E-Book, Deutsch, 91 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Southwick Ein Sommer voller Sinnlichkeit
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-5355-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 91 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-5355-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kinsey raubt ihm den Verstand! Während einer Familienfeier muss David sein Strandhaus mit dem sexy Wirbelwind teilen. Ein heißer Kuss, eine wilde Wasserschlacht, und endlich spürt der Staranwalt wieder, was Leidenschaft ist. Da beschließt Kinsey überstürzt abzureisen ...
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Keine gute Tat bleibt ungestraft.
Kinsey McKeever hatte keine Ahnung, woher diese Redensart stammte, aber sie war der lebende Beweis dafür, dass sie stimmte.
Als Peggy Longwood sich den Fuß gebrochen hatte, war Kinsey sofort aus ihrer Wohnung in North Jersey nach Cape May geeilt. Sie arbeitete als Physiotherapeutin und konnte Peggy helfen, wieder auf die Beine zu kommen, sobald der Gips abgenommen worden war. Das hatte länger gedauert als vorgesehen, weil Peggy noch an anderen Krankheiten litt. Deshalb hatte Kinsey auch alle Termine abgesagt, um vom ersten Tag des Fuß-Fiaskos an stets an Peggys Seite sein zu können. Ihre Freundin und Mentorin brauchte regelmäßig eine Dialyse, und falls sich nicht bald eine Spenderniere fand …
Kinsey verdrängte alle Gedanken an die Konsequenzen. Sie hatte noch nie weit vorausgedacht, die Probleme der Gegenwart reichten ihr vollkommen. Das war auch diesmal nicht anders.
Seit fünf Wochen wohnte sie nun schon im Haus der Longwoods und sprang für Peggy ein, wo immer sie konnte. In einer Woche war die große Party, und bald würden die ersten Familienmitglieder eintreffen. Kinsey sollte deshalb jetzt vom Haupthaus des Anwesens ins Gästehaus umziehen, das zurzeit von Peggys Sohn David bewohnt wurde. Kinsey hatte jeden Sommer und jede Ferien bis zum College-Abschluss für Davids Mutter gearbeitet, seit sie sechzehn war. Und einen großen Teil dieser Zeit hatte sie heimlich für David geschwärmt.
Mehr als Schwärmen hatte sie sich nicht erlaubt, bis er sie geküsst hatte; ein richtiger Kuss mit allem Drum und Dran, der Kinsey den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Damals waren sie spät abends in der Küche alleine gewesen. Erst hatten sich ihre Schultern zufällig berührt, und im nächsten Moment lag sie in seinen Armen. Mit dem Mund hatte er eine glühende Leidenschaft in ihr geweckt. Sie wäre bereit gewesen, sich ihm auf der Stelle hinzugeben, aber er hatte sich nicht genommen, was sie ihm wortlos anbot.
Stattdessen war er zurückgewichen und hatte etwas davon gemurmelt, wie jung sie noch sei und dass er das nicht ausnutzen dürfe. Aber Kinsey hatte in ihren verschiedenen Pflegefamilien genügend Erfahrungen gesammelt, um zu erkennen, dass er sie einfach nicht wollte. Danach hatte David sie kaum noch zur Kenntnis genommen.
Und jetzt sollten sie unter einem Dach wohnen.
Was für jede andere Frau ein Geschenk des Himmels gewesen wäre, sah Kinsey als Qual an. Vielleicht hatte er den Kuss ja vergessen? Hoffen konnte man schließlich. Zumindest konnten sie so tun, als hätten sie ihn vergessen.
Kinsey holte tief Luft, rollte ihren Koffer auf die Veranda, klopfte und stieß den angehaltenen Atem wieder aus. Nachdem einige Zeit vergangen war, ging die Tür auf, und da stand er.
David Longwood.
Die plötzliche Enge in Kinseys Brust hatte nicht das Geringste mit ihren Gefühlen zu tun. Diesmal nicht. Nicht noch einmal. Sie war jetzt eine erwachsene Frau, die ihr Leben und ihr Schicksal im Griff hatte. Sie hatte einen Beruf, den sie liebte, und war von niemandem abhängig. Sie war Physiotherapeutin und gekommen, um Davids Mutter für deren Geburtstagsparty und das damit verbundene große Familientreffen wieder fit zu machen. Kinsey verdankte Peggy Longwood so viel, dass sie es ihr ohnehin nie im Leben würde zurückzahlen können. Wenn diese Frau wollte, dass sie ins Gästehaus zog, dann würde sie das tun. Sie würde es schon schaffen.
„Hallo David.“
Er nickte zur Begrüßung. „Kinsey.“
Kein Lächeln konnte sie von seinem guten Aussehen ablenken, und Kinsey fand es einfach nur unfair, dass sie ihn so sehr begehrte. Wie leicht wäre doch alles, wenn er durchschnittlich aussähe! Aber das tat er nicht. Groß, dunkelhaarig und schlank, entsprach er dem Traum einer jeden Frau. An dem Tag, an dem er Anwalt wurde, war Hollywood definitiv ein Filmstar durch die Lappen gegangen.
Doch während David beruflich ein Experte auf dem Gebiet von Übernahmen und Fusionen war, klappten Vereinigungen im privaten Bereich bei ihm wohl weniger. Zumindest hatte sie das gerüchteweise gehört.
Kinsey lächelte ihr schönstes Lächeln. Sie hatte es über die Jahre perfektioniert, als sie als Pflegekind von einer Familie zur nächsten gereicht worden war. Es zielte darauf ab, ihr Gegenüber zu bezaubern und zu zeigen, dass sie lieb und pflegeleicht war. „Peggy sagte, sie hätte dir telefonisch Bescheid gegeben, dass ich komme …“
„Stimmt, hat sie. Gib mir den“, bot er an, als sie ihren kleinen Koffer über die Schwelle zog. David schob ihre Hand vom Griff und hob den Koffer an. „Ist das alles?“
„Ja.“ Kinsey reiste immer mit leichtem Gepäck. In der Vergangenheit hatte sie gelernt, nie mehr Besitz anzusammeln, als in einen Müllsack passte. Immerhin hatte sie mittlerweile einen Koffer.
David setzte das Gepäckstück auf den Keramikfliesen des Flurs ab. Kinsey kannte sich hier aus, weil sie ihre gesamte Schulzeit über für Peggy Longwood gearbeitet hatte. Gleich um die Ecke war die Küche – mit Erker, Meerblick und Kochinsel. Gegenüber befand sich das große Wohnzimmer mit behäbigen Polstersesseln und einem Flachbild-Fernseher. Am Ende des Flurs gab es zwei Schlafzimmer, jeweils mit eigenem Bad, und dazwischen ein offenes Arbeitszimmer mit einem Schreibtisch und vielen Bücherregalen.
„Wie geht es meiner Mutter?“, fragte David. „Wird ihr Fuß den Belastungen gewachsen sein, die bei der Feier auf sie zukommen?“
„Peggy ist wie eine Naturgewalt und nicht gut darin, sich zu schonen.“
„Wem sagst du das.“
Jetzt lächelte er. Kinsey war überwältigt von dem Strahlen seiner Augen. Es fühlte sich an, als hätte sie mit dem Auto eine besonders große Bodenwelle auf der Straße überfahren, und für einen Moment verschlug es ihr die Sprache.
Kinsey räusperte sich. „Peggy wollte, als ihr der Gips abgenommen wurde, am liebsten gleich einen Marathon laufen. Fuß und Knöchel sind schon wieder recht beweglich, aber ihr geht es nicht schnell genug.“
David sah ganz wie der nüchterne Anwalt aus, doch Kinsey konnte die Sorgen um Peggy in seinen Augen sehen. „Dieses Familientreffen bedeutet ihr und Tante Tory sehr viel.“
„Sieht ganz so aus, als würde es ein enormer Erfolg, wenn man nach den vielen Zusagen geht.“
„Ich weiß. Plötzlich kommen Verwandte aus allen Löchern.“ David stützte die Hand in die Hüfte und schob dabei sein graues Jackett zurück. Das weiße Hemd passte ihm wie angegossen. Die rote Krawatte demonstrierte Selbstbewusstsein und wirkte … nun, selbstbewusst. „Macht es dir etwas aus, dass man dich aus dem Haus geworfen hat?“
„Das ist schon in Ordnung.“ Viel wichtiger war die Frage, ob es ihm was ausmachte, dass sie dadurch bei ihm landete. „Peggy wollte mich nicht rauswerfen, aber Cousine Corinne ist ziemlich klapprig, deshalb wollte Peggy sie in der Nähe haben, damit sie notfalls schnell Hilfe hat. Außerdem hat sie ein Lungenleiden, und deine Mutter möchte, dass das Zimmer Atlas’ wegen gründlich sauber gemacht wird.“
„Was hat er denn angestellt?“, fragte David. Der Hund seiner Schwester Laurie war die Sanftmut in Person.
„Nichts, außer dass er haart. Atlas schämt sich deswegen und hat schon alles Mögliche versucht, damit es aufhört, aber bis jetzt hat es nichts gebracht.“ Genauso wenig wie ihr Versuch, David zum Lächeln zu bringen. „Es geht die Sorge um, dass Hundehaare Cousine Corinnes Atemprobleme verschlechtern könnten.“
„Sag das mal schnell fünfmal hintereinander.“
Kinsey lachte. „Wie auch immer, Peggy will die Lüftung reinigen lassen und jeden Quadratzentimeter dekontaminieren. Deshalb hat sie sich gedacht, dass ich mich bei dir vielleicht wohler fühle.“
Kinsey war keine höfliche Art eingefallen, Davids Mutter beizubringen, dass sie sich lieber einen Arm abgeschnitten hätte, als mit David zusammenzuziehen. So war sie also hier gelandet. Sie hatte sich vorgenommen, sich bestmöglich anzupassen und keinerlei Aufmerksamkeit zu wecken, genau so, wie sie es in jeder neuen Pflegefamilie gemacht hatte, wenn auch nie mit Erfolg.
„Du wirst gar nicht merken, dass ich hier bin“, versprach sie.
„Wenn du es sagst.“
Kinsey forschte in seinem Gesicht, um herauszubekommen, was das heißen sollte, und merkte dann, dass der Anzug und der selbstbewusste Schlips bedeuteten, dass er auf dem Weg zur Arbeit war. „Hast du heute nicht frei? Es ist doch Sonnabend.“
„Keine Ruhe für die Gottlosen.“
Er sah aus, als meinte er es ernst, was Kinsey gar nicht gefiel. Wenn das mit den Gottlosen gestimmt hätte, hätte er ihre Schwärmerei für ihn damals ausgenutzt. Aber das hatte er nicht. Das war zwar nur ein schwacher Trost für ihren verletzten Stolz, aber David war ein anständiger Mann.
David ergriff ihren Koffer und bog um die Ecke, Kinsey folgte ihm. Sie war so in den Anblick seines breiten Rückens versunken, dass ihr fast entgangen wäre, dass er den falschen Weg nahm.
„Warte, David, nicht dahin.“
Er drehte sich nach ihr um, ohne anzuhalten. „Was?“
„Ich nehme das andere Zimmer.“
„Nein, das tust du nicht.“ Er setzte ihren Koffer im großen Schlafzimmer ab, das bisher seins gewesen war. „Das hier ist größer und...




