Sorensen | Für immer verbunden. Violet & Luke | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 304 Seiten

Reihe: Callie und Kayden

Sorensen Für immer verbunden. Violet & Luke

Callie und Kayden 5 - Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-18067-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Callie und Kayden 5 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 5, 304 Seiten

Reihe: Callie und Kayden

ISBN: 978-3-641-18067-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Violets Leben steht auf dem Kopf. Ein Stalker macht ihr das Leben zur Hölle, und der Mord an ihren Eltern wirft immer noch einen Schatten auf ihr Leben. Als sie sich noch dazu in eine lebensgefährliche Situation bringt, schwört sie sich, nun ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Vor allem muss sie herausfinden, was sie für Luke Price empfindet. Können die beiden ihre Ängste überwinden und an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten?

Die Bestsellerautorin Jessica Sorensen hat bereits zahlreiche Romane verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.
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1

VIOLET

Fallen.

Fallen.

Fallen.

Ich falle ins Leere und weiß nicht, wo, wann und ob ich jemals lande, denn dieser Abgrund könnte ebenso gut gar keinen Boden haben. Was mir im Moment allerdings egal ist. Denn nun gerade verliere ich komplett den Verstand. Manche würden sagen, das hätte ich schon längst, damals, als ich zum ersten Mal beschloss, vor einen Wagen zu rennen, damit ich mich beruhigen und auf andere Gefühle konzentrieren kann als auf die, die mit dem Tod meiner Eltern zusammenhängen. Vielleicht stimmt es, dass ich schon vor langer Zeit durchgedreht bin und jetzt einfach nur endgültig abstürze, immer tiefer falle und nicht mehr zurück kann. Was ich irgendwie auch gar nicht will. Im Moment fühle ich mich ziemlich gut, was nicht oft vorkommt, wenn überhaupt. Und in letzter Zeit … Na ja, in letzter Zeit brach alles um mich herum zusammen.

Nehmen wir das College zum Beispiel. Da war ich mal so gut, aber das ist vorbei. Vor einigen Tagen bestellte mich der Studienberater ein und wollte mit mir über meine Anwesenheit reden, besser gesagt über meine Abwesenheit. Ich hatte geahnt, dass es kommen würde, trotzdem war es wie ein Tritt in den Magen. »Violet Hayes, wir machen uns Sorgen um Sie und Ihr häufiges Fehlen.« Der Berater hatte mich mit diesem Blick angesehen, den alle immer haben, wenn sie von meiner scheußlichen Vergangenheit erfahren und mich bemitleiden. Früher sah ich den selten, weil ich nie jemandem meine Geschichte erzählte; aber seit der Fall wieder aufgerollt wurde, steht es überall in den Zeitungen und kommt sogar ab und zu in den Fernsehnachrichten.

Dann die Anrufe von Detective Stephner, der immer nur schlechte Neuigkeiten zum Mordfall meiner Eltern und meinem Stalker hat. Sie lauten jedes Mal gleich. »Wir haben Mira Price noch nicht gefunden.« Sie ist die Mutter von meinem Freund, Luke Price, und die Frau, die vermutlich in jener Nacht bei mir zu Hause war und diesen abgefuckten Song gejault hat. »Und es gibt noch keine Spur zu Danny Huntersonly«, fügt der Detective jeweils hinzu. Danny ist der Mann, den ich als Preston kenne, meinen ehemaligen Pflegevater, von dem ich glaubte, er käme einem Ersatzvater von allen Pflegevätern, die ich schon gehabt hatte, am nächsten. Andererseits musste ich im Austausch gegen Essen und ein Dach über dem Kopf Drogen für ihn verkaufen, und er verlangte auch sexuelle Gefälligkeiten von mir. Anfangs fand ich, dass ich ihm wirklich was schuldig sei, aber inzwischen sehe ich die Dinge klarer. Was es nicht besser macht. Im Gegenteil. Was ich getan habe, macht mich nur noch krank.

Krank.

Krank.

Krank.

Preston könnte auch mit dem Mord an meinen Eltern zu tun haben, doch das steht noch nicht fest. »Die Wahrscheinlichkeit ist fünfzig zu fünfzig.« Entweder ist Preston ein Mörder oder ein kranker, besessener Freak, der zufällig meine Mutter gekannt hatte, als sie noch auf Drogen war, und seitdem die Fotos von mir als Kleinkind aufbewahrte. Was auch immer am Ende herauskommt, es ist ekelhaft, und ich hasse mich für das, was ich mit ihm getan habe, all die Sachen, die ich nicht auslöschen kann, ganz gleich, wie sehr sie mir wehtun.

Nichts im Leben lässt sich auslöschen. Alles ist für immer da, angefangen bei unseren Atemzügen bis hin zu den Entscheidungen, die wir treffen. Und ich traf einige ziemlich beschissene.

»Willst du wirklich bleiben?«, fragt Luke mich zum zigsten Mal und unterbricht meine verstörenden, deprimierenden Gedanken und meine betrunkenen Tanzbewegungen. Musik plärrt um mich herum, von den Bässen vibriert der Boden, und ich habe einen Becher mit irgendeinem Alkohol in der Hand. Meine Sicht ist verschwommen, und ich bin innerlich dumpf.

Ich muss blinzeln, um Lukes Gesicht zu sehen, obwohl er direkt vor mir steht. Wahrscheinlich ist Luke die einzige Entscheidung in meinem Leben, die sich nicht als total gescheitert erweist, aber das nur aus meiner Sicht, nicht aus seiner. Er ist es, der sich die letzten Wochen um mich gekümmert hat. Und jetzt sieht er besorgt aus. Trotz seines permanenten Stirnrunzelns ist er unglaublich sexy. Er hat kurzes braunes Haar, in das ich meine Finger tauchen kann, und ein leicht stoppeliges Kinn. Durch das graue T-Shirt zeichnen sich seine Muskeln ab, und seine ausgeblichene Jeans hängt tief genug auf seinen Hüften, dass ich sein Shirt unten nur ein bisschen hochziehen müsste, um seine nackte Haut zu sehen. Ja, vielleicht tue ich das später, wenn er mich lässt. Nein, das kann ich streichen. Ich weiß, dass er mich lässt. Seit die Sache mit Preston herausgekommen ist, hat Luke mir nichts abgeschlagen, was ich gleichzeitig gut und schlecht finde. Klar ist es super, einen Typen zu haben, der einem alles gibt, was man will, aber ich vermisse auch die Streitereien zwischen uns und die verrückten Provokationen, die mich überhaupt erst zu ihm hingezogen haben. Die machen das Leben spannend und sorgen für Ablenkung von dem, was wirklich bei mir los ist und was ich erst noch zu akzeptieren lernen muss. Aber anscheinend können wir das nicht wiederhaben, nicht an jenen Punkt zurückkehren.

Gott, könnte ich doch die Zeit zurückdrehen!

»Violet, hörst du mir zu?«, fragt Luke und wirkt noch besorgter, als er sich nach unten beugt und mir ins Gesicht sieht. Auf mein Kopfschütteln hin seufzt er. »Bist du sicher, dass du noch hierbleiben willst?«

»Ja, absolut.« Ich stürze den Rest von meinem Getränk aus dem orangefarbenen Plastikbecher mit Kürbissen drauf hinunter. In wenigen Wochen ist Halloween, und schon jetzt ist alles mit Kürbissen dekoriert, richtig gruselig. Ich weiß nicht, wie viele von diesen Bechern ich getrunken habe. »Ich will noch nicht nach Hause.« Ich sehe mich in dem Wohnzimmer des Kerls um, der die Party gibt, auf der Suche nach weiß Gott was – irgendwas, das mich in Schwierigkeiten bringt, vermutlich. Überall fliegen Bierflaschen und Müll herum, die Luft steht vor Zigarettenqualm, Musik wummert aus den Lautsprechern, und die Leute tanzen, flirten und knutschen in den Zimmerecken. Vor ein paar Monaten wäre ich wohl zum Dealen für Preston hier gewesen.

Verfluchter Preston.

Verdammt, warum komme ich nicht drüber weg und vergesse ihn? Warum lasse ich nicht einfach mal etwas los?

»Ich meine nur, dass wir morgen Kurse haben«, erinnert Luke mich und lenkt meine Aufmerksamkeit zurück auf sich. Seine braunen Augen sind so voller Sorge, als fürchte er, dass ich direkt hier vor ihm zusammenbreche. Was ich nicht werde. Nach dem Vorfall in seinem Truck, wo ich einen Zusammenbruch hatte, und dann bei seinem Vater zu Hause habe ich mir geschworen, dass es nie wieder vorkommt. »Und wir versuchen beide noch, die zwei Wochen aufzuholen, die wir verpasst haben.«

Wir sind seit fast zwei Wochen wieder in Laramie, nachdem wir erst in Las Vegas und dann bei Lukes Vater gewesen waren. Und was uns hier an nachzuholender Arbeit erwartet, ist überwältigend. Deshalb sollte ich in der Wohnung sein und für die Chemieprüfung am Freitag büffeln. Vor allem sollte ich zu der Prüfung erscheinen, denn schließlich wurde ich schon wegen meiner Fehlzeiten verwarnt. Aber im Moment kann ich nicht lernen, weil ich zu unruhig bin. Mein Verstand läuft auf Hochtouren und kreist immer wieder um dieselben Dinge.

Preston.

Meine Eltern.

Lukes Mom.

Preston.

Wer bin ich jetzt?

Dieses gebrochene Mädchen?

Verwirrt.

Verloren.

Auf der Suche nach etwas, das ich wahrscheinlich nie finden werde.

»Wie wär’s, wenn du nach Hause gehst?«, frage ich Luke, zerdrücke den Plastikbecher und werfe ihn auf den Couchtisch in der Nähe. »Und ich komme mit Seth nach.«

»Ja, das klingt nach einer sicheren Katastrophe.«

Ich tue, als sei ich beleidigt. »Hey, wir verstehen uns besser«, sage ich und tanze weiter, weil stillsitzen immer noch ausgeschlossen ist. Es stimmt aber, was ich gesagt habe. Seit wir zurück sind, ist Seth netter zu mir. Er ist einer meiner Mitbewohner, und früher kam ich nicht gut mit ihm klar – wohl weil er mich für eine Nutte hielt. Jetzt dürfte es vor allem Mitleid sein, das ihn freundlicher macht. Mitleid, weil meine Eltern ermordet wurden. Mitleid, weil Lukes Mutter in den Mord verwickelt ist. Mitleid, weil die einzige richtige Vaterfigur, die ich je hatte, sich als unheimlicher Stalker entpuppt hat, der mich schon seit meiner Kindheit verfolgt. Anscheinend tue ich jedem leid, und auf ihre Weise versuchen alle, mir zu helfen. Aber ich kann mir nur selbst helfen, im Stillen; zumindest rede ich mir das ein. In seltenen Momenten jedoch, wenn ich mir die Wahrheit eingestehe, weiß ich, dass ich bloß dichtmache und alles vermeide. Aber ich scheine nicht anders zu können, weil ich sonst das Gefühl habe zu zerbrechen, und wenn ich mich so fühle, treibe ich mich gefährlich nah an die Kante und teste Gefahren aus.

Allerdings ist es schwierig, irgendwas zu tun, wenn ich dauernd beobachtet werde. Nachts steht ein Polizeiwagen vor meiner Wohnung, dank Detective Stephner. Tagsüber und die restlichen Stunden soll ich immer mit jemandem zusammen sein. Und offenbar hat Luke es übernommen, dieser Jemand zu sein. Seit wir bei seinem Vater waren, weicht er mir nicht von der Seite. Deshalb fühle ich mich mies. Ich meine, er hatte ein Leben, bevor er mich kennenlernte, und es ist, als hätte ich es ihm genommen. Solche Geschichten gehen immer traurig aus. Ich weiß, dass ihn dieser ganze Mist irgendwann fertigmachen wird, und dann jagt er mich zum Teufel, genau wie alle anderen in meinem Leben. Was früher okay für mich war....


Sorensen, Jessica
Die Bestsellerautorin Jessica Sorensen hat bereits zahlreiche Romane verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Bergen von Wyoming. Wenn sie nicht schreibt, liest sie oder verbringt Zeit mit ihrer Familie.



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