E-Book, Deutsch, Band 3339, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Stern Perry Rhodan 3339: Letzte Rettung 4774
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6339-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
E-Book, Deutsch, Band 3339, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6339-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut 4000 Jahre in der Zukunft: Auf der Erde und auf Tausenden von Welten leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Zu den anderen Sternenreichen der Milchstraße besteht ein freundschaftlicher Austausch. Mit dem Projekt von San will Perry Rhodan die Verbindungen zu anderen Galaxien verstärken. Mit dem PHOENIX steht ein neuartiges Raumschiff zur Verfügung, das als Kurierschiff dienen soll. Doch da taucht eine Fremde namens Shrell auf. Sie fordert von Rhodan, in die Agolei zu reisen. In diesem weit entfernten Sternenband soll er Reginald Bull töten, seinen ältesten Freund. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, erschafft sie das Brennende Nichts - diese Anomalie wird die Erde und den Mond vernichten, falls Rhodan ihr nicht gehorcht. Perry Rhodan fliegt mit dem PHOENIX in die Agolei. Dort findet er Verbündete und neue Freunde, aber auch wankelmütige Helfer und solche mit weitgehend unbekannten Motiven. Er durchdringt sogar die Barriere, die ihn von Bull trennt. Zur gleichen Zeit aber kämpft seine Frau um ihr Leben. Für Sichu Dorksteiger heißt es: LETZTE RETTUNG 4774 ...
Autoren/Hrsg.
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1.
Unter Wycondern
Meghan Ontares, Privates Log
Was ist das Schwerste, das eine Ärztin tun muss? Momentan scheint es mir das Warten zu sein.
Wir schreiben den 27. August 2250 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Seit zehn Tagen ist Perry Rhodan fort. Er hat uns bei den Wycondern zurückgelassen, auf einer Raumstation mitten im ansonsten leeren All. Die Agolei, jenes riesige Sternenband, bietet viel leeren Raum und zugleich immer auch viel Nähe zu den auseinandergezogenen Systemen. Wobei diese Nähe trügerisch ist. Ohne ein Raumschiff sitzen wir fest. Wir sind auf Perry Rhodans Rückkehr angewiesen und auf die Gunst von Terrybor, der Obersten Architektin der Wyconder.
Inzwischen wird Terrybor immer unleidlicher. Die OBJEKTIV-Station hat ihre Position geändert, und die Oberste Architektin gerät unter Zeitdruck. Ihr gehen die Ausreden aus, warum sie länger an Bord bleiben soll. Jeden Tag muss sie sich dem Heiligen Orden der Datenkunde gegenüber rechtfertigen. Deshalb will sie, dass wir verschwinden und Sichu Dorksteiger aufgeben. Natürlich ist das keine Option. Ich kann Terrybors Position verstehen, aber wir sind so knapp davor, einen Durchbruch zu erzielen!
Zhobotter und mir ist es mithilfe der Novizin Kavron gelungen, den rätselhaften Unfall Sichu Dorksteigers und seine Folgen besser zu verstehen. Wir konnten durch Untersuchungen neue Erkenntnisse gewinnen.
Die Novizin Kavron ist ein wahrer Segen. Sie steht uns zur Seite unter dem Vorwand, sich um die verlassene, beschädigte Medostation zu kümmern, die uns als Versteck dient. Es ist ihr gelungen, die Station versiegeln zu lassen. Dafür hat sie die Riten und Gebräuche des Heiligen Ordens der Datenkunde geschickt eingesetzt. Die medizinischen Transmitter in dieser Station sind unglaublich hoch entwickelt, und sie erhalten von den Wycondern besondere Rechte. Es ist fremd für mich, dass technische Geräte ohne positronisches Bewusstsein Rechte haben, als wären sie Personen. Der Orden hat seine ganz eigenen Regeln und verehrt, was mit der Mehrung von Wissen zu tun hat.
Uns bleiben elf wycondrische Tage, ehe die Station freigegeben wird. Bis dahin wacht Kavron über sie, betreut die Transmitter, versorgt uns mit Essen und allem, was wir brauchen.
Zhobotter stellt derzeit sicherheitshalber weitere Nanoroboter her, falls er Terrybor helfen muss, die Energiewerte zu verschleiern, die wir verursachen. Bisher war das unnötig. Die Oberste Architektin kommt zurecht. Kavron hat sicherheitshalber angekündigt, einige Tests zu machen. Das hilft uns, falls wir Aufmerksamkeit erregen. Es ist die perfekte Tarnung.
Eigentlich ist gut für uns gesorgt, doch in der ständigen Anspannung zu leben, von den Wycondern entdeckt zu werden, macht mich fast so unruhig wie der schlechte Zustand meiner entstofflichten Patientin. Ich hoffe auf Perry Rhodan und lenke mich mit der Arbeit an Sichu Dorksteigers Heilung ab.
Seit der Zerstörung des Mentatrons, in dem meine Patientin sich in entstofflichtem Zustand befand, leidet sie an einem hyperphysikalischen Oszillationszustand. Sie entstofflicht sukzessive. Der Grad ihrer Stofflichkeit schwankt und folgt dabei einer – wie ich es nenne – fallenden Sinuskurve. Sichu kreidet mir den Begriff als verkehrt an, sie bezeichnet es als »periodisch gedämpfte Schwingung«. Die korrekte Semantik interessiert mich von allen brennenden Problemen am wenigsten.
Vereinfacht gesprochen: Bei jeder Teilentstofflichung entmaterialisiert sie ein wenig mehr, und bei jeder Rematerialisation wird ein etwas geringerer Teil von ihr wieder stofflich. Am Ende des Prozesses wird sie völlig entstofflicht bleiben. Das wäre gleichbedeutend mit ihrem Tod.
Gerade läuft eine komplexe Simulation in einem wycondrischen Analytikum, dessen Funktionsweise Kavron mir erklärt hat. Was für ein brillantes Gerät! Ich habe es mit allen Daten gefüttert, die ich bekommen konnte. Mit den Ergebnissen der bisherigen Tests, Sichu Dorksteigers Genmaterial ebenso wie mit möglichen Hypothesen und allem, was ich über den Unfall und das Mentatron weiß.
Nun sitze ich am kreisrunden Tisch dieser Station und habe eine energetische Schutzsphäre um mich geschaltet, damit ich Zhobotters nervige Schlafgeräusche ausblenden kann und keiner meine Stimme hört. Zhobotter meint, ich würde zu viel plappern. Der enge Raum tut uns nicht gut, aber wir reißen uns zusammen. Er gibt sich Mühe. Leider passt seine Sozialkompetenz auf die Spitze eines Positronik-Skalpells. Wegen seines Unfalls kann er meine Gefühle nicht nachvollziehen. Da muss ich doppelte Arbeit leisten und Mitgefühl für uns beide aufbringen.
Noch zehn Minuten bis zum Ergebnis der Analyse. Dieses Warten. Ich hasse es. Es wirft meine Erinnerungen an Punkte meiner Vergangenheit, die mich anziehen wie Schwarze Löcher. Der erste dieser Punkte beginnt eigentlich heiter.
Ich weiß noch genau, wie sich die Situation anfühlt, ehe das Grauen einbricht. Es ist wie ein Film, den ich Bild für Bild und Wort für Wort gespeichert habe. Ich bin zehn Jahre alt und in der Schule. Gemeinsam mit vier anderen aus meiner Lerngruppe baue ich eine Projekthöhle. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Namen und sehe ihre Gesichter vor mir, als würden sie mit mir auf der OBJEKTIV-Station an einem Tisch sitzen: die schwarzen Augen von Aarav, Li Weis breites Grinsen, Zainabs große, sommersprossige Nase, Kwamas viel zu oft gerunzelte Stirn.
Gerade hat Kwama eine der Aufgaben gelöst: zwei hoch vier. Sie gibt der noch im Raum schwebenden Sechzehn einen Schubs. Die Sensoren reagieren auf die Bewegung, und die Zahl verwandelt sich in einen explodierenden Funkenregen. Sie wird zu einem weiteren Element unseres Holounterschlupfs.
Wir haben an diesem Tag eine Höhle mit Kristallstruktur als Arbeitsziel gewählt und rechnen allein, nur begleitet von einem Lernroboter. Der Raum sieht aus wie ein Dschungel. Er riecht nach nassem Holz, Farnen und süßen Früchten. Im Hintergrund kreischen Affen und Papageien.
Die Kristallhöhle wächst rasch, und Li Wei denkt, wir haben uns eine Pause verdient. Er ist immer derjenige, der die Pausen einleitet.
»Zeit für einen Witz!«, verkündet er.
Aaravs dunkle Augen ziehen sich zusammen, wie es nur Aaravs Augen können. Er kann so argwöhnisch sein. Er fragt: »Kriegen wir dafür Ärger?«
»Nicht für den«, sagt Li.
Li Wei hat drei ältere Schwestern, die ihn manchmal mit zweifelhaftem Material versorgen. »Okay«, lenkt er ein. »Es kommt ein Intimbereich drin vor. Genau genommen zwei.«
Wir verdrehen die Augen. Wir wissen über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern Bescheid.
Li Wei grinst uns an. »Es ist ein Perry-und-Atlan-Witz!«
Jetzt wollen wir ihn alle hören. Wir lieben »Perry und Atlan«-Witze, besonders Zainab, der Halbarkonide ist und Atlan zu seinem persönlichen Helden erklärt hat.
»Schieß los!«, fordert er.
»Also, Perry und Atlan sind am Goshun-See. Es ist heiß. Sie haben keine Badehosen oder Tarnprojektoren dabei und sind im A-Bezirk. Nacktbaden verboten! Sie springen trotzdem ins Wasser. Als sie zurückkommen, hat jemand ihre Einsatzanzüge geklaut. In dem Moment landet ein Gleiter mit Gesandten des Galaktikums. Perry hält sich die Hände vor den Intimbereich. Atlan hält sie sich vor die Augen.
›Was machst du denn da?‹, fragt Perry.
Atlan sagt: ›Ich weiß ja nicht, wie das bei euch Terranern ist, aber auf Arkon erkennen wir uns am Gesicht.‹«
Ich pruste los. Ich muss so sehr lachen, dass meine Wangen feucht werden und mir die Seiten schmerzen.
Das ist der Moment, in dem der Ankündigungs-Gong erklingt. Ein zarter Laut, der uns verrät, dass sich eine Lehrkraft per Holo ankündigt. Es ist Chaltar, eine Ferronin, auf deren blauer Haut ein warmer Schimmer liegt, der mich an Abendrot denken lässt.
»Meghan Ontares?«, fragt sie in den Raum.
Ich trete vor. »Ja! Bin da.« Wo sollte ich auch sonst sein? Ich wische mir über die Wangen.
Chaltars Gesicht erscheint mir gütig und streng in einem. Vielleicht kommt dieser Ausdruck von der vorgewölbten Stirn und den tief liegenden Augen. Sie trägt das volle, kupferrote Haar so kurz, dass ich am liebsten hineingreifen möchte, um herauszufinden, ob ich mich daran steche. »Es tut mir leid, aber du musst sofort zu mir kommen. Dein Lehrer holt dich ab. Für deine Gruppe springt Exan Derr als Vertretung ein.«
Die anderen aus dem Lernteam werfen mir erschrockene Blicke zu. Wir werden selten von Chaltar angerufen. Noch seltener bringen uns Lehrer einzeln irgendwohin. Das ist schlecht.
Mein Magen wird ein Klumpen, und meine Hände ganz kalt. Ich will mich in der fast fertigen Kristallhöhle verkriechen, trotzdem gehe ich tapfer zur Gleittür.
Wenn ich gewusst hätte, was Chaltar mir damals hat sagen wollen, hätte ich mich vielleicht doch in der Höhle verkrochen. So wie ich mich jetzt am liebsten zwischen den Medotransmittern und den Operationseinheiten verkriechen will.
Mir ist kalt, und ich nehme einen Schluck von dem dampfenden, nach Mandelblüten riechenden Tee. Ich habe Angst vor dem, was die Ergebnisse mir sagen werden. Angst, dass unsere bisherigen Forschungen fehlerhaft sind und wir der Lösung für Sichus tödliches Problem um keinen Schritt näher kommen.
Illustration: Dominic Beyeler
*
Ein leises Schaben riss Meghan Ontares aus ihren Aufzeichnungen. Oder eher ein Trippeln? Es klang wie das Geräusch winziger Füße in der gerundeten Decke über ihr, das schlagartig verschwand. Sie schaltete den Dämpfungsschirm ab, der ihr Privatsphäre erlaubt hatte. Nun konnte sie das Geräusch wieder hören. Es entfernte sich in der...




