E-Book, Deutsch, 264 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Steffen Sam backt sich ins Glück
3. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-96695-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 264 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-96695-6
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Antje Steffen wurde 1969 in Kiel geboren. Die Autorin schreibt seit ihrer Jugend und hat mehrere Fernstudien zum Thema kreatives Schreiben absolviert. Schon während ihres ersten Fernstudiums veröffentlichte sie mehrere Kurzgeschichten in einer Literaturzeitschrift. Es folgten Veröffentlichungen in über 100 Anthologien verschiedener Verlage. Die Autorin hat bereits einige Romane, Kurzgeschichtenbände, Haiku-Sammlungen und weitere Bücher veröffentlicht. Da sie Veränderung wollte, hat sie beschlossen, ihre Bücher bei Tredition neu herauszugeben und freut sich auf die Herausforderungen, die noch auf sie zukommen.
Autoren/Hrsg.
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1
Sam und ihre Schwester Charlie trafen sich regelmäßig, um miteinander bummeln zu gehen. Früher hatten sie das jede Woche gemacht. Während Sams Beziehung zu ihrem Ex-Freund war diese Gewohnheit auf der Strecke geblieben. Jetzt, nach Ende des Ganzen, sorgte Charlie dafür, dass die alte Gewohnheit wieder neu belebt wurde. Auch heute war wieder ein Schwesterntag.
„Was hältst du davon, wenn wir etwas essen gehen, Sam? Ich kenne da ein neues Restaurant.“
Sam nickte.
„Das hört sich gut an. Ich könnte eine Stärkung vertragen.“
„Gut, dann folge mir.“
Charlie führte Sam weg von der Haupteinkaufsstraße. Nicht weit davon entfernt befand sich das Lokal. Sam blieb stehen und betrachtete die Fassade.
„Sieht gut aus. Es wirkt, als hätte jemand viel Liebe in die Gestaltung gesteckt.“
Charlie nickte.
„Ja, Mark und sein Bruder haben sich hier einen Traum verwirklicht.“
„Du kennst die Besitzer?“
„Nur den älteren, Mark, wir haben gemeinsam ein paar Kurse besucht.“
Aufmerksam sah Sam ihre große Schwester an. War da mehr zwischen ihr und diesem Mark? Darüber hätte Sam sich gefreut, denn ihre Schwester war schon zu lange allein. Dabei war sie so ein lieber Mensch. Sam wollte besser nicht wissen, wo sie jetzt wäre, wenn es ihre Schwester nicht gäbe.
Charlie wurde unruhig.
„Wollen wir nun reingehen oder hast du es dir anders überlegt?“
„Ich komm ja schon.“ Lachend folgte Sam Charlie ins Restaurant.
Drinnen sahen sie sich um und entschieden sich für einen Tisch am Fenster. Charlie setzte sich und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen.
„Und, Schwesterherz, ist er da?“
Charlie warf Sam einen genervten Blick zu.
„Was meinst du denn? Ich hab mich nur umgesehen.“
Sam grinste, sagte aber nichts mehr.
Kurz darauf kam ein junger Mann an ihren Tisch.
„Hallo, freut mich, euch im Calypso begrüßen zu dürfen. Möchtet ihr schon etwas zu Trinken bestellen?“
Damit reichte er ihnen die Speisekarte. Sam nahm die Karte entgegen. Dabei berührten ihre Finger, die Finger des Kellners. Schnell zog sie diese zurück. Es fühlte sich an, als wenn sie mit den Fingern auf eine heiße Herdplatte gekommen wäre. Dabei wäre fast die Karte runtergefallen.
„Hoppla!“
Geschickt fing der Typ die Karte auf und warf Sam einen neugierigen Blick zu. Die murmelte einen Dank und senkte den Blick.
Charlie räusperte sich.
„Ich nehme eine Apfelschorle.“
„Apfelschorle, okay ...“, er blickte wieder zu Sam.
Die hob kurz die Augen.
„Nehm ich auch, bitte.“
„Alles klar, zwei Apfelschorlen für die Ladies.“
Nach einem weiteren kurzen Blick zu Sam drehte er sich um und entschwand in Richtung Theke.
Charlie musterte ihre Schwester.
„Alles in Ordnung bei dir?“
Sam nickte.
„Alles gut, ich weiß nicht, was da eben passiert ist. Wahrscheinlich meine Nerven.“
Charlie blickte besorgt.
„Wollen wir lieber nur was trinken und dann wieder gehen?“
Sam schüttelte den Kopf.
„Nein, ich hab das im Griff. Du weißt, ich muss mich den Dingen stellen. Dazu gehört auch der Kontakt zu Männern. Ich kann nicht ewig versteckt bleiben.“
Charlie wusste, dass Sam Recht hatte, trotzdem machte sie sich Sorgen. Es war noch nicht lange her, seit Sam mit diesem fiesen Typen zusammen gewesen war. Charlie machte sich immer noch Vorwürfe, dass sie nicht früher gemerkt hatte, was da lief.
Kurz darauf kam der Kellner wieder und brachte ihre Getränke.
„Und habt ihr schon gewählt?“
Er sah von einer zur anderen. Charlie lächelte und sagte: „Wir brauchen noch einen Moment.“
„Geht klar, dann komm ich gleich noch mal wieder.“
Die beiden schlugen die Speisekarten auf und vertieften sich ins Angebot.
Ein paar Minuten später kam der Kellner erneut an den Tisch. Er hatte gesehen, dass sie die Karten beiseitegelegt hatten.
„Nun, was darf ich euch bringen?“
Charlie antwortete zuerst.
„Ich hätte gern den Salat mit den gebratenen Putenstreifen und dazu das Knoblauchbaguette.“
Er wandte sich an Sam.
„Und du?“
Sam hob den Kopf und sah dem Typen ins Gesicht.
„Ich hätte gern die Schweinemedaillons mit Pommes und Salat.“
„Gute Wahl, wenn ich das mal sagen darf.“
Er lächelte Sam an und sie schaffte es, das Lächeln zu erwidern.
Nachdem der Kellner die Bestellung aufgenommen hatte, verschwand er in Richtung Küche.
Während die Schwestern auf ihr Essen warteten, unterhielten sie sich über ihre Pläne für das Wochenende. Sam erzählte gerade, dass sie sich ein schönes, faules Wohlfühlwochenende machen wollte, als ein Mann an ihrem Tisch auftauchte.
„Hey, Charlie! Schön dich hier zu sehen. Du bist die Erste aus dem Kurs, die in unser Restaurant gekommen ist.“
„Hallo, Mark! Das Calypso gefällt mir. Ihr habt es gemütlich eingerichtet.“
„Danke!“ Er wandte sich Sam zu. „Hey, ich bin Mark, mir und meinem Bruder John gehört das Restaurant.“
„Hallo, ich bin Sam, Charlies Schwester.“
„Freut mich, dich kennenzulernen, Sam. Lasst es euch schmecken. Euer Essen ist gleich da.“
„Danke, Mark.“
Mark verließ den Tisch und verschwand wieder in Richtung Küche.
Sam sah zu Charlie.
„Das ist also Mark. Nett, dass er uns extra begrüßt hat.“
Charlies Haut überzog eine leichte Röte.
„Ja, Mark ist wirklich nett.“
Sam lächelte. Da war wohl doch mehr, als nur gemeinsam besuchte Kurse. Sie hoffte für ihre Schwester, dass Mark ebenfalls Interesse hatte.
Bevor sie noch etwas sagen konnte, stand der Kellner erneut neben ihrem Tisch und servierte das Essen. Er wünschte ihnen guten Appetit und drehte sich um.
Sam sah ihm hinterher, wendete sich aber schnell ihrem Essen zu, als sie sah, dass er sich noch einmal zu ihnen umdrehte.
Charlie beobachtete ihre Schwester. Sollte die tatsächlich aus dem Schneckenhaus rauskommen, in das sie sich nach der Geschichte mit Carsten zurückgezogen hatte?
Die beiden jungen Frauen ließen sich ihr Essen schmecken. Es schmeckte wirklich gut, und sie genossen es.
Nachdem sie fertig waren, gab Charlie dem Kellner ein Zeichen, damit er die Rechnung brachte.
Dieser druckte den Bon aus und trat zu ihnen an den Tisch.
„Ich hoffe, es hat alles geschmeckt?“
„Ja, danke, das Essen war sehr gut. Wir werden bestimmt mal wiederkommen. Was meinst du, Sam?“
Sam nickte.
„Bestimmt!“
Sie spürte den Blick des Kellners auf sich. Nach kurzem Zögern hob sie den Kopf und sah ihm in die Augen. Es blieb jedoch bei einem kurzen Blick, dann senkte Sam den Kopf wieder.
Charlie bezahlte und die beiden standen auf, um das Lokal zu verlassen. Dabei berührte Sam zufällig den Arm des Kellners. Sofort zuckte sie wieder zurück.
„Tut mir leid.“
Er lächelte sie an.
„Ist doch nichts passiert.“
Sam nickte, sie dachte: Und ob etwas passiert ist. Ich weiß nur nicht, ob mir das gefällt.
Die Schwestern verließen das Lokal und bald darauf trennten sich ihre Wege, da Charlie noch einen Termin hatte. Zwar wäre sie lieber noch bei ihrer Schwester geblieben, konnte den Termin jedoch nicht absagen. Sie begleitete Sam nach Hause. Die wohnte nur ein paar Straßen weiter. Vor dem Haus blieben sie noch einen Moment stehen.
„Geht es dir gut?“
Sam lächelte.
„Mir geht es gut! Mach dir keine Sorgen. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, männliche Wesen näher an mich ran zu lassen.“
Nach einem prüfenden Blick nickte Charlie.
„Okay, aber du weißt, du kannst mich jederzeit anrufen.“
„Ich weiß! Danke, Schwesterherz.“
Sam beugte sich zu Charlie und gab der Schwester einen Kuss auf die Wange, dann öffnete sie die Tür und stieg aus dem Auto.
Charlie sah Sam hinterher, bis diese im Haus verschwunden war. Erst dann startete sie den Motor und fuhr davon.
Sam ging nach oben in ihre Wohnung. Sie wohnte im zweiten Stock, in einer kleinen eineinhalb Zimmerwohnung, in der sie sich sehr wohl fühlte. Nichts in der Wohnung erinnerte sie an Carsten und ihre Zeit mit ihm. Sie hatte einen vollkommenen Neuanfang gemacht.
Sam packte die Sachen aus, die sie mit Charlie gekauft hatte. Es war schön, mit ihrer Schwester unterwegs zu sein. Sam freute sich auch, dass Charlie sich, wie es aussah, für Mark interessierte. Vor allem, da sie das...




