Stankewitz | No Matter When | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Love Burns

Stankewitz No Matter When

Roman - Berührende Small-Town-Romance der SPIEGEL-Bestseller-Autorin
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-641-31247-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman - Berührende Small-Town-Romance der SPIEGEL-Bestseller-Autorin

E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten

Reihe: Love Burns

ISBN: 978-3-641-31247-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was ist stärker: Schuldgefühle oder Liebe?

Augenscheinlich genießt Gracie Jones ihr Leben als Kunststudentin in Blossom Lake. Doch als ihre Schwester Stella in die Stadt zurückkehrt, wird Gracie gezwungen, sich ihren Dämonen zu stellen. Die Schuldgefühle wegen der schicksalhaften Nacht, in der ihr Vater bei einem Brand ums Leben kam, werden immer stärker. Gracie greift schließlich zum Alkohol – und baut einen Autounfall. Im Krankenhaus findet sie Trost bei Fynn, ihrem besten Freund aus Kindertagen, der dort als Pflegekraft arbeitet. Je öfter er an ihrem Krankenbett sitzt und mit ihr in Erinnerungen schwelgt, desto tiefer wird die Verbindung zwischen ihnen. Doch Fynn hat keine Ahnung, dass ausgerechnet er Gracies Schuldgefühle noch steigert. Kann sie die Vergangenheit loslassen und sich selbst verzeihen? Oder wird das Feuer zwischen Fynn und ihr unter der Last der Reue erstickt?
Spice-Level: 3 von 5
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KAPITEL 1 Gracie


»Falls du es vergessen haben solltest: Ich bin neunzehn und keine neun mehr, Isaiah!« Ich verdrehe theatralisch die Augen, während ich eine Strähne um meinen heißen Lockenstab wickle und dem besorgten Blick meines Bruders im Spiegel begegne. Er lehnt mit seiner breiten Schulter am Türrahmen, stößt sich dann ab und tritt hinter mich. »Sollen wir das Maßband holen, Kiddo? Denn das sagt definitiv etwas anderes«, neckt er mich und legt anschließend sein Kinn auf meinem Scheitel ab, wobei ich ihm beinahe mit dem Lockenstab den markanten Kiefer verbrenne. Mein großer Bruder hat so ein Gesicht, das man in Metropolen wie New York auf Modemarken-Plakaten erwarten würde.

»Pass doch auf, du Tollpatsch!« Ich stoße ihm mit dem Ellbogen liebevoll in die Rippen, um meine Worte zu untermauern.

»Moment mal. soll der Tollpatsch von uns beiden sein? Als ich das letzte Mal nach dem Begriff gegoogelt habe, tauchte dein Bild in den Suchergebnissen als Erstes auf!« Isaiah nimmt mir den Lockenstab ab, und als die erste, perfekt geformte Locke auf meine Schulter fällt, greift er nach der nächsten Strähne und wickelt sie akribisch um den Stab. Ja, mein vier Jahre älterer und fast dreißig Zentimeter größerer Bruder steht wirklich hinter mir und hilft mir bei meinem heutigen Hairstyling.

»Ich bin nur Teilzeittollpatsch. Ob du es glaubst oder nicht, ich kann auch anders.«

»Das will ich ja nicht abstreiten, aber ich mache mir trotzdem Sorgen, wenn du allein auf irgendeine schäbige Hausparty gehst. Sei ein wenig nachsichtig mit mir.«

»Halt, stopp. Erstens: Das Haus von Bellas Familie ist nicht schäbig, sondern super fancy. Zweitens: Ich bin nicht allein da, weil Bella, ergo die Gastgeberin, meine Mitbewohnerin auf dem Campus ist. Und drittens: Du schmorst gerade meine schönen Haare an!« Dampf steigt von meinem Kopf ab, als wäre ich eine menschgewordene Teekanne.

»Scheiße!« Sofort zieht Isaiah den Lockenstab nach unten, und ich bin heilfroh, dass er meine Strähne mit seiner Unachtsamkeit nicht komplett verkohlt hat. Auch wenn es schon ein wenig nach angesengten Haaren im Badezimmer riecht.

»Das kannst du laut sagen. Nur weil du bei der Feuerwehr arbeitest, heißt es nicht, dass du meine schönen Haare in Brand stecken sollst!« Obwohl ich wütend auf ihn sein will, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich liebe meinen großen Bruder fast genauso sehr wie diesen arschteuren Lockenstab, den ich bei einem meiner zahlreichen Praktika im Hairy Styles geschenkt bekommen habe. Okay, ich liebe ihn mehr, aber das weiß Isaiah längst. Ich spare nicht mit Komplimenten und Liebesbekundungen. Viel eher verteile ich sie großzügig mit beiden Händen.

»Noch mal zurück zum Thema: Ich komme heute Abend bestens klar, Bruderkeks. Ich bin erwachsen und kann sehr gut auf mich allein aufpassen. Tief in deinem Herzen weißt du das, oder?«

»Hmm«, brummt er und fährt sich durch das wuschelige braune Haar, bevor er sich etwas verlegen am Hinterkopf kratzt.

»Wie wäre es, wenn du einfach mitkommst?«, schlage ich vor und bin von der Idee ziemlich angetan. »Da sind bestimmt ein paar süße Mädels, die gerne mal deinen Feuerwehrschlauch im Einsatz sehen würden.«

»Gott, Gracie! Hör sofort auf damit!« Isaiah hält sich lachend die Ohren zu und schließt gequält die Augen. »Ich will solche Sachen nicht aus deinem Mund hören, egal, wie erwachsen du sein willst.«

Mein Lachen nimmt neue Ausmaße an, weil es einfach zu viel Spaß macht, ihn zu foppen. Strähne für Strähne verwandle ich meine erdbeerblonde Mähne in eine wahre Lockenpracht. Isaiah hat sich inzwischen auf den Badewannenrand gesetzt und sieht mir bei meinem Styling für die heutige Party zu.

»Ich mein ja nur. Du solltest auch mal ein bisschen rauskommen aus dieser stickigen Bude hier.«

»Geht leider nicht, ich muss heute Abend für Jimmy auf der Wache einspringen.«

»Schon wieder? Langsam glaube ich, dass du auf der Feuerwache wohnst. Hast du überhaupt noch Schlüpfer in deinem Schrank?«

»Erstens«, äfft er mich nach. »Trage ich keine ! Zweitens: Jimmys Tochter wurde heute Morgen geboren, er hat also eine ziemlich gute Ausrede. Und drittens: Wenn die Pflicht ruft, ruft die Pflicht. Ich kann mir gerade keine Ablenkungen erlauben. Und Partys lenken mich ab. Genau wie Frauen.«

»Ich sage ja nicht, dass du von einem Date zum nächsten hüpfen sollst. Nur, dass es sicher nicht schadet, auch mal andere Luft zu schnuppern, als die in eurer vollgefurzten Männerhöhle.«

»Schon vergessen, dass unsere Schwester jetzt auch hier wohnt? Es ist also keine reine Männerhöhle mehr.«

»Zu zwei Dritteln schon! Also, bist du dabei oder bist du dabei?«

Isaiah hebt seine Brauen, bevor er sie nachdenklich zusammenzieht. »Wieso glaube ich, dass du ganz andere Hintergedanken hast, du kleines Monster? Worum geht es dir hier wirklich? Sicher nicht um mein Wohlbefinden!«

»Jaja. Hast mich erwischt. Ich habe vielleicht die Hoffnung, dass du meine Leine ein wenig lockerer lässt, wenn du jemand anderen hast, um den du dich vierundzwanzig sieben sorgen kannst. Das ist alles. Du könntest deine Aufmerksamkeit gerne mal auf ein hübsches Mädchen verlagern und einfach ein wenig Spaß haben.«

»Gib mir Ratschläge in Sachen Liebe, wenn du nicht mehr grün hinter den Ohren bist.« Isaiah steht auf und knufft mir in die Wange. »Außerdem kann ich dir direkt den Wind aus den Segeln nehmen. Ich werde nämlich aufhören, mich um euch zu sorgen.«

Damit meint er unsere Schwester Stella und mich. Nach allem, was unsere Familie nach Paps’ Tod durchgemacht hat, verstehe ich ihn. Ich verstehe ihn so gut! Aber manchmal zerquetscht Isaiah einen auch zwischen seinen tiefen Sorgenfalten. Die hat er definitiv von unserem Vater geerbt. In wenigen Wochen ist sein zehnter Todestag, und beim Gedanken daran würde ich mich gern allein in diesem Bad einschließen und die fiese Realität draußen lassen. Vorhin war die Welt noch wunderschön, und innerhalb eines Augenblicks ist sie bedrückend geworden.

»Wo ist Stella, wenn man sie braucht? Ich fühle mich ein bisschen von ihr im Stich gelassen!«

»Stella ist gerade in Bar Harbour, um ihre letzten Sachen aus dem Tierheim zu holen. Mit ihrer Hilfe kannst du in dieser Debatte also nicht rechnen.«

Das Furry Angels – oder Curry Angels, wie die Autokorrektur meines Handys immer zu schreiben pflegt – ist ein Shelter für Hunde, in dem meine große Schwester bis vor Kurzem gearbeitet hat. Letzte Weihnachten hat sie schließlich entschieden, nach Blossom Lake zurückzukehren. Genauer gesagt in diese WG. Und der Hauptauslöser dafür ist ein gewisser Austin Lakefield, Mitbewohner meines großen Bruders und ehemaliges Football-Sternchen, das jetzt im Blossom Daily als Fotograf Karriere macht. Und seit Neuestem ist er zudem Stellas erster fester Freund. Jedes Mal, wenn ich die beiden zusammen sehe, bekomme ich Herzen in den Augen und Schmetterlinge im Bauch.

Mein Bruder verschwindet aus dem Badezimmer, während ich meinen Look vervollständige. Olivfarbener Lidschatten, der das Grün in meinen gescheckten Augen verstärken soll, ein wenig Blush und zarter Lipgloss landen auf meinem Gesicht. Dann schüttle ich meine Locken ein letztes Mal auf und zwinkere mir im Spiegel zu. Ich sehe aus wie Erdbeerzuckerwatte, und nach zwei Spritzern meines Notparfüms namens Cotton Candy, das ich in der WG meiner Geschwister deponiert habe, rieche ich auch genauso. Nach Jahrmarkt, nach Frühling, nach Süßigkeiten, nach Gracie Jones eben.

Outfittechnisch habe ich mich heute für ein schwarzes Latzkleid entschieden, das mir bis zur Mitte der Oberschenkel reicht. Darunter trage ich eine gelbe Strumpfhose und ein ebenfalls gelbes bauchfreies T-Shirt. Seit einigen Tagen ist der Frühling so richtig in Blossom Lake angekommen, und ich bin unendlich froh, wieder luftigere Klamotten tragen zu können, ohne zu erfrieren. Der letzte Winter war echt verflucht kalt, und ich bin einfach nicht für die tristen Jahreszeiten gemacht. Ich brauche Sonne, saftig grünes Gras und bunte Blumen um mich herum!

Mein Bruder hat sich inzwischen auf das Sofa im Wohnzimmer fallen lassen, um vor seiner Schicht auf der Wache noch ein wenig bei ein paar Folgen zu relaxen. Im Hintergrund höre ich das einmalig ansteckende Lachen von Jake Peralta.

Als Isaiah mich sieht, grinst er. Und verdammt, wie sehr ich dieses Grinsen liebe! Generell gibt es für mich nichts Schöneres als Menschen mit einem ehrlichen, breiten Lächeln im Gesicht.

»Du siehst echt toll aus, Kiddo.« Isaiah begleitet mich zur Tür, wo ich mir meine liebste Jeansjacke mit den bunten Aufnähern überziehe und in meine schwarzen Boots schlüpfe.

»Danke, Bruderkeks. Viel Spaß auf der Wache! Und richte Jimmy die herzlichsten Glückwünsche zur Geburt seiner Tochter aus! Vielleicht male ich ein Welcome-to-our-family-Bild für ihn und seine Frau?«

»Das wäre schön.« Isaiah will mir zum Abschied durch die Haare wuscheln, aber ich weiche in letzter Sekunde elegant aus. »Und du meld dich, wenn etwas ist, okay? Ich lasse mein Handy an. Wenn du von der Party abgeholt werden willst, ruf mich jederzeit an. Egal, wie spät es ist.«

»Kein Bedarf. Ich fahre mit meiner Red Lady zur Party und trinke ohnehin keinen Alkohol, also brauche ich auch kein Taxi.«

»Bist du dir...


Stankewitz, Sarah
Sarah Stankewitz lebt mit ihrem Freund in einer kleinen Stadt am Rande von Brandenburg. Schon in ihrer Kindheit liebte sie es, Worte aneinanderzureihen und Geschichten zu erschaffen. Seit ihrem Debütroman lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf und ist immer wieder auf der Suche nach neuen Inspirationsquellen. Musik, Kerzen und ein bequemer Arbeitsplatz dürfen im Hause der Autorin ebenso wenig fehlen wie ein leckerer Cappuccino. Ihre Geschichten spiegeln das wider, was sie sich stets von einem guten Roman erhofft: Liebe, Leidenschaft und eine Prise Humor. Unter ihrem offenen Pseudonym Sara Rivers schreibt sie prickelnde Erotikromane.



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