E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Stahl / Muriel / Karlotti Verkehrsregeln
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96000-200-0
Verlag: Elysion Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erotik ist, wenn man trotzdem lacht
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-96000-200-0
Verlag: Elysion Books
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sollte es Regeln geben, für den 'perfekten' Verkehr? Unsere Autorinnen finden schon und finden immer die richtigen Worte und Geschichten - denn das man mit Humor im Leben (und im Bett) weiterkommt, ist doch kein großes Geheimnis, oder? Lassen Sie sich entführen zu den spannendsten und skurrilsten (wahren) Geschichten und lachen mit (oder über) die Dinge, von denen sie wussten, dass sie passieren - irgendwo, irgendwann und zum Glück immer den anderen :-)
Autoren/Hrsg.
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Einsatzregeln
Gregor Eder
Erster Akt
Es gab zwei Dinge, die man als Junioroffizier schnell erlernte, sobald man in das tiefe Wasser jenseits der sicheren Akademie geworfen wurde. Erstens war es überaus wichtig, allem und jedem wachsam zu lauschen und so viel wie möglich dabei zu lernen, ohne unangenehm aufzufallen. Erregte man nämlich die Aufmerksamkeit eines Vorgesetzten, hatte das immer den zweiten Punkt zur Folge. Entweder baute man großen Mist oder tat sich durch irgendetwas hervor, das Resultat blieb in beidem Fällen dasselbe. Man bekam mehr Arbeit aufgebrummt, um sich zu verbessern oder weil man bewiesen hatte, dass man bereit dafür war.
Allerdings hätte Lieutenant Alexander Harrington beim besten Willen nicht sagen können, was ihn dazu befähigte, für diese besondere Aufgabe ausgewählt worden zu sein. Schon als ihn Captain Hernandez in ihr Büro an Bord der Black Widow bat, hatte den jungen Mann eine böse Vorahnung befallen. Als ihn dann nicht nur seine eigene Kommandantin, sondern auch noch zwei weitere Senioroffiziere erwarteten, war die Ahnung zur Gewissheit geworden. Alle drei trugen sie die gleiche nachtschwarze Uniform wie Alexander, doch ihre Rangabzeichen glichen eher denen des Captains und wiesen sie dementsprechend als Schiffsführer aus.
»Lieutenant Harrington, das sind Captain Vargas von der Silver Whip und Commander Chen von der Mata Hari. Während unseres Gespräches sah ich mich in der Lage, ihnen von ihrem Vorfall auf Ursa Minor Gamma zu berichten«, begann Hernandez, die sich mit den beiden anderen in der kleinen Sitzgruppe neben ihrem Schreibtisch niedergelassen hatte. »Dabei kamen wir überein, dass es nicht schaden könnte, eine solche Komplikation in Zukunft zu vermeiden.«
Nur zu genau erinnerte sich der Lieutenant an seinen damaligen Zusammenstoß mit den Gesetzesvertretern dieser Welt, lag der besagte Vorfall doch keine drei Monate zurück. Zu der Zeit war er mit einer Kameradin auf Landurlaub gewesen und durch mangelnde Informationen hatte er etwas getan, was an den meisten Orten als sexy Spielerei gewertet worden wäre. Jedoch sahen das die Regeln auf entsprechendemdem Planeten anders. Nur dank einer besonderen Interaktion mit der damaligen Beamtin hatte er diese davon überzeugen können, keine Straftat begangen zu haben. Allerdings war das mehr unwahrscheinliches Glück gewesen, als ernsthafte Begabung und natürlich nicht in den offiziellen Akten vermerkt worden.
»Das wäre sicherlich sinnvoll Ma`am«, erwiderte Alexander nun, während ihn eine dunkle Ahnung über den weiteren Verlauf des Gesprächs überkam. »Eine genauere Einweisung an das Personal könnte ein Anfang sein.«
»Commander Fedorovich kümmert sich bereits darum«, versicherte ihm Hernandez, bevor sie sich lächelnd zurücklehnte. »Doch abgesehen von den Bemühungen der XO dachte ich daran, weitere Schritte zu ergreifen. Eine entsprechende Schulung sollte sicherlich hilfreich sein.«
»Und wäre wohl besser dafür geeignet als jemand, dem es durch sein diplomatisches Geschick gelungen ist, einen Zwischenfall mit möglicherweise interstellaren Auswirkungen zu entschärfen«, Captain Vargas hatte den Ruf eines begabten Redners sowie Taktikers und machte keinen Hehl daraus, dass ihm der Lieutenant bereits ins Netz gegangen war. »Mit anderen Worten sollen Sie einen kleinen Kurs für die Junioroffiziere an Bord unserer Schiffe leiten Mr. Harrington. Natürlich nur für einige Spezialisten und um Autoritätsproblemen vorzubeugen, werden Sie rangmäßig über diesen stehen.«
Es gab eine Menge Dinge, die Alexander nun gerne darauf erwidert hätte. Leider war er in dem Fall derjenige, mit dem niedrigsten Rang im Raum und daher ließ ihm die derzeitige Situation nicht viele Möglichkeiten. Mit anderen Worten gab es im Moment eigentlich nur eine richtige Antwort auf den Vorschlag.
»Natürlich, Sir«, kam es ihm über die Lippen, während er sich fragte, ob er dieser Lage noch irgendetwas positives abgewinnen konnte.
»Sehr gut, das nenne ich Sportsgeist«, grinsend erhob sich nun Chen um zur Türe des Büros zu schreiten. »Keine Sorge Lieutenant, wir schicken Sie nicht ohne Unterstützung ins Gefecht.«
Damit betätigte der Commander den Türöffner und im nächsten Moment betrat ein weiterer Lieutenant den Raum. Sie war einen halben Kopf kleiner als Alexander und ihre Uniform bildete einen markanten Kontrast zu ihrer schneeweißen Haut. Ihre kurzen Haare besaßen die gleiche Farbe, wenn deren Spitzen auch von einem fahlen Eisblau gekennzeichnet waren. Nur ihre Augen schienen dem monochromen Muster entsagen zu wollen und glitzerten in einer Mischung aus Gold mit smaragdgrünen Sprenkeln darin.
»Lieutenant Tara ist meine Kommunikationsoffizierin und kann auf ähnliche Erfahrungen wie Sie zurückblicken«, begann Chen zu erklären. »Ich bin sicher, sie beide werden sich der Aufgabe auf angemessener Art und Weise annehmen.«
»Ja, Sir«, kam die doppelte Antwort von den jüngeren Offizieren, während diese sich gegenseitig musterten.
Dabei entschied Alexander, dass er zumindest an einem Aspekt der ganzen Sache Gefallen finden könnte, sofern Tara mehr als nur ein angenehmes Äußeres besaß. Im Moment wirkte sie trotz der recht steifen Situation auf jeden Fall alles andere als angespannt. Allerdings würde sich wohl erst zeigen, wie gut sie miteinander auskamen, wenn es ernst wurde. Immerhin war ihnen von der höheren Macht ihrer Vorgesetzten eine ordentliche Herausforderung auferlegt worden.
Zweiter Akt
Die drei Schiffe hatten an einer der größeren Handelsstationen angedockt, die neben Flottenbesatzung auch ziviler Bewohner wie unzählige Reisende beherbergte. Dementsprechend entspannt konnte ein Besuch auf ihr sein, sofern man nicht gerade durch wichtige Pflichten davon abgehalten wurde, sich freudigeren Dingen hinzugeben. Doch selbst in diesem Fall standen umfangreiche Räumlichkeiten zur Verfügung. Darunter mehrere Konferenzräume, Fitnesscenter sowie Kursräume. Einer der Letzteren war im Laufe des vorangegangenen Tages von zwei Lieutenants in Beschlag genommen und vorbereitet worden.
Dabei hatten sich Tara und Alexander nicht nur besser kennen gelernt, sondern entsprechende Strategien besprochen, um die vor ihnen liegende Aufgabe anzupacken. Durch ihre Zusammenarbeit hatte sich gezeigt, dass sie nicht nur gedanklich auf einer Wellenlänger lagen, sondern sich auch bei der Findung von Lösungen ergänzten. In jedem Fall waren beide übereingekommen, dass sie es weitaus schlimmer hätten treffen können, was den Partner bei dieser Mission anging. Nicht zuletzt, da ihnen sicherlich ein paar Hürden bevorstanden.
Selbst die klügsten Junioroffiziere offenbarten schließlich ihre Momente von Größenwahn und soweit über ihnen standen die beiden dann noch nicht, um die Allmacht der Autorität jenseits der Regularien in Anspruch nehmen zu dürfen. Ihr einziger Vorteil bestand darin, dass sowohl Tara als auch Alexander bereits ihre Probleme im sexuellen Umgang mit anderen Rassen gehabt hatten und die jeweilige Situation meistern mussten. Nach ihren Vorgesetzten brauchte es nicht mehr, um die Kursteilnehmen entsprechend anzuleiten.
Mit diesem eher mäßig erfreulichen Gedanken betraten die beiden Lieutenants den Kursraum, um sich im nächsten Moment einer Gruppe, im Gespräch vertiefter, Junioroffiziere gegenüber zu sehen. Es gab hier neun Lieutenant Junior Grades, fast ein Dutzend Ensings und im Sinne produktiver Erniedrigung auch vier Kadetten. Die Geschlechter waren gleichermaßen vertreten und zum großen Teil menschlicher Natur. Alle hatten an den vorhandene Pulten Platz genommen und schienen zumindest auf den ersten Blick bestrebt, die Sache hinter sich bringen zu wollen. Auch wenn sie sich trotz der Anwesenheit ihrer unfreiwilligen Lehrer noch ausgiebig miteinander unterhielten, als ob sie Schüler wären anstatt ausgebildeter Flottenoffiziere.
Alexander wartete eine Weile, doch schließlich wandte er sich an seine Begleiterin: »Darf ich bitten?«
Lächelnd holte die Angesprochene Luft und ließ dann einen Schrei los, dessen Schallwelle spürbar durch den Raum fegte, um den Lärm nicht nur zu übertönen, sondern regelrecht zu verschlucken. Im nächsten Moment kehrte eine fast schon gespenstische Ruhe ein, während sich die versammelten Junioroffiziere deutlich gesitteter den beiden Neuankömmlingen zuwandten.
Als Alexander sich bei ihr bedankte, erntete er ein leichtes Lächeln von Tara: »Nicht der Rede wert.«
»Ich bin Lieutenant Harrington und das ist Lieutenant Tara», wandte er sich dann an die Anwesenden. »Für diejenigen unter Ihnen, die es bisher nicht gewusst haben, sei erklärt, dass Taras Volk ein überaus eindrucksvolles Stimmvolumen besitzt. Stark genug, um Schaden anzurichten. Sollten Sie also jemals mit einem Mitglied ihrer Rasse ins Bett steigen, tragen sie besser Ohrenschützer.«
Dem humorvollen Einstieg gelang es, die entstanden Anspannung etwas abzubauen und der eine oder andere ließ sich sogar zu einem kurzen Lachen hinreißen. Bevor jemand jedoch zu alter Größe zurückfinden konnte, was störendes Verhalten anging, fuhr Alexander fort.
»Allerdings sind wir nicht hier, um mit ihnen über medizinische Besonderheiten zu sprechen, was Interspeziesbeziehungen angeht. Dafür ist ihr Schiffsarzt zuständig und wird sie sicherlich ausgiebig darüber informieren«, setzte er nach. »Hier soll es um die sozialen Regeln und Schwierigkeiten gehen, die Ihnen beim Besuch anderer Planeten bevorstehen. Oder bei der Begegnung mit Wesen, die nicht ihrer eigenen Spezies und...




