E-Book, Deutsch, Band 12, 489 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Stackpole / Weiß BattleTech Legenden 12 - Dunkles Schicksal
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-611-3
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Blut der Kerensky-Trilogie 3
E-Book, Deutsch, Band 12, 489 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-95752-611-3
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Clan-Invasoren sind nicht zu stoppen. Sie wollen nicht ruhen, bis sie ihr Endziel erreicht haben: Terra, die Wiege der Menschheit und Nabe des ComStar-Kommunikationsnetzes, zu erobern. Der Thronerbe des Draconis-Kombinats ist verschollen. Ganze Regimenter von BattleMechs liegen wie zerbrochene Spielzeugsoldaten auf den Schlachtfeldern der Inneren Sphäre. Rasalhaag ist überrannt. Die Clans nähern sich wie eine unaufhaltsame Sturmflut dem Zentrum der Inneren Sphäre. ComStar hat die Innere Sphäre verraten und die Clans bei ihrem Eroberungsfeldzug unterstützt. Jetzt steht die mystische Sekte, die das interstellare Kommunikationsnetz kontrolliert, den Clan-Horden allein gegenüber. Die noch nie im Kampf erprobten Krieger ComStars sind das letzte Bollwerk gegen die endgültige Niederlage.
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1
Mär Negro, Alyina
Trellshire, Jadefalken-Besatzungszone
5. Januar 3052
Grauer Rauch lag über dem dunklen Ozean und verbarg Kai Allard, als er wieder an die Wasseroberfläche kam. Die gespenstische Stille, unterbrochen nur von seinem keuchenden Atem, überraschte ihn. Ich bin mitten im Kampfgebiet, aber ich höre gar nichts! Er kämpfte gegen die irrationale Angst an, die Kollision seines Mechs mit einem Clan-OmniMech könnte ihn nicht nur betäubt, sondern auch sein Gehör gekostet haben. Nein, wenn dem so wäre, könnte ich auch mein Keuchen und das Platschen der Wellen nicht mehr hören.
Kai sah zu der Klippe hoch, von der sein Kampfkoloss in die Wasser des Mär Negro gestürzt war. Als Antwort auf Prinz Victor Steiner-Davions dringenden Hilferuf waren Kai und seine Lanze herangeprescht. Mit experimentellen Myomermuskeln ausgestattet, hatte Kais modifizierter Centurion seine Begleiter bald hinter sich gelassen. Als er die Gefechtszone erreichte, musste er Hanse Davions Erben in einem beschädigten BattleMech gegen vier der besten Clan-Maschinen kämpfen sehen.
Ich bin zum Berserker geworden! Ich ging zu dicht ran und gestattete einer der Maschinen, mich mit sich von der Klippe zu reißen. Kai blickte die zwanzig Meter hohe Kalksteinklippe hinauf und rief sich den schier endlosen Sturz in der tödlichen Umklammerung des OmniMechs in Erinnerung. Beim Aufprall auf das Wasser hatte er das Bewusstsein verloren. Sein letzter Gedanke war gewesen, dass die Felsküste an dieser Stelle einen guten Kilometer abfiel.
Als er eine halbe Stunde später wieder zu sich gekommen war, saß er noch immer im Cockpit Yen-lo-wangs, seines Centurion, der in den Armen des ClanMechs gefangen war. Aber statt auf dem Meeresgrund lagen sie nur auf einem Felssims, etwa zehn Meter unter dem Wasserspiegel. Er hatte sich aus dem Cockpit befreit und war an die Oberfläche geschwommen.
Am Fuß der Klippe zog sich Kai auf einen vorragenden Felsen und nahm seine Ausrüstung in Augenschein. Die Kühlweste seines Mechs fungierte gleichzeitig als kugelsichere Weste, aber auch in Verbindung mit den Shorts bot sie keinen nennenswerten Schutz gegen die Kälte der bevorstehenden Nacht. Seine schweren Duraplast-Panzerstiefel schützten die Beine von den Knien abwärts, aber sie waren nicht für längere Fußmärsche gemacht. Ein Lichtblick war das Fährtenmesser in der Scheide am rechten Stiefel. Kai lächelte, als er den Griff umfasste.
»Tja, Victor, ich bekomme Gelegenheit, dein Weihnachtsgeschenk unter echten Gefechtsfeldbedingungen auszuprobieren.«
Augenblicklich machte sich ein Gefühl unbestimmter Angst in seinen Eingeweiden breit. Ich weiß nicht einmal, ob Victor noch lebt! Ich hätte besser aufpassen müssen, ich hätte sichergehen müssen. Wenn er wegen mir ums Leben gekommen ist ... Kai zwang sich hoch und stieg hastig den schmalen Pfad hinauf, der sich im Zickzack die Klippenwand emporwand. Obwohl ihn die Angst trieb, mahnte ihn etwas in seinem Innern zur Vorsicht. Als er sich der Oberkante der Klippe näherte, wurde er langsamer. Er bemerkte die leuchtend weiße Bruchkante, wo der Klippenrand unter den Füßen Yen-lo-wangs abgebröckelt war.
Weißer und schwarzer Rauch trieben in fetten Wolken gespenstisch über das Plateau. Kaum vier Stunden zuvor hatte hier ein grüner Dschungel gestanden, ein Ort, den Alyinas Tourismusministerium als typisch für diesen Planeten hätte anpreisen können. Aber wenige Minuten Kampf hatten die Landschaft in eine kraterübersäte Wüste verwandelt. Geschwärzte Baumstümpfe erhoben sich wie Grabsteine auf einem vergessenen Friedhof. Das einzig verbliebene Grün befand sich auf Erdbrocken, die vom Artilleriefeuer aus dem Boden gerissen worden waren.
Überall lagen die Trümmer und Bruchstücke jener Kriegsmaschinen herum, die im Kampf um dieses ehemalige Paradies gefallen waren. In intaktem Zustand ragte ein BattleMech fünfmal so hoch auf wie Kai und schien wie eine unbesiegbare mechanische Offenbarung der kriegerischen Natur des Menschen. Seit er sich erinnern konnte, hatte Kai nur einen Traum gehabt: Seinen Eltern zu folgen und ein MechKrieger zu werden. Für ihn gab es keine größere Ehre, als eine dieser gigantischen Kriegsmaschinen zu lenken, und keine noblere Sache, als damit Familie und Nation zu verteidigen.
Aber jetzt, so zerbeult und bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert, spotteten die BattleMechs dieser Träume, die er nun als jugendliche Unschuld erkannte. Als gebrochene Stahlskelette herumliegend, tot in den Himmel blickend, erschienen sie nutzlos und noch schlimmer. Kai sah, dass diese Maschinen nur zerstören konnten. Das war ihre einzige Aufgabe, und die hatten sie in einem Maße erfüllt, das die wildesten Träume ihrer Schöpfer übertraf.
Kai rannte über das stille Schlachtfeld. Er kniete im Schatten eines gestürzten Hagetaka und suchte hastig das Feld nach einer Spur des Daishi ab, den Victor geführt hatte. Zuerst fand er nichts, dann lief er hinüber zu der Stelle, an der er den Mech des Prinzen zuletzt gesehen hatte. Dort fand er einen Fuß, der wohl einmal Victors Mech gehört hatte. Als sein Blick über die halbgeschmolzenen Panzerplatten der Umgebung streifte, bemerkte er die Spuren eines davongehumpelten BattleMechs.
»Gut. Er hat es geschafft.« Kai schlug mit der offenen Hand gegen den Fuß des Daishi. Er konnte von hier verschwinden, aber vielleicht haben sie ihn woanders erwischt, flüsterte eine eisige Stimme in Kais Hinterkopf. Wenn du dagewesen wärst, hättest du Victor beschützen können.
Das Kreischen einer Seemöwe riss Kai aus seinen Gedanken. Die Brise, auf der die Möwe vorbeiglitt, zerriss den Rauch und erlaubte Kai den Blick zum dunklen Himmel. Vor der zunehmenden Dunkelheit leuchtete hell eine Konstellation aus zwei ineinanderliegenden Lichterrauten, die sich synchron über das Firmament bewegten. Ihm wurde froher ums Herz, als er die Landungsschiffe des Vereinigten Commonwealth erkannte, dies ich aus Alyinas Gravitationsbereich freikämpften.
»Victor muss überlebt haben. Ohne ihn würden sie jetzt noch nicht abfliegen.« Kai sah sich um. Verstärkungen mussten eingetroffen sein, um Victor beim Rückzug zu helfen. An den Insignien der Uniformen erkannte er, dass sie zur Regiments-Befehlslanze gehört hatten.
Die Möwe kreischte wieder, und andere stimmten ein, als der Schwarm sich langsam zu Boden senkte. Kai bewunderte ihren scheinbar schwerelosen Flug und freute sich an der Schönheit ihrer schlanken Symmetrie. Der Kontrast zum Alptraum seiner Umgebung hätte nicht größer sein können. Er lächelte, als einer der Vögel heranschwebte und sanft auf dem zerborstenen Cockpit eines BattleMechs aufsetzte. Erst als eine zweite Möwe dort zu landen versuchte und verjagt wurde, erkannte Kai, warum die Möwen das Schlachtfeld angeflogen hatten.
»Nein!« Er sprintete hinüber zu dem gestürzten Koloss und verscheuchte beide Vögel. Als er das Cockpit erreichte, warnte ihn der Gestank von Blut und verbranntem Fleisch, aber er ließ sich nicht aufhalten. Er schaute in die Kanzel und sah die Überreste von Professor-General Sam Lewis auf der Pilotenliege. Kai hatte gehört, dass Lewis dem Regiment zugeteilt war, hätte aber nie gedacht, er würde selbst in die Schlacht ziehen. Die Lage musste wirklich verzweifelt gewesen sein. Der Neurohelm des Mannes war zertrümmert, und sein halbes Gesicht fehlte. Kai wurde bleich. Er fühlte, wie seine Knie weich wurden. Er drehte sich um, fiel auf die Knie und stützte den Kopf in die Hände.
Über ihm kämpften zwei Möwen um einen Augapfel.
Kais erster Gedanke war, alle toten Piloten – Freund und Feind gleichermaßen – aus ihren Mechs zu holen und auf einem gewaltigen Scheiterhaufen zu verbrennen, damit die Vögel sie nicht fressen konnten. Aber das war völlig unmöglich. Es hätte nicht nur seine momentanen Kräfte überfordert, die Kämpfe hatten in kilometerweitem Umkreis nichts Brennbares übriggelassen.
Außerdem hätte ein Scheiterhaufen den Clan streifen in diesem Gebiet verraten, dass zumindest eine Person den Kampf überlebt hatte. Da dieser Krieger sich nicht bei ihnen gemeldet hatte, konnte er nicht zu den Clans gehören. Damit wäre die Jagd eröffnet gewesen.
Kai wollte die Möwen hassen, aber die Tiere versuchten auch nur zu überleben. Und in Anbetracht der glitzernden Lichtpunkte, die sich im Nachthimmel von Alyina fortbewegten, musste er selbst sehen, wie er sein Leben retten konnte. Die Clans hatten die Zehnte Lyranische Garde besiegt, und Kai saß so weit hinter den feindlichen Linien fest, dass eine Flucht zur eigenen Truppe undenkbar geworden war. Seine einzige Chance lag in einer möglichen Rettungsmission. Vor zwanzig Jahren sind die Löwen Davions aufgebrochen, um meinen Vater von Sian zu retten. Aber ich bin hier nicht auf Sian, und die Clans sind nicht so dumm wie Maximilian Liao.
Seine Stimmung...




