Stallwood | Ruhe sanft in Oxford | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Stallwood Ruhe sanft in Oxford

Ein Kate-Ivory-Krimi
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-3468-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Kate-Ivory-Krimi

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7325-3468-5
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kate Ivorys Mutter plagen Ängste: Sie wird erpresst, erhält Drohbriefe und erkrankt plötzlich. Kate ist überzeugt, dass die Freemans, ein Paar, mit dem ihre Mutter seit Kurzem befreundet ist, etwas damit zu tun haben. Sie mischen sich ständig in ihre Angelegenheiten ein und verhindern sogar, dass sie einen Arzt aufsucht, obwohl es ihr offensichtlich schlecht geht. Bald wird auch Kate bedroht. Als dann noch ihre geliebte Katze ermordet wird, setzt sie alles daran, den Tätern das Handwerk zu legen.

Ein neuer Fall für die ermittelnde Schriftstellerin Kate Ivory. Eine atmosphärische Kriminalserie mit einer besonderen Heldin, deren scharfe Beobachtungsgabe und ungewöhnliche Methoden die gemütliche britische Stadt Oxford ordentlich durchwirbeln. Perfekt für Liebhaber von intelligenter und charmanter Cosy Crime, für Leser von Martha Grimes und Ann Granger.



Veronica Stallwood kam in London zur Welt, wurde im Ausland erzogen und lebte anschließend viele Jahre lang in Oxford. Sie kennt die schönen alten Colleges in Oxford mit ihren mittelalterlichen Bauten und malerischen Kapellen gut. Doch weiß sie auch um die akademischen Rivalitäten und den steten Kampf der Hochschulleitung um neue Finanzmittel. Jedes Jahr besuchen tausende von Touristen Oxford und bewundern die alten berankten Gebäude mit den malerischen Zinnen und Türmen und dem idyllischen Fluss mit seinen Booten. Doch Veronica Stallwood zeigt dem Leser, welche Abgründe hinter der friedlichen Fassade lauern.

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1


Endlich war der Frühling auch in Oxford angekommen und schlich auf Zehenspitzen die Cowley Road entlang.

Nachdem sich der Frühnebel aufgelöst hatte, wurde ein Schmutzfilm auf den Bürgersteigen sichtbar, der alles andere als Frühlingsgefühle hervorrief. In abgelegenen Seitenstraßen jedoch, ein Stück weit entfernt von den großen Verkehrsadern, wagten sich die ersten grünen Knospen hervor. Der Himmel über den Schieferdächern zeigte ein vielversprechendes Blau, und in Vorgärten und Blumenkästen reckten die ersten Narzissen neugierig ihre gelben Köpfchen in den sanften Wind. Schon bald würden an jedem Laternenpfahl Pflanzkörbe mit Petunien und Lobelien hängen, und staubige Fenster würden sich öffnen, um warme Luft hereinzulassen und dröhnender Musik zu gestatten, aus den Wohnungen zu entkommen und sich zu den Missklängen des Verkehrslärms zu gesellen.

Mit Beginn der warmen Jahreszeit überprüften Hausbesitzer die Wertsteigerung ihrer Immobilie seit dem vergangenen Herbst. Falls sie die Narzissen überhaupt bemerkten, dann lediglich als Blickfang für potenzielle Käufer, und auch die Petunien in ihren Hängekörben dienten lediglich als Hinweis darauf, dass man sich hier in einem aufstrebenden Stadtviertel befand, in das zu investieren sich lohnte. Sobald die Sonne sich wieder hinter einer Wolkenbank verschanzte und ein leichter Sprühregen einsetzte, träumten Paare davon, East Oxford gegen die Lavendelfelder der Provence oder die Olivenhaine von Zakynthos einzutauschen. Doch das Erwachen des Frühlings würde die Käufer sicher bald aus ihrem Winterschlaf locken.

Raphael Brown, seines Zeichens Immobilienmakler, drehte das Schild an seiner Tür auf »Geöffnet« und freute sich zuversichtlich auf einen Tag, an dem sich veränderungswillige Hausbesitzer bei ihm die Klinke in die Hand geben würden, um ihren Besitz zu veräußern.

Er schaltete seinen Computer ein und bewunderte einen Augenblick lang das pfiffige Logo auf der Startseite, ehe er seine E-Mails abrief. Zweiundfünfzig Nachrichten erwarteten ihn – achtundvierzig davon waren Spams. Als er gerade eine der Anfragen erledigt hatte, ging die Tür auf und ein Paar trat ein. Raphael (den außer seiner Mutter jedermann Rafe nannte), stand von seinem Schreibtisch auf und ging den beiden entgegen, weil seine Assistentin Jenny, die gewöhnlich die Begrüßung übernahm, auf einem Außentermin war. Die Kaufabsicht stand dem Paar geradezu ins Gesicht geschrieben.

»Wir sind auf der Suche nach einer Immobilie«, sagte der Mann dann auch wie auf ein Stichwort.

Oh ja, so sahen die idealen Käufer aus! Der Mann war hochgewachsen, etwa Anfang fünfzig und wirkte recht fit. Sein gebräuntes Gesicht ließ darauf schließen, dass er während der kalten Wintermonate irgendwo wärmende Sonnenstrahlen genossen hatte. Sein teurer Anzug war gerade robust genug, um auch für das Landleben zu taugen. Der modische Schnitt seiner silbergrauen Haare ließ ihn jugendlicher erscheinen, als er in Wirklichkeit war. Der Mann sah aus, als wäre er einer Anzeige der Zeitschrift Country Life entstiegen.

Auch Rafe wurde einer genauen Begutachtung unterzogen, dessen war er sich bewusst. Die grauen Augen des Mannes nahmen jedes einzelne Detail auf und verweilten lange auf Rafes Stirn, als versuche er, dessen Gedanken zu lesen. Rafe wich dem Blick aus und schaute aus dem Fenster auf den sauberen, sehr neu aussehenden Wagen, der genau auf der durchgezogenen, gelben Linie parkte. Ein BMW.

»Ist das Ihr Auto?«, erkundigte er sich.

Der Mann lächelte zustimmend.

»Sie sollten sich vorsehen. Die Politessen hier sind wie die Geier«, warnte Rafe. Doch der Mann machte lediglich eine wegwerfende Handbewegung; ein Bußgeldbescheid schien ihm nicht mehr zu bedeuten als eine Busfahrkarte, und Rafe ärgerte sich, das Thema überhaupt angeschnitten zu haben.

Die Frau war etwa im gleichen Alter wie ihr Mann. Die weiche Frisur machte das Bestmögliche aus ihrem runden Allerweltsgesicht. »Danke für die Warnung«, sagte sie mit einer Stimme, die so wohlig war wie eine Daunendecke in einer kalten Nacht. »Marcus würde sich schwarzärgern, wenn er schon wieder einen Strafzettel bekäme. Und irgendwie – Sie kennen das sicher – wäre dann wieder ich an allem schuld.« Sie blinzelte ihm verschwörerisch zu und neigte sich freundschaftlich in seine Richtung.

»Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?«, fragte er sie. »Vielleicht sind sogar noch ein paar Kekse im Haus.«

»Nein danke«, erwiderte sie freundlich. »Ich glaube, Marcus möchte gern mit seinen Hauskauf-Plänen vorankommen.« Und dann lächelte sie Rafe an. Es war ein herzliches, mütterliches Lächeln, das sanfte Fältchen in die Winkel ihrer vergissmeinnichtblauen Augen zauberte. Rafe wusste sofort, dass diese Frau wirklich eine äußerst nette Dame war. Sie wirkte wie ein Mensch, dem man problemlos alles anvertrauen konnte, was einem auf der Seele lag. Mit einem mitfühlenden Ausdruck im Gesicht und leicht zur Seite geneigtem Kopf würde sie einfach nur da sein und aufmerksam zuhören. Wahrscheinlich konnte man ihr alles beichten – sogar die hoffnungslose Verzweiflung, die er an jenem Dezembermorgen gefühlt hatte, als Trish in dem alten Volvo einfach aus ihrer Ehe davongefahren war, während die Kinder ihre blassen, traurigen Gesichter an die Rückscheibe gedrückt hatten. Hastig wehrte sich Rafe gegen das Aufsteigen dieser Erinnerungen und widmete seine Aufmerksamkeit wieder ganz und gar seinen Kunden.

Er straffte seinen Rücken, streckte dem Mann die Hand entgegen und stellte sich vor: »Rafe Brown.«

»Marcus Freeman«, antwortete der Mann. Freemans Handschlag war fest und selbstbewusst. »Und das ist meine Frau Ayesha.«

Rafe stellte drei Sessel im Kreis um einen niedrigen Tisch, bat die Freemans, sich zu setzen, und holte seinen Laptop. Er schaltete ihn ein, sah zu, wie sein Logo beruhigend über den Bildschirm glitt, öffnete einen neuen Kundensatz und machte sich bereit, alle Angaben einzutragen.

Als er ihre Namen schreiben wollte, erklärte Ayesha entschuldigend: »Offiziell heiße ich Sheila; Sie können mich natürlich unter diesem Namen führen.«

»Aber Ayesha passt viel besser zu Ihnen«, entgegnete Rafe galant.

»Unser Haus in Kent haben wir schon verkauft«, sagte Marcus. »Wir wollen einen Neuanfang in einer Stadt machen, die keine traurigen Erinnerungen für uns bereithält.« Rafe schloss aus seinem Gesichtsausdruck, dass vermutlich eine Familientragödie sie bewogen hatte, sich in einer anderen Gegend anzusiedeln.

»Und Oxford ist wirklich ansprechend und kultiviert, finden Sie nicht?«, fügte Ayesha hinzu.

»Auf jeden Fall gibt es hier eine sehr rege Kulturszene, Mrs Freeman.«

»Nennen Sie mich doch Ayesha«, sagte sie und bedachte ihn ein zweites Mal mit ihrem warmen Lächeln.

»Wie ich gehört habe, scheint die Stadt trotz der gegenwärtigen Wirtschaftslage über einen grundsoliden Immobilienmarkt zu verfügen.«

Rafe konnte seine positive Meinung von Oxford nur bestätigen. »Dann brauchen Sie also keine Finanzierung?«, hakte er nach.

»Durchaus nicht«, bestätigte Marcus.

»Sie werden es sicher nicht bereuen, Ihr Geld in Oxford anzulegen«, fuhr Rafe fort. »Dank der Universitäten und des Tourismus ist der Immobilienmarkt ständig in Bewegung. Auch die Kliniken tragen ihren Teil dazu bei.«

»Wir haben uns im Vorfeld schon ein wenig in der Stadt umgesehen, um uns ein Bild davon zu machen, welche Gegenden für uns infrage kommen«, berichtete Ayesha.

»Gut gefallen haben uns North Oxford und Headington«, fügte Marcus hinzu, »aber Sie wissen sicher besser als wir, wo wir sonst noch fündig werden könnten.«

»Richtig, Rafe.« Ayesha nickte. »Was schlagen Sie vor?«

»Grandpont ist eine recht angenehme Wohngegend«, sagte Rafe. »Und natürlich Jericho.«

»Für meinen Geschmack stehen die Häuser in Jericho zu dicht beieinander«, wandte Ayesha ein. »Außerdem machen einige Straßenzüge einen etwas schäbigen Eindruck, finden Sie nicht?«

»Und was Grandpont angeht, so liegt es auf der falschen Seite der Stadt«, setzte Marcus nach.

Die beiden hatten ihre Hausaufgaben wirklich gründlich gemacht, dachte Rafe, auch wenn er nicht in allen Punkten mit ihnen übereinstimmte.

»Wir wäre es mit einem Anwesen in den ländlichen Außenbezirken?«, fragte er.

»Zu provinziell«, sagte Marcus.

»Zu abgelegen«, fügte Ayesha hinzu. »In den Dörfern wohnen entweder Pendler oder Leute, die nur über das Wochenende kommen. Das bedeutet, dass es dort die meiste Zeit sehr ruhig und ziemlich ausgestorben ist. Ich glaube, das wäre nicht das Richtige für uns.«

»Dann kommen tatsächlich nur North Oxford und Headington in Betracht«, sagte Rafe.

»Wir suchen etwas, wo es weder massenhaft Motorräder noch an den Straßenecken herumlungernde Jugendliche gibt«, machte Marcus deutlich. Außerdem müsse das Haus über mindestens drei großzügig bemessene Schlafzimmer und zwei ebensolche Empfangsräume sowie über ein Studio oder Büro verfügen, fuhr er fort.

»Dann arbeiten Sie also zu Hause?«, erkundigte sich Rafe, der neugierig war, auf welche Art Marcus seinen offenkundigen Reichtum erworben hatte.

»Ich habe mich zwar aus dem Berufsleben zurückgezogen, kann es aber nicht ertragen, den ganzen Tag untätig herumzusitzen«, antwortete Marcus Freeman, was Rafe keinen Deut weiterbrachte. Er betrachtete die großen, wohlgeformten und sorgfältig manikürten Hände des Mannes. Freeman unterstrich seine Worte mit Gesten, die in Rafes Augen beinahe wie die Bewegungen eines Priesters beim Gottesdienst wirkten und ihn an seine Zeit als Messdiener erinnerten. Auch Freemans...


Stallwood, Veronica
Veronica Stallwood kam in London zur Welt, wurde im Ausland erzogen und lebte anschließend viele Jahre lang in Oxford. Sie kennt die schönen alten Colleges in Oxford mit ihren mittelalterlichen Bauten und malerischen Kapellen gut. Doch weiß sie auch um die akademischen Rivalitäten und den steten Kampf der Hochschulleitung um neue Finanzmittel. Jedes Jahr besuchen tausende von Touristen Oxford und bewundern die alten berankten Gebäude mit den malerischen Zinnen und Türmen und dem idyllischen Fluss mit seinen Booten. Doch Veronica Stallwood zeigt dem Leser, welche Abgründe hinter der friedlichen Fassade lauern.

Veronica Stallwood kam in London zur Welt, wurde im Ausland erzogen und lebte anschließend viele Jahre lang in Oxford. Sie kennt die schönen alten Colleges in Oxford mit ihren mittelalterlichen Bauten und malerischen Kapellen gut. Doch weiß sie auch um die akademischen Rivalitäten und den steten Kampf der Hochschulleitung um neue Finanzmittel. Jedes Jahr besuchen tausende von Touristen Oxford und bewundern die alten berankten Gebäude mit den malerischen Zinnen und Türmen und dem idyllischen Fluss mit seinen Booten. Doch Veronica Stallwood zeigt dem Leser, welche Abgründe hinter der friedlichen Fassade lauern.



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