Spencer | Mein Herz ist frei | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1541, 144 Seiten

Reihe: Julia

Spencer Mein Herz ist frei


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86494-753-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1541, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-86494-753-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Camilla ist froh nach ihrer unglücklichen Ehe nur noch für ihren kleinen Adoptivsohn da sein zu können. Ihre feste Überzeugung, dass die Liebe kein Thema mehr für sie ist, wird schon bei der ersten Begegnung mit dem faszinierenden Bauunternehmer Michael D'Alessandro tief erschüttert. Er verhält sich ganz anders als die Männer der High-Society, die Camilla Michaels maskuline Ausstrahlung versetzt sie in tiefe Unruhe: Moralische Prinzipien, die ihr ganzes Leben prägten, werden außer Kraft gesetzt! Camilla ist entschlossen, Michael zu verführen...



Zum Schreiben kam Catherine Spencer durch einen glücklichen Zufall. Der Wunsch nach Veränderungen weckte in ihr das Verlangen, einen Roman zu verfassen. Als sie zufällig erfuhr, dass Mills & Boon Autorinnen sucht, kam sie zu dem Schluss, diese Möglichkeit sei zu verlockend, um sie verstreichen zu lassen. Sie wagte den Sprung ins kalte Wasser, kündigte ihre sichere Stelle als Highschool-Englischlehrerin und schickte ihren ersten Entwurf an den englischen Verlag Mills & Boon. Ihre ersten beiden Romankonzepte wurden abgelehnt. Doch schon mit dem dritten Versuch schaffte sie es, zu überzeugen. Seitdem veröffentlichte sie mehr als 25 Bücher, die in 17 Sprachen übersetzt wurden und in 30 Ländern erschienen sind. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, einen Roman fristgerecht fertigzustellen, gibt sie Schreibkurse am College oder in Workshops der RWA (Romance Writers of America) in St. Louis und New York. Catherine ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann in White Rock, einem Städtchen an der Pazifikküste südlich von Vancouver. Sie hat vier erwachsene Kinder, fünf Enkel, zwei Hunde und eine Katze. In ihrer begrenzten Freizeit genießt sie es, zu schwimmen, zu wandern, zu lesen, Klavier zu spielen, tropische Pflanzen zu züchten und Antiquitäten zu sammeln. Einmal fuhr sie sogar bis nach North Dakota, um eine Woche lang auf der Suche nach Antiquitäten für ihr gemütliches Heim durch Kleinstadtauktionen zu ziehen.

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1. KAPITEL

Ursprünglich hatte Mike das Kind nur beobachten wollen. Aus der Ferne. Um sich zu vergewissern, dass es dem Jungen gut ging. Danach würde er seine Exfrau, die im Sterben lag, ein letztes Mal besuchen und sie beruhigen, was das Wohlergehen ihres gemeinsamen Sohnes betraf. Anschließend wollte er den ersten Flug von San Francisco nach Vancouver nehmen, ohne irgendjemandem zu erzählen, dass seine Frau vor vier Jahren ein Kind von ihm empfangen hatte. Er hatte sich vorgenommen, das alles zu vergessen.

Dies war ihm als die anständigste Lösung erschienen. Die Menschlichste. Denn es war wahrhaftig schon genug Schaden angerichtet worden. Er hatte kein Recht, sich nach so langer Zeit einzumischen und alles noch schlimmer zu machen.

Aber das war gewesen, bevor er das Kind gesehen hatte. Ehe er das ansteckende Lachen des Jungen gehört oder sein schwarzes Haar gesehen hatte, das seinem so ähnelte. Oder beobachtet hatte, wie der Kleine auf kräftigen, sonnengebräunten Beinchen quer durch den Park zum Karussell gelaufen war.

Danach reichte es ihm nicht mehr, seinen Sohn zu sehen. Nun wollte er ihn berühren, mit ihm sprechen, ihm zuhören. Jetzt hätte er gern alles über die dreieinhalb Jahre seit der Geburt des Jungen erfahren, von dessen Zeugung er nicht einmal gewusst hatte. All die kleinen Dinge: was er gern aß, was sein Lieblingsspielzeug war, ob er Musik mochte. Oder Modellbaueisenbahnen. Ob er Fußball spielen, Inlineskates fahren oder schwimmen konnte.

Einige Meter neben der Stelle, von der aus Mike zusah, stand die ‘Mutter’ des Kleinen und winkte diesem zu, während er auf einem bemalten Holzpferd vorbeiritt.

“Halt dich gut fest”, rief sie ihm mit glockenheller Stimme zu.

Für Mike enthielten die Worte bittere Ironie. Wenn er und Kay einander gut festgehalten hätten, würde er jetzt nicht hier stehen und sich den Kopf darüber zerbrechen, wie er möglichst unverfänglich ein Gespräch beginnen konnte.

Er spürte bereits, wie ihn die Menschen misstrauisch beobachteten und sich fragten, wer der Fremde war. In einer so kleinen und wohlhabenden Stadt wie dieser fiel ein Mann in Jeans in der Menge ebenso auf wie sein gemieteter Mittelklassewagen unter all den Limousinen auf dem schattigen Parkplatz.

Als das Karussell hielt, befand sich der Junge auf der gegenüberliegenden Seite an der Stelle, die von seiner Mutter am weitesten entfernt war. Sie stand auf Zehenspitzen. Der Rock ihres leichten Sommerkleids bauschte sich im Wind.

Sie winkte, damit der Junge sie bemerkte. “Hier, Jeremy!”

Es gab schlimmere Namen. Aber er, Mike, hätte einen anderen ausgesucht. Ein Junge brauchte einen Namen, der gut zu ihm passte, wenn er ein erwachsener Mann war. Der Kraft und Männlichkeit vermittelte. Wie ‘Michael’. Und einen Nachnamen, der etwas über seine Vorfahren aussagte. Wie ‘D’Alessandro’.

Jeremy rutschte von dem Karussellpferd und lief schnell auf seine Mutter zu. Er stolperte und fiel ihm direkt vor die Füße. Ohne nachzudenken, bückte Mike sich und hob ihn wieder hoch.

Der Kleine hatte Grasflecken an den Knien und im Gesicht noch einen Anflug von Babygrübchen. Er war ein kräftiger kleiner Kerl. Seine dunkelbraunen Augen erinnerten Mike an Kay.

Und plötzlich überkamen ihn unbeschreibliche Empfindungen, ein Gefühl des Verlusts, das so stark war, dass er die Luft anhalten musste, um den Schmerz ertragen zu können. Dieser Junge, der jetzt erschreckt von ihm wegstrebte, war sein eigen Fleisch und Blut! Er hätte ihn so gern beruhigt, ihn an sich gedrückt und ihm zugeflüstert: Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, mein Sohn. Ich bin doch dein Vater.

Stattdessen sagte er leise: “Hallo, Kleiner”, und verstummte dann verlegen, weil er bei diesem Kind darauf achten musste, was er sagte. Bei den vierjährigen Zwillingen, seinen Neffen, fehlten ihm nie die Worte.

Ein Schatten fiel auf das Kind.

“Komm, Jeremy.” Ihre Stimme klang leicht beunruhigt, allerdings immer noch melodiös. Die Frau zog den Kleinen an sich, und Mike sah, dass sie schmale Hände mit langen, schlanken Fingern hatte. Die ovalen Fingernägel waren hellpink lackiert.

Er hob den Kopf und begegnete dem misstrauischen Blick silbrig blauer Augen, die von langen, dichten Wimpern gesäumt waren. Dann richtete er sich auf, trat einen Schritt zurück und bemerkte locker: “Er hat einen ziemlichen Sturz gebaut, aber ich glaube nicht, dass er sich verletzt hat.”

Sie war zu wohlerzogen, um ihm zu sagen, dass er sich die Bemerkung sparen und gefälligst die Finger von ihrem Kind lassen sollte, doch ihr kühler Tonfall sagte alles. “Ich bin sicher, dass ihm nichts passiert ist. Vielen Dank für Ihre Mühe. Jeremy, bedank dich bei dem Herrn dafür, dass er so freundlich war, dir zu helfen.”

“Vielen Dank”, wiederholte Jeremy brav. Jetzt, da er sich am Bein seiner Mutter festhalten konnte, musterte er ihn offen und neugierig, wie jeder normale Dreijährige es getan hätte.

Mike hätte ihm gern durch das dichte schwarze Haar gestrichen, aber das kam nicht infrage. Sie beobachtete ihn viel zu aufmerksam. Ihr Mutterinstinkt war offenbar stark ausgeprägt.

Deshalb hakte er die Daumen in die Gesäßtaschen seiner Jeans und rang sich ein Lächeln ab, das, wie er hoffte, nicht allzu künstlich wirkte. “Gern geschehen, Kleiner.”

“Dann …” Die Mutter nahm das Kind an die Hand und wandte sich zum Gehen. “Wir müssen weiter. Nochmals vielen Dank.”

“Keine Ursache.”

Er sah ihnen nach. Sie hielt sich gerade, während der Junge begeistert und unbefangen neben ihr herhüpfte.

Das war’s, du hast erledigt, weswegen du hergekommen bist, dachte Mike. Dein Sohn ist gut gekleidet, wohlgenährt und gut erzogen. Seine Mutter vergöttert ihn offensichtlich. Überbring Kay die Nachricht, halte dich an deinen Plan, und vergiss diesen Nachmittag.

“Daraus wird nichts”, sagte er leise vor sich hin, während er den beiden nachsah. Sie standen in der Schlange am Büffet unter der gestreiften Markise an.

Die Szene war perfekt. So perfekt, dass es ein Gemälde hätte sein können. Schade nur, dass sie die Erinnerung an das Krankenzimmer im ‘St. Mary’s Hospital’ in San Francisco und an Kays ausgemergeltes, von der Krankheit gezeichnetes Gesicht nicht auslöschen konnte.

Ihr Leiden war durch ihre Sorgen noch verschlimmert worden. “Ich habe ihn weggegeben”, hatte Kay geflüstert. Sie hatte Tränen in den Augen gehabt und nervös mit den Händen über die dünne Bettdecke gestrichen. “Eine Schwangerschaft, als ich gerade neu anfing … und ich hatte so ehrgeizige Pläne. Ich stand kurz davor, meinen Traum zu verwirklichen. Ja, ich konnte den Erfolg praktisch schon riechen. Ich hätte nicht noch ein Baby aufziehen können, Mike. Nicht zu dem Zeitpunkt.”

Aber ich hätte mich um das Baby gekümmert, dachte er bitter. Der Moment mit Jeremy hatte es ihm gezeigt. Er konnte genauso wenig weggehen und den Jungen vergessen, wie ein Verhungernder die angebotene Nahrung verweigern würde.

“Wer ist denn dein heimlicher Bewunderer, Camilla?”, fragte Frances Knowlton amüsiert.

“Ich habe keine Ahnung, von wem du sprichst”, antwortete Camilla kühl. Dass sie gleichzeitig tief errötete, strafte ihre Worte Lügen.

“Ach, tu nicht so. Du redest doch mit .”

Sie hätte sich denken müssen, dass sie Frances, mit der sie bereits seit dem Kindergarten befreundet war, nichts vormachen konnte.

“Wenn du von dem Mann an dem Tisch dort drüben sprichst, den habe ich vorhin zufällig beim Karussell getroffen. Er hat Jeremy geholfen.” Camilla vermied es, zu seinem Tisch hinüberzusehen, obwohl sie den Unbekannten liebend gern mit Blicken verschlungen hätte.

“Was ohne Weiteres erklärt, warum du knallrot wirst und nicht mehr weißt, wo du hinschauen sollst, kaum dass ich ihn erwähnt habe. Ich muss sagen, ich kann’s dir nicht verübeln.” Fran, die nie viel auf Benimmregeln gab, schob ihre Sonnenbrille nach unten und musterte den Fremden unverhohlen. Dann tätschelte sie Adam, ihrem Mann, unter dem Tisch das Knie. “Wenn ich nicht bereits mit dem attraktivsten Mann der Welt verheiratet wäre, würde ich mir diesen blauäugigen Supermann sichern, ehe ihn mir eine andere wegschnappt. Dich eingeschlossen, Camilla.”

Er hatte wirklich fantastische Augen, wie Camilla zugeben musste. Sie waren nicht blaugrau wie ihre, sondern leuchtend blau. Genau in diesem Moment sah er sie an, und sie spürte förmlich seine Energie.

“Ist es nicht eine Schande, dass der arme Mann ganz allein hier ist, genau wie du?”, bemerkte Fran und stand auf. “Ich denke, in einer Kleinstadt ist es ist eine Frage der Gastfreundschaft, etwas dagegen zu tun.”

Camilla spürte, wie sie errötete. “Bitte nicht, Fran. Erstens bin ich nicht allein, Jeremy ist doch da. Und außerdem …”

Sie hätte sich die Worte sparen können. Fran stand bereits zwei Tische weiter und sprach den Fremden an. Er reagierte mit einem strahlenden Lächeln. Einen Moment später kam er, seinen Teller in der Hand, zu ihnen herüber. Verlegen senkte Camilla den Blick.

Fran setzte sich neben ihren Mann, sodass dem Fremden nur der Platz neben Camilla blieb.

Adam beugte sich vor und flüsterte ihr zu: “Am besten machst du gute Miene zum bösen Spiel. Gleich stellt sie euch einander vor.”

So erfuhr Camilla, dass er D’Alessandro hieß, geschäftlich unterwegs war und zwischendurch einige Tage Urlaub machte. Er lebte nördlich der Landesgrenze in Vancouver, besaß eine Baufirma und...



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