E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Spencer Mein Baby gehört mir!
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4763-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4763-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Werde ich ihn wiedersehen? Mit sehr widersprüchlichen Gefühlen fährt die hübsche Imogen in ihre Heimatstadt Rosemont, wo sie an einem Schultreffen teilnehmen wird. Zehn Jahre hat sie nichts von Joe gehört, aber unvergesslich ist noch immer die Nacht, in der sie in seinen Armen die Liebe kennen lernte - mit fatalen Folgen. Bis heute weiß Joe nichts von der Schwangerschaft, von dem Baby, das kurz nach der Geburt starb. Doch auch Imogen ahnt nichts von den grausamen Lügen, die ihre Mutter ihr erzählte, um ihre Tochter für immer von Joe abzubringen. Jetzt ist sie da - die Stunde der Wahrheit ...
Zum Schreiben kam Catherine Spencer durch einen glücklichen Zufall. Der Wunsch nach Veränderungen weckte in ihr das Verlangen, einen Roman zu verfassen. Als sie zufällig erfuhr, dass Mills & Boon Autorinnen sucht, kam sie zu dem Schluss, diese Möglichkeit sei zu verlockend, um sie verstreichen zu lassen. Sie wagte den Sprung ins kalte Wasser, kündigte ihre sichere Stelle als Highschool-Englischlehrerin und schickte ihren ersten Entwurf an den englischen Verlag Mills & Boon. Ihre ersten beiden Romankonzepte wurden abgelehnt. Doch schon mit dem dritten Versuch schaffte sie es, zu überzeugen. Seitdem veröffentlichte sie mehr als 25 Bücher, die in 17 Sprachen übersetzt wurden und in 30 Ländern erschienen sind. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, einen Roman fristgerecht fertigzustellen, gibt sie Schreibkurse am College oder in Workshops der RWA (Romance Writers of America) in St. Louis und New York. Catherine ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann in White Rock, einem Städtchen an der Pazifikküste südlich von Vancouver. Sie hat vier erwachsene Kinder, fünf Enkel, zwei Hunde und eine Katze. In ihrer begrenzten Freizeit genießt sie es, zu schwimmen, zu wandern, zu lesen, Klavier zu spielen, tropische Pflanzen zu züchten und Antiquitäten zu sammeln. Einmal fuhr sie sogar bis nach North Dakota, um eine Woche lang auf der Suche nach Antiquitäten für ihr gemütliches Heim durch Kleinstadtauktionen zu ziehen.
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2. KAPITEL
„Gebt der Lady das Geld, Kinder.“ Die tiefe Männerstimme klang weich und verführerisch.
Imogen spürte eine Kribbeln im Nacken, drehte sich jedoch nicht um. Ihr war es wichtig, in diesem besonderen Augenblick Haltung zu bewahren, denn bei ihrer letzten Begegnung mit Joe Donnelly hatte sie sich in einem völlig aufgelösten Zustand befunden. Falls heute einer von ihnen aus der Fassung geriet, würde nicht sie es sein.
Mit einem Hochmut, um den selbst ihre Mutter sie beneidet hätte, wandte sie langsam den Kopf und warf Joe einen kurzen Blick über die Schulter zu. „Oh, hallo. Joe, nicht wahr?“
Es verschaffte ihr eine gewisse Genugtuung, zu beobachten, wie er blass wurde, als er sie erkannte.
„Imogen?“ Seine vorhin so wohlklingende Baritonstimme hörte sich jetzt seltsam rau an.
„Ja.“ Trotz der widersprüchlichen Gefühle, die in ihr tobten, gelang es ihr, ihn kühl und unpersönlich anzulächeln, ehe sie sich wieder mit den aus ihrer Handtasche gefallenen Gegenständen beschäftigte. „Imogen Palmer. Patsy und ich sind zusammen zur Schule gegangen und haben alte Erinnerungen aufgefrischt.“
„Was du nicht sagst.“
Es klang, als hätte er einen Kloß im Hals, und wäre Imogen nicht so völlig durcheinander gewesen, hätte sie sich an seinem offensichtlichen Unbehagen sogar geweidet. So aber musste sie sich erst innerlich gegen seinen Anblick wappnen, bevor sie es wagte, sich ganz umzudrehen und Joe gegenüberzutreten.
Er sah wundervoll aus! Ein Prachtexemplar von einem Mann, schlank und durchtrainiert, keine Spur von Bierbauch oder schlaffen Muskeln. Seine Züge waren härter geworden, und um die Augen hatten sich kleine Fältchen gebildet. Deutlicher als früher verriet sein Gesicht jetzt einen ausgeprägten Charakter und wirkte dadurch noch anziehender. Vor ihr stand ein stolzer Mann.
„Nun“, sagte sie und wandte sich schnell ab, bevor ihr Blick ihm verriet, wie es in ihr aussah. „Es war nett, ein wenig mit dir zu plaudern, Patsy. Schade, dass ich schon gehen muss.“
Verwirrt blickte Patsy von Imogen zu Joe. „Aber …“
Der größere der beiden Jungen hielt Imogen auf der ausgestreckten Handfläche die aufgesammelten Münzen hin. „Hier ist Ihr Geld, Lady.“
„Danke.“ Sie konnte sich nicht dazu durchringen, in die klaren Kinderaugen zu schauen. Der Anblick dieser beiden Jungen war für sie einfach zu schmerzlich. Sie griff nach ihrer Handtasche. „Tut mir schrecklich leid, Patsy, dass ich nicht mehr Zeit habe. Vielleicht treffen wir ja in den nächsten Tagen noch einmal zufällig aufeinander. Auf Wiedersehen, Joe. Du hast reizende Kinder.“
Sie bemühte sich um einen würdevollen Abgang, straffte die Schultern und versuchte, sich mit der lässigen Grazie eines Models zwischen den Tischen zum Ausgang durchzuschlängeln. Erst als sie die Uferpromenade erreicht hatte und zwischen ihr und dem Restaurant eine Entfernung von mehr als hundert Metern lag, fühlte sie sich einigermaßen sicher und blieb stehen.
Aufatmend lehnte sie sich an das Geländer und fuhr sich mit zitternder Hand übers Gesicht. Ihre Wangen waren tränennass. Als sie gleich darauf Schritte hinter sich hörte, wusste sie, wer es war. Dann sagte auch schon eine tiefe Männerstimme: „Einen Moment noch, Imogen.“
Sie holte ein Papiertaschentuch aus der Handtasche und wischte sich unauffällig die Tränen ab, während sie so tat, als würde sie sich die Nase putzen. Nur gut, dass die Sonne bereits unterging. „Was ist?“, fragte sie. „Habe ich etwas vergessen?“
Joe legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Scheint so.“
„Tatsächlich?“ Sie versuchte, seine Hand abzuschütteln, und begann gleichzeitig in ihrer Handtasche zu wühlen, damit sie ihn nur nicht ansehen musste. „Was denn?“
„Uns“, antwortete er und zwang sie, ihn anzuschauen. „Oder hattest du gehofft, ich hätte vergessen, dass du neben Patsy noch ein anderes Mitglied unserer Familie näher gekannt hast?“
„Dieser Mensch ist ohne jede Moral, unverschämt und gesellschaftlich völlig inakzeptabel“, hatte ihre Mutter geschimpft, als sie erfuhr, dass Joe es gewesen war, der ihre Tochter vom Abschlussball der High School nach Hause gebracht hatte. „Sollte er noch einmal einen Fuß auf unser Grundstück setzen, werde ich ihn wegen Hausfriedensbruch anzeigen.“
Zweifellos war Joe Donnelly nie ein Heiliger gewesen, aber zu seinen Charakterstärken hatten unbedingte Aufrichtigkeit und Mut zur Konfrontation gezählt. In dieser Hinsicht schien er sich nicht geändert zu haben. Während andere Männer wahrscheinlich Imogens Täuschungsmanöver mitgemacht hätten, ging er der Sache auf den Grund.
„Ich hatte gehofft, du seist ein Gentleman und würdest mich nicht daran erinnern“, sagte sie.
„Ich bin kein Gentleman, Imogen, und nie einer gewesen.“ Seine Stimme klang hart. „Oder hast du das etwa vergessen?“
Was sollte sie darauf antworten? Ihm etwa gestehen, dass das Wiedersehen mit ihm alte Sehnsüchte in ihr weckte und sie sich wünschte, er würde sie küssen? Dass die hereinbrechende Dämmerung sie an jene magische Nacht erinnerte, in der er sie bei Mondschein geliebt hatte? Oder sollte sie ebenso ehrlich sein wie er und ihm offen gestehen, nie wieder einen so aufregenden Mann wie ihn getroffen zu haben?
„Ein Gentleman hätte …“
Ihm entging nicht die Verzweiflung, die in ihrer Stimme mitschwang. Forschend betrachtete er ihr Gesicht. „Was hätte ein Gentleman getan?“, fragte er ruhig.
Er hätte einen Weg gefunden, mit mir in Kontakt zu bleiben, dachte sie in stummer Anklage. Er hätte angerufen, geschrieben oder wäre zu uns nach Hause gekommen und hätte darauf bestanden, mit mir zu sprechen. Er hätte mir zur Seite gestanden, als ich ihn brauchte, und er hätte mit mir getrauert. Aber du hast dich aus dem Staub gemacht, weil ich dir nichts bedeutet habe.
„Das ist jetzt nicht mehr wichtig“, sagte sie laut. „Unsere … was damals in jener Nacht geschah …“
„Ja, Imogen? Was, genau, ist damals denn geschehen?“
Er verspottete sie, wollte sie herausfordern, ebenso offen wie er über jene Nacht zu sprechen. Vielleicht sollte sie es tun. Warum sollte sie ihn schonen, da er doch rücksichtslos auf ihren Gefühlen herumtrampelte?
„Wir hatten Sex, Joe. Einen One-Night-Stand, mehr nicht. Die Eisprinzessin wollte wissen, wie ‚es‘ so ist, und sie hätte keinen besseren Lehrmeister finden können als den Mann, der schon jedes willige Mädchen in der Stadt gehabt hatte. Wolltest du das hören?“
„Nein.“ Er ließ sie so abrupt los, als würde er sich plötzlich vor ihr ekeln. „Ich hatte gehofft, du würdest zur Abwechslung einmal die Wahrheit sagen.“
„Wieso sollte ich lügen?“
Er ließ den Blick nachdenklich über den See schweifen. „Ich habe mir nie etwas vorgemacht und wusste, weshalb du damals mit mir geschlafen hast. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es dir nach unserem …“, spöttisch verzog er den Mund, „… Beisammensein besser ging als vorher. Deshalb hoffe ich, verdammt noch mal, dass du jetzt lügst.“
„Was spielt das noch für eine Rolle, Joe? Fest steht, dass du damals keine Zeit vergeudet und dich anderweitig umgesehen hast.“
„Ach ja?“
In einigen hundert Metern Entfernung erstrahlte das Hotel im Glanz unzähliger Lichter. Es erschien Imogen wie ein rettender Zufluchtsort. Wieso flüchtete sie sich nicht dorthin, statt sich von Joe zu einer unüberlegten Antwort hinreißen zu lassen? Schweigend setzte sie ihren Weg fort, doch Joe blieb an ihrer Seite.
„Nun ja, du bist verheiratet“, warf sie ihm schließlich vor. „Und deine Kinder gehen beide schon zur Schule.“
„Und das stört dich, Imogen?“
„Nicht im Geringsten“, log sie und zwang sich zu einem lockeren Ton, um einigermaßen glaubhaft zu klingen. „Warum auch?“
„Keine Ahnung.“ Er schien leicht belustigt zu sein. „Schon deshalb nicht, weil ich weder verheiratet noch Vater der beiden Jungen bin, die du vorhin so reizend gefunden hast.“
„Aber Patsy hat gesagt, sie sei ihre Tante, und das bedeutet … ach du meine Güte!“ Sie versuchte alles mit einem Lachen zu überspielen, stellte aber entsetzt fest, dass sie sich eher wie eine meckernde Ziege anhörte. „Wie dumm von mir!“
„Stimmt.“ Er lächelte so spöttisch, dass sie ihn am liebsten geohrfeigt hätte. „Ich bin ihr Onkel.“
„Ganz abwegig war meine Schlussfolgerung ja nicht“, verteidigte sie sich. Wieso konnte sie nicht einfach verschwinden, statt sich hier noch weiter zur Närrin zu machen? „Immerhin war Sean in der Klasse unter mir. Nie im Leben wäre ich darauf gekommen, dass dein Bruder so früh heiraten und Vater werden würde.“
„So kann man sich irren, Imogen. Er hat schon mit neunzehn seine High-School-Liebe geheiratet. Sechs Monate später wurde Dennis geboren.“
Wahrscheinlich war in der vergangenen Stunde einfach zu viel auf sie eingestürmt. Anders konnte Imogen sich die unglaublich taktlose Bemerkung nicht erklären, mit der sie nun unfreiwillig herausplatzte. „Willst du damit sagen, sie mussten heiraten?“
Er betrachtete sie mit einem Blick, der sowohl Mitleid als auch Verachtung ausdrückte. „Wir normalen Sterblichen aus Lister’s Meadows lassen uns manchmal von unseren animalischen Trieben mitreißen. Jemand mit so verfeinerten Instinkten wie du wird das natürlich nicht verstehen.“
Oh, sie verstand ihn nur zu gut – er würde es nur nie erfahren!
...



