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Spaude | Glühwein mit Schuss: Österreich Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 288 Seiten

Reihe: Grasel und Jennerwein ermitteln

Spaude Glühwein mit Schuss: Österreich Krimi


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902784-81-0
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 288 Seiten

Reihe: Grasel und Jennerwein ermitteln

ISBN: 978-3-902784-81-0
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Schnee hat Perchtoldsdorf in eine romantische Winterlandschaft verwandelt, doch die vorweihnachtliche Atmosphäre ist plötzlich dahin: Hinter dem Punschstandl am Marktplatz wird eine Leiche gefunden. Die beiden Kriminalbeamtinnen Grasel und Jennerwein aus St. Pölten stehen zum zweiten Mal vor einem schwierigen Fall. Um Licht in das Dunkel dieser grausigen Tat zu bringen, müssen sie tief in die Geheimnisse längst vergangener Zeiten eintauchen. Dabei macht ihnen nicht nur die winterliche Kälte draußen zu schaffen, sondern auch jene, die einige rätselhafte Zeitgenossen an den Tag legen.

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1.


Es war kein guter Morgen, der an diesem trüben Dezembertag in Perchtoldsdorf anbrach. Der Christbaumverkäufer hatte am Kirchenbergl gerade seine erste Runde gemacht, um die Tannen und Fichten von ihren für die Nacht angebrachten Sicherungen zu befreien, als er wenige Meter weiter unten, hinter dem hölzernen Punschstandl, im Schnee etwas entdeckte, was ihm absonderlich vorkam. Als er näher trat, sah er entsetzt, dass es sich unzweifelhaft um die Umrisse eines seltsam verrenkten Menschen handelte. Der wenige Schnee, der in der Nacht gefallen war, hatte eine dünne, weiße Decke über ihn ausgebreitet. Der stämmige Christbaumverkäufer aus der Steiermark war nicht gerade zart besaitet, aber bei diesem Anblick durchfuhr ihn doch ein eisiger Schrecken. Als er sich zitternd über die reglose Gestalt beugte, stellte er fest, dass es sich um die Leiche eines älteren kahlköpfigen Mannes handelte. Und in dessen Stirn, genau zwischen den Augen, befand sich unübersehbar eine blutverkrustete Einschusswunde.

*

In der dritten Etage des Landeskriminalamtes Niederösterreich, genauer gesagt, in der Abteilung „Referat für Leib und Leben“ stand derweil Kriminalinspektorin Alexandra Jennerwein am Fenster und schaute gedankenverloren den seit kurzem unablässig dicht an dicht herunter wirbelnden Schneeflocken zu, die der Sturm zu lustigen Tänzen verführte.

„Schwelgst du in seligen Weihnachtsstimmungen?“, kam es spöttisch vom gegenüber liegenden Schreibtisch.

„Hm, was? Was ist los?“

„Sag mal, wo bist du denn mit deinen Gedanken? Dreams of white Christmas? Leise rieselt der Schnee? Du wirst doch nicht sentimental werden auf deine alten Tage“, antwortete ihre Vorgesetzte, Chefinspektorin Johanna Grasel.

„Wieso sentimental? Wie meinst du das? Und was heißt hier alte Tage! Soweit ich mich erinnere, hast du da mehr zu bieten.“

„Naja, schon gut. Ich meine halt Weihnachten. Das Fest der Liebe, der Familie und der im Kerzenschein leuchtenden Kinderaugen.“ Der ironische Unterton war nicht zu überhören.

„Um Himmels willen. Lass mich bloß zufrieden. Ich habe lange genug gerade Weihnachten die beiden grundverschiedenen Bedeutungen des Begriffes ›Familienbande‹ zu spüren bekommen.“ Für das feine Gehör von Johanna Grasel klang das eine Spur zu empört.

„Was ist los?“ Du hattest eben einen solch elegischen, sehnsuchtsvollen Gesichtsausdruck, dass man autormatisch auf derlei Vermutungen kommen könnte. Gib es ruhig zu. Manchmal erwischt es selbst uns karrierebewusste Singles.“

„Was willst du damit schon wieder sagen?“

„Muss ich dir das wirklich erklären? Das weißt du sehr genau.“

„Na schön“, seufzte Alexandra. „Wenn halt alles so schön weiß ist und man auf einmal das Gefühl hat, die Zeit steht still, dann überkommt einen eben die Nostalgie. Andeutungsweise.“

„Wusst ich’s doch. Und wie lang dauert diese Anwandlung gemeinhin?“

„Okay, okay“, lachte Alexandra, „hast mich bereits wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbefördert.“

„Ein Glück. Aber wenn wir schon dabei sind: Was machst du denn zu Weihnchten?“

„Keine Ahnung. Und du?“

„Auch keine Ahnung. Aber wie wär’s, wenn sich zwei Ahnungslose zusammentun und gemeinsam feiern? Könntest zu mir kommen. Zuerst betrinken wir uns im trauten Kerzenschein ein bisserl, und dann begeben wir uns auf eine dieser Christmaspartys, falls wir noch gerade gehen können. Was hältst du davon?“

„Echt? Meinst du das im Ernst?“, zweifelte Alexandra.

„Sonst hätte ich es wohl kaum gesagt. Also, was ist?“

„Super Idee. Danke für die Einladung. Ich bring auch was Feines zum Essen mit. Versprochen.“

„Einverstanden. Aber nur unter der Bedingung, dass es nichts Selbstgemachtes ist.“

„Du traust meinen Kochkünsten wohl nicht – oder?“

„Ehrlich gesagt, nein.“ Johanna nahm sich kein Blatt vor den Mund: „Seit dem Erlebnis mit deinem steinharten Speck-Guglhupf, der eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem Panzer einer Schildkröte hatte, bin ich ein gebranntes Kind.“

Alexandra war keineswegs beleidigt, sondern brach in Lachen aus und meinte: „Abgemacht, ich verschon dich mit Eigenkreationen und werde schauen, was ich so finde. Notfalls würde ich bis nach Wien zum Meinl am Graben fahren. Wonach steht dir der Sinn?“

„Übertreib’s nicht. Und zum Überlegen bleibt uns eh noch genug Zeit. Es sind schließlich eine ganze Menge Türchen am Adventkalender, die ihres Öffnens harren.“

„Jetzt bist du aber auf dem poetischen Tripp.“

„Wenn ich die Aktenberge hier vor mir sehe, vergeht mir jegliche Poesie. Mir ist ein Rätsel, wie ich diesen ganzen Papierkram abarbeiten soll. Und die Statistik vom letzten Monat steht mir auch noch bevor.“

„Kann ich dir irgendwie helfen?“, bot Alexandra an.

„Das wäre arg lieb von dir. Lass mal sehen. Allerdings hast du selber auch genug zu tun“, zögerte Johanna.

„Schon, nur sehe ich das Ganze etwas lässiger. Weißt ja eh. Gib ruhig her.“

„Wenn du mir den Abschlussbericht über die Gewalttat in dieser Millionärsvilla abnehmen könntest, wäre es schon eine Erleichterung.“

„Kein Problem. Ich mach das. Gib her.“

Die eben geführte Unterhaltung und die vorbehaltlose Bereitschaft Alexandras, ihrer Chefin Arbeit abzunehmen, wären vor einem Jahr noch undenkbar gewesen. Damals hatten sie sich wie zwei Wildkatzen bekämpft. Der Ausschlag gebende Grund war gewesen, dass Alexandra ihrer Chefin nicht hatte verzeihen können, dass sie eben diese geworden war, denn Alexandra hatte sich – erfolglos – ebenfalls für die Stelle beworben. Inzwischen hatten sich die Wogen nicht nur geglättet, sondern sie gaben sogar ein hervorragendes Team ab. Nicht unwesentlich dazu beigetragen hatte die gemeinsame Aufklärung eines Mordfalles in Perchtoldsdorf. Während der erzwungenen Zusammenarbeit hatten beide gemerkt, wie sehr sie aufeinander angewiesen waren und dass es folglich weit sinnvoller – und weit weniger kindisch – war, mit- statt gegeneinander zu arbeiten. Außerdem gab es einige Parallelen in beider Privatleben, die sie sich irgendwann eingestanden hatten, und da bekanntlich nichts so sehr verbindet, wie gemeinsame negative Erlebnisse bzw. gemeinsame Feinde – in ihrem Fall verflossene Liebhaber, die eigentliche biedere Ehemänner waren –, hatten sie peu à peu ihre Kriegsbeile begraben. Einige verbale Nadelstiche waren anfangs immer noch – insbesondere von Alexandras Seite – platziert worden, doch auch sie wichen allmählich einem beiderseitigen Einverständnis. Freilich hatte dies in ihrer Abteilung, in der sie die einzigen Frauen waren, inzwischen dazu geführt, dass die männlichen Kollegen der „geballten Frauenmacht“ wegen, wie sie das nannten, Ressentiments aufzubauen begannen, zuerst nur verhalten, aber dann offen zur Schau getragen. Die zufällig aufgeschnappte Bemerkung von den „gender-Musterexemplaren“ hatte vor allem Alexandras Kampfgeist gegenüber den „testosteronübersteuerten Machos“ angefacht. Dem Einvernehmen der beiden Frauen tat dies nicht nur keinen Abbruch, sondern es schweißte sie noch enger zusammen bis hin zur Gewissheit, sich ohne Vorbehalt aufeinander verlassen zu können. Nachdem sie sich hin und wieder, nicht allzu oft, auch privat trafen und miteinander etwas unternahmen, waren sie auf dem Weg zu einer guten Freundschaft.

Alexandra wollte eben mit den Ordnern, die sie für den Abschlussbericht brauchte, Johannas Zimmer verlassen, als deren Telefon läutete. Gewohnheitsmäßig wartete sie ab, ob das Gespräch auch für sie relevant war. Die plötzlich angespannte Haltung und der kurz angebundene Ton ihrer Chefin machten sie hellhörig.

„Was? Wo? Das gibt es nicht. Und das ist sicher?“

„Dann werden wir uns wohl auf den Weg machen müssen.“

„Was ist los? Heißt ›wir‹ du und ich?“, wollte Alexandra wissen, nachdem ihre Chefin den Hörer aufgelegt, einige Sekunden verwirrt vor sich hin und dann durch Alexandra hindurch gestiert hatte.

„Das heißt es fürwahr. Lass alles stehen und liegen. Wir müssen nach Perchtoldsdorf. Sofort.“

„Ui. Das kennen wir doch schon. Hat sich wieder jemand zu Tode musiziert?“

„Mach keinen Quatsch. Beeil dich. Eine männliche Leiche. Erschossen. Vermutlich liegt das Opfer schon seit gestern Abend hinter dem Punschstandl am Marktplatz. Und angeblich hat niemand etwas bemerkt. Ein Christbaumverkäufer hat den armen Kerl vorhin gefunden. Steif gefroren, mit einer tödlichen Schusswunde im Kopf.“

„Ach du Heiliger. Das hat uns gerade noch gefehlt. Kurz vor Weihnachten und bei diesem Mistwetter. Letztes Mal hat’s wenigstens nur geregnet, aber heute ist es auf den Straßen garantiert sauglatt.“

„Was willst...



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