E-Book, Deutsch, 431 Seiten
Sribavan Sovereign Cloud
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-367-11656-0
Verlag: Rheinwerk
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Leitfaden für Systemarchitekten und CTOs
E-Book, Deutsch, 431 Seiten
ISBN: 978-3-367-11656-0
Verlag: Rheinwerk
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Unternehmen und Behörden in Deutschland stehen vor der Frage, wie abhängig sie von internationalen Tech-Anbietern sein wollen – und dürfen. Die regulatorische Anforderungen durch NIS2, den AI Act oder nationale Vorgaben steigen, mit Recht wachsen auch die Bedenken.
Dieser Leitfaden gibt Ihnen Orientierung in einem komplexen Feld aus Technologie, Regulierung und Markt. Sie erfahren, welche souveränen Alternativen es zu AWS, Microsoft & Co. gibt, wie realistisch verschiedene Sovereign-Cloud-Modelle sind und wie Sie fundierte Entscheidungen für Ihre Organisation treffen.
Aus dem Inhalt:
- Digitale Souveränität, Datensouveränität und technologische Souveränität
- Der politische Rahmen in Deutschland
- Die Vorgaben der EU und die nationale Umsetztung
- Das deutsche Ökosystem und internationale Anbieter aus deutscher Perspektive
- Deployment-Modelle und strategische Einordnung
- Technische Architektur
- Sicherheit, Compliance & Zertifizierung
- Souveränitätsanalyse und Entscheidungsmatrix
- Einführung für Wirtschaft & Verwaltung
- Migration & Change Management
- Sovereign AI: Modelle & technische Umsetzung
- Strategische Roadmap: Deutschland, Europa und die Welt
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort ... 19
1. Einleitung ... 25
1.1 ... Warum digitale Souveränität jetzt wichtig ist ... 26
1.2 ... Die besondere Rolle Deutschlands im internationalen Vergleich ... 28
1.3 ... Was dieses Buch nicht ist ... 30
1.4 ... Wer dieses Buch lesen sollte ... 31
1.5 ... Wie Sie dieses Buch lesen können ... 33
1.6 ... Was Sie aus diesem Buch mitnehmen sollen ... 35
TEIL I. Die digitale Souveränität in Deutschland ... 39
2. Grundlagen der digitalen Souveränität ... 41
2.1 ... Datensouveränität, technologische und operative Souveränität ... 42
2.2 ... Warum Deutschland strukturell verwundbar ist ... 49
2.3 ... Digitale Souveränität als Standort-, Wettbewerbs- und Sicherheitsfaktor ... 56
2.4 ... Risiken globaler Abhängigkeiten ... 60
2.5 ... Europäische Strategien und Regulierungsrahmen ... 67
2.6 ... Individuelle und gesellschaftliche Souveränität ... 72
2.7 ... Open Source und offene Standards als Enabler digitaler Souveränität ... 78
2.8 ... Messung und Steuerung digitaler Souveränität ... 81
2.9 ... Strategische Handlungsfelder für digitale Souveränität ... 86
3. Der politische Rahmen in Deutschland ... 93
3.1 ... Nationale Strategien ... 93
3.2 ... Die Souveränitätsziele der Bundesregierung ... 98
3.3 ... Die operative Bedeutung für Verwaltung und kritische Infrastrukturen ... 100
3.4 ... Digitalstrategie, Beschaffung und operative Vorgaben ... 102
3.5 ... Die Rolle der Parlamente und politischen Institutionen ... 107
4. Die Vorgaben der EU und die nationale Umsetzung ... 113
4.1 ... Die Cloud-Regulierungen ... 113
4.2 ... Extraterritoriale Risiken und Kontrolle durch anwendbares Recht ... 119
4.3 ... Europäische Sicherheitsstandards und Zertifizierungen ... 121
4.4 ... Rückbindung an die deutsche Umsetzung ... 123
TEIL II. Sovereign Cloud: Markt, Anbieter und Realität ... 125
5. Das deutsche Ökosystem ... 127
5.1 ... Deutsche Anbieter ... 127
5.2 ... Bedeutung für die deutsche Verwaltung und KRITIS ... 130
5.3 ... Souveränität für Industrie und Mittelstand ... 132
5.4 ... Markttrends und Herausforderungen ... 133
6. Internationale Anbieter aus deutscher Perspektive ... 137
6.1 ... AWS European Sovereign Cloud ... 137
6.2 ... Microsoft EU Data Boundary and Sovereign Controls ... 139
6.3 ... Google Cloud Sovereign Controls ... 140
6.4 ... Europäische Player: Outscale, OVHCloud ... 142
6.5 ... Alibaba Cloud als geopolitischer Vergleichspunkt ... 143
6.6 ... Vergleichende Einordnung und strategische Konsequenzen ... 144
6.7 ... Referenzarchitektur für eine deutsche Landesbehörde ... 147
7. SAP und die deutsche Souveränitätslandschaft ... 151
7.1 ... Die Rolle von SAP in Deutschland: Staat, Verwaltung, Industrie ... 152
7.2 ... SAPs Sovereign Cloud: Architektur und Governance-Modelle ... 154
7.3 ... Partnerschaften: OpenAI, Mistral und Delos ... 157
7.4 ... Die Schlüsselrolle von SAP im deutschen Markt ... 160
7.5 ... Relevanz für KRITIS, den öffentlichen Bereich und den Mittelstand ... 161
7.6 ... Grenzen heutiger Sovereign-Modelle im SAP-Kontext ... 163
8. Executive Insights - Markt und Anbieter ... 167
8.1 ... Drei Anbieterlogiken ... 168
8.2 ... Zwischen Plattformmacht und Kontrolle ... 171
8.3 ... Nähe allein schafft noch keine Souveränität ... 174
8.4 ... Swisscom - Souveränität als nationale Infrastrukturfrage ... 177
8.5 ... SAP - Geschäftsprozesse als Souveränitätsebene ... 179
8.6 ... Red Hat - Open Source als Exit- und Kontrollschicht ... 181
8.7 ... IBM - Technology Optionality als strategischer Kern ... 183
8.8 ... Die Konflikte des Sovereign-Cloud-Marktes ... 186
8.9 ... Die Realität souveräner Cloud-Strategien ... 190
TEIL III. Deployment-Modelle und operative Souveränität ... 197
9. Sovereign Cloud: Deployment-Modelle und strategische Einordnung ... 199
9.1 ... Deployment-Modelle sind Führungsentscheidungen ... 201
9.2 ... Hosted-Sovereign-Modelle ... 204
9.3 ... Sovereign Controls bei Hyperscalern ... 207
9.4 ... Public-Sovereign-Cloud-Ansätze ... 211
9.5 ... Fully-Sovereign-On-Premises- und Onsite-Modelle ... 215
9.6 ... Sovereign AI als Bestandteil von Deployment-Strategien ... 217
9.7 ... Entscheidungslogik für Deployment-Modelle ... 219
10. Die technische Architektur souveräner Cloud-Umgebungen ... 225
10.1 ... Identität und Zugriff ohne Fremdzugriff ... 226
10.2 ... Schlüsselmanagement ... 233
10.3 ... Netzwerkisolierung, Zero Trust und Mandantentrennung ... 235
10.4 ... Protokollierung, Überwachung und Auditierbarkeit ... 237
10.5 ... Datenkontrolle und Sovereign AI in der Architektur ... 238
10.6 ... Referenzarchitekturen für Behörden, KRITIS und Industrie ... 240
11. Sicherheit, Compliance und Zertifizierung in Deutschland ... 243
11.1 ... Warum Compliance-Projekte in der Praxis scheitern ... 243
11.2 ... BSI C5 und IT-Grundschutz als nationale Basis ... 245
11.3 ... EUCS und das EU Cloud Sovereignty Framework ... 247
11.4 ... SecNumCloud, ENS und europäische Benchmarks im Vergleich ... 249
11.5 ... Prüfbare Souveränität ... 251
12. Executive Insights - Architektur und Umsetzung ... 255
12.1 ... Souveränität beginnt mit Klarheit über die Risiken ... 256
12.2 ... Die größte Lücke liegt in der Governance ... 257
12.3 ... Die Architektur ist nicht neu, aber die Anforderungen sind schärfer ... 259
12.4 ... Exit-Fähigkeit wird zur Architekturdisziplin ... 260
12.5 ... Kosten ... 262
12.6 ... Multi-Cloud erhöht nicht automatisch die Souveränität ... 264
12.7 ... Open Source als operative Kontrolloption ... 267
12.8 ... Souveränität bedeutet Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit ... 268
TEIL IV. Einführung in die Sovereign Cloud: Roadmaps, Kosten und Organisation ... 273
13. Souveränitätsanalyse und Entscheidungsmatrix ... 275
13.1 ... Kosten-Risiko-Kompetenz-Matrix ... 276
13.2 ... Stakeholder-Politik in der Organisation ... 279
13.3 ... Governance für deutsche Organisationen ... 281
13.4 ... Reifegradmodell: Sovereign Readiness Assessment ... 284
13.5 ... Der souveräne Entscheidungsprozess ... 285
13.6 ... Souveränität über den gesamten Lifecycle ... 287
13.7 ... Make or buy: Strategische Souveränitätsentscheidung ... 288
13.8 ... Risikobasierte Szenarioplanung ... 294
14. Einführungsszenarien für Wirtschaft und Verwaltung ... 297
14.1 ... Mittelstand: Einstieg und Skalierung ... 298
14.2 ... Verwaltung: Souveränität im föderalen System ... 299
14.3 ... Industrie zwischen Innovation und Plattformabhängigkeit ... 301
14.4 ... KRITIS-Betreiber: Resilienz unter geopolitischem Druck ... 302
14.5 ... Wie Vorstände Souveränität wirtschaftlich rechtfertigen ... 303
15. Migration und Change-Management ... 307
15.1 ... Migrationswege ... 308
15.2 ... Typische Fehler und Lessons Learned ... 310
15.3 ... Change-Management in Behörden und Industrie ... 313
15.4 ... Betrieb und Weiterentwicklung ... 315
15.5 ... Exit-Planung als integraler Bestandteil ... 317
TEIL V. KI als neue Souveränitätsschicht ... 321
16. Der AI Act und Deutschlands Weg zur souveränen KI ... 323
16.1 ... Der AI Act der Europäischen Union ... 323
16.2 ... Risiko-Klassen und Compliance-Folgen ... 326
16.3 ... Warum KI ohne Souveränität nicht mehr möglich ist ... 328
16.4 ... Die politische Zielsetzung Deutschlands ... 330
16.5 ... Deutschlands Abhängigkeit bei KI - und wie Sovereign AI sie reduziert ... 331
16.6 ... Ein Governance-Framework für Sovereign AI ... 334
17. Sovereign AI ... 339
17.1 ... Was mit Ihren Daten im LLM (Large Language Model) passiert ... 339
17.2 ... Europäische Modelle ... 341
17.3 ... Globale Modelle ... 342
17.4 ... On-Premises-Ansätze und Edge-Architekturen als Weg zu maximaler Kontrolle mit hohem Aufwand ... 344
17.5 ... Governance, Auditierbarkeit und Modellkontrolle ... 345
17.6 ... Foundation Models ... 346
17.7 ... Die Illusion der Souveränität ... 348
17.8 ... Architekturmuster für Sovereign AI ... 350
18. KI im Einsatz ... 353
18.1 ... Der Einfluss von KI auf die öffentliche Verwaltung ... 353
18.2 ... Justiz und Sicherheitsbehörden unter Unsicherheit ... 355
18.3 ... Gesundheitswesen und Energieversorgung als kritische Systeme ... 356
18.4 ... Industrielle Produktion und Wertschöpfung ... 359
18.5 ... Souveräne KI als strategische Schlüsseltechnologie ... 362
19. Executive Insights - KI und Souveränität ... 367
19.1 ... Warum KI die Souveränitätsfrage verschärft ... 368
19.2 ... Europäische Modelle zwischen Anspruch und Realität ... 370
19.3 ... Vertrauen ohne Skalierung reicht nicht aus ... 372
19.4 ... Souveränität beginnt bei der Recheninfrastruktur ... 374
19.5 ... Modelle, Kontext und kontrollierte Nutzung ... 376
19.6 ... Offene Betriebsmodelle und kontrollierbare Plattformen ... 378
19.7 ... Nationale Infrastruktur als strategischer Faktor ... 379
19.8 ... Kontrollierte Nutzung statt pauschaler Entscheidungen ... 381
19.9 ... Souveränität als industriepolitische Aufgabe ... 383
TEIL VI. Ausblick: Deutschlands digitale Unabhängigkeit 2030+ ... 387
20. Strategische Roadmap für Deutschland ... 389
20.1 ... Politik: Leitplanken und Prioritäten ... 390
20.2 ... Verwaltung: Vom Projekt zum Plattformdenken ... 392
20.3 ... Wirtschaft: Souveräne Wettbewerbsfähigkeit ... 393
20.4 ... Infrastruktur: Von Projekten zu Ökosystemen ... 394
20.5 ... Szenarien: Drei Pfade nach 2030 ... 395
21. Europas Rolle ... 399
21.1 ... Europas wirtschaftliche Interessen ... 399
21.2 ... Europa zwischen Plattformmacht und Regulierung ... 400
21.3 ... Deutschland als Stabilisator ... 401
21.4 ... Wohin sich souveräne Cloud und KI entwickeln ... 402
21.5 ... Das KI-Rennen wird über die Infrastruktur entschieden ... 403
21.6 ... Drei mögliche Zukunftsszenarien für Europa ... 404
22. Schlussbetrachtung: Souveränität als strategische Entscheidung ... 407
22.1 ... Was Deutschland jetzt entscheiden muss ... 408
22.2 ... Die Illusion vollständiger Unabhängigkeit ... 408
22.3 ... Warum die nächsten Jahre entscheidend sein werden ... 409
22.4 ... Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Wirtschaft ... 410
22.5 ... Schlusswort ... 411
A. Executive-Toolkit für souveräne Entscheidungen ... 413
A.1 ... Strategische Entscheidungsmatrix für souveräne Cloud-Modelle ... 413
A.2 ... Souveränitätscheckliste ... 414
A.3 ... Readiness-Assessment zur Souveränität ... 415
A.4 ... Rollen und Verantwortlichkeiten ... 417
A.5 ... Regulatorische Schnellübersicht ... 418
A.6 ... Entscheidungsfragen für die Führungsebene ... 420
B. Glossar ... 423
Index ... 427
Vorwort
Danksagung
Dieses Buch wäre ohne die Unterstützung, den Austausch und das Vertrauen vieler Menschen nicht möglich gewesen.
Mein besonderer Dank gilt allen Interviewpartnern, die ihre Perspektiven, Erfahrungen und Einschätzungen geteilt haben. Stellvertretend danke ich unter anderem Pino Calzo (Swisscom), Tanja Scheller (IBM), Ralph Demuth (IBM), Ingo Böring (Red Hat), Nik Hagl (Delos Cloud), Alex Abawi (SAP), Frank Ruhland (PwC) sowie weiteren Gesprächspartnern aus dem Umfeld von Schwarz Digits/STACKIT sowie Rolf Schuhman (Co-CEO, Schwarz Digits) und weiteren Akteuren aus Technologie, Industrie und dem öffentlichen Umfeld. Viele Gedanken und Einschätzungen aus diesen Gesprächen sind in dieses Buch eingeflossen und haben meinen Blick auf digitale Souveränität entscheidend geprägt.
Dankbar bin ich außerdem Johannes Müllenberg für das Vertrauen, die Unterstützung und die Möglichkeit, dieses Buchprojekt parallel zu den beruflichen Herausforderungen verwirklichen zu können. Besonders in einer Zeit hoher Dynamik und Verantwortung war dieser Rückhalt alles andere als selbstverständlich.
Frank Finkbohner hat dieses Buch über den gesamten Entstehungsprozess hinweg begleitet, hinterfragt und mit wichtigen Impulsen bereichert. Dass er das Vorwort zu diesem Buch geschrieben hat, bedeutet mir sehr viel.
Ebenso danke ich Christoph Meister für die Begleitung dieses Buchprojekts, für die kritischen Hinweise, die wertvollen Anregungen und die Unterstützung auf dem Weg bis zur Veröffentlichung.
Der größte Dank gilt meiner Frau und meinen Kindern. Ein Buch entsteht nicht nur durch Recherche, Gespräche und viele Stunden am Schreibtisch. Es entsteht auch durch Geduld, Verständnis und Rückhalt in den Momenten, in denen dem Autor Zeit und Aufmerksamkeit an anderer Stelle fehlen. Ohne euch wäre das Buch in dieser Form nicht möglich gewesen.
Nish Sribavan
Geleitwort
Es ist ein typischer Wintertag in Deutschland: bewölkt zwischen 6 und 11° Celsius, mit ein bisschen Niederschlag im Osten und im Westen nix Neues. Wir schreiben den 21. Februar 2022.
Um 22:41 mitteleuropäischer Zeit kommen die ersten Meldungen über die Nachrichtenticker: Wladimir Putin ordnet an, Truppen in die Ukraine zu entsenden. »Friedenstruppen«, wie er sie nennt.
Am Morgen des 24. Februar um 4:29 Uhr Kiewer Zeit erfolgt dann der großflächige Einmarsch Russlands in die Ukraine. Nur die wenigsten haben bis zu diesem Zeitpunkt wirklich damit gerechnet, dass Putin einen Krieg mit der Ukraine beginnen würde. In den folgenden Tagen und Wochen offenbarte sich mit einem Schlag, dass Deutschland seine Wirtschaft auf der Abhängigkeit von billigem russischem Gas und Erdöl aufgebaut und sich damit energiepolitisch komplett von einem Aggressorstaat abhängig gemacht hatte. Die Gasspeicher der Bundesrepublik Deutschland, die an die Tochtergesellschaft Astora des russischen Gaskonzerns Gazprom verkauft wurden, sind praktisch leer. Der größte Speicher in Rehden wurde bewusst auf 2 % Füllgrad geleert und die anderen Speicher sind auch nur zu ca. 18–22 % gefüllt. Die verfehlte Energiepolitik ist an diesem Tag wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.
Souveränität bedeutet nicht, von einer Abhängigkeit in eine andere zu wechseln. Es wäre für die damalige Bundesregierung einfach gewesen, russisches Erdgas einfach durch amerikanisches Flüssiggas zu ersetzen. Stattdessen setzte die damalige Bundesregierung auf Diversität und Exit-Optionen in ihrer neu ausgerichteten Energiepolitik. Sie forcierte den Wechsel hin zu erneuerbaren Energien und unterzeichnete neue Gaslieferverträge mit unterschiedlichsten Ländern (USA, Kanada, Katar), erweiterte bestehende Verträge mit Norwegen und baute neue Flüssiggasterminals in Rekordzeit. Deutschland schuf sich Wahlmöglichkeiten und damit echte Souveränität.
Die Lehren aus der Energiekrise sind eindeutig: Souveränität bedeutet Diversität und Unabhängigkeit. Diese Erkenntnis gilt auch für die Informationstechnologie – einen weiteren kritischen Bereich, in dem Deutschland und Europa über Jahrzehnte hinweg eine gefährliche Abhängigkeit aufgebaut haben. Ein paar Zahlen zur Verdeutlichung:
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Desktopsysteme: 90–95 % der Desktopsysteme laufen mit Betriebssystemen von Microsoft und Apple.
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Suchmaschinen und KI: Google, Bing (Microsoft), ChatGPT und Gemini dominieren den Markt. Europäische Alternativen werden selten genutzt.
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Social Media: US-Dienste wie Facebook, Instagram, LinkedIn, YouTube und das chinesische TikTok sind de facto alternativlos.
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Messenger: Der Messenger-Markt ist etwas diverser. Die Platzhirsche sind aber immer noch US-Dienste wie X und WhatsApp. WhatsApp ist sogar in Teilen der deutschen Gesellschaft gefühlt Voraussetzung der gesellschaftlichen Teilhabe. Wer nicht in der WhatsApp-Gruppe der Kita, der Schulklasse oder des Vereins ist, ist außen vor.
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Cloud-Infrastruktur: Die US-Giganten Alphabet (Google) und Amazon (AWS) kontrollieren den Markt.
Die wenigsten kennen oder nutzen europäische Alternativen.
Dann kam der 20. Januar 2025. An diesem Tag wurde Donald Trump zum zweiten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Plötzlich wurde aus der akademischen Diskussion über europäische IT-Abhängigkeit eine existenzielle Frage. Der vormals verlässliche Partner USA wurde zum unberechenbaren Faktor für die europäische Wirtschafts- und Sicherheitspolitik.
Einen Vorgeschmack auf das, was Europa erwarten kann, gab Trump, als er vier Richterinnen des Internationalen Strafgerichtshofs, darunter Beti Hohler, Anfang Juni 2025 auf die OFAC-Sanktionsliste setzen ließ. Als Folge wurden alle Vermögenswerte der Richterinnen eingefroren, ihre Kreditkarten gesperrt. Finanztransaktionen über PayPal, Apple Pay und Google Pay waren ihnen nicht mehr möglich, ihre Apple-IDs wurden abgeschaltet und Dienstleistungen über amerikanische Anbieter wie Amazon etc. wurden unterbunden.
Plötzlich wurden bisher eher abstrakte Fragen zur unmittelbaren Realität:
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Was ist, wenn Microsoft Cloud-Dienste wie SharePoint über Nacht sperrt? Was passiert mit meinen Daten?
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Was ist, wenn auf Druck der US-Regierung Microsoft Teams oder die Dienste von Google blockiert werden? Was passiert dann mit meiner kompletten Kommunikation, die über diese Dienste läuft?
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Was ist, wenn Trump anweist, dass AWS seine Dienste für europäische Kunden einstellen muss? Was geschieht dann z. B. mit meinem ERP-System, das bei AWS gehostet ist?
Spätestens nach diesen Ereignissen sollte es jedem europäischen Politiker und Unternehmer klar geworden sein, dass es höchste Zeit ist, über Souveränität in der IT nachzudenken und mittel- und langfristig seine IT- und Geschäftsprozesse neu auszurichten. Wer seine kritische IT-Infrastruktur bei außereuropäischen Anbietern hostet, ist nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch geopolitischen Risiken ausgesetzt.
Auf unterschiedlichsten Ebenen zeichnen sich hier mittlerweile Lösungsbeispiele ab:
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Das Bundesland Schleswig-Holstein entschied bereits 2017, langfristig proprietäre Lösungen wie Microsofts Betriebssysteme, Office- und Kommunikationsprodukte durch Open-Source-Software abzulösen. Was anfangs noch als Irrweg belächelt wurde, findet inzwischen immer mehr Nachahmer. Sogar eine bayerische Landesregierung erwägt Alternativen.
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Frankreich geht auf nationaler Ebene einen Schritt weiter. Die staatliche Digitaldirektion DINUM verabschiedete einen detaillierten Ausstiegsplan aus außereuropäischer Software. Auf allen Arbeitsplätzen soll Windows durch Linux ersetzt werden. Frankreich setzt hier auf offene Standards und europäische Anbieter.
Ausschlaggebend dafür ist die Angst vor dem US-amerikanischen CLOUD Act, der der US-Regierung Zugriff auf bei US-Firmen gespeicherten Daten garantiert, unabhängig davon, wo die Daten gespeichert sind.
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Einige europäische Anbieter, darunter z. B. SAP, haben Lösungen für eine souveräne Cloud (Sovereign Cloud) im Angebot, die unter anderem speziell für den europäischen und deutschen Markt zugeschnitten sind. Die Rechenzentren und die Daten befinden sich in Europa. Der Kunde erhält dadurch hohe Sicherheit, was...




