Stacey | Ein Kowalski für gewisse Stunden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 304 Seiten

Reihe: Familie Kowalski

Stacey Ein Kowalski für gewisse Stunden


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95649-480-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 6, 304 Seiten

Reihe: Familie Kowalski

ISBN: 978-3-95649-480-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Heiß aber herzlich: Der sechste Band von Shannon Staceys erfolgreicher Kowalski-Serie!
'Wenn du Josh rumkriegen willst, dann überrasch ihn in einem Nichts aus schwarzer Spitze und zieh ihn in eine dunkle Ecke.'Katie hat sich die Szene schon oft vorgestellt. Mit einem winzigen Unterschied:'Warum nicht in weißer Baumwollunterwäsche?'Die burschikose Katie ist wie eine Schwester unter den Kowalski-Brüdern aufgewachsen. Doch insgeheim sind ihre Gefühle für Josh ganz und gar unschwesterlich. Und nach einer heißen nächtlichen Begegnung in der Küche ist endlich klar, dass auch Josh sie begehrt. Zu spät? Katie weiß genau, dass er davon träumt, so bald wie möglich die Stadt zu verlassen. Da wäre es doch komplett verrückt, gerade jetzt mit ihm eine leidenschaftliche Affäre anzufangen ... oder?



Mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt die Bestsellerautorin Shannon Stacey in New England, das für seinen farbenprächtigen Indian Summer bekannt ist, aber auch für sehr kalte Winter. Dann macht sie es sich gerne zu Hause gemütlich. Leider weigern sich Shannons Katzen hartnäckig, auf ihrem Schoß als Wärmflasche zu dienen, während sie schreibt.

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1. KAPITEL


Josh Kowalski konnte sein bisheriges Leben in wenigen Worten zusammenfassen: dreißig Jahre voller Entsagungen. Entsagungen, so lästig, wie Mückenstiche an Stellen, an denen man sich nicht kratzen konnte.

Zum Beispiel hätte es Josh in den Fingern gejuckt, eines Tages seine Heimatstadt Whitford im Staat Maine hinter sich zu lassen. Ebenso gern hätte er der Northern Star Lodge Ade gesagt. Es hätte ihn auch gejuckt, das Abenteuer zu suchen. Oder einen Job nach eigenem Geschmack, anstatt auf diesem einen festgenagelt zu sein, der ihm offenbar schon vor seiner Geburt bestimmt war. Es juckte ihn, eine Frau zu finden, die ihn bis ans Ende seiner Tage alle anderen Frauen der Welt vergessen ließ. Aber all diese „Stiche“ hörten nicht auf ihn zu plagen, und dagegen schien es weder Pillen noch Pulver zu geben. So blieb ihm nichts anderes übrig, als auf bessere Zeiten zu warten, während ihn sein Leben mit jedem Jahr, das verstrich, mehr bedrückte.

Dieses Jahr allerdings war Besserung in Sicht. Josh griff sich ein Sixpack aus dem Kühlschrank und schlug die Tür mit dem Hintern zu, denn er hatte die Hände voll mit dem Bier und einer Tüte stibitztem Gebäck. Sein gebrochenes Bein im letzten Juli hatte unglaublich genervt, gleichzeitig hatte es ihm eine Art Atempause verschafft, da seine Brüder ihm zu Hilfe gekommen waren. Das wiederum hatte Josh ermöglicht, ihnen gegenüber seinem Herzen Luft zu machen und deutlich auszusprechen, wie sehr er es hasste, die Lodge zu führen, und das nur, weil er der Jüngste war. Ganz nach dem Motto „den Letzten beißen die Hunde“.

„Willst du weg?“

Josh hätte vor Schreck beinahe das Bier fallen gelassen. In ihren mit Schaffell gefütterten Hausschuhen, die sie im Winter trug, bewegte sich Rose nahezu lautlos, wenn sie durchs Haus streifte. „Ja. In einer halben Stunde fängt das Spiel an.“

Rose Davis war die Haushälterin der Northern Star Lodge, und das schon, solange Josh denken konnte. Aber nicht nur das. Als Josh fünf Jahre alt war und seine Mutter starb, schlüpfte Rose gewissermaßen in die Rolle der Ersatzmutter. Das bedeutete, dass sich Josh schließlich in der Situation eines Mannes wiederfand, der mit dreißig noch bei seiner Mom lebte. So war es denn auch kein Wunder, dass der Wunsch, die richtige Frau zu finden, zu den „Stichen“ gehörte, die am meisten juckten.

„Wenn du …“, wollte Rose gerade ansetzen, wurde allerdings von einem heftigen Hustenanfall unterbrochen. Josh runzelte die Stirn. Seit einer Weile ging ein Erkältungsvirus in Whitford um, und der hatte Rose schon mit einer Lungenentzündung niedergestreckt. Obwohl Rose sich davon hatte nicht unterkriegen lassen, gefiel Josh dieser hartnäckige Husten gar nicht. „Wenn du Katie siehst“, brachte Rose dann doch ihren Satz zu Ende, „grüß sie lieb von mir.“

„Vielleicht sollte ich lieber hierbleiben.“

Energisch winkte sie ab. „Ich mach es mir mit meinem Strickzeug vor dem Fernseher gemütlich und schau mir ein paar Folgen Criminal Minds an. Dich nebenan herumschreien und fluchen zu hören, während du dir das Spiel ansiehst, kann ich gar nicht gebrauchen.“

„Du hattest eine Lungenentzündung, Rosie. Wenn du nicht auf dich aufpasst, landest du wieder im Bett.“

„Ist das mein Bananenbrot da in deiner Tüte?“

„Du versuchst abzulenken.“

„Du versuchst, mein Bananenbrot zu stehlen.“

„Hast du mir nicht erzählt, du wolltest ein paar Pfunde abnehmen? Ich tue dir also nur einen Gefallen.“ Rose zog die Augenbrauen hoch, und Josh merkte, dass er ins Fettnäpfchen getreten war. Also fügte er schnell hinzu: „Nicht, dass du nicht perfekt wärst, so, wie du bist. Ich will nur, dass du glücklich und zufrieden bist. Dieses Bananenbrot wird dich nicht glücklich machen. Meine Freunde – und deine Tochter eingeschlossen – macht es aber sehr, sehr glücklich.“

Rose musste lachen und bekam erneut einen Hustenanfall. Wieder schaute Josh sie besorgt an, und erneut beruhigte Rose ihn mit einer beschwichtigenden Geste. „Du hältst dich wohl für einen großen Charmeur, Joshua Kowalski. Doch ich kenne alle deine Flausen schon, seitdem du vier Jahre alt warst. Damals hast du mir auftischen wollen, du hättest mir zuliebe danebengepinkelt, damit ich immer etwas zu putzen hatte und deine Eltern mich nicht wegen Arbeitsmangel entlassen.“

„Siehst du. Schon von klein auf war ich um dich besorgt, Rose.“

Sie schüttelte den Kopf und scheuchte ihn mit der Hand weg. „Verschwinde. Nimm das Bananenbrot und geh. Ich wette, du hast auch in die Keksdose gelangt.“

Man konnte Rose einfach nicht hinters Licht führen. Natürlich hatte Josh das Bananenbrot noch um ein Dutzend Haferflocken-Rosinen-Kekse ergänzt. Es war eigentlich nicht üblich, Kuchen und Kekse mitzubringen, wenn man sich mit den Kumpels traf, um zusammen Football zu schauen. Aber was Rose in ihrem Backofen zauberte, war so lecker, dass niemand in Whitford dem widerstehen konnte. Joshs Lieblingskekse waren die Schoko-Cookies. Wenn er jedoch für Katie in die Keksdose griff, hielt er sich an die Haferflocken-Rosinen-Plätzchen, denn die mochte Roses Tochter am liebsten.

„Hast du dein Handy dabei?“

Rose nickte und klopfte auf die Tasche ihrer dicken Strickjacke. „Ich ruf dich an, wenn ich dich brauche.“

„Versprochen?“

„Es ist alles gut, Josh.“ Sie bedachte ihn mit einem Blick voller Zärtlichkeit, und Josh wurde ganz beklommen zumute, da er sich daran erinnerte, wie schlecht es ihr noch im November gegangen war. Die Sorge um sie hatte ihn damals fast gekillt, und er wollte das so bald nicht noch einmal erleben. Zu Thanksgiving war Rose wieder so weit auf dem Damm, dass sie im neuen Zuhause von Joshs Bruder Mitch und seiner Frau mit allen zusammen feiern konnte. Doch auch dort hatte Josh ständig befürchtet, dass sie sich zu wenig schonte. Das war jetzt zehn Tage her, also rund einen Monat, nachdem sie krank geworden war. Immer noch war Josh alarmiert, wenn er Rose husten hörte.

„Du rufst an, wenn du überhaupt irgendetwas benötigst, okay?“

„Ist versprochen. So, und jetzt sieh zu, dass du wegkommst, damit ich mir einen Tee kochen und meine Sendung weitergucken kann.“

Josh machte sich auf den Weg. Je eher er verschwand, umso früher konnte sie gemütlich mit ihrem Strickzeug vor dem Fernseher sitzen. Als er schließlich in seinem Pick-up saß und den Motor anließ, schoss ihm die Frage durch den Kopf, wie es werden sollte, wenn in zwei Wochen die Saison anfing und die Lodge voller Feriengäste wäre. Wenn Rose bis dahin noch nicht wieder fit war, hatte er ein ernstes Problem.

Die einfachste Lösung war die, eines der jungen Mädchen aus Whitford vorübergehend als Aushilfe zu engagieren, wie sie es in der Vergangenheit schon gelegentlich getan hatten. Doch in den letzten Jahren hatte er es nicht geschafft, dafür Geld zurückzulegen. Dabei hatten die Buchungen für die kommende Saison schon einen Rekordstand erreicht. Das war der Mitarbeiterin zu verdanken, die in Mitchs Firma für das Online-Geschäft zuständig war und die Website der Lodge auf Vordermann gebracht und sie mit Facebook verlinkt hatte – und was sonst nicht noch alles. Aber obwohl die Aussichten sich verbessert hatten, tat Josh jeder Dollar leid, die er für eine Hilfskraft verwenden musste. Denn der fehlte auf der Einnahmenseite, und jeder Gewinn, den die Lodge erwirtschaftete, brachte Josh der Freiheit einen Schritt näher, weshalb er es, wenn es sein musste, auch auf sich nahm, eigenhändig Betten zu machen, die Bettwäsche zu waschen und die Toiletten zu schrubben.

Das sollte ihn an diesem Tag allerdings nicht kümmern. An Arbeit konnte er wochentags denken. Dieser Abend gehörte dem Football, seinen Freunden und den Snacks zur Übertragung. Manchmal, wenn er darüber nachgrübelte, kam er zu dem Schluss, dass diese wenigen Stunden, in denen er sich von dem Familienbetrieb davonstehlen konnte, ihn davon abgehalten hatten, alles hinzuwerfen und dem Northern Star den Rücken zu kehren, wo die Arbeit ihn auffraß. Dabei passierte es sogar manchmal, dass er sich in der Hochsaison, wenn die Schneeverhältnisse gut waren, nicht einmal diese kleine Auszeit nehmen konnte.

Aber davon war an diesem Sonntagabend nicht die Rede. Es gab Bier, Bananenbrot und eine spannende Football-Übertragung, bei der man sich wunderbar aufregen konnte. Katie würde ihm wieder zusetzen, und am Ende würden sie wieder eine ihrer albernen Wetten abschließen. Blieb zu hoffen, dass die Patriots gewannen, sodass er ein bisschen von der Euphorie in den Montag hinüberretten konnte.

Als Josh seinen Pick-up auf dem Hof bei den wenigen anderen Wagen abstellte, die bereits dort parkten, bemerkte er, dass Katies Jeep fehlte. Das war seltsam. Sie ließ sich ein Sonntagsspiel bei Max niemals entgehen. Josh warf einen Blick auf seine Uhr. Die Patriots mussten zum früheren Spiel antreten, und es war beinahe schon Anstoßzeit.

Bei den Unmengen von Bazillen, die seit zwei Monaten in der Stadt unterwegs waren, bestand allerdings die Möglichkeit, dass sie krank geworden war. Der Gedanke dämpfte Joshs Vorfreude. Er hatte Katies Gesellschaft gern und riskierte deshalb auch, sich den Zorn ihrer Mom zuzuziehen, wenn er für Katie Plätzchen klaute.

Josh nahm sich vor, Katie nach dem ersten Viertel anzurufen oder ihr eine SMS zu schicken, wenn sie nicht auftauchte. Er musste wissen, ob sie nicht doch krank war. Auf jeden Fall machte Football ohne sie nur halb so viel Spaß.

Katie Davis klemmte ihren alten, aber heiß geliebten Jeep zwischen zwei Pick-ups und griff sich die Einkaufstasche mit dem Knabberkram vom Beifahrersitz. Sie...



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