Stackpole / Weiß | BattleTech Legenden 10 - Tödliches Erbe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10, 479 Seiten

Reihe: BattleTech Legenden

Stackpole / Weiß BattleTech Legenden 10 - Tödliches Erbe

Blut der Kerensky-Trilogie 1
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-609-0
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Blut der Kerensky-Trilogie 1

E-Book, Deutsch, Band 10, 479 Seiten

Reihe: BattleTech Legenden

ISBN: 978-3-95752-609-0
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von jenseits der Peripherie kommt eine Bedrohung auf die Innere Sphäre zu. Eine überlegene militärische Streitmacht, die nicht zu stoppen ist. Sind es Aliens? Es sind die Clans. Frühe Menschenabkömmlinge, die draußen, jenseits der kartographierten Welt, ihre Heimat haben. Ihre Kampfmaschinen scheinen nicht von LosTech, dem Verlust des technischen Know-Hows, wie es das einstige Menschenimperium hatte, heimgesucht zu sein. Sie sind schneller, wendiger und stärker belastbar. Selbst die Elitetruppen der Nachfolgestaaten können mit ihren BattleMechs trotz aller Anstrengungen nichts Entscheidendes gegen sie ausrichten. Die Clans erstürmen und unterwerfen Planet für Planet. Die einzige Chance besteht darin, dass einstmalige Todfeinde zusammenstehen und als Verbündete kämpfen - und versuchen, hinter das eigenartige Denken und den seltsamen Ehrenkodex ihrer Gegner zu kommen.

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PROLOG

Outreach

Freie Republik Tikonov

16. August 3030

Die rothaarige Söldnerin Natascha Kerensky trat ohne Anklopfen oder Zögern in Oberst Jaime Wolfs Büro. Sie hielt ihm den gelben Papierbogen entgegen, aber er blickte geradewegs durch die Nachricht und sie hindurch. Er lehnte sich hinter seinem unordentlichen Schreibtisch zurück und legte die Fingerspitzen aneinander. Nur das Heben und Senken seines Brustkorbes zeugte von Leben.

Ihre Stimme war weich und freundschaftlich – von einer Leisheit und Wärme, die ihren Truppen schier unglaublich vorgekommen wäre, als sie das Papier vor ihm auf den Tisch legte. »Ich dachte mir, du würdest das sofort sehen wollen, Jaime. Es kam unter Feldmarschall Ardan Sorteks Kennung herein. Die Republik Tikonov hat uns auf Vorschlag Prinz Hanse Davions volle und eindeutige Rechte über Outreach zugesprochen.«

Diese Mitteilung ließ Leben in Wolfs Gesicht zurückkehren. Obwohl er klein von Gestalt war, umgab ihn eine Aura der Stärke und Autorität. Aber dennoch hatten die Jahre nahezu pausenloser Kriegsführung ihre Spuren hinterlassen. Sein einst schwarzes Haar war von weißen Strähnen durchzogen, und die Falten um seine Augen und auf seiner Stirn kündeten davon, wie schwer manche Last auf ihm gelegen hatte. Die herabgesunkenen Schultern machten klar, dass er sich kommender Probleme schon heute bewusst war, aber er würde sie überwinden, das war unschwer am Funkeln in seinen Augen zu erkennen.

Er schenkte der Schwarzen Witwe ein Lächeln. »Ja, Natascha. Danke. Das ist wirklich eine gute Nachricht.«

Kerensky warf einen Blick aus dem Kuppelfenster neben Wolfs Schreibtisch. »Ich hatte mehr Schwierigkeiten erwartet. Ich nahm an, Hanse Davion würde diese Welt selbst behalten wollen, nachdem er davon erfuhr, dass wir sie als Heimatbasis ausgesucht haben.«

Wolf zuckte die Achseln. »Davion weiß sehr wohl, dass Outreach einmal eine Kriegerwelt war. Die Sternenbund-Armee hielt hier ihre Kampfolympiade ab, und in den drei Jahrhunderten, seit General Kerensky und seine Sternenbund-Truppen die Innere Sphäre für immer verlassen haben, wurden nicht die gesamten brauchbaren Einrichtungen abgebaut.«

Die untergehende Sonne setzte Glanzlichter in Kerenskys Haar, als sie sich zu ihm umdrehte. »Glaubst du, Davion weiß, wieviel von den Anlagen noch steht? Er hat doch bestimmt Quintus Allard beauftragt, ein paar seiner verdammten Agenten herzuschicken, um genau herauszufinden, was wir da bekommen?«

Der Anführer der Wolfs Dragoner lächelte geheimnisvoll.

»Hanse hat seinen Spitznamen ›der Fuchs‹ bei dieser Sache alle Ehre gemacht. Quintus hat uns gebeten, eine technologische Untersuchung abzuschließen, weil er angeblich zurzeit keinen Agenten für Outreach erübrigen konnte. Hanse geht mit Sicherheit davon aus, dass wir manche Information zurückgehalten haben, aber offensichtlich interessiert ihn das nicht allzu sehr. Er ist froh, uns hier zu haben, weil das Aufruhr und Vorstöße aus der Liga Freier Welten verhindert. Unsere Berichte an Allard dürften alle Beschwerden, man hätte uns einen Hort wertvoller Lostech geschenkt, zum Verstummen bringen.«

Der umgangssprachliche Ausdruck für wertvolles, nach dem Untergang des Sternenbundes verlorenes technisches Know-how brachte ein kurzes Lächeln auf Kerenskys volle Lippen, aber ihr Tonfall war besorgt.

»Ist unsere eigene Untersuchung schon abgeschlossen? Gibt es ausreichend Material für unseren Bedarf?«

Wolf schüttelte den Kopf und legte wieder die Fingerspitzen aneinander. »Es scheint, dass Einrichtungen wie Computer und offensichtliche Produktionsanlagen längst abtransportiert wurden, aber ich glaube nicht, dass irgendwer da draußen auch nur ahnt, was für gewaltige Anlagen unter der Oberfläche ruhen. Wir haben alles, was wir zur Reparatur und Herstellung von Battlemechs brauchen. Aber ob es ausreicht, unsere Mission zu erfüllen, ist schwer zu sagen.«

Sie bebte geradezu vor Ärger. »Schlägst du dich immer noch mit dieser fixen Idee von einer Mission herum? Wir haben getan, was von uns verlangt wurde. Ich finde, wir sollten uns ausruhen, unsere Maschinen wieder auf hundertzehn Prozent Leistung bringen und jemanden kräftig in den Arsch treten!«

Gegen seinen Willen musste Wolf über den Wutausbruch der Witwe lächeln. »Natascha«, sagte er leise, »nichts würde mir besser gefallen, aber du weißt, ich kann das nicht zulassen. Du weißt auch, dass die anderen sie nicht aufhalten können. Man hat uns eine Verantwortung übertragen, die wir nicht einfach aufgeben können.» Natascha lehnte sich über den Schreibtisch.

»Es ist unmöglich, Jaime. Das weiß ich. In den letzten fünfundzwanzig Jahren haben wir für jedes Große Haus in der Inneren Sphäre gekämpft, für jedes Haus und gegen jedes. Wir kennen ihre Stärken und Schwächen. Wir wissen, dass es hoffnungslos ist...«

Wolf stand abrupt auf und ging durch den Raum. »Es ist nicht hoffnungslos, Natascha. Manche geben Grund zur Hoffnung. Wir haben einen Anfang.«

Ihr hartes Lachen brachte ihn zum Stehen. »Hast du die letzten beiden Jahre verschlafen, Jaime? Zwei Jahre Krieg haben alles verändert, auch uns! Die Konföderation Capella ist fast vollständig an die Vereinigten Sonnen gefallen. das Draconis- Kombinat ist schwer angeschlagen, hat Dutzende von Welten und Elite-Einheiten verloren. Das Lyranische Commonwealth wurde durch den Krieg fast entzweigerissen, ganz zu schweigen vom Tod Frederick Steiners und dem Verlust der Zehnten Lyranischen Garde bei dem Selbstmordangriff auf Dromini VI. Und was die Liga Freier Welten angeht, ha!

Deren Regierung ist derart gefangen in ihrer eigenen Bürokratie, dass sie nicht einmal eine Verteidigung gegen die Einheiten der Freien Republik Tikonov auf die Beine stellen konnte. Und wir wissen beide, dass die Provinz Andurien sich noch vor Jahresende ohne die geringsten Schwierigkeiten für unabhängig erklären wird. Hanse Davion mag diesen Krieg gut geplant haben, und seine Vereinigten Sonnen mögen als der große Sieger dastehen, aber er hat seine Wirtschaft ruiniert, und sein Volk hat Angst vor einem neuen ComStar-Interdikt. Kurz gesagt, mein Freund, die Nachfolgerstaaten haben sich gegenseitig ihr bisschen Hirn vollends aus dem Schädel geprügelt.«

Wolfs Augen funkelten wegen ihres ätzenden Tons.

»Alles schön und gut, Natascha, aber hast du nicht ein paar für uns bedeutsame Faktoren ausgelassen? Die Nachfolgerstaaten sind vielleicht in einem traurigen Zustand, aber das gilt nicht für ihr gesamtes Militär. Die Kell Hounds haben den Krieg in guter Verfassung überstanden, und das gleiche gilt für die leichte Eridani-Reiterei und die Northwind Highlanders. Ich gebe zu, das reicht nicht aus, um alles zu leisten, aber es ist ein Anfang.«

Natascha setzte sich auf eine Ecke des Schreibtischs und sah zu, wie Wolf das Zimmer abschritt. »Du denkst doch wohl nicht daran, sie zur Ausbildung hierherzubringen, oder? Du würdest unsere Geheimhaltung nicht derart gefährden!« Plötzlich schlug sie sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Das ist exakt dein Plan, nicht wahr? Deswegen sind Morgan Kell und seine Frau Salome von ihrem Sprungschiff hierher unterwegs. Bist du wahnsinnig geworden? Wieviel weiß Kell?«

Wolf reckte sich. »Morgan Kell weiß genau soviel, wie ich ihm anvertraut habe – und ich vertraue ihm. Er und Salome kommen her, damit wir ein paar Tests durchführen und ihnen bei einem Unfruchtbarkeitsproblem helfen können.«

Das Kinn der Schwarzen Witwe fiel herab. »Du hast ihnen von...«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, ich habe Morgan nicht alles erzählt, aber ich denke mir, er hat sich selbst zusammengereimt, was ich ausgelassen habe. Der Mann ist ein Freund, und ich habe mich entschlossen, ihm zu helfen. Außerdem ist er ein mutiger und erfahrender MechKrieger. Ich habe nicht vor, die Kell Hounds hier auszubilden, aber ich glaube, ich könnte Morgan dazu überreden, uns zu Hilfe zu kommen, wenn die Zeit reif ist. Außerdem wäre er wahrscheinlich bereit, ein paar seiner Leute hier ausbilden zu lassen, damit unser Wissen an andere weitergegeben werden kann, ohne unsere Geheimhaltung zu kompromittieren.«

Ein Schaudern ging durch ihren Körper: »Als nächstes wirst du ComStar einladen, hier auf Outreach ein Kommunikationszentrum zu errichten.«

Diese Vorstellung brachte Wolf zum Lachen. »Nie im Leben. ComStar kontrolliert vielleicht die Kommunikationswege der Inneren Sphäre, aber sein gütiger Pazifismus ist mit Primus Julian Tiepolo gestorben. Die neue Prima, Myndo Waterly, ist aggressiv und gefährlich. Sie hat Davion schon gezwungen, als Preis für die Aufhebung des Kommunikationsembargos die Stationierung von Battlemechs in ComStar-Anlagen zu gestatten. In eine derartige Situation werde ich uns nicht bringen.«

Natascha lächelte. »Gott sei Dank bist du noch...



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