Stein | Der Notarzt 511 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 511, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

Stein Der Notarzt 511

Nicht mehr meine Zukunft
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8949-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Nicht mehr meine Zukunft

E-Book, Deutsch, Band 511, 64 Seiten

Reihe: Der Notarzt

ISBN: 978-3-7517-8949-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Johanna Sommer war sich immer sicher, Ärztin werden zu wollen - bis ein Schicksalsschlag während ihres praktischen Jahres alles ins Wanken bringt. Der Tod ihres Patienten Mika, dem sie näherstand, als sie jemals zugeben wollte, erschüttert sie zutiefst. Plötzlich zweifelt sie an allem: an ihrem Beruf, an sich selbst - und daran, ob sie die Kraft hat, Menschen in ihrer dunkelsten Stunde beizustehen. In der Umkleide, nur Augenblicke vor ihrem endgültigen Abschied, steht sie unerwartet Elias gegenüber - dem Kollegen, der sie besser versteht, als ihr lieb ist. Er ringt um die richtigen Worte, um sie zum Bleiben zu bewegen. Doch Johanna hat ihre Entscheidung längst getroffen ...

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Nicht mehr meine Zukunft


Medizin war ihr Leben, doch dann kam alles anders

Caro Stein

Johanna Sommer war sich immer sicher, Ärztin werden zu wollen – bis ein Schicksalsschlag während ihres praktischen Jahres alles ins Wanken bringt. Der Tod ihres Patienten Mika, dem sie näherstand, als sie jemals zugeben wollte, erschüttert sie zutiefst. Plötzlich zweifelt sie an allem: an ihrem Beruf, an sich selbst – und daran, ob sie die Kraft hat, Menschen in ihrer dunkelsten Stunde beizustehen.

In der Umkleide, nur Augenblicke vor ihrem endgültigen Abschied, steht sie unerwartet Elias gegenüber – dem Kollegen, der sie besser versteht, als ihr lieb ist. Er ringt um die richtigen Worte, um sie zum Bleiben zu bewegen. Doch Johanna hat ihre Entscheidung längst getroffen ...

Medizinstudentin Johanna Sommer blinzelte gegen das Licht der Neonröhren an. Die Uhr im Schockraum zeigte, dass es halb vier Uhr in der Nacht war. Johannas Augen brannten dementsprechend vor Müdigkeit, und ihr Mund war trocken, da sie schon seit Stunden nichts mehr getrunken hatte.

Aber es war nicht an der Zeit, irgendwelchen Bedürfnissen nachzukommen. Sie musste funktionieren, immerhin wollte sie Ärztin werden.

»Johanna, bereite die Thoraxdrainage links vor. Sofort!« Dr. Peter Kersten, der Leiter der Notaufnahme, beugte sich über einen verletzten Motorradfahrer, der vor wenigen Minuten eingeliefert worden war. Der Mann war mit einem Lastwagen zusammengestoßen und hatte mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen davongetragen, von denen sie noch nicht wussten, wie schwer sie tatsächlich waren.

Die Achtundzwanzigjährige nickte und zog sich mechanisch neue sterile Handschuhe über. Der Rand riss fast, da sie nicht richtig aufpasste, sondern in Gedanken schon mit ihren nächsten Handgriffen beschäftigt war.

Dann platzierte sie Drainageschlauch, Klemme, Tupfer, Skalpell und eine Pinzette in der richtigen Reihenfolge auf dem Instrumententisch. Das Abdecktuch legte sie über den Brustkorb des Patienten, um so das Operationsfeld einzugrenzen.

Für einen Moment hielt sie inne. Wie war das noch im Seminar an der Uni gewesen? Wenn die Drainage links sein sollte, musste der Schnitt zwischen der fünften und sechsten Rippe mittig gesetzt werden.

»Hier«, murmelte sie zu sich selbst. Sie markierte die Stelle mit einem Stift, was gar nicht so einfach war, da sich der Brustkorb des Mannes wie ein schlaffer Gummiballon hob und senkte.

»Fertig«, sagte sie schließlich. Ihr Herz klopfte etwas schneller, als Dr. Kersten einen prüfenden Blick auf ihre Markierung warf. Er nickte und nahm das Skalpell.

Erleichtert atmete Johanna aus. Sie wollte keinen Fehler machen, immerhin war das praktische Jahr ein wichtiger Teil, um ihr Studium erfolgreich abzuschließen.

Dr. Kersten setzte einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen, damit die Luft entweichen konnte. Ansonsten würde sie von innen auf die Lunge drücken, was unweigerlich zum Erstickungstod führen würde.

Der Monitor, der die Vitalwerte anzeigte, piepte währenddessen wie ein Alarmsignal, das an Johannas Nerven zerrte, aber daran würde sie sich mit der Zeit sicherlich gewöhnen.

Den erfahrenen Notarzt schien die Geräuschkulisse nicht zu irritieren. Er führte die Drainage mit ruhigen Handgriffen durch, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Johanna hätte bei dieser Aufgabe wohl vor Aufregung gezittert.

Angespannt hielt sie den Atem an. Das war einer jener Momente, die zwischen Leben und Tod entschieden. In den letzten Wochen hatte sie bereits einiger solcher Momente miterlebt, aber trotzdem schoss jedes Mal das Adrenalin durch ihren Körper.

Dann hörte sie ein leises Zischen, als die Luft aus der Brusthöhle wich. Beinahe zeitgleich piepte der Monitor mit den Vitalwerten ruhiger und gleichmäßiger. Die Linie auf dem Bildschirm hob und senkte sich rhythmisch. Der Mann würde überleben.

Johannas Herz klopfte schneller. Sie hatte dazu beigetragen, einem Menschen das Leben zu retten. Das Glücksgefühl rauschte durch ihre Adern und machte sie ganz kribbelig. Am liebsten wäre sie auf und ab gehüpft, um ihrer Freude Luft zu machen, aber das gehörte sich im Schockraum ziemlich sicher nicht.

Stattdessen tauschte sie einen Blick mit Dr. Hannes Fischer, dem knapp sechzigjährigen Anästhesisten. Er nickte ihr zu, als wollte er ihr damit sagen, dass sie ihre Arbeit gut gemacht hatte.

Sie nahm Dr. Kersten das Skalpell ab und legte es in die Schale mit den benutzten Instrumenten.

»Das war Schritt eins«, sagte der Arzt in die Runde, »sehen wir uns nun die Organe an ... Johanna, Ultraschall bitte.«

***

Völlig gerädert schlurfte Johanna eine Stunde später aus dem Schockraum. Die OP des verunglückten Motorradfahrers hatte sich in die Länge gezogen, sodass ihre Euphorie allmählich verblasst war und stattdessen wieder die Müdigkeit überhandgenommen hatte.

Sie schleppte sich in Richtung Bereitschaftsraum, wo sie sich zumindest für ein paar Minuten hinlegen wollte. Danach würde sie sich wohl einen Liter Kaffee einflößen, um die letzten Stunden bis zum Schichtende zu überstehen.

Es war ihre erste Nachtschicht in der Sauerbruch-Klinik. Zu Beginn ihres praktischen Jahrs war man so gnädig gewesen, sie für die Tagschichten einzuteilen, bis sie sich etwas an den Klinikalltag gewöhnt hatte. Aber damit war es nun vorbei, und sie musste gegen ihren natürlichen Körperrhythmus ankämpfen, um ihren Aufgaben gerecht zu werden.

Eigentlich hatte sie von Anfang an gewusst, dass ihre Anfangszeit in der Klinik nicht einfach werden würde. Immerhin arbeiteten ihre Eltern und ihr Bruder Andreas ebenfalls als Ärzte, wenn auch in der eigenen Privatpraxis.

Johanna hatte sich aber bewusst dagegen entschieden und wollte Erfahrung in einer großen Klinik sammeln. Schließlich musste sie sich irgendwie vom Rest ihrer Familie abheben, ansonsten hätte man sie ständig mit ihrem älteren Bruder verglichen, der mit seinen dreiunddreißig Jahren bereits als chirurgisches Genie galt.

Sogar ihre Großeltern waren Mediziner, also war es nur logisch, dass sie ebenfalls diesen Weg einschlug. Ihre Familie war so stolz auf sie gewesen, als sie sich für das Medizinstudium eingeschrieben hatte und so die langjährige Tradition fortsetzte.

»Und wie läuft die Nachtschicht?« Ihr Kollege Elias Roth kam mit einem unverschämt breiten Grinsen auf sie zu. Er befand sich bereits im dritten Ausbildungsjahr als Assistenzarzt in der inneren Medizin und war ihr damit ein Stück weit voraus. Trotzdem war er seit ihrem Arbeitsbeginn in der Klinik zu einer wichtigen Stütze geworden, auf die sie nicht mehr verzichten wollte.

Gleich an ihrem ersten Tag hatte eine Patientin Johanna scharf angefahren und darauf bestanden, dass jemand Erfahrenes sich um sie kümmerte. Elias hatte das mitbekommen und war für sie eingesprungen. Anschließend war er mit Kaffee und einer Tafel Schokolade in den Bereitschaftsraum gekommen, wohin sich Johanna heulend zurückgezogen hatte.

Seitdem bestand diese zarte Verbindung zwischen ihnen, die irgendwo zwischen Freundschaft und dem leisen Kribbeln beginnender Verliebtheit hin und her pendelte.

Sie lächelte ihn schief an. »Ich verstehe endlich, was die Leute meinen, wenn sie sagen, ihre Beine wären mit Blei gefüllt.«

Elias schnaubte amüsiert. »Tja, willkommen in der Notaufnahme.« Er hob die Hand, als wollte er ihr auf die Schulter klopfen, schien es sich in der letzten Sekunde aber anders zu überlegen und vergrub die Hand stattdessen in seiner Kitteltasche.

Manchmal kam es Johanna so vor, als ob er bewusst Berührungen zwischen ihnen vermied, um ihr nicht zu nahe zu treten. Dabei hätte sie nichts dagegen gehabt. Vor allem jetzt verspürte sie den Drang, sich gegen seine Brust zu lehnen und die Augen zu schließen. Sie war so müde, dass sie auch im Stehen schlafen würde. Aber die Vorstellung, dass sie jemand von den Kollegen sehen könnte, wie sie in Elias' Armen lag, ließ sie standhaft bleiben. Als Medizinstudentin im praktischen Jahr sollte sie sich professionell verhalten und sich nicht wie ein verliebter Teenager aufführen.

»Wie wäre es, wenn du dich mal kurz hinsetzt und ich dir einen starken Kaffee bringe?«

Johanna seufzte und fuhr sich durch die kinnlangen blonden Haare.

»Du kannst Gedanken lesen, weißt du das?«

Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, hörte sie auch schon die Sirenen eines Rettungswagens. Kurz darauf flackerte das Blaulicht durch die Fenster in den Flur der Notaufnahme.

Entmutigt ließ Johanna die Schultern sinken.

»Das wird wohl nichts mit der Pause.«

Gemeinsam mit Elias eilte sie in den Eingangsbereich. Von draußen hörte sie, wie die Türen des Rettungswagens geöffnet und zugeschlagen wurden, gefolgt vom Rattern des Transportbettes.

Zwei Sanitäter rollten den Patienten herein. Einer von ihnen war Jens Jankovsky, der mit seinen fast zwei Metern Körpergröße die meisten Menschen überragte.

»Was haben wir?« Elias war vor ihr bei dem Patienten.

»Männlich, neunundzwanzig, plötzlicher Schwächeanfall, war eventuell bewusstlos,...



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