St. George | Die ungezähmte Braut des Wikingers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 361, 256 Seiten

Reihe: Historical

St. George Die ungezähmte Braut des Wikingers


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-4832-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 361, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-4832-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Northumberland, im Jahr 872. Tod den Wikingern! Die schöne Sächsin Elswyth und ihre Familie schmieden heimlich Rebellionspläne gegen die dänischen Eroberer. Aber als ausgerechnet Elswyth dem Anführer der feindlichen Krieger am Hofe aufwarten muss, wird sie von ihrem eigenen Körper schamlos verraten! Willenlos gibt sie sich den sinnlichen Zärtlichkeiten des breitschultrigen Rolfe hin, der trotz seiner geballten Kraft verführerisch sanft ist. Doch sein Antrag, mit ihm den Bund der Ehe einzugehen, lässt Elswyth fast verzweifeln. Sie sollte den Mann, der das Schwert gegen ihr Dorf erheben könnte, hassen - und begehrt ihn viel zu sehr ...

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1. KAPITEL

Bernicia, Northumberland – Winter 872

Die Dänen bieten einen Furcht einflößenden Anblick, nicht wahr?“

Elswyth fehlte der Atem, um die Frage ihrer Schwester Ellan zu beantworten. Die kalte Luft blieb ihr in der Kehle stecken, bis ihre Lungen brannten. Die Nordmänner kamen auf dem Rücken der Pferde aus dem Wald. Dreißig, vierzig, schätzte Elswyth, und es folgten immer noch mehr. Etliche Hunde in den unterschiedlichsten Brauntönen rannten in ihrer Mitte mit. Elswyth stellte sich vor, dass es sich dabei um blutrünstige Wölfe aus den Sagen handelte, die sie als Kind gehört hatte. Mit Zähnen, von denen das Blut ihrer Opfer tropfte, und zuschnappenden Fängen, die nach mehr verlangten.

Die Sonne hing tief über den Bäumen. Ihre Strahlen ließen ihre Helme und die Griffe ihrer Schwerter funkeln. In der Abenddämmerung bebte die Erde unter dem Donnern der Hufe, als die Horde sich näherte. Elswyth spürte ihr Herz heftig pochen wie ein Echo zu diesem fernen Grollen. Sie wusste, dass die Tage der Ruhe vorbei waren. Diese Männer waren der Grund, warum ihr Vater sie geschickt hatte, um auf Burg Alvey zu spionieren.

Sie hatte vor, diese Aufgabe zu erfüllen. Nicht nur, um ihre Loyalität ihrer Familie gegenüber zu beweisen, sondern auch, um ihrem Dorf zu helfen. Die Menschen von Banford brauchten die Hoffnung, dass sie bald von den Dänen befreit werden würden. Ihre Aufgabe war es, ihnen diese Hoffnung zu bringen. Sie würde herausfinden, welche Pläne die Dänen für die Zukunft hatten.

„Aye“, flüsterte sie schließlich, als sie wieder atmen konnte. „Sie sind ziemlich Furcht einflößend.“ Sie zitterte im kalten Wind, als sie auf die herannahenden Männer hinunterschaute. Die Krieger kehrten zwar nach Hause zurück und zogen nicht in die Schlacht, doch sie wünschte, sie hätte ihre kleine Axt dabei. Sie waren Dänen, und damit waren sie ihre Feinde.

„Aber ich bin froh, dass sie so gut aussehen.“ Ellan lächelte, während sie die Männer mit berechnenden Blicken betrachtete.

Elswyth lächelte ebenfalls. Ausnahmsweise war sie dankbar dafür, dass Ellan niemals irgendetwas ernst nahm. Obwohl kaum ein Jahr zwischen ihren Geburten lag, fühlte Elswyth sich manchmal viel älter als ihre oft leichtfertige jüngere Schwester. „Was kümmert es dich, ob sie gut aussehen?“

„Weil ich keinen hässlichen Mann haben will.“

Die Kriegerhorde war für einen Moment vergessen. Entsetzt starrte Elswyth ihre Schwester an. „Du überlegst doch nicht ernsthaft, einen von ihnen zu heiraten?“ Ganz bestimmt dachte Ellan nicht daran, vor allem nicht, nachdem ihre Mutter mit einem Dänen davongelaufen war. Sie hatte die ganze Familie im Stich gelassen, um sich mit dem Heiden einzulassen. Doch etwas in der Miene ihrer Schwester ließ Elswyth nach Luft schnappen.

„Warum nicht?“ Der Wind erfasste die Kapuze, mit der Ellan ihr Haar bedeckt hatte, und zwang sie, den Stoff festzuhalten. Von der kalten Luft waren ihre Wangen rosig, doch ihr Blick war fest und herausfordernd. „Was für ein Mann wartet auf mich, wenn ich nach Banford zurückkehre? Ein Schäfer? Ein Bauer? Ein Krieger wäre mir wesentlich lieber.“ Ihr Blick wanderte wieder zu den Dänen, die sich dem Burgtor näherten. „Du musst zugeben, dass sie wesentlich stattlicher sind als unsere Männer zu Hause.“

Immer noch entsetzt über die Einstellung ihrer Schwester, musterte Elswyth den Mann, der die Krieger anführte. Stolz und hoch aufgerichtet saß er auf seinem Hengst. Er hatte breite Schultern, die Ärmel seines Hemds waren hochgerutscht und entblößten die muskulösen Unterarme. Die Kapuze seines Pelzumhangs hatte er zurückgeschlagen, sodass die hohen Wangenknochen und das bärtige Kinn im Licht der Fackeln an den Festungsmauern gut zu erkennen waren. Mehr Einzelheiten konnte sie nicht ausmachen, aber sie musste sich – mit einigem Bedauern – eingestehen, dass er ein recht ansehnliches Gesicht hatte. Zu ihrer großen Überraschung war sein Blick auf Ellan und sie gerichtet. Wenn sie nicht so geübt darin wäre, ihr Mienenspiel unter Kontrolle zu halten, hätte sie vielleicht reagiert und ihr Interesse an ihm verraten. Stattdessen starrte sie den Mann an. Sie war viel zu stolz, um ihm zu zeigen, wie viel Angst sie hatte.

„Rolfe!“ Ein Junge in der Nähe des Tores rief laut seinen Namen, und der Mann wandte sich ihm zu. Er grinste breit, offensichtlich erfreut, den Jungen zu sehen.

Der Krieger sah wirklich gut aus, aber das würde Elswyth weder ihrer Schwester noch sonst jemandem gegenüber jemals zugeben. Es fühlte sich schon falsch an, das gute Aussehen ihres Feindes überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen konzentrierte sie sich auf sein Haar. Die dunkelblonde Mähne wurde nur von einem Band aus seiner Stirn gehalten und fiel locker über seine Schultern. Kein Angelsachse, der einen Funken Selbstachtung hatte, würde seine Haare tragen wie diese Barbaren. Ihr Vater würde darin einen Beweis sehen, dass sie des Teufels waren. Elswyth glaubte nicht, dass es so unheilvoll war, aber es war auch nicht besonders zivilisiert.

Sie senkte ihre Stimme und flüsterte: „Ich wäre vorsichtig mit dem, was du sagst, Ellan. Sonst erfährt Vater noch, dass du daran denkst, dich unseren Feinden anzuschließen. Willst du das?“

In den Augen ihrer Schwester tauchte das typische verschmitzte Funkeln auf. „Was würde Vater denn tun? Mir folgen und mich zurückholen?“ Sie breitete die Arme aus, als wollte sie die ganze Burg umarmen. „Der große schreckliche Godric herrscht vielleicht über Banford, aber wir sind hier auf Alvey, und ich habe vor, auch hier zu bleiben. Außerdem sind die Dänen nicht länger unsere Feinde. Lady Gwendolyn hat das deutlich gemacht, als sie den Jarl geheiratet hat. Vater ist nur verbittert, weil Mutter ihn verlassen hat. Er lebt in einer Zeit, die längst vergangen ist. Du kannst ja nach Hause zurückkehren, wenn du willst. Du hast immer gerne auf dem Hof gearbeitet, im Gegensatz zu mir.“

Elswyth unterließ es, ihre Schwester darauf hinzuweisen, dass diese Arbeit auch ihr nicht besonders gefiel. Aber jemand musste sich ja um die Familie kümmern, nachdem ihre Mutter verschwunden war. Sie wandte sich ab und beobachtete, wie die Dänen durch das Burgtor ritten und sich im Hof versammelten. Freunde und Angehörige strömten herbei, um sie zu begrüßen. Vor fast zwei Jahren hatte Lady Gwendolyn den Dänen Vidar geheiratet. Seitdem tat das Paar sein Bestes, damit Angelsachsen und Dänen hier in ihrem Winkel von Northumberland friedlich zusammenlebten. Doch natürlich hielten die Dänen den Frieden nur, solange sie im Gegenzug Ländereien, Silber und Frauen bekamen.

Das Land der Angelsachsen, das Silber der Angelsachsen und die Frauen der Angelsachsen.

Die Angelsachsen wurden allmählich von den Eindringlingen verdrängt. Das zumindest behauptete ihr Vater. Und wenn sie auf die mächtigen Krieger im Burghof blickte, verstand Elswyth seine Ängste. Die Männer waren in der Tat beeindruckend. Und Furcht erregend.

Auf die Bitte von Lady Gwendolyn hin hatten sie und ihre Schwester den Herbst auf Alvey verbracht, um ihr bei der Arbeit zu helfen. Seit sie hier war, hatte Elswyth selbst gesehen, dass die Menschen innerhalb dieser Mauern friedlich zusammenlebten. Die Dänen und die Angelsachsen kamen miteinander zurecht, aber nur hier. Draußen auf den Bauernhöfen und in den Dörfern gab es immer noch Spannungen. Jede Woche brachte neue Geschichten über die Brutalität, mit der die Dänen im Süden Englands herrschten. Auch auf dem Gebiet von Alvey gingen Geschichten um, in denen Männer um Frauen kämpften. Es gab nicht genug Frauen, um die Bedürfnisse jedes Angelsachsen und jedes Dänenkriegers zu stillen. Und es gab die Frauen, die wie Ellan und ihre Mutter freiwillig einen Dänen statt eines Angelsachsen wählten. Viele Angelsachsen waren deswegen verbittert.

Wahrscheinlich würde es schon bald zu einem Kampf kommen. Lady Gwendolyn verschloss zwar die Augen davor, aber Elswyth hatte die unzufriedenen Stimmen mit eigenen Ohren gehört. Ihre Familie, mit Ausnahme von Ellan, würde jederzeit bereitwillig die Angelsachsen unterstützen.

„Was du sagst, ist Verrat. Vater würde einer Hochzeit mit einem Dänen niemals zustimmen.“ Elswyth verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihre Schwester an. Ellans Augen waren so grün wie das Wasser des Sees in der Nähe von Banford. Manchmal kam es ihr vor, als sei die Augenfarbe die einzige Gemeinsamkeit, die sie hatten. Ellans Haar war nicht dunkel wie ihr eigenes, sondern honigfarben. Ihre Schwester war immer unbeschwert und wurde nie von Sorgen geplagt wie der Rest der Familie. Elswyth dagegen hatte von klein auf Verantwortung übergenommen. Ellan glich so sehr ihrer eigenwilligen Mutter, dass es Elswyth beunruhigte.

„Vater muss gar nicht zustimmen. Ich werde mir meinen Mann selbst aussuchen, vielen Dank.“

Elswyth hatte absolut nichts dagegen, dass Ellan selbst entschied, wen sie heiratete. Aber ihr Vater und ihre Brüder würden niemals mit einem Dänen einverstanden sein. Dänen heiratete man nicht.

„Wir sollten besser nach unten gehen“, sagte sie und warf ihrer Schwester einen zweifelnden Blick zu. „Lady Gwendolyn wird für das Festmahl heute Abend Hilfe brauchen.“ Sie gingen hinab in den Hof, wo den ganzen Tag Feuer gebrannt hatten, in Vorbereitung auf die Ankunft der Krieger. Die Luft war erfüllt vom Duft gebratenen Fleisches.

Zu ihrem Ärger hellte Ellans Blick sich auf, als sie über die Menge der Krieger schaute. „Was meinst du, welchen davon soll ich heiraten?“

Elswyth verdrehte die...



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