wer wird er sein?

Seth redet mit der Schwester hinter dem Tresen, doch sie beachtet ihn kaum, während sie gleichzeitig telefoniert und am Computer arbeitet. Ist auch egal. Ich weiß, was sie sagen wird – dasselbe wie immer: dass er keine Besucher empfangen darf, ausgenommen seine Familie. Seine Familie, die Menschen, die ihn verletzen. Die braucht er ganz bestimmt nicht.

»Callie.« Maci Owens’ Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Ich blinzle stirnrunzelnd zu Kaydens Mutter auf. Sie trägt einen engen Nadelstreifenrock, ist frisch manikürt und hat ihr Haar zu einem Lockenturm aufgesteckt. »Warum bist du hier?«, fragt sie.

Beinahe frage ich sie dasselbe. »Ich bin hier, um Kayden zu besuchen.« Ich setze mich auf.

»Callie, Süße.« Sie redet mit mir, als wäre ich ein kleines Kind, und sieht mich verärgert an. »Kayden darf keinen Besuch haben. Das habe ich dir schon vor Tagen gesagt.«

»Aber ich muss bald zum College zurück«, erwidere ich und klammere mich an die Armlehnen des Stuhls. »Ich will ihn sehen, bevor ich wegfahre.«

Sie schüttelt den Kopf, setzt sich auf den Stuhl neben mir und überkreuzt die Beine. »Das ist ausgeschlossen.«

»Wieso?« Meine Stimme klingt schärfer denn je.

Sie blickt sich um, hat offenbar Angst, ich könnte eine Szene machen. »Bitte sprich leise, Süße.«

»Tut mir leid, aber ich muss wissen, dass mit ihm alles okay ist.« Noch nie war ich so wütend, und es gefällt mir nicht. »Und ich muss wissen, was passiert ist.«

»Kayden ist krank, das ist passiert«, antwortet sie ruhig und steht auf.

»Moment mal.« Ich stehe ebenfalls auf. »Was meinen Sie mit ›er ist krank‹?«

Sie neigt den Kopf zur Seite und setzt ein trauriges Gesicht auf. Doch ich kann an nichts anderes denken als daran, dass die Frau jahrelang geduldet hat, wie Kayden von seinem Vater geprügelt wurde. »Süße, ich weiß nicht, wie ich dir das erklären soll, aber Kayden hat sich selbst verletzt.«

Ich weiche kopfschüttelnd vor ihr zurück. »Nein, hat er nicht.«

Sie sieht noch trauriger aus, was ihr etwas von einer Plastikpuppe mit gläsernen Augen und einem aufgemalten Lächeln verleiht. »Süße, Kayden hat schon lange das Problem, dass er sich selbst schneidet, und dies … Nun, wir dachten, es wäre besser geworden, aber ich schätze, wir haben uns geirrt.«

»Nein, das tut er nicht!«, schreie ich. Ja, ich schreie, was mich genauso erschreckt wie sie. Alle im Warteraum sind erschrocken. »Und ich heiße Callie, nicht Süße!«

Seth kommt zu mir gelaufen, die Augen weit aufgerissen. »Callie, alles okay?«

Ich sehe erst ihn an, dann zu den Leuten um uns herum. Alle sind verstummt und gaffen mich an. »Ich … Ich weiß nicht, was mit mir los ist«, stammle ich, renne zu den Glasschiebetüren und stoße mir die Ellbogen an den Kanten, weil sie nicht schnell genug aufgleiten. Ich laufe weiter, bis ich zu einem Gebüsch hinter dem Krankenhaus komme, wo ich auf die Knie sinke und mich übergebe. Meine Schultern beben, mein Bauch krampft, und Tränen brennen in meinen Augen. Als alles draußen ist, sacke ich auf meine Fersen zurück und bleibe auf der nassen Erde hocken.

Auf keinen Fall kann Kayden sich das selbst angetan haben. Doch tief im Innern denke ich an all die Narben auf seinem Körper und frage mich: Was ist, wenn doch?

Kayden


Das Erste, was ich wahrnehme, ist Licht. Es brennt in meinen Augen und verzerrt alles um mich herum. Ich weiß nicht, wo ich bin. Was ist passiert? Dann höre ich tiefe Stimmen, Geklapper, Chaos. Eine Maschine piept, und es scheint zum Takt meines Herzschlags zu passen, hört sich aber zu langsam und unregelmäßig an. Mir ist kalt, und ich fühle mich außen genauso taub wie in mir drin.

»Kayden, hörst du mich?« Es ist die Stimme meiner Mom, doch ich kann sie in dem grellen Licht nicht sehen.

»Kayden Owens, mach die Augen auf«, wiederholt sie, bis es zu einem nervigen Surren in meinem Kopf wird.

Ich öffne und schließe die Augen mehrmals, dann verschwindet alles. Wieder blinzle ich, und das Licht wird zu Punkten. Schließlich verwandelt es sich in Gesichter von Leuten, die ich nicht kenne, und sie alle sehen mich ängstlich an. Ich suche nach einer einzigen Person, aber die kann ich nirgends entdecken.

Ich mache den Mund auf, befehle meinen Lippen, sich zu bewegen. »Callie.«

Meine Mom erscheint über mir. Ihr Blick ist eisiger, als ich erwartet hätte, und sie hat die Lippen gespitzt. »Hast du eigentlich eine Ahnung, was du dieser Familie zumutest? Was ist los mit dir? Hast du keinerlei Achtung vor deinem Leben?«

Ich sehe zu den Ärzten und Schwestern an meinem Bett und erkenne, dass es nicht Furcht ist, was ich in ihren Mienen lese, sondern Mitleid und Verärgerung. »Was …« Mein Hals ist staubtrocken, und das Schlucken fällt mir schwer. »Was ist passiert?« Nach und nach erinnere ich mich: Blut, Gewalt, Schmerz – mein Wunsch, dass alles vorbei ist.

Meine Mom stützt ihre Hände neben meinen Kopf und lehnt sich über mich. »Ich dachte, wir hätten das hinter uns. Ich dachte, du hast damit aufgehört.«

Ich drehe den Kopf zur Seite und sehe zu meinem Arm hinunter. Mein Handgelenk ist verbunden, und meine Haut ist weiß mit bläulich schimmernden Adern. In meinem Handrücken steckt eine Kanüle, und an einer Fingerspitze ist eine Klammer befestigt. Ich erinnere mich. An alles. Ich sehe wieder meine Mutter an. »Wo ist Dad?«

Ihre Augen verengen sich, und sie senkt die Stimme, während sie sich noch näher zu mir beugt. »Auf einer Geschäftsreise.«

Ich starre sie unverwandt an. Nie hat sie etwas gegen die Gewalt getan, mit der ich aufwuchs, trotzdem hatte ich irgendwie gehofft, dass sie dieses Mal Schluss mit ihrer Heimlichtuerei macht, endlich aufhört, ihn dauernd in Schutz zu nehmen. »Er ist auf einer Geschäftsreise?«, frage ich langsam.

Ein Mann in einem weißen Kittel mit einem Kuli in der Brusttasche, einer Brille und grau meliertem Haar sagt etwas zu meiner Mom und geht mit einem Klemmbrett in der Hand aus dem Zimmer. Eine Schwester tritt an eine piepende Maschine neben dem Bett und fängt an, etwas in mein Krankenblatt zu schreiben.

Meine Mutter beugt sich näher, wirft einen Schatten auf mich und flüstert warnend: »Dein Vater hat hiermit rein gar nichts zu tun. Die Ärzte wissen, dass du dir selbst die Handgelenke aufgeschnitten hast, und die ganze Stadt weiß, dass du Caleb zusammengeschlagen hast. Du bist jetzt schon in einer schlechten Position, und die wird noch viel schlimmer, falls du versuchst, deinen Vater da mit reinzuziehen.« Sie richtet sich ein wenig auf, und zum ersten Mal bemerke ich, wie riesig ihre Pupillen sind. Bis auf einen schmalen Ring am Rand ist kaum noch Iris zu sehen. Sie sieht besessen aus – vom Teufel vielleicht oder von meinem Vater. Aber im Grunde sind sie ein und derselbe.

»Du wirst schon wieder«, sagt sie. »Es sind keine wichtigen Organe verletzt worden. Du hast viel Blut verloren, aber sie haben dir eine Transfusion gegeben.«

Ich stemme die Hände aufs Bett, will mich aufsetzen, aber mein Körper ist schwer, und meine Glieder sind zu schwach. »Wie lange war ich weg?«

»Du bist seit ein paar Tagen immer mal wieder bei Bewusstsein. Doch die Ärzte sagen, das ist normal.« Sie fängt an, an der Decke um mich herumzuzupfen, als wäre ich plötzlich ihr Kind. »Mehr Sorge macht ihnen, wieso du dich geschnitten hast.«

Ich hätte es herausbrüllen können, in die Welt hinausschreien, dass ich es nicht alleine war. Dass es mein Dad war, wir beide das waren. Doch als ich mich im Zimmer umsehe, wird mir klar, dass keiner hier ist, den es interessiert. Ich bin allein. Ich habe mich selbst verletzt. Und eine Sekunde lang hoffe ich, dass es mein Ende ist, dass all der Schmerz, der Hass und die Gefühle, wertlos zu sein, nach neunzehn Jahren endlich weggehen.

Sie...


Sorensen, Jessica
Die Bestsellerautorin Jessica Sorensen hat bereits zahlreiche Romane verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.



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