Stangier / Heidenreich / Mitte Diagnostik bei Sozialen Phobien
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8409-2043-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band Band 9, 96 Seiten
Reihe: Kompendien Psychologische Diagnostik
ISBN: 978-3-8409-2043-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Soziale Phobien gehören zweifellos zu den in der Praxis häufig anzutreffenden psychischen Störungen. Der Band bietet eine Zusammenstellung aktueller Instrumente zur Diagnostik bei Sozialen Phobien und Sozialen Angststörungen. Neben strukturierten klinischen Interviews ermöglichen vor allem Screening- Instrumente eine erste Abschätzung sozialer Ängste. Mittlerweile liegen auch zahlreiche Verfahren zur Selbstbeurteilung vor, die insbesondere hinsichtlich ihrer psychometrischen Eignung betrachtet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt auf Verfahren, die therapiebegleitend und ergänzend zur Exploration eingesetzt werden können. Die praktische Durchführung der entsprechenden diagnostischen Sequenzen, also die Eingangsdiagnostik, die therapiebegleitende Diagnostik und die Evaluation der Therapieergebnisse, wird an einem Fallbeispiel anschaulich erörtert. Schließlich wird auf Besonderheiten des diagnostischen Vorgehens im Kindes- und Jugendalter eingegangen.
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1;Vorwort der Herausgeber;6
2;Inhaltsverzeichnis;8
3;1 Beschreibung des Störungsbildes;11
3.1;1.1 Symptomatik der Sozialen Phobie;11
3.2;1.2 Epidemiologische Daten, Komorbide Störungen;18
4;2 Differenzialdiagnostische Abgrenzung der Sozialen Phobie;20
5;3 Interviewverfahren zur Diagnostik der Sozialen Phobie;24
5.1;3.1 Internationale Diagnosen Checklisten (IDCL);25
5.2;3.2 Strukturiertes Klinisches Interview (SKID);25
5.3;3.3 Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen ( DIPS);28
5.4;3.4 Composite International Diagnostic Interview (CIDI);30
6;4 Erfassung des Gesamtschweregrades;32
6.1;4.1 Selbstbeurteilungsinstrumente;32
6.2;4.2 Fremdbeurteilungsinstrumente;39
6.3;4.3 Weitere Verfahren;43
7;5 Behaviorale Diagnostik in sozialen Situationen;47
7.1;5.1 Erfassung von Vermeidungsverhalten;47
7.2;5.2 Erfassung von Sicherheitsverhalten;47
7.3;5.3 Erfassung der sozialen Kompetenz;48
8;6 Erfassung sozialphobischer Kognitionen;53
8.1;6.1 Situationsspezifische Kognitionen;53
8.2;6.2 Erfassung negativer automatischer Gedanken, Grund berzeugungen und Sicherheitsverhaltensweisen;58
8.3;6.3 Einsatz von Tagebüchern;61
9;7 Diagnostik der Sozialen Phobie im Kindes- und Jugendalter;64
9.1;7.1 Beschreibung des Störungsbildes;64
9.2;7.2 Differenzialdiagnostik;66
9.3;7.3 Allgemeine Aspekte;66
9.4;7.4 Interviewverfahren;68
9.5;7.5 Selbstbeurteilungsverfahren;70
9.6;7.6 Weitere Verfahren;74
9.7;7.7 Rollenspiele und Verhaltensbeobachtungen;77
10;8 Anwendungsbeispiel;79
10.1;8.1 Fallbeispiel;79
10.2;8.2 Diagnostische Verfahren;81
10.3;8.3 Differenzialdiagnostik;83
10.4;8.4 Therapieziele und Therapieplanung;84
10.5;8.5 Verlaufsdokumentation und Qualitätskontrolle;85
11;Literatur;88
( S. 23)
Zur objektiven und reliablen Diagnosestellung klinischer Störungen stehen neben Diagnosechecklisten verschiedene strukturierte und standardisierte Interviews zur Verfügung. Obwohl die Kategoriensysteme DSM und ICD Kriterien für eine Diagnose vorgeben, reichen diese nicht für eine reliable Entscheidung aus. Hierfür sind explizite Regeln zur Informationssammlung und -auswertung notwendig, die innerhalb der strukturierten und standardisierten Interviews enthalten sind.
Sie ermöglichen, dass sowohl zwei verschiedene Interviewer die gleiche Diagnose bei einem Patienten stellen, als auch dass ein Interviewer bei verschiedenen Untersuchungszeitpunkten bzw. Patienten die gleichen Kriterien zur Diagnosestellung zugrunde legt. Einige Kliniker befürchten, dass der Einsatz dieser Verfahren durch den Patienten nicht akzeptiert wird und den Beziehungsaufbau zwischen Patient und Therapeut beeinträchtigt.
Nach unserer Erfahrung ist die Akzeptanz durch den Patienten sehr hoch, vor allem wenn das Interview nach einem Erstgespräch durchgeführt wird und dem Patienten Ablauf und Hintergrund erklärt werden. Weit verbreitete strukturierte Verfahren sind das Strukturierte Klinische Interview für DSM-IV (SKID, Wittchen, Zaudig &, Fydrich, 1997) sowie das Diagnostische Interview bei Psychischen Störungen (DIPS, Margraf, Schneider &, Ehlers, 1994).
Im Bereich der standardisierten Interviews ist das Composite International Diagnostic Interview (CIDI,Wittchen &, Semler, 1991) bzw. in seiner überarbeiteten und erweiterten Form das Diagnostische Expertensystem für Psychische Störungen (DIA-X, Wittchen &, Pfister, 1997) hauptsächlich in epidemiologischen Studien gebräuchlich. Strukturierte und standardisierte Interviewverfahren unterscheiden sich dabei insbesondere hinsichtlich der Notwendigkeit eines klinischen Urteils.
Bei strukturierten Verfahren entscheidet der klinisch erfahrene Interviewer ob die Antworten des Befragten für das Erfüllen der diagnostischen Kriterien sprechen. Im Vergleich dazu sind die Beurteilungsgrundlage des standardisierten Interviews ausschließlich die (ja/nein) Antworten des Befragten. Die Auswertung erfolgt vollkommen unabhängig von Entscheidungen des Interviewers und somit können diese Verfahren auch von trainierten Laien durchgeführt werden.
3.1 Internationale Diagnosen Checklisten (IDCL)
Die IDCL (Hiller, Zaudig &, Mombour, 1995) sind 32 Karten, die die Diagnosekriterien der wichtigsten psychischen Störungen nach ICD-10 enthalten. Dazu zählen Affektive Störungen, Angststörungen, Somatoforme Störungen, Abhängigkeit und Missbrauch von psychotropen Substanzen, Psychotische Störungen, Essstörungen und organisch bedingte Störungen. Bei der Anwendung des Verfahrens ist zu beachten, dass auf den Karten nur die diagnostischen Kriterien sowie Kästchen zur Codierung dargestellt sind, d. h. es werden keinerlei Hilfen für das diagnostische Vorgehen, wie z. B. Frageformulierungen, vorgegeben.
Damit eignen sich die ICDL nur für klinisch sehr erfahrene Interviewer. Zudem ist für eine zufrieden stellende Reliabilität und Validität ein Training notwendig, dies gilt allerdings für alle hier aufgeführten Verfahren. Die Dauer des Interviews wird mit ca. 30 bis 70 Minuten angegeben. Für die Soziale Phobie kann die Retest-Reliabilität dieses Verfahrens als nur gering eingeschätzt werden und betrug ê= .49. Für andere Störungen ergaben sich dagegen häufig gute bis sehr gute Kennwerte.
3.2 Strukturiertes Klinisches Interview (SKID)
Das SKID (Wittchen, Zaudig &, Fydrich, 1997) gliedert sich in zwei Komponenten: mit dem SKID-I werden psychopathologische Störungen der Achse I (DSM) diagnostiziert, mit dem SKID-II werden Diagnosen aus dem Bereich der Persönlichkeitsstörungen gestellt. Eine Kodierung ist auch nach ICD-10 möglich.




