Stackpole / Weiß | BattleTech Legenden 21 - Kalkuliertes Risiko | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 21, 474 Seiten

Reihe: BattleTech Legenden

Stackpole / Weiß BattleTech Legenden 21 - Kalkuliertes Risiko


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95752-676-2
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 21, 474 Seiten

Reihe: BattleTech Legenden

ISBN: 978-3-95752-676-2
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Rebellion bedroht das Vereinigte Commonwealth. Die Zukunft des Reiches hängt in der Schwebe. Solaris VII, die Spielwelt, ist ein Mikrokosmos der Inneren Sphäre, und Kai Allard-Liao ihr Champion, Veteran zahlloser Gefechte gegen Herausforderer, die ihm seinen Titel rauben wollen. Nirgendwo sonst könnte er sich wohler fühlen.Doch dann bricht die politische Wirklichkeit des Vereinigten Commonwealth über Solaris herein. Ryan Steiner, ein Mann, der geschworen hat, Victor Steiner-Davion vom Thron zu stoßen, kommt nach Solaris, um von dort die Rebellen zu dirigieren. Kais Onkel Tormano Liao verdoppelt seine Anstrengungen, die Konföderation Capella zu zerschlagen, und Victor Davion versucht, das Attentat auf seine Mutter zu rächen. Innerhalb vier kurzer Wochen fallen Kais Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich zusammen und zwingen ihn zu Entscheidungen, vor denen er sich auf Solaris sicher hoffte. Hat er Erfolg, wird es niemand je erfahren. Doch wenn er versagt, klebt das Blut von Milliarden Menschen an seinen Händen.

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PROLOG

New Avalon

Mark Crucis, Vereinigte Sonnen

17. Januar 3037

Justin Allard betrachtete seinen Sohn. Der Sechsjährige marschierte ins Arbeitszimmer wie ein Soldat, den eine Disziplinarstrafe erwartete. In der Schuluniform aus blauem Blazer, weißem Hemd, gestreifter Krawatte und kurzer Hose hätte sein Auftreten leicht den Eindruck einer kindlichen Parodie militärischer Präzision erwecken können, aber Justin wusste, dass der stille Knabe nichts spielte.

Die Bestrafung des Jungen hat bereits begonnen.

Kai blieb links neben Justins Sessel stehen, in Reichweite der metallenen Hand, die Justin sein eigen nannte, seit er deren natürliches Äquivalent im Dienst für die Vereinigten Sonnen verloren hatte. Auf dem Gesicht des Knaben war nichts von der Angst zu sehen, die er mit Sicherheit fühlte, aber der Flüsterton seiner Stimme verriet Reue und Entsetzen.

»Ich habe etwas Schlimmes getan, Vater.«

Justin hatte mit dem Rektor gesprochen, bevor er den Wagen losgeschickt hatte, um seinen Sohn nach Hause zu holen, daher war er bereits unterrichtet. Aber Kai sollte es ihm selbst sagen.

»Und was, Kai?«

Der kleine Junge presste die Lippen zu einem Strich zusammen und schluckte schwer. Er hielt sich mit einer Selbstbeherrschung unter Kontrolle, die seine Jugend Lügen strafte – einer Selbstbeherrschung, welche Justin bei MechKriegern, die sechsmal so alt waren, schon gelegentlich vermisst hatte. Es machte ihm Angst, seinen Sohn so steif dastehen zu sehen, aber gleichzeitig erfüllte ihn dessen Reife mit väterlichem Stolz. Er wusste, sein Sohn konnte noch immer ein kleiner Junge sein und mit anderen Kindern spielen, wie es seinem Alter entsprach, aber wenn er mit erwachsenen Themen in Berührung kam, konnte er sie wie ein Erwachsener behandeln.

»Ein paar von den anderen Jungs in der Schule haben sich im Holovid einen Mechkampf auf Slaris angesehen.«

»Das heißt Solaris, Kai.«

»Solaris, ja, Sir.« Kais graue Augen senkten sich, und er wurde rot.

»Sie haben gesagt, du warst in dem Kampf und hast einen Mann getötet. Sie haben gesagt, du hast viele Männer getötet. Das hat dich zum Helden gemacht. Und dann habe ich Streit mit Jimmy Kefaveur bekommen. Er hat gesagt, sein Vater könnte dich fertigmachen. Da hab ich gesagt, du könntest seinen Vater töten. Und dann hat er geweint.« Kais Beichte endete in einem von Schmerz erstickten Wispern.

Justin nickte langsam. »Es wird Zeit, dass wir uns unterhalten.« Er stand auf und nahm die Linke seines Sohnes in die gesunde Rechte. Der Vater führte den Sohn hinüber zur braunen Ledercouch an der Seite des Zimmers. Dort setzten sie sich und schauten auf einen dunklen Holovidmonitor. Justin nahm seinen Sohn in den rechten Arm und griff mit der künstlichen Linken nach der Fernbedienung.

»Kai, vor sechshundert Jahren – vor sehr langer Zeit, lange bevor selbst dein Großvater Quintus geboren wurde – haben einige sehr kluge Menschen die BattleMechs erfunden. Sie bauten sie groß, größer als zwei oder drei Häuser übereinander. Sie bauten mächtige Waffen ein – Laser und Partikelprojektorkanonen und Raketen und Maschinengewehre – und panzerten sie. Sie machten sie ungeheuer stark und wie in grauer Vorzeit die Ritter in schimmernder Rüstung beherrschten die BattleMechs das Schlachtfeld.«

»Wie König Artus oder Karl der Große?«

Justin strich seinem Sohn über den Kopf. »Ja, genauso. Im Kampf waren die BattleMechs furchtbar und alle Völker in der Inneren Sphäre kämpften gegeneinander, bis sie sich vereinten, um im Frieden des Sternenbunds zu leben. Und dann, vor dreihundert Jahren...«

»Bevor Opa geboren wurde?«

Justin gluckste leise. »Ja, bevor mein Vater geboren wurde, zerstörte ein sehr böser Mann namens Stefan Amaris den Sternenbund, und seither führen die Völker Krieg und versuchen, ihn wieder aufzubauen.«

»Du hast deinen Metallarm im Krieg bekommen.«

»Ich habe ihn kurz vor dem letzten Krieg bekommen, Kai, aber darum geht es mir nicht.« Justin drückte einen Knopf auf der Fernbedienung, und auf dem Schirm erschien ein Bild. Mit einem weiteren Knopfdruck schaltete er den Ton ab. »Das ist Solaris VII, Kai. Man nennt diesen Planeten auch die Spielwelt, weil die Leute dorthin fliegen, um Krieg zu spielen. Sie kämpfen gegeneinander, und alle Kämpfer wollen Champion werden. Vor dem letzten Krieg hat Hanse Davion mich gebeten, nach Solaris zu gehen und um den Titel zu kämpfen. Und weil er mein Herrscher ist, habe ich gehorcht.«

Kai wandte den Kopf zum Schirm, und Justin fühlte, wie er zusammenzuckte. »Das ist der Kampf.«

Der Holovid-Kampfbericht, der fast zehn Jahre zuvor in der gesamten Inneren Sphäre ausgestrahlt worden war, zeigte Justin in einem Centurion im Gefecht gegen einen ebenfalls humanoiden Griffin. Da der Kampf in einer ›Fabrik‹ genannten Arena stattgefunden hatte, die durchgängig für dreißig Meter hohe BattleMechs ausgelegt war, hätte man das Holovid auch als Kampf zwischen zwei Männern in Exoskeletten verstehen können.

Durch den fehlenden Ton wirkte der ganze Kampf auf gespenstische Weise unwirklich. »Der Mann in dem Griffin hieß Peter Armstrong. Er war ein tapferer Mann, aber er vertraute einem sehr schlechten Mann. Und dieser schlechte Mann überredete Peter dazu, etwas sehr, sehr Dummes zu tun.«

Auf dem Bildschirm trat Justins Centurion hinter den Trümmern hervor, die überall in der Fabrik herumlagen und richtete den Geschützlauf, der die rechte Hand des Mechs ersetzte, auf den Greif. Der breitete die Arme aus.

Armstrong überließ mir den ersten Schuss, weil er dachte, ich hätte nur eine leichte Autokanone in dem Arm.

Feuer zuckte aus dem Lauf, und auf der Brustpartie des Griffin explodierte die Panzerung. Der Griffin wankte, dann erwiderte er das Feuer. Aus der Lafette auf seiner rechten Schulter zuckten Raketen auf den Torso des Centurion zu. Die PPK in der rechten Hand des Mechs kam hoch, aber der grellblaue künstliche Blitzschlag ging daneben.

Durch den Rauch der Raketenabschüsse war der schwere Schaden des Griffin zu erkennen. Jeder MechKrieger konnte sehen, dass ein Mech mit so dünner Torsopanzerung untergehen musste.

»Peter Armstrong hielt mich für einen Feigling. Er wollte mich töten, aber ich wollte ihn nicht umbringen. Ich habe versucht, dem Kampf ein schnelles Ende zu machen.«

Justins Kehle zog sich zusammen, als der Centurion auf dem Schirm den Griffin mit Schüssen eindeckte. Der zweite Feuerstoß der Autokanone sprengte die Panzerung vom rechten Arm des Griffin. Die Granaten fraßen sich durch die Myomerfasern der künstlichen Muskeln von Hand und Unterarm, wie ein Rudel halbverhungerter Hunde durch frisches Fleisch. Die an eine Pistole erinnernde PPK fiel aus der zertrümmerten Hand. Dann explodierte sie, als die AK-Granaten sie durchbohrten.

Der mittelschwere Laser des Centurion bohrte einen rubinroten Energiestachel durch das Herz des Griffin. Er setzte die Verwüstung der ersten Autokanonensalve fort, brannte sich durch die Abschirmung des Fusionsreaktors und entfachte ein Feuer, das den Mech von innen heraus zerfressen musste.

Die Stirnplatte des Griffin flog davon, und Justin wünschte sich, dieses eine Mal ein anderes Ende zu sehen als in den zahllosen Alpträumen, die ihn seit jener Nacht des Kampfes geplagt hatten. Er wollte Peter Armstrong sehen, wie er auf seinem Schleudersitz aus dem Cockpit flog, aber da war kein Mensch, da waren nur Stichflammen. Der Griffin kippte nach hinten weg. Dort, wo sein Gesicht gewesen war, loderte ein Mahnfeuer und nahm ihm jeden Hauch von Menschlichkeit.

Justin hielt die Aufzeichnung an. »Kai, Peter Armstrong ist in diesem Mech gestorben. Ich wollte nicht, dass er stirbt. Ich wollte, dass er lebt. Soviel ich weiß, hatte er eine Familie, einen Sohn und eine Tochter; er hatte eine Frau, wie ich deine Mutter habe, und Geschwister wie deine Onkels und Tanten. Vielleicht haben seine Mutter und sein Vater seinen Tod beweint.«

Die Unterlippe des Knaben zitterte, und Justin drückte ihn an sich.

»Denk daran, Kai, denk immer daran: Einen Menschen zu töten, ist nicht leicht und darf auch niemals leicht werden. Wenn du es einmal getan hast, wirst du es nie wieder los. Das war jetzt das erste Mal, dass ich mir das Holovid dieses Kampfes angesehen habe, aber ich durchlebe diesen Kampf in meinen...



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