E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Reihe: eBundle
Spindler Bestsellerautorin Erica Spindler 2
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95576-536-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
eBundle
E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Reihe: eBundle
ISBN: 978-3-95576-536-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
WENN DIE LIEBE ERBLÜHT: JASMINDUFT IN DER NACHT
Immer wenn Hunter den Duft von Nachtjasmin riecht, erinnert er sich an Aimée. Einst hatte er eine wilde Affäre mit ihr. Getrieben von Neugier, was aus ihr geworden ist, reist Hunter zu Aimée - und erlebt eine Überraschung!
MAGNOLIENTRÄUME
Annabelle liebt den Sommer auf Ashland - vor allem, weil dann der alte Magnolienbaum auf ihrer Plantage blüht. In dem süßen Duft von all den Frauen zu träumen, die dort der Sage nach einen Heiratsantrag von ihrer großen Liebe bekamen, ist einfach so viel romantischer als ihr eigenes Leben: Noch nie hat es ein Mann ernst mit ihr gemeint. Doch dann begegnet sie Rush Cousins. Er will ihr Herrenhaus restaurieren - und sieht so verheißungsvoll gut aus wie einer der Männer aus ihren Magnolienträumen. Was macht es da schon, dass er Geheimnisse zu haben scheint? Mehr als Annabelle anfangs glaubt ...
Erica Spindler studierte zunächst Kunst. Als erfolgreiche Malerin stellte sie in namhaften Galerien aus. 1982 begann sie mit dem Schreiben, als sie mit einer Erkältung das Bett hüten musste. 1987 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Zunächst tat sie sich als Autorin romantischer Geschichten hervor, wandte sich aber ab 1996 dem Kriminalroman zu. Ihre Bücher erreichen immer wieder die ersten Plätze der New York Times-Bestsellerliste und erscheinen inzwischen in über 20 Ländern. Spindlers Stil wird durch ihre Faszination für Psychologie und Zwischenmenschliches geprägt, die ihre Romane zu einem spannenden und emotionalen Erlebnis für ihre Leser und Leserinnen macht. Auch als präzise Beobachterin und Kommentatorin gesellschaftlicher Entwicklungen fällt Erica Spindler auf. Die 1957 in Illinois geborene Autorin lebt seit 1980 im Raum New Orleans. An der dortigen Universität schloss sie ihr Kunststudium ab. Heute wohnt sie mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Söhnen im ländlichen Louisiana nahe der Metropole.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Dieses kleine Schweinchen ging zum French Market“, summte Aimée Bodreaux, während sie mit dem großen Zeh ihres dreijährigen Sohns Oliver spielte. Oliver quietschte vergnügt und versuchte, seinen Fuß wegzuziehen. Lachend hielt Aimée ihn fest und griff nach dem nächsten Zeh. „Dieses kleine Schweinchen blieb zu Hause am Bayou.“
Oliver kicherte und wand sich, dann legte er den Kopf auf die Seite und schob mitfühlend die Unterlippe vor. „Armes, kleines Schweinchen“, sagte er traurig.“ Ganz allein.“
Aimée küsste ihn auf den großen Zeh. „Maman würde Oliver nie allein am Bayou lassen.“
„Nein.“ Oliver schüttelte ernst den Kopf. „Und ich gehe nie ohne dich oder pépère dorthin.“
„Das ist richtig.“ Sie kitzelte ihn an der Fußsohle, dann nahm sie den dritten Zeh. „Dieses kleine Schweinchen aß Roastbeef auf Weißbrot …“
„Batard! Fornicateur!“
Erstaunt sah Aimée in die Richtung, aus der die Schimpfwörter kamen. Sie kamen aus dem Geschäft, in dem ihre Familie Angelzubehör und Köder verkaufte. Sie zog die Augenbrauen zusammen. Ihr Vater war temperamentvoll, und es kam schon mal vor, dass er und ein Freund heftig aneinandergerieten. Jedenfalls war es früher vorgekommen. Vor der Krankheit. Aber seitdem …
Ein weiterer wütender Ausbruch folgte, und Aimée sprang auf. Sie streckte die Hand nach Oliver aus. „Komm, Baby. Wir sehen besser mal nach deinem pépère. Wir essen und spielen nachher weiter.“
Oliver folgte ihr mit besorgter Miene. „Warum schreit pépère so?“
„Ich weiß es nicht, Liebling“, sagte sie, schon unterwegs zum Laden. „Wir sehen einfach …“
„Aimée!“, rief ihr Vater von innen. „Bring mir meine Schrotflinte! Beeil dich!“
Schrotflinte! Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie Oliver auf den Arm nahm und losrannte. Statt der Treppe nahm sie die Rampe, die für ihren Vater gebaut worden war, und riss die Fliegentür auf. Dann stellte sie Oliver ab, schob ihn behutsam zur Seite und rannte hinein. „Papa! Was ist los? Was ist …“ Wie angewurzelt blieb sie stehen und verstummte.
Hunter. Sie traute ihren Augen nicht.
Aber er war es wirklich. Er stand im Laden, und seine Miene war eisig.
Aimée holte tief Luft, um sich zu beruhigen. Hunter hatte ihr das Herz und den letzten Rest ihrer jugendlichen Naivität gestohlen. Er hatte ihr die schönste Zeit ihres Lebens geschenkt, aber er hatte ihr auch gezeigt, dass das Leben einem nur selten das gab, was man sich erhoffte. Sie hatte ihn einmal so leidenschaftlich geliebt, wie sie ihn später hasste.
Sie hatte geglaubt, sie würde ihn nie wiedersehen.
Sie atmete noch einmal durch. So wie er aussah, wirkte er noch immer wie eine Mischung aus kalifornischem Surfer und ernstem Akademiker. Er war schlank, muskulös, gebräunt, hellblond, wie jemand, der sich oft am Strand aufhielt. Wie gern hatte sie in seinem Haar gewühlt und es wie goldene Seide durch die Finger gleiten lassen.
Aber seine Miene und seine Augen verrieten, dass er kein so einfacher Mensch war. Wie oft hatte er sie aus diesen blauen Augen angesehen, nachdenklich, verschlossen und durchdringend. Immer hatte er ein wenig Abstand von ihr und ihrer Welt gehalten.
Anstatt sich durch diese Zurückhaltung abschrecken zu lassen, hatte sie sich angezogen gefühlt. Auch von dem Schmerz, den er dahinter versteckte.
Sie war noch so jung gewesen, so unglaublich naiv. Sie hatte geglaubt, ihn aus der Reserve locken, ihn und sein Leben ändern zu können. Aber sie hatte auch geglaubt, alle ihre Träume verwirklichen zu können, allein durch ihre Willenskraft.
Sie war so dumm gewesen.
Aimée hob das Kinn. Das war noch keine vier Jahre her, aber es kam ihr vor wie ein ganzes Leben. Falls er erwartete, das fröhliche, zuversichtliche Mädchen zu finden, dessen Herz er so mühelos erobert und gebrochen hatte, so würde er sich gewaltig wundern.
Hunter drehte sich zu ihr um, langsam, vorsichtig, als hätte er Angst, ihren Vater aus den Augen zu lassen. Als er sie ansah, war es, als würde die Zeit stillstehen, als gäbe es auf der Welt nur noch ihren Blickkontakt. Wie aus weiter Ferne hörte sie, dass ihr Vater in seiner Wut etwas murmelte, wie sein Rollstuhl leise quietschte, als er zum Lagerraum rollte.
Hunter hatte sich in den dreieinhalb Jahren nicht verändert. Seltsam. Wenn sie in den Spiegel sah, sah sie, wie sehr sie selbst sich verändert hatte.
„Hallo, Aimée.“
„Hunter.“
„Wie geht es dir?“
„Gut.“
„Maman?“ Oliver streckte den Kopf durch die Tür. „Kann ich jetzt hereinkommen?“
Aimée drehte sich zu ihrem Sohn um und rang sich ein gelassenes Lächeln ab. „Natürlich, Baby. Komm herein.“ Sie streckte den Arm aus, und Oliver kam angerannt, um sich an ihr Bein zu klammern. Sie strich ihm beruhigend über den Kopf, bevor sie Hunter mit hochgezogenen Augenbrauen musterte. „Was kann ich für dich tun?“
„Kein Hallo für einen alten Freund?“
Für einen alten Freund? dachte Aimée. Sie hatte ihn einmal so sehr geliebt, dass sie geglaubt hatte, nicht mehr ohne ihn leben zu können. Aber er hatte ihre Liebe nie erwidert. „Nein“, sagte sie nur. „Nicht mehr. Nicht nach all dieser Zeit.“
„Es tut mir leid. Ich weiß, dass ich dir wehgetan habe.“
Sie straffte die Schultern. Er war immer direkt auf den Punkt gekommen. Es hatte Zeiten geben, in denen sie das an ihm gehasst hatte. „Wirklich?“
„Ja.“
Ungläubig sah sie ihn an, und er ließ seinen Blick kurz zu Oliver hinüberwandern. „Hübscher Junge.“
„Danke.“ Aimée zog Oliver noch fester an sich. Was sah Hunter, wenn er ihren Sohn betrachtete? Sah er in dem kräftigen Jungen etwas von sich selbst? Sicher nicht in der schokoladenbraunen Farbe seiner Augen und Haare, und auch nicht in der Haut, die von der Sonne Louisianas tief gebräunt war. Aber sah Hunter die Ähnlichkeit in den Gesichtern von Vater und Sohn? In den großen, nachdenklich blickenden Augen? In der kleinen Furche am Kinn? In der hohen, breiten Stirn?
Hunter betrachtete Oliver. „Wie alt ist er?“
Aimée erstarrte. Die Frage machte ihr angst. Unnötigerweise, sagte sie sich rasch. Hunter hatte kein Interesse, den Vater zu spielen.
Sie ignorierte seine Frage und stellte eine eigene. „Warum bist du gekommen, Hunter?“
Er zögerte, und zum ersten Mal erkannte Aimée, wie nervös er war. „Ich war in der letzten Woche auf einem Ärztekongress in New Orleans und ich … dachte an dich. Ich wollte dich sehen.“ Er sah kurz zur Seite. „Ich wollte mich davon überzeugen, dass es dir … gut geht.“
Er hatte an sie gedacht? Nach drei Jahren wollte er sich davon überzeugen, dass es ihr gut ging? „Nun ja“, sagte sie kühl, „wie du siehst, geht es mir gut. Wenn das alles war, werden Oliver und ich wieder zu unserem Picknick gehen.“
„Geht es dir gut, Aimée?“ Er machte einen Schritt auf sie zu. „Wirklich?“
Seine Stimme war leise, fast intim. Voll der Besorgnis, die man nur um jemanden empfand, mit dem man die persönlichste und intensivste aller Beziehungen gehabt hatte. Und diese besorgte Stimme ging ihr so ans Herz, wie sie es nach all dieser Zeit nie erwartet hätte. „Warum fragst du? Sehe ich krank aus, Doktor?“
„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Du siehst gut aus. Schön, genauer gesagt. Aber du … hast dich verändert.“
Sie straffte die Schultern. „Es ist lange her.“
„Ja, das ist es. Dreieinhalb Jahre.“
Aimée legte die Hand auf Olivers Schulter. „Nun ja, jetzt hast du mich gesehen. Du kannst wieder gehen.“
„Ich kann verstehen, dass du wütend bist.“
Plötzlich begriff sie. Sein schlechtes Gewissen hatte ihn hergebracht.
Verdammt, dachte sie zornig. Sie wollte sein schlechtes Gewissen nicht. Sie wollte seine Reue nicht. Sie hatte selbst genug von beidem.
„Dafür kommst du etwas zu spät“, sagte sie leise. „Ich bin nicht wütend. Nicht mehr. Wenn du Vergebung suchst, musst du sie dir woanders holen.“
Ihr Vater kam aus dem Lager gerollt, die Schrotflinte über den Beinen. „Geh zur Seite, Aimée“, befahl er. „Bring meinen Enkel zu seinem Picknick zurück.“
„Papa?“ Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Was tust du?“
„Das hier ist Männersache.“ Er legte die großen Hände um die Waffe. „Geh jetzt.“
Sie hob die Hände, versuchte ihn zu beruhigen. „Leg die Waffe weg. Das ist nicht …“
„Genug!“ Ihr Vater hob die Flinte und richtete sie auf Hunters Brust. „Was haben Sie mit meiner Aimée vor?“, fragte er und spannte den Hahn.
Aimée machte einen Schritt auf ihren Vater zu. „Das ist doch lächerlich, Papa. Leg das Gewehr weg. Du verstehst es nicht.“
Er warf ihr einen Blick zu. „Ich bin vielleicht alt, chère, aber manche Dinge ändern sich nie.“ Mit zusammengekniffenen Augen musterte er Hunter. „Was wollen Sie denn nun für meine Aimée und ihren Sohn tun?“
Für einem Moment herrschte Stille. Dann sah Hunter von Aimée zu Oliver und wieder zu ihr zurück. Ungläubiges Staunen glitt über sein Gesicht. „Aimée?“
Sie räusperte sich. „Hunter, ich …“
„Wie alt ist er, Aimée?“
Mit heftig klopfendem Herzen drehte Aimée sich wieder zu ihrem Vater um. „Papa, überlass das bitte mir. Bitte nimm Oliver mit nach draußen.“
Hunter griff nach ihrem Arm. Ihr Vater hob...




