E-Book, Deutsch, Band 2321, 144 Seiten
Reihe: Baccara
St. John Heimliche Fantasien werden wahr
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1592-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2321, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-1592-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anziehung, Verlangen, Lust - all das entdeckt die schöne Wynter in Riley Davis' schokoladenbraunen Augen. Als Teenager war sie heimlich verliebt in den älteren Bruder ihrer besten Freundin. Hat sie jetzt endlich eine Chance bei dem smarten Anwalt? Sie will Riley noch immer, auch wenn sie genau weiß: Eine heiße Affäre mit ihm könnte für sie traurig enden! Denn Wynter träumt davon, für immer mit einem Mann glücklich zu sein. Sie sehnt sich nach der großen Liebe - an die Riley leider nicht glaubt...
Yahrah St. John hat bereits dreißig Bücher geschrieben. Wenn sie nicht gerade zu Hause an einer ihrer feurigen Liebesgeschichten mit unwiderstehlichen Helden und temperamentvollen Heldinnen arbeitet und sie mit einem Schuss Familientragödie würzt, kocht sie gern aufwändige kulinarische Leckereien oder reist auf der Suche nach neuen Abenteuern um die Welt. St. John ist Mitglied der Romance Writers of America. Weitere Informationen finden Sie auf www.yahrahstjohn.com.
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1. KAPITEL
„Hallo?“, rief Wynter Barrington laut, als sie das Anwesen ihrer Familie in San Antonio betrat. Sie stellte die große Reisetasche und den Koffer ab, warf den Schlüsselbund in eine antike Schale auf einem kleinen Tisch und zog die Jeansjacke aus. Es war Anfang Januar, und sie hatte vergessen, wie kalt es in Texas werden konnte. Heute herrschten Temperaturen von gerade einmal vier Grad. Eigentlich hatte Wynter gehofft, dass eins ihrer Familienmitglieder sie vom Flughafen abholen würde, im besten Fall mit einem wärmeren Mantel. Doch es war niemand da gewesen.
Aber überraschte sie das wirklich?
Ihr Vater, Gregory Barrington, war ständig nur mit seiner Arbeit beschäftigt, als würde sein Kontostand nicht schon genug Nullen aufweisen. Ihre Mutter Melinda war immer unterwegs und eilte von einer Wohltätigkeitsveranstaltung zur nächsten. Und ihr älterer Bruder Corey? Der hatte es sich schon seit ihrer Kindheit zur Aufgabe gemacht, sie zu drangsalieren. Mal hatte er sie in den Dreck geschubst und so ihre Schuluniform besudelt, mal hatte er sie in den Pool gestoßen. Kein Wunder also, dass sie lieber noch einen Monat länger auf Bali geblieben war, statt mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern.
Wynter schaute sich in der imposanten Eingangshalle um. Es sah genauso aus wie immer, fühlte sich aber ganz anders an.
Noch immer konnte sie nicht fassen, dass schon bald ihre Tante Helaine Smith beerdigt werden sollte. Helaine war vor ein paar Tagen im Schlaf an einem Hirnaneurysma gestorben. Ihre Tante war die einzige Person in der Familie gewesen, die ihr stets zur Seite gestanden hatte, selbst wenn sie ihre Entscheidungen missbilligt hatte. Vor einem Jahr war Wynter so unglücklich gewesen, dass sie dem Investment-Imperium der Familie den Rücken gekehrt hatte, um ihrem langweiligen Leben zu entfliehen und so wie ihre Tante als Freigeist die Welt zu bereisen.
Ihre Familie dachte, Wynter hätte den Verstand verloren, aber Helaine hatte sie stets unterstützt. Wynter war fest entschlossen, mit ihrem Reise- und Freizeitblog Wynter’s Corner erfolgreich zu werden. Sie schrieb darüber, wie man sich am besten in fremde Kulturen einlebte, und gab praktische Tipps zur Suche nach günstigen Flügen und Unterkünften. Und auch wenn sie ihre Ratschläge selbst befolgte, war der Blog bislang nicht sonderlich erfolgreich, sodass sie auf die monatliche finanzielle Unterstützung ihres Vaters angewiesen war, um all ihre Kosten zu decken.
Schon immer hatte Wynter das Gefühl gehabt, für die Barringtons vollkommen unsichtbar zu sein. Als Teenager hatte sie dagegen angekämpft, indem sie rebellierte, und war dadurch allzu oft in Schwierigkeiten geraten. Corey hingegen war ihrem Vater der perfekte Sohn und dazu noch ebenso arbeitswütig. Und dann gab es da noch Francesca, Coreys überhebliche Ehefrau. Wynter mochte sie nicht sonderlich, da Francesca sie offenbar verachtete. Dabei war Francesca diejenige, die aus der Arbeiterklasse stammte.
Das Leben der Barringtons war eine ständige Achterbahnfahrt. Stets war man nur damit beschäftigt, an der Spitze zu bleiben und seinen Status aufrechtzuerhalten. Und genau aus diesem Grund hatte Wynter bei erster Gelegenheit die Flucht ergriffen.
Sie machte sich auf den Weg zu ihrem Zimmer, als sie von Agnes, der langjährigen Haushälterin, abgefangen und fest umarmt wurde. Zumindest dieses Gefühl war vertraut. Die Spanierin arbeitete schon für die Barringtons, seit Wynter ein Kind gewesen war. Sie war auch diejenige gewesen, die Wynter aufgeklärt hatte. Wynters Mutter hatte sich dazu keine Zeit genommen.
Nun legte Agnes Wynter die Hände auf die Wangen. „Wirklich furchtbar, diese Sache mit Miss Helaine. Sie war so ein guter Mensch.“
Wynter nickte. „Danke, Agnes. Sie war wirklich einzigartig.“
„Wir brauchen mehr Menschen wie sie.“ Agnes strich ihr über die Wange. „Wie geht es dir?“
„Ich reiße mich irgendwie zusammen.“
„Das ist auch alles, was du tun kannst. Aber falls du reden willst …“ Agnes sprach nicht weiter, und Wynter wusste es zu schätzen, dass die Haushälterin sie nicht bedrängte. „Wieso gehst du nicht hoch und machst dich ein wenig frisch? Das Abendessen dürfte bald fertig sein, und du weißt ja, wie deine Mutter ist.“
Oh ja, das wusste sie allerdings.
Ihre Mutter bestand darauf, dass alle sich fürs Abendessen herausputzten wie für einen formellen Anlass. Diese Tradition war Wynter zutiefst zuwider. Sie fühlte sich jedes Mal unzureichend – wahrscheinlich weil ihre Mutter sie so herablassend behandelte. Mal hatte Melinda etwas an ihrer Kleidung auszusetzen, mal an ihrer Frisur oder ihrem Make-up. So oder so konnte Wynter ihr einfach nichts recht machen.
„Gute Idee“, sagte Wynter und bückte sich nach ihrem Gepäck.
Doch Agnes hielt sie davon ab. „Ich mache das schon.“
Gemeinsam stiegen sie die gewundene Treppe in den ersten Stock hinauf, zu Wynters Zimmer im Ostflügel der Villa.
„Wie lange bleibst du diesmal?“
Wynter zuckte die Achseln. „Nicht lange. Sobald die Beerdigung vorbei ist, reise ich wieder ab.“
„Schade. Ich hatte gehofft, dich ein wenig länger hierzuhaben.“
„Tut mir leid, da lässt sich nichts machen. Wo ist meine Mutter?“ Wynter hob eine Augenbraue.
„Sie lässt sich unten im Spa das Gesicht massieren.“
„Im Spa?“
Agnes lachte leise. „Jetzt, da du weg seist und Corey verheiratet sei, habe sie endlich Zeit für sich, meinte sie.“
„Verstehe“, erwiderte Wynter kopfschüttelnd. Ihre Mutter nahm sich stets die Zeit, absolut perfekt auszusehen, ehe sie das Haus verließ. Gott bewahre, dass irgendjemand sie je ungeschminkt sah.
Aber es half nichts: Wynter würde ihre Familie wohl einfach so akzeptieren müssen, wie sie war. Und je eher sie sich damit abfand, desto besser.
„Wir freuen uns, Sie bei uns willkommen heißen zu dürfen.“ Brock Jamison, einer der Partner der Kanzlei Jamison und Charles, schüttelte Riley die Hand. An diesem Morgen traf er sich mit den Partnern in ihrem Büro in der Innenstadt von San Antonio. „Jemanden mit Ihrem Killerinstinkt können wir gut in unserem Team gebrauchen.“
Den Spitznamen „Hai des Ostens“ hatte Riley sich redlich verdient. Es war seine Spezialität, die Schwäche seiner Kontrahenten zu erkennen und auszunutzen, um seine Scheidungsfälle zu gewinnen. Nach seinem Uniabschluss war er gleich in einer der besten Kanzleien von New York eingestellt worden und hatte sich schnell einen Namen als raffinierter Verhandlungsführer gemacht.
Als sich herumsprach, dass er auf der Suche nach einer neuen Stelle war, hatten Kanzleien aus dem ganzen Land um seine Gunst gebuhlt. Natürlich waren sie alle bloß auf das große Geld aus, aber das störte Riley nicht weiter. Er wusste, wie es war, ohne viel Geld auskommen zu müssen. Er und seine Schwester Shay hatten einfach alles gehabt, was man sich nur wünschen konnte – bis ihre Eltern sich hatten scheiden lassen.
„Ich freue mich, wieder zu Hause zu sein“, sagte Riley. Er hatte sich schon vor einigen Monaten mit Brock und seiner Partnerin Gina Charles getroffen. Die beiden waren extra nach Manhattan geflogen, um ihn zu rekrutieren. Und auch wenn er von vornherein geplant hatte, nach Hause zurückzukehren, hatte er es doch zur Bedingung gemacht, dass er zum Partner ernannt wurde, wenn er der Kanzlei beitrat. Gina und Brock hatten zugestimmt und nun war er zurück in Texas und frischgebackener Partner der Kanzlei Jamison, Charles und Davis.
Nachdem Gina und Brock ihn in seinem neuen Eckbüro allein gelassen hatten, legte Riley seinen Aktenkoffer auf den modernen gläsernen Schreibtisch und trat ans Fenster, von dem aus er auf San Antonio hinunterblicken konnte. Es war schön, wieder daheim zu sein. Nun könnte er regelmäßig bei seiner Mutter vorbeischauen und seiner Schwester endlich wieder ein richtiger großer Bruder sein.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, klingelte sein Handy. „Hey, Schwesterherz.“
„Hey, Bruderherz. Du bist schon seit gestern zurück in der Stadt und hast mich noch gar nicht besucht.“
Er seufzte. Wieso machte es kleinen Schwestern bloß solchen Spaß, ihre Brüder zu ärgern? „Tut mir leid. Ich musste mich noch um einen Fall kümmern, und heute habe ich mich in der neuen Kanzlei vorgestellt.“
„Und, wie ist die so?“
„Genau wie ich erwartet hatte“, antwortete Riley. Er durchdachte seine nächsten Schritte stets bis ins kleinste Detail, ehe er sie durchführte. Was das anging, war Shay das genaue Gegenteil von ihm. Sie folgte immer ihrem Herzen statt ihrem Verstand – kein Wunder also, dass sie mit gerade einmal vierundzwanzig Jahren bereits eine Scheidung hinter sich hatte.
„Klingt gut. Können wir heute Abend vielleicht essen gehen? Ich würde dich gern sehen.“
„Klar, das wäre toll.“ Er vermisste seine kleine Schwester. Seit der Scheidung ihrer Eltern standen sie sich sehr nah. Eliza Davis hatte es nach der Trennung an manchen Tagen kaum geschafft, das Bett zu verlassen, geschweige denn für ihre Kinder zu kochen. Irgendwann hatte Riley gelernt, für sich selbst zu sorgen, und sich gleichzeitig um seine Schwester gekümmert, die vier Jahre jünger war als er. Damals hatte Shay noch nicht verstanden, warum ihre Mutter ihre Depression nicht überwinden konnte.
„Cool. Dann sehen wir uns um sieben?“, fragte Shay. „Ich kann dich im Hotel abholen.“
„Nicht nötig. Wir könnten uns irgendwo treffen.“
„Riley, bitte lass mich das für dich...




