E-Book, Deutsch, Band 2829, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Stern Perry Rhodan 2829: Im Land der Technophagen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-2828-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Jenzeitigen Lande"
E-Book, Deutsch, Band 2829, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2828-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Auf dem Weg durch ein phantastisches Gebiet - zum Wrack eines Richterschiffes Auf der Erde schreibt man das Jahr 1518 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ). Die Menschen haben mit der Liga Freier Terraner ein großes Sternenreich in der Milchstraße errichtet; sie leben in Frieden mit den meisten bekannten Zivilisationen. Doch wirklich frei ist niemand. Die Milchstraße wird vom Atopischen Tribunal kontrolliert. Dessen Vertreter behaupten, nur seine Herrschaft verhindere den Untergang - den Weltenbrand - der gesamten Galaxis. Atlan, der unsterbliche Arkonide, will dem Tribunal in dessen Machtzentrum gegenübertreten, um die Wahrheit zu erfahren. Bis zur Passagewelt Andrabasch ist er bereits vorgestoßen, doch ohne eine besondere Berechtigung endet sein Weg dort. Seine einzige Chance ist die Hilfe des geheimnisvollen Pensors. Auf dem Weg zu ihm landet er IM LAND DER TECHNOPHAGEN ...
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Mehr noch als den kybernen Körper
ehren wir das kyberne Gesetz in uns,
das uns größere Wärme zu geben vermag
als jeder Sonnenstrahl.
Aus den Lehrsätzen des Ehernen Tog
3.
Überlebende
Der Cüüne schwankte in der sitzenden Position, kippte zur Seite. Ich fing ihn auf, half ihm, sich hinzulegen. »Mein Name ist Atlan da Gonozal. Mein Begleiter heißt Shukard Ziellos. Wir waren in der Nähe und hörten Kampflärm. Es hat dich ziemlich schlimm erwischt. Wie fühlst du dich?«
Der Translator übersetzte mit geringer Verzögerung.
»Ich habe einen großen Teil des biologischen Schmerzes abgestellt. Dank Ihrer Hilfe bin ich außer Lebensgefahr. Sind Sie Händler, die Dreerimwerk gegen Geschichten tauschen wollen?«
Ich öffnete den Mund, um es zu bestätigen – es wäre einfach gewesen. Doch etwas hielt mich zurück. Eine Intuition. »Nein. Wir sind Reisende. Wie ist dein Name?«
Der Kopf des Cüünen zuckte. »Ich bin Gosgad Hehrer von Trynn. Bin ich der einzige Überlebende?«
»Wir haben keine weiteren angemessen«, sagte Shukard. »Aber unsere Geräte arbeiten durch die Störstrahlung teilweise fehlerhaft.«
»Suchen Sie nach anderen!«, bat Gosgad. Er griff Shukards Hand mit dem Mehrzweckmesser. In seinen großen, krallenartigen Pranken verlor sie sich beinahe. »Ich werde ohnehin einen Moment der Regeneration brauchen. Sie haben genug getan, Shukard Ziellos.«
Shukard warf mir einen fragenden Blick zu. Ich nickte und stand auf. Der Cüüne machte trotz seiner schweren Verletzungen einen orientierten und klaren Eindruck. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass er einen Moment für sich wollte.
Vielleicht will er euch loswerden, gab der Extrasinn eine andere Interpretation.
Vielleicht. Auch wenn ich keinen Grund dafür erkenne.
Ich entfernte mich ein Stück, ging an zwei Leichen mit verdrehten Hälsen vorbei und betrachtete das Werk der Zerstörung.
Technogeflecht lag zerrissen auf dem Felsengrund. Zerbrochene Schalen und Steinstücke, die Cüünen offenbar in der Verzweiflung auf die Technophagen geworfen hatten, vermischten sich mit weißem Pulver und braungrünem Blut.
Die Vorhalle und das eigentliche Lager hatte über vierzig Cüünen eine Heimat geboten. Zahlreiche Bildhauerarbeiten – vielleicht von Schnäbeln oder Kieferdornen gefertigt – zierten die Wände und zeigten Cüünen beim Spiel, bei einer Art Tanz, gemeinsam ebenso wie allein.
Der Ort wirkte geschändet.
Shukards Augen glänzten feucht. »Hier lebt niemand mehr«, sagte der Genifer nach einer Weile. »Gehen wir zurück.«
Als wir wieder zum Eingang kamen, lehnte Gosgad Hehrer von Trynn in sitzender Haltung an der Wand und schaute uns entgegen. Auch wenn mir die Mimik des Vogelartigen fremd war, wusste ich, dass sie Erschütterung und Trauer zeigte. »Kein Einziger?«
»Nein.«
Die spitzen Augen zogen sich an den Kopf zurück. Gosgads Haut schimmerte gräulich zwischen den roten Haaren hervor. »Ich habe unsere Nachbarn gewarnt. Sie versiegeln die Zugänge der anderen Siedlungen. Werden Sie mich unterstützen, die nächstgelegene zu erreichen? Sie heißt Godirs Klamm. Ich kenne einen verborgenen Weg dorthin. Sie und Ihr Begleiter werden willkommen sein, denn Sie haben mir geholfen.«
»Wir helfen auch weiterhin«, sagte ich.
Wir suchten ohnehin einen Cüünen, der uns zur WEYD'SHAN führen konnte. Außerdem war es die ideale Gelegenheit, mehr über die Technophagen und das Richterschiff zu erfahren.
Bisher wussten wir lediglich, dass an Bord der WEYD'SHAN der Pensor leben sollte, ein Pilot, der eine Lizenz hatte, in die Jenzeitigen Lande vorzustoßen.
Shukard deutete zur inneren Höhle. »Ich habe einen Stuhl auf mehreren Rollkugeln gesehen. Soll ich ihn holen?«
»Gerne, Shukard Ziellos.«
Ich deutete auf den Trümmerhaufen, den die Angreifer hinterlassen hatten. »Was weißt du über die Pflanzenhybridwesen?«
»Es sind Technophagen.« Gosgad zog den Hals ein. »Die Antikörper der WEYD'SHAN.«
»Antikörper?« Der Begriff weckte unwillkürlich eine Assoziation. Ich glaubte, ihn intuitiv zu verstehen, doch ich wollte sicher sein.
»Sie wissen von der WEYD'SHAN?«
»Das Schiff, das im Herzen des Technoverbands liegt. Was genau ist mit ihm geschehen?«
»Eine gute Frage.« Der Cüüne nestelte mit einer Hand am gegenüberliegenden Arm, der biologisch war, bis auf ein silbernes Geflecht metallener Adern. »Eine Frage, auf die es mehrere Antworten gibt. Ich werde Ihnen eine geben. Die WEYD'SHAN ist havariert. Sie hat eine Wunde in den Planeten geschlagen. Der Einschlagskrater reicht tief. Darüber liegt der Technoverband. Ein Geflecht aus dem Material, das sich in Ausläufern und Abspaltungen in unserem Lager findet. Es bedeckt die Klamm.«
»Das bedeutet, dass die Technophagen Teile des Technogeflechts aus dem Einschlagsbereich rund um das Richterschiff sind?«, schlussfolgerte ich.
»So ist es.«
»Aber Sie und Ihre Mitstreiter haben das Technogeflecht beeinflusst.« Da der Cüüne sich an eine distanziertere Ansprache hielt als unser galaxisweites Du, wechselte ich ebenfalls zu ihr über.
»Das stimmt. Das Geflecht vor Ort. Wir befehligen es, wenn es nötig ist. Rund um die WEYD'SHAN liegt ein anderes Verhältnis vor. Dort hat sich der Technoverband mit dem Richterschiff vereinigt und ist zu etwas Neuem, Einzigartigem geworden.«
»Und dort entstehen die Technophagen.«
»Ja. Sie sind wie Antikörper eines lebendigen Organismus, die alles angreifen, was die WEYD'SHAN bedroht, aber ...« Die klickernde und klackernde Stimme Gosgads brach. »Ich ... ich verstehe nicht, warum sie das getan haben. Der Pensor zürnt uns, wie seit unzähligen Generationen nicht mehr. Vielleicht sogar niemals in diesem Ausmaß. Wir müssen herausfinden, was es damit auf sich hat, und seine Wut besänftigen.«
Ich überlegte, dem Cüünen von meinen Vermutungen zu erzählen, aber schreckte davor zurück – noch. Erst wollte ich mehr über die Cüünen und den Pensor wissen. »Die WEYD'SHAN fühlt sich demnach bedroht?«
»So muss es sein. Doch wir sind keine Gefahr für sie. Sie ist der Hort des Pensors, das Herz des Verbands und unserer Welt. Es gibt nichts, was wir mehr ehren würden.«
Gosgad verstummte, sodass ich Zeit hatte nachzudenken. Shukard kam währenddessen mit dem Kugelsessel näher und half dem Cüünen, hineinzusteigen.
Es passte alles zusammen. Die WEYD'SHAN zeigte seit unserer Ankunft auf Andrabasch Aktivitäten. Seitdem spuckte das Geflecht um sie vermutlich die Technophagen aus. Um mich aufzuhalten? Vieles deutete darauf hin.
Aber warum? Inwiefern war ich eine Gefahr für das Schiff? Zunächst einmal suchte ich das Gespräch mit dem Pensor. Ich hatte weder vor ihn zu töten noch die WEYD'SHAN zu zerstören. Im Gegenteil.
Der Cüüne stieß einen dunklen Laut aus, vermutlich einen Schmerzensschrei. Seine Hautfarbe war kalkweiß. Wir mussten uns beeilen.
»Wie finden wir das andere Lager?«
»Dort entlang!« Gosgad wies mit Schnabel und Kieferdornen voraus. »Folgen Sie dem Weg dicht an der Felskante. In zwei Speerwürfen erreichen wir ein Hindernis aus Technogeflecht, das ich beeinflussen kann. Es wird den Zugang zum Tunnel freigeben.«
Shukard schob den Rollsessel mit aller Kraft voran. Ich meinte zu verstehen, was ihn antrieb. Er wollte diesem furchtbaren Ort den Rücken kehren.
Obwohl auch ich das verwüstete Lager hinter mir lassen wollte, ging ich langsam. Ein da Gonozal rannte nicht vor einem Unglück davon, selbst wenn es diese Größenordnung hatte.
Einmal Kristallprinz, immer Kristallprinz, spottete der Extrasinn. Dabei könnte man meinen, dass du auf der ATLANC und an anderen Orten genug Zeit hattest, über deine imperiale Abstammung hinwegzukommen.
Warum sollte ich jemals darüber hinwegkommen wollen? Ich ehre meine Wurzeln.
Darauf wusste der Extrasinn ausnahmsweise keine Erwiderung. Vielleicht ersparte er sie mir auch.
Shukard schnaufte. Trotz der Kälte lag Schweiß auf seiner Stirn.
Je weiter wir den Lagerbereich hinter und ließen, desto rascher sank die Temperatur.
Inzwischen war es Nacht. Von oben drang kein Licht mehr in die Tunnellöcher. Dafür schimmerten winzige Leuchtpunkte im Technogeflecht auf, die Orientierung erlaubten. Die Cüünen mussten sie irgendwie in die Masse eingefügt haben. Direkt neben uns fiel der Felsen steil ab. Ein eisiger Hauch zog aus der Tiefe herauf.
Mich fröstelte. Statt meinen Schutzponcho aus dem Rucksack zu holen, löste ich Shukard ab. Nachdem ich eine Weile abgewartet hatte, fragte ich den Cüünen: »Sie sagten, die Havarie der WEYD'SHAN sei nur eine Antwort. Was sind die anderen?«
»Es gibt viele Erzählungen zum Absturz der WEYD'SHAN. Wenn Sie möchten, werde ich Amtum Hehre von Orbagosd bitten, Ihnen die vierfache Legende vorzutragen, sobald wir in Godir angekommen sind. Sie ist eine Wahrerin, wie ich ein Schützer bin.«
»Sie bewahrt Legenden und Erzählungen?«
»Sicher. Was gibt es Wichtigeres?«
Das passte zu der Währung auf diesem Planeten: Geschichten.
Ich dachte an den Konfigurator, der Lua Virtanen und Vogel Ziellos abgeholt und zur ATLANC zurückgebracht hatte.
Und uns die Tesqiren beschert hat, erinnerte der Extrasinn.
Als ob ich das vergessen könnte. Dank der beiden Tesqiren und des Balgs hatten wir über Stunden festgesessen. Die scheinbar harmlosen Münder des Atopischen Tribunals waren...




