E-Book, Deutsch, Band 3307, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Stern Perry Rhodan 3307: Gucky und das Mentatron
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6307-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
E-Book, Deutsch, Band 3307, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6307-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
4000 Jahre in der Zukunft ... Wir befinden uns in der Mitte des 23. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Die Menschen leben in Frieden und Freiheit. Von der Erde aus haben sie ein Netz aus Handelsbeziehungen und Bündnissen geschlossen, das zahlreiche Planeten in der Milchstraße umfasst. Perry Rhodan - der Mann, der die Menschheit zu den Sternen geführt hat - beabsichtigt, mit dem Prototypen einer neuen Klasse von Kurierschiffen die Verbindungen zwischen den Mitgliedern seines galaxienübergreifenden Bundes von San zu verstärken. Doch ehe der PHOENIX zu seinem Jungfernflug starten kann, attackiert aus dem Nichts heraus die Leun Shrell die Erde: Sie zündet das Brennende Nichts, das binnen vier Jahren Erde und Mond verschlingen wird, wenn nicht Perry Rhodan in ihre Heimat fliegt, um den dortigen Tyrannen zu töten. Dieser Tyrann sei Reginald Bull, Rhodans ältester Freund, und ihre Heimat, die Agolei, ist weiter entfernt, als selbst der PHOENIX fliegen kann. Shrell stattet das Raumschiff deshalb mit einem Verstärkungsmodul aus, und notgedrungen begibt sich Rhodan auf den Weg zur Agolei. An Bord von Shrells eigenem Raumschiff ELDA-RON befasst sich ein Mausbiber mit einer ganz besonderen Maschine. Die beiden sind GUCKY UND DAS MENTATRON ...
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1.
Rückkehr
Ein Hauch fuhr wie ein Windstoß über Alcots Haut. Dabei hatte er gar keine Haut. Er war ein Gedanke, der aus dem Winterschlaf erwachte. Sein Körper musste erst ins Sein zurückkehren.
Alcot wusste das. Es gab Dinge, die er sofort begriff und rasch einordnen konnte, ohne in Nervenzuckungen zu geraten. In dieser Rezeptorfühlung lag eines dieser Dinge so unmittelbar vor ihm, wie gleich ein Boden unter seinem kopflosen Röhrenleib liegen würde: Jemand holte ihn aus dem Mentatron! Er wiederverstofflichte!
Während das geschah, streiften Alcot andere Informationen. Ihm war, als würde Bonnifer ihm als verschwommener Schemen zuwinken und Wörter raunen. Ein Prickeln an der weichen Unterseite bestätigte den Eindruck. Das Hapt-Netz, in das Alcots Körper wie in einen Kokon gehüllt war, übermittelte ihm einen wichtigen Hinweis, der von Bonnifer kam.
Aber warum ausgerechnet in diesem Moment? Um ihm was zu sagen?
Das Mentatron schien Alcot eine geheime Botschaft anvertrauen zu wollen.
Das Gefühl des Windstoßes verstärkte sich. Aus der Vorstellung wurde Sein, aus einer Illusion von Haut ein reales Organ, das Alcots Körper umschloss und ihn nach außen hin abgrenzte. Er spürte die winzigen Knotenpunkte des Hapt-Netzes und die Millionen Rezeptoren in der Haut wie feine Nadelstiche.
Allmählich begriff Alcot die Tragweite seiner Lage. Seine Härchen zitterten. Freude und Furcht rangen miteinander.
Jemand holte ihn zurück! Und das nach seinem Verrat. Aber wer? War es Bonnifer? Oder ein anderer aus der Mannschaft?
Oder ...
... Shrell?
Licht brachte Alcot zum Schaudern. Seine Muskeln zogen sich zusammen. Tausende Tasthärchen gerieten dank der gleißenden Helligkeit in Aufruhr. Das Synapsengeflecht versetzte Alcot in Alarmbereitschaft und flutete ihn mit Hormonen.
Er hatte seinen Körper zurück! Endlich! Die Träume, Halluzinationen und Illusionen, denen er im Mentatron ausgesetzt gewesen war, fanden in dieser Kontraktion ein Ende. Er war in seinem ursprünglichen Kontinuum angekommen. Zu Hause.
Endlich gab es wieder einen Boden, der ihn trug.
Unter sich spürte Alcot etwas Weiches. Anhand der Textur konnte er es zuordnen. Er lag zusammengerollt auf der schwebenden Zwei-Leun-Mentaplattform und wagte nicht, sich zu bewegen. Sein Körper fühlte sich an wie immer. Vertraut. Als hätte Alcot ihn nie zurücklassen müssen. Er schien stark und gesund zu sein, bis auf das Zittern, das in Wellen über ihn kam.
Um sich zu beruhigen, tastete Alcot mit den Härchen den Untergrund ab. Böden und Untergründe verrieten die Zukunft, wenn man in der Lage war, die Zeichen zu deuten. In ihnen speicherte der Kosmos per Quantenschaum-Transmission geheime Botschaften.
Die Mentaplattform unter Alcot war anschmiegsam, was eine Verheißung bedeuten könnte. Womöglich stand eine strahlende Zukunft bevor. Allerdings kratzte sie zugleich ein wenig. Das war schlecht. Es könnte heißen, dass er in Gefahr schwebte.
Während Alcot sich an die Helligkeit gewöhnte, ließ das Zittern allmählich nach. Aus einem Instinkt heraus stellte er sich ruhend und wartete. Wer immer ihn aus dem Mentatron geholt hatte, würde ihn früher oder später berühren oder ansprechen.
Lange brauchte Alcot nicht zu warten.
»Ich weiß, dass du wach bist«, sagte eine kalte, befehlsgewohnte Stimme. Sie zu hören, war, als stieße jemand mit einem Messer auf Alcots Oberseite ein. Es versetzte seiner Hoffnung auf eine gleißende Zukunft den Todesstoß.
Seine Muskeln zuckten stärker. Das war Shrell! Die Gerechte der Agolei. Die Kommandantin der ELDA-RON stand erhöht vor ihm auf dem Podest mit der ausgefahrenen Kontrollstation. Obwohl sie im Gegensatz zu vielen Intelligenzwesen zierlich war, erschien sie Alcot überlebensgroß.
Könnte Alcot auf einem Ende stehen und sich voll nach oben strecken, wäre Shrell weniger als halb so lang wie er. Dennoch wusste Alcot, wie unterlegen er ihr war. Der Umfang ihrer Oberschenkel übertraf den seines schlauchförmigen Leibs. Shrell nutzte ihre Möglichkeiten, um ihren Willen durchzusetzen. Mit ihren Armen und Beinen hatte sie ihm einiges voraus, wenn es darum ging, anderen Lebewesen Schmerzen zuzufügen. Doch ihr Körper war das geringste Problem. Es war ihr Geist, der nur ein Ziel kannte. Es war ihr Geist, den Alcot zu fürchten gelernt hatte.
Alcot fragte sich, wie Wesen mit Augen Shrell wahrnehmen mochten. Durch seine extreme Lichtempfindlichkeit konnte er schwache Unterschiede in Farben ausmachen. Er wusste, dass Shrells Augen für Sehende »rot« waren. Doch »rot« bedeutete für Alcot etwas anderes, weil seine Sinneszellen es auf ihre eigene Weise wahrnahmen.
Wenn es um Shrell ging, waren es nicht die Augen, die ihr Auftreten dominierten, sondern die Körperhaltung. Alcot fühlte sich »rot«, als Shrell sich ihm zuwandte. Die intensive Aufmerksamkeit machte ihn nervös und sorgte für die Bereitstellung von Energie. Er wollte fliehen!
»Hat es dir die Sprache verschlagen?«, fragte Shrell. »Vermutlich willst du wissen, warum ich dich zurückhole. Ich will gnädig sein. Du bekommst eine zweite Chance. Tritt deinen Posten wieder an! Werde mein neuer Gesellschafter!«
Alcot glaubte, die Tasthärchen hätten ihm einen Streich gespielt. Warum er? Was war mit Bonnifer, den Shrell sich stets wie ein Tragtier gehalten hatte? Und was war mit der Besatzung, die ...?
Seine Gedanken kamen ins Stocken. Vor seinen Erinnerungen wuchs eine Mauer in die Höhe. Die Besatzung. Nein. Es war besser, nicht über sie nachzudenken. Vielleicht später.
»Du hast niemanden mehr«, sagte Alcot mithilfe der Härchen auf seinem Körper. Sie erweckten den Eindruck, dass seine Stimme von mehreren Orten zugleich kam. »Sonst würdest du dein Körperende nicht um dieses dünne Seil schlingen, um dich daran festzuklammern.«
Er wusste nicht, wie Shrell ihn anblickte, weil er im Gegensatz zu ihr keine Augen hatte, doch er hörte dank der empfindlichen Härchen, dass ihr Atem für mehrere Momente aussetzte. Vermutlich loderte in ihr blanker Hass, der sich von seinem Verrat nährte.
Alcot erinnerte sich an den Widerhall ihrer Worte. Sein Gedächtnis war phänomenal, wenn es um die letzten Sinneseindrücke ging. Er wusste, wo sich was im Raum befand. Da waren etliche Gegenstände in Shrells Nähe, die dort nicht hingehörten. Einen erkannte Alcot dank seiner Erfahrung als zerrissenes Tuch. In einem anderen vermutete er ein Stück Metall, das zerfetzt oder zerschnitten war. Hatte Shrell die Beherrschung verloren und gewütet? Wenn sie ihn weckte, damit er ihr als Gesellschafter diente, musste sie verzweifelt sein. Wie lange war sie wohl schon allein?
»Es stimmt«, sagte Shrell.
Für jeden anderen hätte ihre Stimme kalt und ruhig geklungen, doch Alcot nahm das leichte Vibrieren über die Haarspitzen wahr.
»Ich habe niemanden mehr«, fuhr Shrell fort. »Bonnifer ist tot. Du wirst fortan seinen Platz einnehmen, um meinen biologisch bedingten Durst nach Gesellschaft zu stillen.«
Schweigen senkte sich über den Maschinenpark. Es war kein vollständiges Schweigen. In ihm flüsterte die energetische Stimme des Mentatrons.
Alcots Gedanken rasten. Ihm bot sich eine unverhoffte Gelegenheit.
Wenn er nicht zu Shrells Gefangenem werden wollte, musste er sofort handeln. Er musste den wycondrischen Fiktivtransmitter an Bord finden, an dem Bonnifer gebaut hatte, und aus diesem unglückseligen Schiff entkommen. Das war vermutlich der einfachste Weg. Aber wenn er das tat und scheiterte, könnte es Shrell wütend machen. Tödlich wütend. Sollte die Flucht missglücken, würde die Kommandantin ihn bestrafen. Womöglich steckte sie ihn wieder in das Mentatron oder brachte ihn um. Vielleicht würde sie ihn auch leiden lassen, um ihn zu brechen. Sie brauchte ihn. Falls das bedeutete, ihn in einen sabbernden Eingerollten zu verwandeln, der auf Zuruf parierte, würde sie es in Kauf nehmen.
Illustration: Swen Papenbrock
Wollte Alcot eine solche Zukunft riskieren?
Tat er das nicht, stand er vor einem Leben in Gefangenschaft, als Sklave der Wüko-Leun. Shrell würde ihn mit Fesselfeld- und Waffenanlagen in ihre Nähe zwingen. Es waren Anlagen, die Alcot bestens kannte, weil er sie vor seiner Zeit im Mentatron gewartet hatte.
Zu welchen Taten würde Shrell ihn treiben? Sollte vielleicht sogar er das Brennende Nichts in der Milchstraße entzünden? Das wäre entsetzlich. Ein Frevel. Schlimmer als der Tod. Alcot hatte miterleben müssen, wie sich das Brennende Nichts im System der Wyconder verbreitete. Das grausige Voranschreiten der Vernichtung hatte ihn verändert und an Shrells Tun zweifeln lassen.
Ihm war, als würde die ELDA-RON ihn mit einer dünnen Körperspitze streifen. Sie wollte ihn wissen lassen, dass er eine Verbündete hatte. Die ELDA-RON war sein Schiff! Er war schon während ihrer Erbauung der Bordingenieur gewesen. Jeder Kriechgang, jede Naht, jede Masche der Außenhülle war in seiner Erinnerung verwahrt. Alcot kannte diesen Raumer besser als jeder andere.
Mit seinem wurmartigen Körper gelangte er in Schächte und durch Leitungskanäle, in die kein Kampfroboter ihm folgen konnte. Er war es gewesen, der das Mentatron gesichert hatte.
»Deine Zeit in Freiheit ist abgelaufen«, sagte Shrell. Sie schnalzte mit der Zunge.
Alcot kannte dieses Signal. Es aktivierte Fessel- und Kraftfelder.
»Gravo-Zugriffs-Stop!«, rief Alcot und warf sich zur Seite. »Mentatron! Protokoll Siebzehn! Entferne den Eindringling!«
Ein vager Plan nahm in Alcots Synapsengeflecht Gestalt an. Eine Flucht durch den Fiktivtransmitter war unwahrscheinlich. Shrell würde...




