Stamm / Ruckdäschel / Templer | Schulabsentismus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 142 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Stamm / Ruckdäschel / Templer Schulabsentismus

Ein Phänomen, seine Bedingungen und Folgen
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-531-91319-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Ein Phänomen, seine Bedingungen und Folgen

E-Book, Deutsch, 142 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-91319-3
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Schulschwänzen stellt ein oftmals unterschätztes, zumindest jedoch ein falsch eingeschätztes jugendspezifisches Auftreten dar. Weder in den Schulen noch in den Bildungsverwaltungen wird es als Problem wahrgenommen oder offen diskutiert, und auch Eltern scheinen es über weite Strecken als legitimes Verhalten zu akzeptieren.
Die AutorInnen analysieren, welche Faktoren aus Persönlichkeit, Schule, Familie und Freundeskreis Schulabsentismus in der Schweiz bestimmen und leisten einen wichtigen Beitrag zu einer fachlichen Diskussion des Phänomens in Bildungspolitik, Schule und Gesellschaft.

Dr. Margrit Stamm ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Fribourg, Schweiz.
Christine Ruckdäschel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin, Diplomassistentin und Studienberaterin an der Universität Fribourg, Schweiz.
Franziska Templer ist Diplomassistentin und Studienberaterin an der Universität Fribourg, Schweiz.
Michael Niederhauser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Diplomassistent an der Universität Fribourg, Schweiz.

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Weitere Infos & Material


1;Inhalt;5
2;Abbildungsverzeichnis;9
3;Tabellenverzeichnis;10
4;Vorwort;13
5;1 Einleitung: Schulabsentismus als neue pädagogische Herausforderung;15
6;2 Theoretische Grundlagen und Forschungsstand;25
6.1;2.1 Begriffsklärungen: Schulabsentismus und Schulverweigerung;25
6.2;2.2 Theoretische Erklärungsansätze für Schulabsentismus als abweichendes Verhalten;26
6.3;2.3 Schulabsentismus als delinquentes Handeln?;32
6.4;2.4 Politischer und gesetzlicher Hintergrund;33
6.5;2.5 Aktueller Forschungsstand;35
6.6;2.6 Zusammenfassung: Die Arbeitsgrundlagen unserer Studie;41
7;3 Die Untersuchung;43
7.1;3.1 Ziele und Fragestellungen;43
7.2;3.2 Forschungsdesign;44
7.3;3.3 Stichprobe;45
7.4;3.4 Die Erhebungsinstrumente;48
7.5;3.5 Durchführung der Untersuchung;56
8;4 Resultate der Schulleiterinterviews;59
8.1;4.1 Bedeutung von Schulabsentismus;59
8.2;4.2 Strukturelle Merkmale der Schulen;60
8.3;4.3 Strukturelle Merkmale der Schulen und der Anteil an Schulschwänzern;63
9;5 Schulabsentismus aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler;71
10;6 Gruppenvergleiche: Massives Schulschwänzen versus Nicht- Schwänzen;80
10.1;6.1 Demographisch-strukturelle Variablen und Absentismus;80
10.2;6.2 Schulischer Kontext;81
10.3;6.3 Familiärer Kontext;88
10.4;6.4 Zusammenfassung: Gruppenvergleiche zwischen massivem Schulschwänzen und Nicht- Schwänzen;93
11;7 Schulabsentismus im schulischen Kontext;95
11.1;7.1 Vorhersagemodell für Schulabsentismus;96
11.2;Gemeindegröße Koeffizienten Signifikanz;98
11.3;Prädiktor Netto-Effektstärke;99
11.4;Schulgröße Koeffizienten Signifikanz;101
11.5;Prädiktor Netto-Effektstärke;102
11.6;Schulniveau Koeffizienten Signifikanz;104
11.7;Prädiktor Netto-Effektstärke;105
11.8;7.2 Exkurs: Jugendliche im Kleinklassenkontext;106
11.9;7.3 Ein-Ebenen-Analysen versus Kontextanalysen: Ein zusammenfassender Vergleich;109
12;8 Einzelinterviews mit Schulabsentisten und Schulabsentistinnen;111
12.1;8.1 Die Methodik: das Verfahren der Fallkontrastierung;111
12.2;8.2 Die jugendlichen Schulschwänzer/innen im Porträt;113
12.3;8.3 Die Lebenssituation der Befragten;119
12.4;8.4 Der Verlauf des Schulschwänzens;121
12.5;8.5 Bezug der Einzelfälle zu den identifizierten Prädiktoren;128
13;9 Schulabsentismus aus der Perspektive der Lehrpersonen;131
13.1;9.1 Einschätzung des Schulabsentismus durch die Lehrpersonen;131
13.2;9.2 Fragen an Lehrpersonen und Schülerschaft;132
13.3;9.3 Fragen an Lehrpersonen und Schulleitungen;134
14;10 Literatur;137


9 Schulabsentismus aus der Perspektive der Lehrpersonen (S. 131-132)

Um die Perspektivenvielfalt unserer Studie abzurunden, ist dieses abschließende Kapitel nun dem Blickwinkel der Lehrpersonen gewidmet. Es handelt sich bei der Stichprobe von 239 Lehrkräften ausschließlich um Klassenlehrpersonen, wie sie bereits in Kapitel 2 vorgestellt und charakterisiert worden sind. Um die Antworten der Lehrpersonen in den Gesamtkontext unserer Studie einzubinden, werden zunächst diejenigen Fragen an die Lehrpersonen beschrieben, welche auch den Schüler/innen gestellt worden waren. Danach folgen die Themen, welche sowohl von den Lehrpersonen als auch den Schulleitungen beurteilt wurden.

9.1 Einschätzung des Schulabsentismus durch die Lehrpersonen

Die Klassenlehrpersonen wurden gebeten, auf einer vierstufigen Skala einzuschätzen, wie oft sie in ihrer bisherigen Berufslaufbahn Erfahrungen mit Schüler/ innen gemacht hatten, welche unerlaubt dem Unterricht ferngeblieben waren. Lediglich 2% der Lehrpersonen gaben hier an, noch niemals mit Absentismus konfrontiert worden zu sein. Beinahe 90% der Lehrpersonen haben selten bis manchmal mit Schulabsentismus zu tun (57% selten, 32% manchmal) und knapp 9% geben an, sogar oft schwänzende Schüler/innen zu haben.

So kann festgehalten werden, dass praktisch alle befragten Lehrpersonen (98%) bereits einmal mit dem Phänomen des Schulschwänzens befasst waren und damit umgehen mussten. Schulabsentismus kann daher empirisch begründet als soziale Tatsache bezeichnet werden, was sich auch mit den Auskünften der Schüler/innen deckt. Über die Klassenebene hinaus sollten die Lehrpersonen für ihre Schule gesamthaft abwägen, inwieweit Schulabsentismus als Belastung vorliegt oder nicht. 19% schätzten, dass die Belastung ihrer Schule durch Absentismus sehr schwach sei, 69% ordneten ihre Schule hingegen als eher stark belastet ein und 12% als sehr stark belastet.

Dies deutet darauf hin, dass Lehrpersonen in ihrer eigenen Klasse andere Erfahrungen im Ausmaß von Absentismus gemacht haben als sie dies von ihren Kollegen mitbekommen und wahrnehmen. Gegenüber weiteren Belastungen an der Schule stuften die Lehrpersonen Schulabsentismus als das geringste Problem ein. Keine Lehrperson würde Absenzen als ‹sehr starke› Belastung bezeichnen und lediglich 12% messen Absentismus ein eher starkes Belastungsgewicht bei. Als das stärkste Problem an den untersuchten Schulen gilt laut den Aussagen der Lehrpersonen das rücksichtslose Verhalten der Schüler/innen untereinander (40% wählen dies als eher starkes bis sehr starkes Problem), gefolgt von fehlendem Respekt gegenüber Erwachsenen (37%). Mobbing, Gewalt unter Schülern sowie Vandalismus sind mit jeweils etwas mehr als 20% in den Augen der Lehrkräfte ebenfalls belastende Faktoren an ihrer Schule.

9.2 Fragen an Lehrpersonen und Schülerschaft

Die Lehrpersonen wurden ebenso wie die Schüler/innen zum allgemeinen Umgangston zwischen Schüler- und Lehrerschaft befragt. Neben diesem Aspekt werden in den folgenden Abschnitten die Gemeinschaft und Rivalität innerhalb der von ihnen unterrichteten Klasse, der Leistungs- und Unterrichtsdruck sowie das außercurriculare Angebot analog zu den Schülerangaben skizziert.



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