E-Book, Deutsch, Band 2978, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Stern Perry Rhodan 2978: Der Spiegelteleporter
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8453-5078-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Genesis"
E-Book, Deutsch, Band 2978, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-5078-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Davon ist er in diesen Tagen des Jahres 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung allerdings weit entfernt: In der von der Superintelligenz ES verlassenen Milchstraße machen sich Boten anderer Superintelligenzen breit, ebenso alte Feinde von ES und neue Machtgruppen. Eine dieser Machtgruppen ist der sogenannte Techno-Mahdi, der das Solsystem unter seine Kontrolle gebracht hat. Sein wichtigster Repräsentant nennt sich Adam von Aures, er scheint nach der völligen Unabhängigkeit von allen Hohen Mächten zu streben. Bei seinen Bemühungen hat er aber etwas ausgelöst, das den Untergang der Milchstraße nach sich ziehen kann: den Weltenbrand. Im Solsystem kämpft Reginald Bull für die Freiheit und gegen den Techno-Mahdi. Dazu bedient er sich eines besonderen Verbündeten: Es ist Kaleb Barasi, DER SPIEGELTELEPORTER ...
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1.
Phänomene
Das Entsetzen hing wie ein übler Geruch in der Zentrale. Niemand sprach in diesen ersten Minuten nach der Explosion des von uns beschossenen Tenders. Aber so gelähmt, wie wir uns innerlich fühlten, so hektisch war die Betriebsamkeit. Wir wollten wissen, was geschehen war, wollten unsere Gewissen reinwaschen vom letzten Fleck des Zweifels, was zum Tod von mehr als tausend Menschen geführt hatte.
Die Luft flirrte von rasch wechselnden Holos, die allzu hastigen Schritte der Besatzung klackten auf dem blaumetallischen Boden. Dann, allmählich, kam ein leises Summen dazu von Gesprächen, Analysen, Meinungen.
Die Stimmung erinnerte mich an die nach einer Schlacht mit hohen Verlusten. Köpfe und Schultern waren gesenkt, Blicke gebrochen, niemand redete laut, als hätten wir Schwerverletzte unter uns, die geschont werden mussten.
Wir untersuchten mit der GOUBAR NANDESE das energetische Chaos, das die Explosion von Tender 97 zurückgelassen hatte. Auch die Verbandsboote taten, was sie konnten, wobei besonders unser Begleitschiff hervorstach, die ROBERT WATSON-WATT, die auf Ortung spezialisiert war. Seit mehreren Stunden kam niemand zur Ruhe. Obwohl es unmöglich schien, im hyperenergetischen Flitter und den zahlreichen höherdimensionalen Phänomenen auch nur ein Bruchstück des zerstörten Tenders aufzuspüren, gaben wir die Hoffnung nicht auf, sehnten uns vergeblich nach einem Wunder. Theoretisch war es möglich, dass der angeflanschte ENTDECKER die Katastrophe überlebt hatte. Der Kugelraumer ließ sich leicht vom scheibenförmigen Rumpf des Projektorschiffs abkoppeln. Doch alles war viel zu schnell gegangen, als dass dies eine realistische Option gewesen wäre.
Ich starrte auf meinen Daumennagel, wartete auf die Ergebnisse der laufenden Tastungen. Der Schock saß mir in den Knochen. Es war ein widerwärtiges Gefühl, das durch meinen Körper kroch, sich dabei zuzog wie die Schlinge an einem Galgen, und jede noch so kleine Zelle einzeln erwürgte.
Kommandantin Cavillaca schwenkte den Sessel in meine Richtung. Ihr Dauerlächeln war verschwunden. Von der sonst stets freundlichen, mütterlichen Art war nichts mehr zu spüren. Ihr Gesicht wirkte so streng wie der zurückgebundene Zopf auf ihrem Hinterkopf, die weißen Haare ebenso nüchtern wie die dunkelblauen, nahezu violetten Augen. »Ein Anruf für Liga-Kommissar Reginald Bull. Hekéner Sharoun ist dran.«
Ich straffte mich. »Aktivier das Holo!«
Vor uns erschien der Oberkörper des Residenten der Liga Freier Galaktiker. Cai Cheung, die Solare Premier, hatte in dieser Angelegenheit alle Befugnisse an ihn abgetreten, da es darum ging, den Kontakt mit dem Rest der Liga wiederherzustellen.
Sharoun sah verkniffen aus, die blaue Haut war eine Spur heller als sonst. Für einen Ferronen war er mit einem Meter siebzig ungewöhnlich groß. Seine Körperhaltung kam mir angespannt vor, wie die eines Menschen, der sich zurückhielt, etwas zu tun. Vielleicht striche er sich am liebsten durch das struppige, kupferfarbene Haar, unterdrückte die Geste jedoch. »Wie ist die Lage?«
»Kein Zeichen von Überlebenden bis jetzt. Es herrscht nach wie vor energetisches Chaos in dem Bereich, in dem Tender 97 explodiert ist. Die Ortung ist stark erschwert, gebietsweise unmöglich. Offenbar wurde die gesamte gespeicherte Menge an Hyperenergie des Tenders schlagartig freigesetzt. Durch diese unkontrollierten Energien haben sich Hyperfelder und Miniatur-Hyperriffs gebildet, die Materie in die Pararealität ableiten. Sie sind zum Glück instabil, räumlich begrenzt und bauen sich rasch ab, aber im Moment kommen wir kaum näher ran.«
»Ich habe den Abschnitt weitläufig zum Sperrgebiet erklären lassen, was euch auch die Reporter eine Weile vom Hals hält. Ist inzwischen klar, wie genau es zur Explosion kam?«
Ich spürte heiße Wut in meinem Bauch. »Klar ist, dass es nicht das genau bemessene Angriffsfeuer meines Einsatzteams war! Der Schirm ist gezielt desaktiviert worden.«
Sharouns Lippen drohten zu verschwinden wie Licht in einem Schwarzen Loch, so fest drückte er sie aufeinander. »Was willst du damit sagen?«
»Du weißt genau, was ich damit sagen will, verflucht! Erspar mir den politischen Zirkus und lass uns Klartext reden: Der Tender wurde gezielt geopfert!«
»Von wem? Und warum?«
»Du stellst Fragen, auf die du die Antworten kennst. Vom Techno-Mahdi natürlich! Und warum? Damit wir die Tender nicht mehr angreifen und vielleicht auch, um die Besatzer vor Ort einzuschüchtern, damit sie nicht auf den dummen Gedanken kommen, zu uns überzulaufen.«
»Einzuschüchtern?«, hakte Sharoun nach. »Dann denkst du, der Mahdi macht seine eignen Leute gewissermaßen ebenfalls zu Geiseln?«
»Ganz bestimmt! Wer will schon aufgeben, wenn sein Leben davon abhängt, und er jederzeit in die Luft gesprengt werden kann? Adam von Aures oder ein anderer aus der obersten Riege der Techno-Mahdisten scheint die Tender für unverzichtbar zu halten – oder besser den TERRANOVA-Schirm. Vielleicht geht es ihnen schlicht um die Macht, die damit verbunden ist. Um ein Zeichen gegen die Liga zu setzen, für die Logokratie.«
Sharoun legte den Kopf schief, berührte mit dem Zeigefinger sein Kinn. Er sah aus, als würde er Garrabo spielen und bereitete gerade einen entscheidenden Zug vor. »Das ist eine Hypothese, Bull. Es ist ebenso gut möglich, dass ein einzelner Techno-Mahdist vor Ort allein entschieden hat, den Tender zu sprengen. Ein Hardliner. Vielleicht auch eine kleinere Fraktion aus Fanatikern in Form einer Splittergruppe. Und genau das würde ich gern herausfinden.«
»Da wir bisher nicht mal materielle Trümmer gefunden haben, werden wir das wohl kaum erfahren.«
Eine Weile schwiegen wir. Ich wusste, dass ich nicht nur meinem Instinkt folgen durfte. Vielleicht steckte etwas anderes hinter der Explosion. Sharouns Einwürfe waren berechtigt.
Nach einigen Sekunden brach ich das Schweigen. »Weitere Angriffe auf die Tender verbieten sich. Wie weit ist das Projekt Paratron-Interruptor?«
»Wir sind in die entscheidende Phase getreten. Das erste Schiff sollte in wenigen Stunden einsatzbereit sein.«
»Gut.«
Cavillaca sprang aus dem Sessel. Sie packte meinen Arm. »Bully! Wir haben sie! Wir haben den ENTDECKER!«
Die Stimmung kippte schlagartig. Köpfe fuhren hoch, Rücken wurden gerade, das leise Flüstern schwoll zu aufgeregtem Gemurmel an. Crewmitglieder standen auf und starrten auf das Hauptholo. Darauf war ein stark ramponierter Kugelraumer der ENTDECKER-Klasse zu sehen, der durch das All trudelte, weit vom Zentrum der Explosion entfernt in den Ausläufern eines Flitterfelds. Im Rumpf gähnten mehrere Löcher. Ein Stück am Pol fehlte. Der Ringwulst hatte sich teilweise gelöst, war weggerissen oder in die Pararealität abgeleitet worden.
Ich erhob mich ebenfalls, weit ruhiger, als ich mich fühlte. »Haben wir Funkkontakt?«
»Positiv!«, meldete Serten Hochstein, der Kommunikationsoffizier. »Kontakt steht! Leider ohne Bild.«
Die Stimme eines Mannes erklang. »Hier spricht Valerion Orill, Kommandant von LORETTA-Tender 97. Dies ist ein Notruf! Ist da jemand?«
»Hier Reginald Bull von der GOUBAR NANDESE. Es tut verdammt gut, eine Stimme aus diesem Chaos zu hören, Val.«
»Die NANDESE ... ich hatte es gehofft. Leider ist unser Schiffsbetrieb stark eingeschränkt, wir haben keine Ortung, die meisten Systeme sind ausgefallen, auch der Transmitter. Die Jets gibt es nicht mehr; die Hangars sind größtenteils weggerissen. Wir haben massive Beschädigungen an Bord. Zum Glück hat die Positronik sämtliche Verriegelungen aufgehoben. Wir können uns wieder frei auf dem Schiff bewegen und haben die Leiche eines Techno-Mahdisten gefunden, der auf unserem Tender verantwortlich war.«
»Wie viele Überlebende?«
»Wir sind an die 500 in der Zentralekugel, die meisten unverletzt. Zur Sicherheit haben wir einen Schutzschirm um den Nukleus gelegt, weil es fluktuierende Hyperriffs an Bord gibt. Wie genau es draußen aussieht, weiß ich nicht, aber die Zentrale zu verlassen, ist tödlich. Sie ist der einzige halbwegs sichere Ort an Bord.«
»Lebenserhaltung?«
»Steht. Aber ich weiß nicht, wann uns die Reaktoren um die Ohren fliegen. Die Belastung hält der Schirm nicht aus. Er ist durch Kollisionen mit Hyperfeldern geschwächt. Die Wechselwirkungen sind grenzwertig. Könnt ihr uns hier rausholen?«
»Ja! Haltet durch! Wir schicken Hilfe!«
»Schön zu hören. Wir warten auf euch. Weglaufen können wir jedenfalls nicht. Orill, Ende!«
Die Stimme brach abrupt ab. Ich betete, dass uns genug Zeit für eine Rettungsaktion blieb.
»Wir brauchen einen transportablen Transmitter da drüben! Und Hypertransbojen, um eine engmaschige Kette durch das Chaos zu garantieren! Holt mir Gucky! Und Barasi gleich mit!«
Statt zu bestätigen, kümmerte sich Cavillaca direkt darum.
Ich spürte das Zittern in meiner Brust. Fünfhundert Überlebende! Das war beinahe die Hälfte und weit mehr, als ich erwartet hatte. Wir mussten diese Terraner retten.
*
Die Geräusche der Stiefelabsätze auf dem Metallplastboden kamen Gucky ungewöhnlich laut vor. Selbst er litt unter der Nähe zur Sonne, obwohl er ein Aktivatorträger war. Er meinte, jede einzelne Strukturlücke zu fühlen, die um die GOUBAR NANDESE geschaltet war. Am liebsten hätte er den Schutzschirm des SERUNS aktiviert.
»Willst du wirklich mitkommen?« Gucky fuhr sich mit der Hand über die langen Haare neben der Nase. Wusste Barasi, was er da tat?
»Liga-Kommissar Bull hat mich angefordert.«
»Davon rede ich nicht! Die Hyperphänomene...




